Als Verkehrsmarkt wird im Verkehrswesen und in der Mikroökonomie ein Markt verstanden, auf dem Angebot und Nachfrage nach Verkehrsleistungen aufeinandertreffen.

Allgemeines Der Verkehrsmarkt ist die Gesamtheit der Beziehungen zwischen den Verkehrsnutzern (Nachfragern) und den Verkehrsunternehmen, die Verkehrsleistungen anbieten und durchführen.Walter Linden (Hrsg.), Gablers Verkehrs-Lexikon, 1966, S. 1657 Die Betriebsleistung ist das Angebot im öffentlichen VerkehrVerband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.), Betriebsleistung, wohingegen die Verkehrsleistung (oder Beförderungsleistung) angibt, wie viele Personen oder Güter tatsächlich transportiert werden (Nachfrage).

Unmittelbare Marktteilnehmer sind als Anbieter die Verkehrsunternehmen und als Nachfrager Personen (im Personenverkehr) und andere Unternehmen (im Güterverkehr). Aus Sicht der Nachfrager stehen jene Anbieter von Betriebsleistungen miteinander in Konkurrenz, die den gewünschten Transportweg bedienen, die Personen oder das Transportgut in der gewünschten Menge und unter den erforderlichen technischen Bedingungen unter Einhaltung der Transportzeit befördern können, deren Angebot zu einem Transportpreis angeboten wird, für den der Nachfrager eine Zahlungsbereitschaft besitzt.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftspolitik, 2013, S. 427 Die Verkehrsnachfrage wird bestimmt durch die Produktionsstruktur, Güterstruktur, demografische und konjunkturelle Entwicklung und Saisonschwankungen.Carina Thaller, Verkehrspolitik, in: Christiane Geiger/Uwe Clausen (Hrsg.), Verkehrs- und Transportlogistik, 2013, S. 34 Als Marktpreis auf einem Verkehrsmarkt ist derjenige Tarif zu verstehen, der unter den jeweiligen Marktbedingungen Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringt.Adolf Zobel/Bernhard Külp/Norbert Berthold, Der Werkfernverkehr auf der Straße im Binnengüterverkehr der Bundesrepublik Deutschland, 1988, S. 78

Teilmärkte Teilmärkte sind der Personentransport, Gütertransport und Tiertransport.

Teilmärkte Nahverkehr Fernverkehr Personentransport ÖPNV, Fahrgastschifffahrt, Fährverkehr, Kurzstreckenflug Fernbusverkehr, Fernschnellzugverkehr, Kreuzfahrten, Mittel- und Langstreckenflug Gütertransport Güternahverkehr Güterfernverkehr

Teilmärkte verschiedener Verkehrsträger stehen zueinander in Beziehung, wenn diese Verkehrsträger gegeneinander substituierbar sind (etwa ein Fahrgast kann von Hamburg nach München mit der Eisenbahn fahren oder ein Flugzeug buchen).Walter Linden (Hrsg.), Gablers Verkehrs-Lexikon, 1966, Sp. 1657 Zu berücksichtigen ist auch der Modal Split.

Im Hinblick auf die Berücksichtigung des Bedarfs wird unterschieden zwischen Linienverkehr und Charterverkehr:

Verkehrsträger Linienverkehr Charterverkehr Straßenverkehr Linienbusse Charterbusse Schienenverkehr Straßenbahn, Eisenbahn Sonderzüge Schifffahrt Linienschifffahrt Kreuzfahrtschiffe Luftverkehr Linienflüge Charterflüge

Der Linienverkehr steht als Teilmarkt des Verkehrsmarktes in Substitutionskonkurrenz zu anderen Verkehrsträgern, die Linienverkehr für dieselben Destinationen anbieten. Ist die Zahl der Fahrgäste zu gering, darf im Charterverkehr gemäß Beförderungsbedingungen die Reise abgesagt werden. Typische Charterverkehre sind Charterbusse wie der Anrufbus, Postbus oder die Kaffeefahrt. Ferner gibt es den Charterflug und den Schiffscharter, die oft bei Pauschalreisen eingesetzt werden. Dagegen verpflichtet sich ein Verkehrsbetrieb, der sich für Linienverkehr entscheidet, in der jeweiligen Planungsperiode unabhängig von der tatsächlich aufkommenden Nachfrage, die im Fahrplan angekündigten Fahrten durchzuführenHelmut Diederich, Verkehrsbetriebslehre, 1977, S. 121, selbst wenn es zu Leerfahrt/Leerflug/Leerzug kommt.

Transportkapazitäten Das Verkehrsangebot der Verkehrsunternehmen wird durch deren Transportkapazität begrenzt. Auf dem Verkehrsmarkt sind alle Transportmittel aus technischen und/oder Sicherheitsgründen mit einer begrenzten Kapazität ausgestattet.Andreas Lackner, Dynamische Tourenplanung mit ausgewählten Metaheuristiken, 2004, S. 10 Im Personenverkehr ist dies die Sitzplatzkapazität (Fernbusse, Fernzüge, Flugzeuge, Passagierschifffahrt, Seilbahnen, Taxis), nur bei wenigen Transportmitteln mit Stehplätzen (Omnibusse im Nahverkehr, Oberleitungsbusse, Straßenbahnen und Regionalzüge) ist die maximale Anzahl von Passagieren variabel. Im Güterverkehr ist der Laderaum ausnahmslos begrenzt (Frachtschifffahrt, Güterkraftverkehr, Luftfrachtverkehr, Schienengüterverkehr). Zu Zeiten der Spitzenlast kann dies dazu führen, dass Fahrgäste/Passagiere oder Frachtgut im Linienverkehr aus Kapazitätsgründen nicht befördert und damit die Verkehrsnachfrage teilweise nicht befriedigt werden kann (siehe Problem des Handlungsreisenden). Je sicherer die Daten über die künftige Verkehrsnachfrage sind, umso eher kann die Transportkapazität darauf angepasst werden.Karl M. Brauer, Betriebswirtschaftslehre des Verkehrs: Leistungsbereitschaft der Verkehrsbetriebe, 1993, S. 85 Das kann technisch durch Großraumbusse oder Großraumflugzeuge oder wirtschaftlich durch Erhöhung der Taktfrequenz erreicht werden. Gelingt dies nicht, kommt es – wie im gesamten Dienstleistungssektor – zu Wartelisten oder Warteschlangen.

Bei Transportmitteln mit Stehplätzen oder im Güterverkehr ist eine Überladung möglich, die wirtschaftlich eine Übernutzung darstellt. Diese ist verkehrsrechtlich verboten. Da die Verkehrsunternehmen eine derartige Übernutzung offiziell nicht akzeptieren dürfen, profitieren sie nicht durch höhere Erlöse daran. Übernutzung im Personenverkehr ist meist eine Beförderungserschleichung.

Preisbildung Auf dem Verkehrsmarkt regelt der Preis das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nicht optimal, beispielsweise im Hinblick auf externe Kosten.Carina Thaller, Verkehrspolitik, in: Christiane Geiger/Uwe Clausen (Hrsg.), Verkehrs- und Transportlogistik, 2013, S. 34 Diese Kosten werden von jedem Verkehrsteilnehmer verursacht, der am Verkehr direkt teilnimmt. Es handelt sich um Folgekosten der Nutzung des Verkehrsnetzes in Form von Staukosten (Verlängerung der Fahrzeit, Wartezeit, höhere Energiekosten), Umweltkosten (durch zusätzliche Luftverschmutzung) oder Verkehrsunfällen. Jedoch werden diese Kosten nicht von den Verkehrsteilnehmern selbst getragen; sie werden der Allgemeinheit in Form von Steuern angelastet.

Typisch auf dem Verkehrsmarkt ist das Vorhandensein von Beförderungsklassen mit Preisdifferenzierungen in Tarifen bei Eisenbahnen, Flugzeugen und Schiffen (erste Klasse, zweite Klasse usw.), womit die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft im Hinblick auf die neuralgische Kapazitätsauslastung der Verkehrsunternehmen besser ausgenutzt werden kann. Entsprechend werden beispielsweise Geschäftsreisende mit hoher Zahlungsbereitschaft dazu neigen, die Business Class zu nutzen, Billigflieger werden dagegen im Massentourismus genutzt.

Preiselastizitäten Die Angebotselastizität wird insbesondere wegen der relativ hohen Fixkosten der Anbieter (Bereitschaftskosten der Transportmittel und des Personals) und der langen Lebensdauer der Transportmittel als gering eingestuft, so dass eine Anpassung des Angebots an Preisänderungen nur langsam erfolgt und häufig sogar inverses Anpassungsverhalten zu beobachten ist. Allerdings ist die Faktormobilität sehr groß, weil die Transportmittel zwischen räumlich und sachlich abgegrenzten Märkten wechseln können.Eggert Winter/Ute Arentzen, Gabler Wirtschafts-Lexikon, Band 4, 1997, S. 4064 Die Nachfrageelastizität ist ebenfalls gering, weil die reinen Transportkosten lediglich einen geringen Anteil an den Gesamtkosten eines Nachfragers ausmachen. Saisonschwankungen und konjunkturelle Nachfrageschwankungen können die Anbieter kaum über Preisdifferenzierung abfangen, da Verkehrsleistungen als Dienstleistungen nicht lagerfähig sind.

Verkehrsnetze Ein wichtiger Bestandteil des Verkehrsmarkts sind die Verkehrsnetze, also Netzwerke, die dem Verkehr dienen. Der Verkehrsmarkt kann ohne diese Verkehrsnetze nicht funktionieren.

Der Zusammenhang zwischen Netzwerk, Verkehrswegen, Netzknoten und Netzstörungen ergibt sich aus folgender Aufstellung:Stefan Eberlin/Barbara Hock, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit technischer Systeme, 2014, S. 94

Netzwerk Verkehrswege Netzknoten Netzstörungen Straßennetz Straßen Anschlussstellen, Autobahnkreuze, Straßenkreuzungen Verkehrsstau Schienennetz Schienen Bahnhöfe, Gleisanschlüsse, Gleiskreuzungen, Haltestellen, Weichen Zugstau auf den Gleisen Wasserstraßennetz schiffbare Wasserstraßen Binnen- und Seehäfen, Flussmündungen Stau (Wasserstraßen) Luftstraßennetz Luftstraßen Flughäfen Holdings und Slots Rohrleitungsnetz Rohrleitungsverbindung Pumpwerk, Hausanschluss Leckage, Stauung Stromnetz Stromleitung Umspannwerk, Hausanschluss Spitzenlast, Überspannungen, Spannungseinbrüche, Spannungsspitzen und Schwingungen Funknetz Funkstrecken, Funkwellen Endgeräte, Wiedergabegeräte Funklöcher, Netzüberlastung bei der Netzlast, Cyberattacken im Internet

Die Verbindungen zwischen den einzelnen Netzknoten der Verkehrsinfrastruktur heißen allgemein Verkehrswege oder Transportwege. Die Nachfrager entscheiden über das Transportmittel, wobei sie gleichzeitig auch das zu nutzende Netzwerk auswählen. Die Entscheidung hängt von der Fahrzeit, dem Transportrisiko und den Transportkosten ab. Netzstörungen beeinträchtigen den Verkehrsmarkt, führen zu einer Marktstörung und lösen unter anderem Staukosten und Verspätungen aus, welche durch Lieferengpässe die Lieferketten bedrohen können.

Statistiken Der Modal Split entwickelte sich in Deutschland (als Marktanteil in % pro Jahr) wie folgt:Statista, Entwicklung des Modal Split im Personenverkehr in Deutschland in den Jahren 2014 bis 2022, Mai 2023

Verkehrsträger 2014 2016 2018 2020 2022 Motorisierter Individualverkehr 80,4 80,1 78,6 86,6 80,5 Schienenpersonenverkehr 7,8 7,8 8,4 6,4 9,1 Öffentlicher Straßenpersonenverkehr 6,8 6,7 6,9 6,4 5,7 Luftverkehr 5,1 5,3 6,1 2,0 4,6

Der Modal Split entwickelte sich in Europa (EU-27; als Marktanteil in % pro Jahr) wie folgt:Statista, Entwicklung des Modal Split im Personenverkehr in Europa (EU-27) in den Jahren 2014 bis 2021, September 2023

Verkehrsträger 2014 2016 2018 2020 2021 Auto 73,0 72,6 71,9 80,4 78,3 Omnibus 8,6 8,6 8,1 6,6 6,8 Eisenbahn 6,8 6,7 6,9 5,2 5,6 Flugzeug 7,6 8,4 9,5 4,0 5,7 Motorrad 2,1 2,0 1,8 2,3 2,2 Straßenbahn 1,5 1,4 1,5 1,2 1,2

Die Statistiken bestätigen, dass während der Corona-Pandemie eine Substitution des öffentlichen Verkehrs durch den Individualverkehr stattgefunden hat.

International Die Mailänder Beschlüsse vom Juni 1985 sorgten für die Schaffung eines freien Verkehrsmarktes im Zuge der Vollendung des EU-Binnenmarktes in der Europäischen Gemeinschaft bis 1992.Gerd Aberle, Transportwirtschaft, 2009, S. 173

Wirtschaftliche Aspekte Nicht zum Verkehrsmarkt gerechnet werden die Fahrten mit dem eigenen Verkehrsmittel (Fahrrad, Kraftfahrzeug), weil die Verkehrsnachfrage über ein eigenes Verkehrsangebot des Verkehrsnachfragers befriedigt wird.Christian Köberlein, Kompendium der Verkehrspolitik, 1997, S. 55 Das gilt auch für Berufsverkehr oder Freizeitverkehr mit eigenem Fahrzeug. Eine Dienstreise mit Fahrzeugen des Arbeitgebers dagegen wird zum Verkehrsmarkt gezählt.