mini|St. Cyriakus in Bad Boll mini|Innenansicht Die Stiftskirche und heutige evangelische Pfarrkirche St. Cyriakus steht in Bad Boll, einer Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Geislingen-Göppingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Die heutige romanische, um 1200 erbaute dreischiffige Pfeilerbasilika hatte eine ebenfalls dreischiffige Vorgängerin aus der Zeit um 800. Eine zur Stauferfamilie gehörige Berta von Boll gründete in Boll ein Chorherren- bzw. Kollegiatstift,Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg Oliver Auge: Die Kernfrage: Was ist ein Stift? In: Das Stift und seine Kirche in Beutelsbach - Zur Geschichte und Bedeutung eines „Leitfossils“ der mittelalterlichen Kirchengeschichte. In: 500 Jahre Stiftskirche Beutelsbach - Das Gotteshaus an der Wiege Württembergs. Stuttgart 2022, S. 25–46 das 1155 dem Hochstift Konstanz zinspflichtig und 1464 dem Stift Oberhofen in Göppingen inkorporiert wurde. Im Anschluss an die Stiftsgründung wurde der romanische Neubau errichtet. Die Kirche liegt erhöht über dem Ort im alten Friedhof und ist zum Teil noch ummauert. Die ehemalige Stiftskirche ist heute Pfarrkirche Bad Bolls. Sie wurde 1286 als St. Cyriakuskirche erwähnt.
Baubeschreibung Es handelt sich um eine romanischen Pfeilerbasilika, unter deren Chor sich aus dem 11. Jahrhundert eine nicht mehr zugängliche, ehemals tonnengewölbte und sechs Meter lange Krypta oder eher ein früher Gebetsraum (Oratorium) mit einem Altarsockel befindet. Das Langhaus mit einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen hat eine flache Decke und sieben Joche. Im Osten des Mittelschiffs befindet sich ein eingezogener und rechteckiger Chor. Der im Kern aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende Kirchturm an der Südwestecke des Schiffs auf quadratischem Grundriss steht frei vor der Westwand des südlichen Seitenschiffs, die Sakristei an der Nordwand des Chors. Das oberste Geschoss des Kirchturms beherbergt hinter den Schallöffnungen den Glockenstuhl, in dem vier Kirchenglocken hängen. Darauf sitzt ein Pyramidendach, das mit einer Laterne bekrönt ist.
Ausstattung Wandmalerei: Im Unterschied zu den anderen achteckigen Pfeilern ist der erste nördliche Pfeiler rechteckig und enthält auf rotem Grund das Brustbild eines mit erhobenen Händen betenden Mannes. Der Text des weißen Schriftbandes über ihm ist nicht mehr erhalten.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder
Taufbecken: Das tiefe romanische Taufbecken ist aus Stubensandstein vom Schönbuch gearbeitet und wurde 1902 von einem örtlichen Steinmetz nachbearbeitet.
Kanzel: Die spätgotische Steinkanzel mit Maßwerk am Kanzelkorb und mit einem Rebstockrelief am steinernen Treppengeländer wurde um 1500 am mittleren Pfeiler der Nordseite aufgestellt.Karl Halbauer: Predigstül. Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 102–107 Der üppig und farbig gestaltete Barock-Schalldeckel mit Engelsköpfen, Ranken und Früchten und als Bekrönung die Figur des Auferstandenen mit der österlichen Siegesfahne wurde erst nach dem Dreißigjährigen Krieg angebracht. Die Kanzelposition auf der Mitte einer Kirchenschiff-Langseite zeigt, dass es sich hier von 1500 bis heute um eine klassische Querkirche handelt, was auch an der Ausrichtung noch eines Teils der Parterrebestuhlung auf die Kanzel ablesbar ist.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 237, 268 – ISBN 978-3-95505-592-9 Die Kanzel, nicht der Altar, war seit dem Aufkommen von Prädikanten und Kanzeln schon vor der Reformation der wichtige Ort für die Predigt im Gottesdienst.
Holzausstattung: Der Kruzifixus auf dem Altarkreuz stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bemaltes historisches Kirchengestühl aus dem 16./17. Jahrhundert, vier Wappenschilde, eine Reihe von Tafelgemälden einer Emporenbrüstung des 18. Jahrhunderts und verschiedene Epitaphien, auch von verstorbenen vornehmen Kurbad-Gästen, sind außerdem in der Kirche zu sehen.
Glasmalerei: Im Rahmen der Kirchenrenovierung 1902 erhielt die Stiftskirche von Christoph Blumhardt zwei 1889 für dessen örtliches Kurhaus von Jakob Grünenwald entworfene Glasgemälde (Moses und Christus) geschenkt. Das Christusfenster im Chor wurde 1957 entfernt zugunsten der Arbeit Offenbarung des bekannten Glasmalers Hans Gottfried von Stockhausen, das Mosesfenster verblieb im nördlichen Seitenschiff.
Orgel: Die Orgel wurde 1971 von Kurt Oesterle zweimanualig mit 20 Registern gebaut und von Orgelbau Mühleisen umgebaut und erweitert.
Literatur
Heidi Rapp: Die evangelische Stiftskirche Sankt Cyriakus in Boll. (Hrsg.) Ev. Kirchengemeinde Boll, Tübingen 1995. Sönke Lorenz, Oliver Auge, Sigrid Hirbodian (Hg.): Handbuch der Stiftskirchen in Baden-Württemberg. Ostfildern 2019. Christoph Banhardt: Die evangelische Stiftskirche St. Cyriakus in Bad Boll – Kirchenführer. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Bad Boll, 2023.
Einzelnachweise
Weblinks
Stiftskirche Sankt Cyriakus auf der Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt
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