Generationen im K-Pop entstanden durch die stetigen Veränderungen der Musik und der Fankultur des K-Pop (Abkürzung für englisch: Korean Popular Music, deutsch: populäre e Musik) seit dem Beginn der 90er Jahre. Seitdem wurden fünf Generationen K-Pop unterschieden. Während die erste Generation des K-Pop noch stark von der US-amerikanischen Popmusik beeinflusst wurde, diversifizierten sich die Gruppen in der zweiten Generation und experimentierten mit unterschiedlichen Konzepten. Mit der dritten Generation entstand die Koreanische Welle, die dem K-Pop internationale Anerkennung brachte. Zur Auswahl der Künstler wurden Survival-Shows eingesetzt; dort und in anderen Belangen wurden die Fans stärker einbezogen und erhielten ein gewisses Mitspracherecht. Mit der vierten Generation ergab sich, bedingt durch COVID-19, ein grundlegender Wandel hin zu Streaming anstelle von Liveauftritten. Die vierte Generation kennzeichnen mehr Girlgroups als Boygroups sowie mehr Solokünstler. Die fünfte Generation ist stark von Digitalisierung, Vernetzung und Globalisierung geprägt.
Entstehung Die klassische Definition einer Generation in der Biologie oder einer Generation im soziokulturellen Verständnis trifft auf eine K-Pop-Generation nicht zu.
Eine Generation im K-Pop definiert sich über - eine Bewegung innerhalb der Unterhaltungsbranche und/oder - einen gravierenden Wandel in der Fankultur und/oder - eine erhebliche Änderung in Trends und Marketing.
Areum Jeong, Dozent für koreanische Popkultur an der Arizona State University, stellte fest, dass für den Anbruch einer neuen Generation maßgeblich das Engagement der Fans ist. Veränderungen in der Fankultur und deren Interaktion mit ihren Lieblingsgruppen tragen oft zur Definition neuer Generationen bei. Der Übergang von einer Generation zur nächsten ist ein allmählicher Vorgang. Beginn und Ende einer Generation sind nicht immer klar definiert und unterscheiden sich je nach Quelle um einen mehr oder weniger großen Zeitraum. Jede Generation hat bestimmte eigene Merkmale und erstreckt sich über mehrere Jahre. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Generationen mit den englischen Begriffen 1st Gen bis 5th Gen bezeichnet. In den meisten Fällen fällt das Gründungs- mit dem Debütjahr einer Gruppe zusammen. Entscheidend für die Zugehörigkeit zu einer Generation ist das Jahr des Debüts. Diese Zugehörigkeit bleibt bestehen, unabhängig davon, ob und wann Mitglieder ausscheiden oder ersetzt werden.
1. Generation (1st Gen) mini|S.E.S. (2017) Bereits bei der ersten Generation gehen die Meinungen teilweise weit auseinander. Die unterschiedlichen Quellen legen den Beginn zwischen 1990 und 1996, das Ende zwischen 2000 und 2004. Die zutreffendste Definition für die erste Generation umfasst den Zeitraum zwischen 1992 und 2003. Die erste Generation wurde vorrangig von der US-amerikanischen Popmusik beeinflusst und ähnelt dieser.
Die Boygroup Seo Taiji and Boys gilt als Begründer der ersten Generation. Die Gruppe bestand aus 3 Mitgliedern: Seo Taiji, Yang Hyun-suk sowie Lee Ju-no und debütierte 1992. Die Grundstruktur ihrer Songs mit koreanischen Texten ergänzten sie mit englischen und Rap-Parts sowie Breakdance.
1995 wurde die Entertainment-Agentur SM Entertainment gegründet. Bereits 1996 ließ SM Entertainment ihre erste Boygroup H.O.T. debütieren. Seo Taiji and Boys löste sich 1996 auf und Yang Hyun-suk gründete YG Entertainment. 1997 entstand JYP Entertainment. Diese als „The Big 3“ bezeichneten Unterhaltungsunternehmen traten als Künstler-, Talente-Agenturen und Musiklabel in Erscheinung und beherrschten anfangs den K-Pop-Markt.
Als erste Girlgroup gilt S.E.S., die 1997 debütierte und auch aus SM Entertainment hervorging. Der große Erfolg der „Big 3“ bewirkte, dass neue Entertainment-Agenturen gegründet wurden, die ebenfalls erfolgreich K-Pop-Gruppen in die Musikszene einführten.
Lee Soo-man gründete 1989 die SM Studio als Vorgänger von SM Entertainment. Der bei SM Studio angestellte Sänger Hyun Jin-young musste 1993 wegen Drogenproblemen eine Haftstrafe antreten und Lee Soo-man verlor durch diesen Drogenskandal viel Geld. Als Konsequenz daraus erfand er das In-House Trainingssystem, bei dem die Trainees zusammen untergebracht sind, ihre Schulbildung erhalten und in Gesang, Tanz, Schauspiel und Fremdsprachen ausgebildet werden. Dieses Traineesystem ist seitdem in den Unterhaltungsfirmen fest etabliert. Wie streng dieses System funktioniert kann man der Netflix-Dokumentation Blackpink: Light Up the Sky entnehmen. Die Mitglieder beschreiben dort auch ihre Ausbildung. Wiederholend 13 Tage mit täglich 14 Stunden Training, 1 Tag frei. An jedem Monatsende Prüfung durch Agenturchef und Produzenten mit einem Solosong, einem Gruppensong und einer Gruppenchoreografie. Vertraglich verboten sind Alkoholkonsum, Rauchen und Tätowierungen, meist auch Liebesbeziehungen.
Die Bühnenkleidung war für alle Mitglieder einer Boygroup nahezu identisch. Lockere Kleidung in weiß und weite Jeans beherrschten die Auftritte. Da sich die meisten Künstler ihre Haare nicht färben wollten, blieb das Haar schwarz. Make-up war minimal und wurde von Jungs kaum getragen. Nur zu bestimmten Anlässen wurden Lederaccessoires und gemusterte Hemden getragen. Gegen Ende der ersten Generation erfolgten Auftritte von einigen Gruppen in Anzügen und weißen Hemden. Zu dieser Zeit wurden auch zum ersten Mal High-School-Uniformen getragen. Die Mitglieder der Girlgroups bevorzugten hellere Farbpaletten und traten vorwiegend mit Basic-Oberteilen, in Jeans, mit Jacken und eventuell Hüten auf. Es wurde wenig Make-Up und das Haar in braun oder schwarz getragen.
2. Generation (2nd Gen) mini|TVXQ (2007) Die zweite Generation liegt im Zeitraum zwischen 2003 und 2012. Als Beginn wird das Debüt der Boygroup TVXQ von SM Entertainment angesehen. Die Grundlagen des K-Pop wurden von der ersten Generation geschaffen. In der zweiten Generation wurde von den Künstlern und Agenturen mit der Musik und den Auftritten mehr experimentiert. Es entwickelte sich der K-Pop-Stil, wie man ihn heute kennt: Pop-/Rockmusik mit Rap-Parts und koreanischen Texten, in denen englische Wörter, Phrasen und auch ganze Sätze eingebunden sind. Besonders die synchronisierten Tanzeinlagen und aufwändigen Musikvideos zeichnen die zweite Generation aus.
Mit der zweiten Generation wurden seitens der Unternehmen Konzepte von und mit den Boy- und Girlgroups für die Auftritte eingeführt: Fantasy, Innocent/Cute (jung und süß), School (Schuluniformen), Sexy und Traditional. Für Boygroups zusätzlich Bad Boys (Böse Jungs), Dark (düster und geheimnisvoll), Retro (1920er bis 1990er Jahre) und Sci-Fi, für Girlgroups Girl Crush (sexy und cool).
Die Bühnen-Outfits wandelten sich im Stil zu einem wesentlichen K-Pop-Element. Die vom Hip-Hop inspirierte Kleidung wurde um dunklere Farbtöne und Accessoires, wie Armbänder, Bandanas, Halsketten und Ohrringe ergänzt. Die Kleidung der Mädchen wurde gegenüber der ersten Generation wesentlich farbenfroher. Sowohl für Mädchen wie für Jungen entwickelten sich die Frisuren zu einem Styling-Element. Mit der Zeit wurde die Mode immer unkonventioneller. Futuristische Stile traten bei vielen Auftritten in Erscheinung. Auch die Einführung der Konzepte drückte sich in der entsprechenden Kleidung aus. Vermehrt wurden auffälliges Make-up und neue Haarfarben eingesetzt.
Innerhalb der zweiten Generation entstanden zwei der beliebten Fanartikel. G-Dragon von Big Bang erfand und gestaltete 2006 den ersten Lightstick, damit sich die Fans mit ihrer Gruppe identifizieren können. 2007 veröffentlichte die Boygroup TVXQ ihr japanisches Album Summer Dream, in dem die ersten Fotokarten enthalten waren. Die ersten Fotokarten in Südkorea erschienen mit dem Album Oh! der Girlgroup Girls’ Generation. Mittlerweile enthalten alle neu veröffentlichten Alben auch Fotokarten und Lightsticks sind über die Webshops der Gruppen erhältlich.
3. Generation (3rd Gen) mini|EXO (2012) Das Ende der zweiten Generation und somit Beginn der dritten Generation wurde im April 2012 mit dem Debüt der Boygroup EXO eingeläutet. Beim Ende der dritten Generation gehen die Meinungen wiederum weit auseinander. Die unterschiedlichen Quellen legen den Generationswechsel zur vierten Generation zwischen 2017 und 2020. Die zutreffendste Definition für die dritte Generation umfasst den Zeitraum zwischen 2012 und Ende 2018 / Anfang 2019.
Der im Juli 2012 veröffentlichte Song Gangnam Style des Sängers PSY machte das Genre K-Pop schlagartig über die Grenzen Südkoreas und Asiens hinaus bekannt. Es war die Generation der Hallyu (koreanisch ), der Koreanischen Welle, die dem K-Pop weltweite Anerkennung und den Künstlern die ersten internationalen Konzerttouren in Frankreich, Spanien und den USA einbrachte. War die Anerkennung des K-Pop bisher vorwiegend auf die Fangemeinde beschränkt, fand der K-Pop jetzt auch Beachtung in den globalen Medien. BTS wurde 2011 gegründet, debütierte 2013, schaffte 2017 ihren internationalen Durchbruch und verhalf dadurch den anderen Künstlern zu globaler Anerkennung.
Der internationale Erfolg des K-Pop revolutionierte die südkoreanische Musikindustrie. Aufschwung erlebten Online-Marketing und Online-Fankontakte. Mit der dritten Generation wurden in Songs auch Elemente aus Rock, Techno und Tropical House integriert. Die globale Anerkennung des K-Pop förderte die Gründung weiterer kleiner und mittelständischer Entertainment-Unternehmen.
Die Unterhaltungsunternehmen starteten eine neue Form der Künstlerauswahl, sogenannte Survival-Shows. In diesen Shows traten Trainees eines oder mehrerer Unternehmen gegeneinander an. Im weiteren Verlauf wurden die späteren Künstler für eine Boy- oder Girlgroup ausgewählt, als Trainee weiter ausgebildet und zur Gruppe vereint. Die erste Show wurde 2013 von YG Entertainment unter dem Titel Win: Who is Next veranstaltet und brachte die Boygroup Winner hervor.
Aus solchen Shows entstanden unter anderem 2014: iKon 2015: Monsta X, Twice 2016: In2It/Skye, I.O.I, Momoland, Pentagon, SF9 2017: Stray Kids, fromis 9, Wanna One 2018: IZ*One, Uni.T, UNB 2019: 1THE9, X1 2020: NiziU, Treasure 2021: Kep1er 2022: Classy 2023: Fantasy Boys, Zerobaseone
Make-up und wechselnde Haarfarben wurden Standard. Die Jungen trugen zu Beginn starken Eyeliner, wechselten aber später zu neutralen und Pastelltönen. Die Bühnenkleidung kombinierte jetzt auch formelle mit lässiger Kleidung oder ist von den Fashion Weeks inspiriert. Viele Boygroups änderten nach ihrem Debüt mehrmals ihren Stil. Der Fan-Service nimmt bei den Unterhaltungsunternehmen einen hohen Stellenwert ein. Die Fans werden zum „Prosumer“, Produzent und Konsument. Die Fans sind aktiver Konsument und haben ein gewisses „Mitspracherecht“ bei Entscheidungen für ihre Idols. Wünsche der Fans fließen in die modischen Entscheidungen ein. Somit kamen wieder verstärkt Schuluniformen zum Einsatz. Wie in der zweiten Generation spielten modisch ausgerichtete Comeback-Konzepte eine große Rolle und mündeten im Konzept Aegyo (koreanisch , deutsch: niedlich), das die bisherigen Konzepte Dark, Girl Crush und Innocent/Cute in sich vereinte und zum K-Pop-Standard wurde. Auch das Retro-Konzept mit der Mode aus den 1970er bis 1990er Jahren erlebte einen Aufschwung.
4. Generation (4th Gen) mini|Itzy (2019) mini|180x180px|Ateez (2019) Der Beginn der vierten Generation in Verbindung mit dem Ende der dritten Generation ist stark umstritten. Ausgehend von der zutreffendsten Definition für das Ende der dritten Generation liegt der Beginn der vierten Generation zwischen Ende 2018 und Anfang 2019. Die Meinungen zu einem Ende der vierten Generation liegen noch weiter auseinander. Einige Quellen gingen 2024 davon aus, dass die vierte Generation noch andauert. Andere Quellen sprechen von einer fünften Generation, die bereits 2023 begonnen hat. Somit ist die vierte Generation mit 4 Jahren Dauer zwischen 2018 / 2019 und 2023 die zeitlich kürzeste Generation.