Goodbye Julia () ist ein sudanesisches Filmdrama von 2023 des Regisseurs Mohamed Kordofani. Es ist Kordofanis erster Spielfilm und der erste Film aus dem Sudan, der jemals in der Sektion Un Certain Regard beim Cannes Film Festival gezeigt wurde.
Goodbye Julia wurde vom sudanesischen nationalen Komitee im Exil für die Kategorie des besten internationalen Films der Oscarverleihung 2024 nominiert, aber später nicht in die Shortlist aufgenommen.
Handlung Goodbye Julia erzählt die Geschichte zweier Frauen, die die komplizierten Beziehungen und Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen aus dem nördlichen und südlichen Sudan repräsentieren. Der Film spielt in Khartum in den letzten Jahren des vereinigten Sudan bis kurz vor der Unabhängigkeit des Südsudan im Jahr 2011.
Mona, eine muslimische Angehörige der gehobenen nordsudanesischen Mittelklasse, war vor ihrer Ehe eine bekannte Sängerin und führt nun eine glücklose Ehe mit ihrem Ehemann Akram. Nachdem beide den Tod eines christlichen Mannes aus dem Süden verursacht haben, versucht Mona, ihre Schuldgefühle zu kompensieren, indem sie Julia, die ahnungslose Witwe des Ermordeten, als ihre Hausgehilfin anstellt.
Hintergrund Der sudanesische Filmemacher Mohamed Kordofani lebt in Bahrain und arbeitete viele Jahre als Luftfahrtingenieur, bevor er eine Karriere als weitgehend autodidaktischer Filmemacher begann. Für seinen ersten Kurzfilm Gone for Gold aus dem Jahr 2015 wurde er als bester Regisseur mit dem sudanesischen Taharqa International Award for Arts ausgezeichnet. Sein zweiter Kurzfilm Nyerkuk (2016) erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Network of Alternative Arab Screens (NAAS) Award beim Internationalen Filmfestival Karthago, den Preis der Jury beim Oran International Arabic Film Festival und den Black Elephant Award des Sudan Independent Film Festivals.
Die Hauptrollen spielten die sudanesische Sängerin und Schauspielerin Eiman Yousif und Siran Riak, eine ehemalige Miss South Sudan und Model, die im heutigen Südsudan geboren wurde und noch nie zuvor in einem Film mitgewirkt hatte.
Zum sozialen Kontext seines Films sagte Kordofani:
In einem Interview mit dem US-amerikanischen NPR-Netzwerk sprach Kordofani über seine persönlichen Erfahrungen als Nordsudanese mit der Diskriminierung gegenüber Menschen aus dem Süden, sein Schuldgefühl und seine Motivation, diesen Film kurz vor Ausbruch des verheerenden militärischen Konflikts zu drehen, der am 15. April 2023 begann:
Goodbye Julia wurde als internationale Koproduktion aus mehreren Ländern produziert, wozu auch die deutsche Firma Die Gesellschaft DGS zählt, die 2019 den sudanesischen Spielfilm You will die at 20 von Amjad Abu Alala koproduziert hatte. Der Film wurde von der Filmstiftung NRW mit 75.000 Euro gefördert. Die Produktionsleitung hatten Abu Alala und sein sudanesischer Koproduzent Mohammed Alomda inne.
Veröffentlichung Die Weltpremiere von Goodbye Julia fand am 20. Mai 2023 vor einem Publikum von 1000 Zuschauern in der Sektion Un Certain Regard beim 76. Cannes Film Festival statt. Die Vorführung und die anschließende Frage-und-Antwort-Runde mit der Besetzung und der Filmcrew, die auch Kommentare zum anhaltenden Krieg im Sudan betrafen, erhielten stehende Ovationen.
Darüber hinaus wurde Goodbye Julia auf mehr als 30 internationalen Filmfestivals gezeigt, darunter bei den Filmfestivals in London, Karlovy Vary, Melbourne, Chicago, Warschau, El Gouna, Hamburg und beim Montreal International Black Film Festival. Nach dem Prix de la Liberté (Preis der Freiheit) in Cannes erhielt der Film zahlreiche weitere Preise.
Am 25. Oktober 2023 wurde Goodbye Julia in zwanzig ägyptischen Kinos kommerziell eingeführt und erzielte in den ersten zwei Wochen für einen ausländischen Film in Ägypten eine Rekordzahl an Besuchern. Ab dem 8. November wurde der Film in Paris und mehr als zwanzig anderen Städten Frankreichs gezeigt, und am 7. Dezember startete er in den Kinos der Golfstaaten und Saudi-Arabiens. In Deutschland hatte Goodbye Julia am 1. Oktober 2023 beim Filmfest Hamburg Premiere. Der Kinostart in Deutschland fand am 15. August 2024 statt.
Filmkritiken Internationale Kritik Auf Rotten Tomatoes erhielt Goodbye Julia eine Beurteilung von 100 % basierend auf 16 Rezensionen internationaler Filmkritiker. Die Kritiken zur Premiere in Cannes waren positiv und hoben die dramatische Darstellung persönlicher Beziehungen vor einem breiteren sozialen und historischen Hintergrund hervor.
Der Filmkritiker Fabien Lemercier schrieb für das Portal Cineuropa: „Mohamed Kordofani bietet wundervolle Schnappschüsse, Übersichten und Erklärungen aller Nuancen der damaligen akuten sudanesischen Situation. […] Es ist ein Film mit einwandfreier Qualität, der die Geburt eines unglaublich vielversprechenden Filmemachers markiert und die Entstehung einer Filmkunst im Sudan bestätigt.“
In ähnlich positiver Weise urteilte Lovia Gyarkye in The Hollywood Reporter:
In ihrer Rezension für das US-Magazin Variety schrieb Jessica Kiang:
Arabische Kritik In Kairo lobte Wael Khairy, Herausgeber der Website SceneNow, die „emotionale Schlagkraft und die differenzierten Einblicke in den beunruhigenden Rassismus, dem die Südsudanesen täglich ausgesetzt sind.“ Dennoch nannte er auch kritische Aspekte: „Die Eröffnungsszenen in Khartum sind mit der Spannung einer tickenden Zeitbombe gefilmt, aber als sie sich dem zweiten und dritten Akt nähern, geraten sie ins Straucheln und betreten vertrautes Terrain.“ In einer Rezension vom Dezember 2023 über die 10 besten arabischen Filme des Jahres verlieh Al Jazeera Goodbye Julia den ersten Platz. Der Artikel würdigte insbesondere die Handlung des Films, die komplexen Hauptfiguren, die Musik und vor allem Kordofanis Drehbuch und Regie.
Eine Rezension im sudanesischen Online-Magazin Andariya vom Januar 2024 betonte die Gender-spezifischen Aspekte des Films: „Selbst im Kontext des engagierten und feministischen afrikanischen oder arabischen Kinos ist Goodbye Julia eine sehr seltene und wertvolle Stimme, die zeigt, wie das Patriarchat das Leben von Frauen beeinflusst.“ Weiterhin betonte die Rezensentin:
Deutschsprachige Kritik Zum Kinostart in Deutschland veröffentlichte die Online-Kulturplattform Kunst+Film eine ausführliche positive Besprechung zum Inhalt und Hintergrund des Films und schrieb über Mohamed Kordofani: „Er verflicht ein privates Drama um Schuld und Sühne derart geschickt mit der turbulenten jüngsten Geschichte seines Landes, dass letztere durch ersteres erklärt wird – was keine Sekunde lang konstruiert oder didaktisch wirkt.“
Vision Kino hob die Handlung hervor, „die Sympathie für die beiden ungleichen Frauen erzeugt“ und betonte die Lieder der Filmmusik, die vom „Schmerz der Menschen der tiefgespaltenen sudanesischen Gesellschaft“ handelten. Weiterhin empfahl dieses Medienportal Goodbye Julia für den Schulunterricht zu Themen wie Rassismus, Geschlechterrollen, Religion, Islam und Christentum.
Im Schweizer Filmportal outnow.ch wurde Goodbye Julia als teilweise zu langatmig beurteilt; dank der beiden Hauptdarstellerinnen überzeuge der Film insgesamt dennoch. Als Schlaglicht auf den Sudan, „in dem der Krieg leider auch 15 Jahre später noch immer allgegenwärtig ist,“ wirke der Film auf bedrückende Art hochaktuell. Dagegen urteilte das deutsche Portal moviebreak.de kurz nach der Premiere in Cannes negativ: „Die sentimentale Schlichtheit der Inszenierung spiegelt die gesellschaftspolitische Naivität einer Story, die mehr geneigt ist, Vorurteile zu verstärken.“
Auszeichnungen + Auszeichnungen und Preise für Goodbye Julia Auszeichnung Datum der Verleihung Kategorie Nachweise Film Festival Cannes, F 27. Mai 2023 Prix de la Liberté (Preis der Freiheit) Septimius Awards, NL 28. September 2023 Bester afrikanischer Film Film Festival Chicago, US 20. Oktober 2023 Roger Ebert Award Film Festival Leeds, UK 19. November 2023 Publikumspreis für Spielfilm Film Festival El Gouna, EG 23. Dezember 2023 Publikumspreis 'Cinema for Humanity'
Weblinks
Offizieller Trailer bei YouTube
Filmmusik Gol Ley Kef (Tell me how) gesungen von Eiman Yousif & Niile bei YouTube Interview im Variety magazine mit Mohamed Kordofani über seinen Film und den Krieg im Sudan (englisch) Interview für das NPR Network mit Mohamed Kordofani über seine Motivation für den Film (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2023 Kategorie:Sudanesischer Film Kategorie:Filmdrama