mini|Liebfrauenkapelle in Crailsheim, rechts daneben das Rathaus Die evangelische Liebfrauenkapelle steht in Crailsheim, einer Stadt im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg unmittelbar neben dem Rathaus der Stadt. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Crailsheim-Blaufelden in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Erste Erwähnung fand die Liebfrauenkapelle bereits 1370. Gesichert ist das Datum ihrer Weihe am 3. August 1393 und der Bau des Westturms im Jahre 1477. Das Gebiet des nachmaligen Kirchenbezirks Crailsheim gehörte vor 1803 überwiegend zur Markgrafschaft Ansbach, die 1791 preußisch wurde. Bereits 1522 fanden in Crailsheim erste evangelische Gottesdienste statt, früh wurde die Reformation eingeführt und ein ansbachisches Dekanat errichtet; nach dem Übergang an Württemberg wurde die Stadt 1810 Sitz eines württembergischen Dekanats.

Die Liebfrauenkapelle war nach Einführung der Reformation offenbar zunächst unnötig, sodass sie im Jahr 1570 verkauft und acht Jahre lang als Markthalle und Lager genutzt wurde. 1558/59 wurde sie zurückerworben, renoviert und für Wochengottesdienste genutzt. 1702 erhielt sie sogar eine eigene Orgel, gestiftet von Dekan Michael Theodosius Seld. Und 1727 – nach dem Bau des benachbarten Rathausturmes als Reformationsdenkmal – wurde ihr Turm um ein fünftes, achteckiges Geschoss mit Zwiebelhaube erhöht. Infolge der Säkularisation wurde sie 1801 durch die preußische Regierung erneut verkauft. Der Erwerber hatte die Absicht, die inzwischen baufällig gewordene Kapelle abzureißen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus zu bauen. Nach Protesten aus der Bevölkerung wurde der Kaufvertrag rückgängig gemacht. 1804 fand die Wiedereinweihung statt, und gut 100 Jahre später bekam sie sogar eine neue Orgel.

Am 21. April 1945 wurde die Kapelle beim Beschuss und Brand der Stadt Crailsheim völlig zerstört. Bereits im Juni 1950 jedoch war unter Leitung des Stuttgarter Architekten Walter Zoller der Wiederaufbau des Kirchenschiffs abgeschlossen und es wurden wieder Gottesdienste gefeiert. 1953 kam der Turm, 1955 die neue Glocke, 1957 eine neue Orgel und 1966 das mittlere Chorfenster mit Glasmalerei.

Beschreibung Die 1393 geweihte Saalkirche besteht aus einem Langhaus mit fünf Jochen, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten und einem 1477 gebauten Fassadenturm im Westen, der 1728 mit einem Geschoss mit abgeschrägten Ecken aufgestockt wurde, der den Glockenstuhl beherbergt, und der mit einer Zwiebelhaube bedeckt wurde, die von einer Laterne gekrönt wird.

Ausstattung Im Einganggeschoss des Turmes ist eine der Veitslegenden darstellt: St. Veit steht betend im Ölkessel, und Kriegsknechte des Kaisers Diokletian, der daneben sitzt, heizen mit weiterem Öl und Blasebalgen das Feuer nach. Die spätgotische Wandmalerei wurde 1493 oder 1498 vermutlich vom selben Rothenburger Meister angebracht, der auch den Hochaltar der hiesigen Johanneskirche malte.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder .

Adolf Valentin Saile entwarf und fertigte 1966 die Farbverglasung des mittleren Chorfensters mit den Bildthemen Maria und Weihnachtsgeschichte.Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile - Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985 - 6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 1: Ausstellungskatalog, Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985 (Werkverzeichnis Nr. 1a/66/3).

Orgel Die Orgel wurde 1957 als Opus 5 von Richard Rensch nach Plänen von Helmut Bornefeld und Walter Supper erbaut. Sie umfasst 16 Register auf zwei Manualen und Pedal. Eine Überholung durch die Erbauerfirma erfolgte 2004.

Ⅰ Hauptwerk 1. Schwegel 8′ 2. Principal 4′ 3. Rohrquintade 4′ 4. Sesquialtera Ⅰ–Ⅱ ′ 5. Mixtur Ⅳ–Ⅴ ′ Tremulant Ⅱ Brustwerk (schwellbar) 6. Stillgedeckt 8′ 7. Rohrflöte 4′ 8. Italienisch Principal 2′ 9. Gemsnasard ′ 10. Zimbel Ⅱ ′ + ′ 11. Dulcian 8′ Tremulant Pedal 12. Subbaß 16′ 13. Prinzipal 8′ 14. Hohlflöte 4′ 15. Rauschpfeife Ⅱ 2′ + ′ 16. Liebliche Trompete 8′

Koppeln: Ⅱ/Ⅰ, Ⅰ/P, Ⅱ/P

Literatur

Gertrud und Johannes Biermann: Kirchenführer des Evangelischen Kirchenbezirks Crailsheim. (Hrsg.) Evangelischer Kirchenbezirk Crailsheim, 2003. Winfried Dalferth, Anja Lechner, Konrad von Streit: Kirchen im Bezirk Crailsheim. Crailsheim 2016, S. 110 f.

Weblinks

Informationen zur Liebfrauenkapelle auf der Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt

Einzelnachweise

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