mini|hochkant=1.2|Messegelände (vor 1914) Der Pelzhandel auf der Irbit-Messe war der eigentliche Anlass zur Gründung der Irbiter Messe, errichtet während der Regierungszeit des Zaren Michael I. (1596–1645). Sie erzielte Anfang des 20. Jahrhunderts einen erheblichen Gesamtumsatz, der jedoch deutlich kleiner war als auf dem, die Pelzmesse in Nischni Nowgorod umfassenden, Jahrmarkt. Obwohl sie weitab vom Verkehr liegt (kein Wasser- und anfangs noch ohne Bahnanschluss),Ernst Schuster, Hans Wehberg: Der Wirtschaftskrieg. Königliches Institut für Seefahrt und Weltverkehr an der Universität Kiel, Kaiser Wilhelm Stiftung (Hrgr.), Kommissionsverlag Gustav Fischer, Jena 1917, S. 222. Abgerufen am 29. Januar 2024. war Irbit, nicht nur für sibirische Rauchwaren, die Felle von pelztragenden Tieren, die wichtigste Messestadt Russlands, und der bedeutendste Umschlagplatz. Der Handel mit diesen Fellen gab der Irbit-Messe ihre internationale Bedeutung. Die Messedauer betrug knapp einen Monat (25. Januar bis etwa 20. Februar, bei Bedarf bis 1. März).

Allgemein In Russland gab es annähernd 4300 Messen und Märkte, von denen etwa 800 mehr als nur lokale Bedeutung hatten. 180 davon galten als Großmärkte und etwa ein Dutzend wurde von ausländischen Besuchern frequentiert. Auf fast allen Märkten wurden Felle gehandelt.

Der Pelzmarkt als Teil des Jahrmarkts in Irbit stand in engem Zusammenhang mit dem 1633 gegründeten Jahrmarkt westlich, etwa 1600 Kilometer entfernt gelegenen Nischni Nowgorod, auf dem Pelzfelle ebenfalls der größte Exportartikel waren. Auch hier ging die meiste Ware direkt an den Verbrauchsort, aber vor allem bei Pelzwaren erreichte manche, in Irbit nicht verkaufte, Ware Nischni Nowgorod. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Bedeutung Irbits für den Pelzhandel größer als für Nischni Nowgorod. In Nischni Nowgorod wurde wegen des späten, nach der Irbit-Messe liegenden Termins, viel nachgefallene Ware angeboten. Die Bedeutung Nischni Nowgorods lag vor allem im Handel mit zentralasiatischem, kaukasischem und russischen Pelzwerk und den groblockigeren Krimmern.

Anders als in Makarjew, das völlig abbrannte und in Nischni Nowgorod weiter geführt wurde, konnte die Irbiter Messe 1790 nach einem alles vernichtenden Feuer zwei angefragten Verlagerungen, nach Jekaterinburg oder Tjumen, entgehen. Mit Hilfe der Kaiserin entstand ein neuer, größerer Kaufhof mit etwa 400 Buden.

1680 und 1690 erbaute die russische Krone einen hölzernen Kaufhof und verbot bald den Handel außerhalb und nahm 10 Prozent Abgabe vom Wert der Ware. Der Kaufhof umfasste damals 203 große und 26 kleine Läden, jeder 5 Meter breit. Vor dem Kaufhof befand sich dazu eine Menge Buden mit Kleinhandel. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der hölzerne Kaufhof durch einen aus Stein ersetzt, neue Gebäude kamen nach und nach hinzu. 1847 wurde die Geschäftsabwicklung durch eine Zweigstelle der Staatsbank während der Messezeit gefördert. Als die russische Staatsbank 1848 begann, den Mitgliedern der Gilden ungesicherte Vorschüsse zu geben, was die Abwicklung der Geschäfte sehr erleichterte, nahm die Messe einen großen Aufschwung.

In den Ort, der nur etwa 2000 Einwohner beherbergte, kamen zur Jahrmarktszeit um die 67.000 Besucher. Nach dem Anschluss an die Bahnlinien Jekaterinburg – Tjumen (1896) und vor allem der Großen Sibirischen Eisenbahn war die Monopolstellung Irbits für die Versorgung Sibiriens verloren gegangen, jedoch kamen jetzt fast alle sibirischen Händler auf die hiesige Messe. Die Bahnfahrt in den sibirischen Luxuszügen von Moskau aus, mit Umstieg in Jekaterinburg, dauerte drei Tage und vier Nächte. Der Londoner Kürschner George R. Cripps schrieb 1913: „Die Eisenbahn fährt bis nach Kamishlov. Die Strecke von Kamishlov nach Irbit muss im Schlitten zurückgelegt werden, und man braucht zwei Tage, um die 73 Meilen zurückzulegen. Vielleicht aus diesem Grund scheinen nur wenige Engländer diesen Markt zu besuchen. Ich kenne nur einen, der dies regelmäßig tut.“George R. Cripps: About Furs. Daily Post Printers, Liverpool 1903, S. 21 (englisch) (→ Inhaltsverzeichnis). Um 1900 gab es keine Hotels im eigentlichen Sinn, Reisende fanden fast nur in Privathäusern Unterkommen und Verpflegung. Selbst bei bescheidenen Ansprüchen war der Aufenthalt sehr teuer.

Geschichte mini|Rohe Häute, wie Rinds- oder Rosshäute, wurden aus gesundheitlichen Gründen am Rand der Stadt, am Ufer der Niza, gelagert. Der bereits in Irbit bestandene Markt wurde 1643 durch einen Ukas des Zaren anerkannt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangten bereits, außer russischen und sibirischen, bucharische und chinesische Waren auf den Markt.

Irbit, am Flüsschen gleichen Namens gelegen, ist von schiffbaren Flüssen weit entfernt. Die Irbiter Gegend reicht jedoch an die äußerste Grenze der Schiffbarkeit der sibirischen Ströme und nähert sich am meisten den schiffbaren Flüssen des europäischen Russlands. Dies spielte eine wichtige Rolle bei der Entstehung Irbits als Fellhandelsplatz. Die Kosaken, die Sibirien auf ihrer Suche nach wertvollen Pelzfellen eroberten, zogen mit ihren Barken über Land an Wasserscheiden an Stellen, an denen die Entfernungen besonders kurz waren. Von der Tschussowaja zum Tagil transportierte Jermak, der „Eroberer Sibiriens“, mit seinen Leuten die Boote über den Ural, die Stelle liegt nur wenig nördlich von Irbit. Der Ort, inmitten einer Waldregion liegend, bot damals ebenfalls reichlich Ausbeute an Fellen von Fuchs, Bär, Wolf, Zobel, Marder, Biber und anderen. Die Zobel dieser Gegend sollen als die besten überhaupt gegolten haben. 1907 hieß es, dass noch in etwa immer die gleichen Waren angeboten wurden wie auf der Messe von 1725, dabei die sibirischen Pelzwaren mit beinahe allen zu der Zeit gehandelten Sorten. Da auf der Messe die Zobelfelle nicht in verschiedene Qualitäten sortiert verkauft wurden, musste der Interessent für allerfeinste Partien zusammen mit den sogenannten Oberköpfen häufig mehrere hundert Stück mittlere und gewöhnliche Qualitäten erstehen. Von 300 Fellen waren vielleicht nur 30 bis 50 prima Ware. Trotzdem galt der Kauf eines derartigen Sortiments auf dem Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl „als große Errungenschaft“, selbst wenn beim Verkauf nur ein kleiner Nutzen erzielt werden konnte. Der Leipziger Händler war stolz, mit so feiner Ware zur Ostermesse aufwarten zu können.

Auf der Irbiter Messe wurden jährlich mehrere 100.000 Zobelfelle angeboten. Infolge der schonungslosen Jagd waren diese Mengen immer mehr zurückgegangen, von 1910 bis 1913 waren es im Jahr nur noch 20.000 bis 25.000 Felle.Christian Franke, Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt, S. 49–53. Das beunruhigte den Handel letztlich derart, dass die Irbiter Rauchwarenhändler eine Eingabe an die Regierung machten, die Zobel vor der endgültigen Ausrottung zu schützen. Die kaiserliche russische Regierung verbot deshalb die Zobeljagd vom 1. Februar 1912 bis zum 1. Oktober 1916.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XXII. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1950. Suchwort Russische Pelzwirtschaft Zu Beginn der 1920er Jahre wurden durch die Sowjetregierung Schonzeiten und umfassende Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise Zobelreservate, verfügt. Über einige Jahrzehnte war der Zobel praktisch vom Weltmarkt verschwunden.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970. Die ersten Tibetlammfelle gingen um 1880 als Fellkreuze über Irbit und Kiachta zur Pelzmesse in Nischni Nowgorod und nach Moskau.

Seit etwa um 1903 kam den Rauchwarenhändlern in Irbit insofern eine ganz besondere Ausnahmestellung zu, als nur der Fellhandel es geschafft hatte, seine Bedeutung für die Irbiter Messe unverändert zu erhalten. für andere Artikel war der Umsatz an dem abgelegenen Ort auffallend rasch zurückgegangen. Irbit blieb für das Fellgeschäft des östlichen Erzeugungsgebiets überaus wertvoll. Die größte Anzahl der Verkäufer auf der Messe waren die Händler von Manufakturwaren aus dem europäischen Russland (etwa 100), gefolgt von den sibirischen Verkäufern von Pelzwerk (etwa 70). Die etwa 200 Händler, die zugleich kauften und verkauften, kamen zum größten Teil aus Sibirien. Sie boten neben Pelzwerk, Fellen und Häuten, Fische und andere tierische Produkte an und nahmen Manufaktur-, Kolonial- und Eisenwaren mit. Etwa 50 wurden aufgeführt als gleichzeitige Käufer und Verkäufer von Pelzwerk. Von den sibirischen Anlieferungen waren zwei Drittel Rauchwaren, 1907 bedeutete das einen Umsatz von etwa 4,5 Millionen Rubel.

In Irbit kam ein Drittel aller sibirischen Waren zusammen, die Pelzwaren machten etwa 40 bis 50 Prozent des Gesamtumsatzes des Marktes aus. Die hier angebotenen Felle kamen aus Teilen des nördlichen Russlands und aus dem ganzen westbaikalischen Sibirien einschließlich großer Teile des jakutskischen Gebiets. Auch Transbaikalien, das Amurland und das Küstengebiet waren vertreten, wenn auch von dort viele Felle nach Osten in amerikanische Hände gingen, beispielsweise die aus Kamtschatka. Aus Transbaikalien wurden Feh und einige andere Fellarten auch direkt nach China gebracht. Von den jährlich insgesamt anfallenden 2½ Millionen einer bestimmten Sorte Murmelfelle kam die Hauptmenge auf den Irbiter Markt. Bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts waren es ausschließlich Sibirier, die direkt oder durch in die Taiga und Tundra entsandte Agenten die Felle den Jägern erwarben und in Irbit durch Kommissionäre verkaufen ließen, bis die Großhändler begannen, häufig selbst vor Ort die Felle aufzukaufen. Diese verkauften sie dann weiter, direkt oder durch Kommissionäre, an die Verbrauchsplätze in Russland und des Auslands, vor allem nach Leipzig. Auch versuchten um diese Zeit manche, die Irbiter Messe zu umgehen. So brachten zum Beispiel zwei größere Firmen, die vor allem in der Gegend von Jakutsk aufkauften, ihre Ware direkt nach Moskau, wo auch einige andere Sibirier Warenlager unterhielten. Dies waren besonders Händler aus dem Gebiet am Nordostende des Baikalsees, das für die Qualität seiner Pelztiere berühmt ist. So kosteten beispielsweise die Zobel aus Irkutsk, Bargusinsk und Witimsk 115 bis 250 Rubel, einige sogar 500 und mehr. Zu gleicher Zeit kosteten Zobelfelle vom Altai 40 bis 60 Rubel, die vom Jenissei nur 23 bis 26 Rubel. Ein Nachteil des Kaufs direkt vor Ort war auch, dass die Felle in kleinen Mengen unsortiert anfielen, aber spätestens der Endverarbeiter sie gleichmäßig sortiert benötigte. Bereits 1893 gingen einmal 17.000 Zobelfelle direkt nach Moskau, in den darauffolgenden Jahren wurden auf der Irbiter Messe nur wenige Zobel angeboten. Moskau war jedoch weiterhin mit der Preisgestaltung von Irbit abhängig, wenn auch die damalige Einschätzung, Moskau „hat noch lange keine Aussicht ein selbständiger Pelzmarkt zu werden, wie Irbit und Nischnij-Nowgorod“, nur bedingt zutraf. Letztlich wurde St. Petersburg mit der staatlichen Handelsgesellschaft Sojuzpushnina das große russische Pelzhandelszentrum. Die meisten Verkäufer hielten schon deshalb an Irbit fest, weil hier die Kunden zu ihnen kamen. Von Moskau aus müssten sie diese womöglich selbst in deren Orten besuchen.

Auf der ersten Stufe dieses Handels, dem Kauf beim Fallensteller oder Jäger, richtete sich der Preis nicht so sehr nach dem Weltmarktpreis, als auch nach dem Ergebnis der Jagd. Die Käufer waren gezwungen, den Jägern wenigstens so viel in Lebensmitteln, Pulver und Blei, auch Branntwein, zu zahlen, dass sie für die kommende Jagdsaison versorgt waren. Bei Geschäften dieser Art waren für die Händler überraschende Gewinne, aber auch Verluste, je nach Messelage nicht selten. Verkäufer von Murmelfellen machten zum Beispiel 1901 Gewinne von bis zu 300 Prozent, hervorgerufen durch eine Modeänderung und einen, auch Fehfellen zugestandenen, Ausnahmetarif beim Export.

Der Leipziger Brühl und Irbit