mini|hochkant|Georgskirche in Bonlanden Die evangelische Georgskirche steht in Bonlanden, einem Ortsteil der Großen Kreisstadt Filderstadt im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Bernhausen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Baubeschreibung Die Pfarrei Bonlanden wurde 1275 erstmals erwähnt. Das Patronatsrecht, d. h. das Vorschlags- und Ernennungsrecht des Pfarrers lag zunächst beim Ortsadel und gelangte 1395/1402 mit der Ortsherrschaft an die Grafen von Württemberg. 1477 wurde die Kirche dem Chorherrenstift Stuttgart inkorporiert. Damit übernahm das Stift Stuttgart die Patronatsrechte. Nach der Reformation übernahm der Herzog das Ernennungsrecht des Pfarrers, die Abgaben gingen an die neu geschaffene Stiftsverwaltung, die ihrerseits den Pfarrer besoldete.
Die Saalkirche ist ein spätgotischer Bau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, von dem der dreiseitig geschlossene Chor im Osten im ursprünglichen Zustand erhalten blieb. Seine Wände werden von niedrigen Strebepfeilern gestützt. Das recht schmale Langhauses war zunächst nur so breit wie der Chor. Der Kirchturm aus Quadermauerwerk im Westen des Langhauses wurde erst später, am beginnenden 16. Jahrhundert gebaut. Das oberste Geschoss des Kirchturms beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl, in dem vier Kirchenglocken hängen, davon eine historische. Darauf sitzt ein achtseitiger, schiefergedeckter Knickhelm. 1749/50 erfolgten die Erhöhung und die nördliche Erweiterung des Kirchenschiffs im Zuge der notwendigen Beseitigung von Unwetterschäden. Eine erneute Verbreiterung des Kirchenschiffs, nun auf der Südseite, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts wegen der Bevölkerungszunahme notwendig und 1909 nach Plänen von Martin Elsaesser vorgenommen. Dazu wurde die Südwand auf halber Länge mit Arkaden zwischen Kirchenschiff und einem Erweiterungs-Anbau geöffnet und unter dessen Schleppdach und den zwei Dachgauben noch eine schmale steinerne Südempore geschaffen.Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus, 52. Jahrgang, Heft Nr. 9, Stuttgart 1910, S. 273.Bauzeitliche Abbildung siehe: Martin-Elsaesser-Stiftung, Kirchliche Bauten, S. 3
Bei der Kirchenrenovierung 1973/74 durch den Stuttgart-Plieninger Architekten Gottfried Wendschuh entfernte man die Orgelempore im Chor, so dass dort die gotischen Fenster wieder sichtbar wurden. Außerdem wurden eine neue Orgel angeschafft, die Nord- und Westemporenbrüstung erneuert und die Fensterumrahmungen aus dem 18. Jahrhundert restauriert. Zudem wurde das Kruzifix zentral im Chorbogen über dem Altar aufgehängt. 2002 fand durch das Architekturbüro Golze aus Steinenbronn eine weitere Renovierung des Kirchengebäudes und Sanierung des Turms statt.
Ausstattung 1974 erhielt die Kirche vom örtlichen Bildhauer Waldemar Beck einen neuen Altar und einen neuen Taufstein aus Sandstein, ergänzt 2002 durch den Ambo. Die Orgel wurde 1973 als Opus 400 von Reiser Orgelbau mit 19 Registern und 1318 Pfeifen, verteilt auf zwei Manuale und das Pedal, gebaut und anschließend auf der Nordempore aufgestellt.
Glasgemälde: Nach dem Abbau der Orgelempore im Chor konnten die drei spätgotischen Chorfenster mit Farbverglasung gestaltet werden. Wolf-Dieter Kohler hatte 1973 dafür den Auftrag erhalten, in drei Fenstern darzustellen, was Grund und Inhalt des evangelischen Gottesdienstes ist, nämlich das Wort Gottes und die Sakramente. So wurde das mittlere Fenster dem Wort, die beiden äußeren Fenster der Taufe und dem Abendmahl zugeordnet:
Linkes Fenster zum Thema Taufe: Noahs Dankopfer als Sinnbild im Leben der Christen für das erfahrene Heil, darüber der Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer als Wundertat wie Jesu Taufe im Jordan.
Mittleres Fenster zum Thema Wort Gottes: unten die Vertreter des Gesetzes (Mose mit den Gebotstafeln und sein Bruder Aaron, der Priester), über dem Gesetz steht das Evangelium von Kreuz und Auferstehung Jesu, das seine Vollendung in der Wiederkunft Christi findet, und vom ewigen Leben, symbolisch dargestellt im Lebensbaum.
Rechtes Fenster zum Thema Abendmahl: Melchisedek reicht Abraham Brot und Wein, dann das Passahmahl in Ägypten, um vom Todesengel verschont zu werden, dann das Himmelsbrot in der Wüste, und ganz oben die Einsetzung des Abendmahls.
Literatur Friedrich Nething: Die Georgskirche zu Bonlanden. Allerlei Wissenswertes aus Vergangenheit und Gegenwart anlässlich ihrer Wiedereinweihung am 20. Oktober 1974. (Hrsg.) Evangelisches Pfarramt Bonlanden, Filderstadt 1974.
Wolfgang Schnabel: Geschichte der Kirchengemeinde Bonlanden. Filderstadt 2004, S. 41–43. Elisabeth Spitzbart, Jörg Schilling: Martin Elsaesser. Kirchenbauten, Pfarr- und Gemeindehäuser. Tübingen/Berlin 2014, Katalog Nr. 14.
Einzelnachweise
Weblinks
Die Georgskirche auf der Website der Kirchengemeinde Die Georgskirche auf der Website der Stadt Filderstadt Eintrag auf der Website Datenbank Bauforschung/Restaurierung Kirchbaudatenblatt
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