alternativtext=Asseburger Kurie, 2023|mini|Asseburger Kurie, 2025|438x438px Die Asseburger Kurie (auch: Asseburgsche Kurie) ist ein bedeutendes Baudenkmal im Barockstil im Stadtteil Neuenheerse von Bad Driburg. Das repräsentatives Gebäude zählt zum nationalen kulturellen Erbe. Auf Veranlassung von Hermann Werner von der Asseburg wurde das Bauwerk 1777 als Familienpräbende für die Grafen von der Asseburg errichtet. Genutzt wurde es anfangs als eine Stiftskurie des hochadeligen kaiserlich freiweltlichen Damenstifts Heerse, später als Schule und Wohnhaus. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hielt sich 1819 beim Besuch ihrer Großtante Felicitas von Westphalen-Heidelbeck über einen längeren Zeitraum in dem Haus auf und ließ Schilderungen davon in ihrem berühmtesten Werk Die Judenbuche einfließen.
Baubeschreibung Die Asseburger Kurie folgt der Bauform eines hochgradig repräsentativen eineinhalbgeschossigen Palais. Ausgeführt ist das Bauwerk in massiver Kalk-Sandstein Bauweise mit Mittelrisalit und einer aufwändigen Fassadengestaltung durch Werksteingliederungen mit verkröpftem Gesims und einem ziegelgedeckten Krüppelwalmdach mit Zwerchhaus. Das Haus ist außen nahezu im ursprünglichen Zustand erhalten, die repräsentative, barocke Raumauffassung im Innern noch gut erkennbar. Der Grundriss des eingeschossigen Baus hat die Abmessungen von 16,70 × 14,70 m mit einer Wandstärke von einem Meter. Zum barocken Eingangsportal mit Doppeltür und Wappenstein führt eine repräsentative Freitreppe aus Sandstein. Der qualitativ hochwertige Barockbau ist im ehemaligen Stiftsbezirk das einzige Kuriengebäude in massiver Bauweise und der einzige Bau in durchgängiger Formensprache des Barocks in Neuenheerse.Arne Theodor Bellmann: Adelsresidenz – Schule – Post – Sozialbau. Die Kurie der Asseburger Familienpräbende des ehemaligen kaiserlichen freiweltlichen hochadeligen Damenstiftes zu Neuenheerse. In: Die Warte, Heft 199 (Herbst 2023), S. 6–12.
Geschichte 17. und 18. Jahrhundert Der juristisch-ökonomische Rahmen für die Stiftskurie als Familienpräbende der Freiherren von der Asseburg wurde am 6. Mai 1677 mit der Urkunde des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg für Konstantin Freiherr von der Asseburg zu Hinnenburg und seine Gemahlin Anna Leviniana geb. von der Lippe zu Vinsebeck gelegt. Demzufolge sollte eine „Canonicat Junffer praebende Juris Patronatus laicalis“ errichtet werden.Vgl.: A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 270. Als Stiftungskapital wurde die Summe von 4000 Reichstalern gezahlt und über das Einkommen dieser Präbende fortan ein gesondertes Rechnungsbuch geführt. Zur Pfründe gehörten neben dem Stiftungskapital das Kuriengebäude mit Garten, Gärten und Grundstücksflächen sowie Einkünfte in Form von Naturalabgaben.A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 270–272. Dem jeweiligen Inhaber des Fideikommiss auf der Hinnenburg sollte als Stifter das Patronats- und Präsentationsrecht zustehen.Vgl.: A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 270–272.
mini|links|Hermann Werner Freiherr von der Asseburg, 1779|311x311px Den Bau der Kurie ließ Hermann Werner von der Asseburg zu Hinnenburg (1702–1779) im Jahr 1777 vornehmen.A. Gemmeke (1931): Geschichte des adeligen Damenstiftes zu Neuenheerse. S. 33 ff.; Vgl.: Braubach, M. (1961): Kurfürst Clemens August, Leben und Bedeutung. In: Kurfürst Clemens August. Landesherr und Mäzen des 18. Jahrhunderts. Köln 1961, S. 20 f. Die Familie von der Asseburg zu Hinnenburg stand historisch in vielfältigen Beziehungen zum Damenstift Neuenheerse. Die Asseburger waren nicht nur Inhaber des Erbhofmeisteramtes des Stiftes, sondern auch dessen größter Lehensnehmer.A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 232 f. Insbesondere Hermann Werner von der Asseburg war für das Stift eine bedeutende Persönlichkeit. Er machte in der Regierungszeit von Clemens-August von Bayern Karriere, zeitweilig als Premierminister und Obristhofmeister. Deswegen konnte er starken Einfluss auf das Hochstift Paderborn und das Damenstift Neuenheerse ausüben. Als 1738 die Äbtissin in Neuenheerse neu gewählt werden musste, machte Hermann Werner seinen Einfluss geltend. In einem Schreiben des Kurfürsten Clemens August an das Kapitel wurde die Wahl der Stiftsdame Maria Magdalenas von der Asseburg zur neuen Äbtissin vom Kurfürsten empfohlen. Sie war die Schwester von Hermann Werner und erhielt 1738 ihre sogenannte feierliche Einfuhr in das Stift.Vgl.: M. Trippenbach (1915): Asseburger Familiengeschichte. Hannover 1915, S. 200–204.
Das qualitativ hochwertige Bauwerk des Kanonissenhauses in Neuenheerse von 1777 ist vor dem Hintergrund der regen Bautätigkeit von Hermann Werner zu sehen, der damit die Machtansprüche seiner Familie sichtbar manifestierte. Auf dem Stammsitz der Familie (Hinnenburg/Brakel) sorgte der für eine umfassende barocke Umgestaltung. Er führte weitere ambitionierte und anspruchsvolle Bautätigkeiten durch, wie das Kloster Brede in Brakel und die Pfarrkirche St. Michael Brakel. In seinen autobiographischen AufzeichnungenVgl.: M. Trippenbach (1915): Asseburger Familiengeschichte. Hannover 1915: S. 202. ist für die Veranschlagung der Kosten für die Vollendung des Neubaus des „Kanonissenhauses zu Heerse“ die Summe von 3000 Talern verzeichnet.Vgl.: A. Gemmeke (1911): Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 69 1911, S. 270–272. Hinzu kam die üppige wirtschaftliche Ausstattung des zugehörigen Stiftungskapitals der Präbende, die bei der Auflösung des Stiftes im Jahr 1810 über 4000 Taler betrug.A. Gemmeke (1931): Geschichte des adeligen Damenstiftes zu Neuenheerse. S. 673 f., Vgl.: A. Gemmeke (1911): Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 69 1911, S. 270–272.
mini|Entwurfsplan für die Asseburger Kurie, vor 1777 mini|Eingangsportal mit Wappenstein, 2021|373x373px Pläne zum tatsächlich ausgeführten Bau sind nicht bekannt. Stattdessen existieren einige zeitgenössische Vorentwürfe die eine große Übereinstimmung zum 1777 ausgeführten Gebäude aufweisen. So dürfte der Bauherr Hermann Werner von der Asseburg, wohl auch um Kosten zu sparen, das dort aufgeführte Mansardendach und zahlreiche Fensteröffnungen im Zuge der Planungen des Objektes gestrichen haben. Es entstand stattdessen ein einfacheres Krüppelwalmdach mit Mittelrisalit. Auch die (Vor-)Planungen hinsichtlich Größe und Form des Grundrisses des Neubaus weisen Unterschiede zum tatsächlich ausgeführten Bau auf und beziehen vorhandene Gegebenheiten, wie das ältere Kellergewölbe, mit ein.Vgl.: Archiv Hinnenburg: Nr. 012. „Erbpräbende zu Neuenheerse“, Lageplan: Sign.: Hin.A.Ak-2422, -93, -94, -96. An der handschriftlichen Bezeichnung der Zimmerfunktionen in den Plänen lässt sich ablesen, dass in dem großzügigen Haus lediglich eine einzige Dame einen repräsentativen Lebensstil führen sollte.Vgl.: Archiv Hinnenburg: Nr. 012. „Erbpräbende zu Neuenheerse“, Sign.: Hin.A.Ak-2422, -93, -94, -96. In den Entwurfsplänen des 18. Jahrhunderts sind neben den Repräsentations- bzw. Empfangsräumen („Vorzimmer“) der Stiftsdame auch zahlreiche „Junffern Kammern“, „Kammern für Küchenmägde“ und verschiedene „Alkoven“ vorgesehen.Vgl.: Archiv Hinnenburg: Nr. 012. „Erbpräbende zu Neuenheerse“, Sign.: Hin.A.Ak-2422, -93, -94, -96. In der Erbauungszeit 1777 wurde das Gebäude mit einer repräsentativen barocken Außenanlage mit Freitreppe, Einfriedungsmauern und einem aus Sandstein gefertigten Eingangstor mit Pinienzapfen ausgestaltet. Sie sind auf den frühen Fotografien, die von dem Gebäude existieren noch dokumentiert und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren gegangen. Es handelt sich um aufwändige barocke Außengestaltungen eines Stiftshauses.Vgl.: Schubert, J. (2021): Schule in Neuenheerse. S. 1. Reste der barocken Toranlage (zwei vollständige Pinienzapfen mit zugehörigen Plinten) haben sich im Garten des Baudenkmals „Erste Pastorat“ Stiftsstr. 7 in Neuenheerse gut erhalten; ein gut erhaltener Rest der barocken Einfriedungsmauer auf der südwestlichen Grundstücksseite existiert noch.
Über dem barocken Eingangsportal des Bauwerks wird auf die Urheberschaft des Stifters Hermann Werner unter dem bekrönten Wappenstein der Asseburger (springender Wolf auf goldenem Grund) mit der Titulatur des hochrangigen Auftraggebers verwiesen: Perillustris et Excmus D: Hermannus Wernerus L: B: ab Asseburg D: in Hinnenburg, Wallhausen etc. Ponebat Ao 1777.A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 271 f.
Die Inhaberin der Pfründe („Praebendata Asseburgica“Vgl.: A. Gemmeke (1911): Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 69 1911, S. 271. Wörtliche Bezeichnung in der Urkunde Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg von 1677.) war schon vor der Errichtung der Asseburger Kurie 1777 Maria Theresia von Hornstein zu Binningen in Schwaben, die vom Obristhofmeister Freiherr von der Asseburg bereits 1765 präsentiert und am 6. Mai 1765 aufgeschworen wurde.A. Gemmeke: Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 69, 1911, S. 271 f. Maria Theresia von Hornstein war bereits 1802 im Alter von 66 Jahren die „Seniorin“ des StiftsVgl.: Ebd. S. 239. und aufgrund eines „Gemütsleidens“ seit 1804 im Kloster Brede über einen längeren Zeitraum „in Aufsicht und Pflege“.Vgl.: Ebd. S. 270–272. Als 1810 das Kloster Brede aufgelöst wurde, kam sie nach Neuenheerse zurück und verstarb in der Asseburger Kurie am 2. April 1833 im Alter von 93 Jahren.Vgl.: A. Gemmeke (1931): Geschichte des adeligen Damenstiftes zu Neuenheerse. S. 682., Vgl.: A. Gemmeke (1911): Die Säkularisation des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. In: Westfälische Zeitschrift - Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 69 1911, S. 270–272.
19. Jahrhundert alt=Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde von Johann Sprick (1838)|mini|Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde von Johann Sprick, 1838|308x308px Seit der Säkularisierung des Damenstifts 1810 lebte auch die Stiftsdame Maria Felicitas von Westphalen zu Heidelbeck (1800 aufgeschworen) bis zu ihrem Tod 1832 in der Asseburger Kurie.Vgl.: A. Gemmeke (1938): Geschichte des adeligen Damenstiftes Neuenheerse. S. 50 ff.