Die Indische Parlamentswahl 2024 fand in sieben Phasen vom 19. April bis zum 1. Juni 2024 statt. Gewählt wurden die 543 Abgeordneten der Lok Sabha, des Unterhauses des indischen Parlaments. Zur Auszählung und Ergebnisverkündung kam es am 4. Juni. Die neu gewählte Lok Sabha trat am 17. Juni 2024 zusammen. Das Parteienbündnis Nationale Demokratische Allianz (NDA) unter der Führung von Premierminister Narendra Modi erreichte die für die Regierungsbildung erforderliche Schwelle von 272 Sitzen, seine Partei BJP verlor aber ihre bisherige absolute Sitzmehrheit.

Hintergrund Die vorherigen Parlamentswahlen fanden im April und Mai 2019 statt. Nach den Wahlen bildete die von der Bharatiya Janata Party geführte Nationale Demokratische Allianz die Unionsregierung. Der BJP-Politiker Narendra Modi blieb weiterhin Premierminister.

Wahlsystem Alle 543 Abgeordneten werden in Wahlkreisen nach dem Prinzip der Mehrheitswahl bestimmt.

Wahlberechtigt sind indische Staatsbürger, die mindestens 18 Jahre alt sind, ihren gewöhnlichen Wohnsitz im Wahlgebiet des Wahlkreises haben, in das Wählerverzeichnis eingetragen sind und eine gültige, von der indischen Wahlkommission ausgestellte Wähleridentifikationskarte besitzen. Personen, die wegen eines Wahlvergehens oder einer anderen Straftat verurteilt wurden, sind vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Nach Artikel 83 der indischen Verfassung müssen Wahlen zur Lok Sabha alle fünf Jahre stattfinden. Die Amtszeit der vorherigen, der 17. Lok Sabha endet voraussichtlich am 16. Juni 2024.

Wahltermin und Wahlmodus mini|hochkant=1.5|alt=2024 Lok Sabha Election Schedule|Wahltermine (mit Zahl der Wahl­kreise, in denen gewählt wird) Die Wahltermine wurden von der Wahlkommission am 16. März 2024 bekanntgegeben. Die Wahl fand zu sieben Wahlterminen, bzw. in Phasen statt, die zeitlich über sechs Wochen verteilt waren, auch um mit der indischen Armee die Wahl abzusichern zu können. PhaseDatumZahl derWahlkreiseZahl derBundesstaatenBundesstaaten und Unionsterritorien(Zahl der Wahlkreise, in denen gewählt wurde)Phase 119. April101,521Arunachal Pradesh (2), Assam (5), Bihar (4), Chhattisgarh (1), Jammu und Kaschmir (1), Madhya Pradesh (6), Maharashtra (5), Manipur (1,5), Meghalaya (2), Mizoram (1), Nagaland (1), Rajasthan (12), Sikkim (1), Tamil Nadu (39), Tripura (1), Uttar Pradesh (8), Uttarakhand (5), Westbengalen (3), Andamanen und Nikobaren (1), Lakshadweep (1), Puducherry (1)Phase 226. April87,5 13Assam (5), Bihar (5), Chhattisgarh (3), Jammu und Kaschmir (1), Karnataka (14), Kerala (20), Madhya Pradesh (6), Maharashtra (8), Manipur (0,5), Rajasthan (13), Tripura (1) Uttar Pradesh (8), Westbengalen (3)Phase 37. Mai9512Assam (4), Bihar (5), Chhattisgarh (7), Goa (2), Gujarat (25), Jammu und Kaschmir (1), Karnataka (14), Madhya Pradesh (9), Maharashtra (11), Uttar Pradesh (10), Westbengalen (4), Dadra und Nagar Haveli (2)Phase 413. Mai9610Andhra Pradesh (25), Bihar (5), Jammu und Kaschmir (1), Jharkhand (4), Madhya Pradesh (8), Maharashtra (11), Odisha (4), Telangana (17), Uttar Pradesh (13), Westbengalen (8)Phase 520. Mai498Bihar (5), Jammu und Kaschmir (2), Jharkhand (3), Ladakh (1), Maharashtra (13), Odisha (5), Uttar Pradesh (14), Westbengalen (7)Phase 625. Mai577Bihar (8), Haryana (10), Jharkhand (4), Odisha (6), Uttar Pradesh (14), Westbengalen (8), Delhi (7)Phase 71. Juni578Bihar (8), Chandigarh (1), Himanshal Pradesh (4), Jharkhand (3), Odisha (6), Punjab (13), Uttar Pradesh (13), Westbengalen (9) In Gujarat fand nur in 25 der 26 Wahlkreise eine Wahl statt, da die im Wahlkreis 24-Surat eingereichten Nominierungsunterlagen des Kongresspartei-Kandidaten Nilesh Kumbhani und dessen Stellvertreters von den Wahlbehörden nicht anerkannt wurden. Die von den Wahlbehörden beanstandeten Verstöße gegen die Wahlordnung (vermeintlich gefälschte Unterschriften) wurden von der örtlichen Kongressparteiführung bestritten. Aus Protest gegen die Disqualifizierung des Kongressparteikandidaten erklärten acht weitere Kandidaten in Surat ihren Rücktritt von der Kandidatur. Damit blieb nur noch der BJP-Kandidat übrig, der bereits am 22. April 2024 zum Wahlkreisgewinner erklärt wurde, ohne dass eine Wahl stattgefunden hatte.

Kennzahlen zur Wahl Wahlberechtigte Bei der Wahl waren 979.751.847 Personen wahlberechtigt, darunter 503.392.335 männliche (51,38 %), 476.311.240 weibliche (48,62 %) und – erstmals bei einer indischen Wahl aufgeführt – 48.272 Hijras (0,01 %; intergeschlechtliche Personen, in der offiziellen Bezeichnung third gender – „drittes Geschlecht“). Zu den Wahlberechtigten zählten 1.916.615 sogenannte service electors (1.844.933 Männer, 71.626 Frauen), d. h. indische Armeeangehörige, die in der Regel außerhalb ihres Wahlkreises tätig waren und deswegen zum Wahlzeitpunkt nicht ihre Stimme in ihrem Wahlkreis abgeben konnten. Die Wahl für service electors fand per Briefwahl statt. Im Ausland lebende indische Staatsbürger (NRI, non-resident Indians) konnten auf Antrag an der Wahl teilnehmen, wenn sie zum 1. Januar 2024 das 18. Lebensjahr vollendet hatten und in ihrem Reisepass einen Wohnort in Indien eingetragen hatten. Sie waren dann im Wahlkreis des Wohnorts wahlberechtigt, mussten aber für die Wahl physisch direkt am Wahlort erscheinen, d. h. nach Indien reisen. Die Möglichkeit einer Briefwahl oder Stimmenabgabe in einer indischen Vertretung im Ausland (Botschaft, Konsulat) bestand nicht. Insgesamt beantragten 119.389 Auslandsinder (darunter alleine 89.839 aus Kerala) ihre Wahlunterlagen und wurden damit zur Gesamtheit der Wahlberechtigten gezählt.

Wahlkreise Eine Wahl fand in 542 von 543 Wahlkreisen statt. Im Wahlkreis 24-Surat fand keine Wahl statt, da es nur einen Kandidaten gab (s. o.). Von den 543 Wahlkreisen waren 84 für Angehörige der scheduled castes, d. h. Angehörige von als unterprivilegiert staatlich anerkannten registrierten Kasten, und 47 für Angehörige der scheduled tribes, d. h. der staatlich anerkannten indigenen Stammesvölker (Adivasi), reserviert.

Kandidaten und Parteien In 542 Wahlkreisen traten 8359 Kandidaten an, d. h. durchschnittlich 15 pro Wahlkreis (minimal 3 Kandidaten, maximal 54). Unter den Kandidaten befanden sich 7553 Männer (90,4 %), 800 Frauen (9,6 %) und 6 Hijras (0,07 %). An der Wahl nahmen 731 politische Parteien teil, davon sechs durch die Wahlkommission als „nationale Parteien“ anerkannte (BJP, Kongresspartei, Aam Aadmi Party, Bahujan Samaj Party, Communist Party of India (Marxist), National People’s Party), 47 durch die Wahlkommission als „Bundesstaatsparteien“ anerkannte und 690 sonstige registrierte Parteien. Zwölf Parteien waren sowohl als Bundesstaatspartei, als auch in mindestens einem anderen Bundesstaat oder Unionsterritorium als sonstige registrierte Partei geführt und wurden daher sowohl unter den Bundesstaatsparteien, als auch den sonstigen registrierten Parteien aufgeführt.Die 12 Parteien waren ASJU Party, AIADMK, AIFB, AIMIM, AITC, CPI, CPI(ML)L, IUML, JMM, NCP, NCP(SP), RSP

Abgegebene Stimmen mini|Elektronisches Wahlgerät, wie es bei der Wahl 2025 verwendet wurde (noch ohne Kandidatennamen und Symbol der zugehörigen politischen Partei) 642.139.275 Stimmen wurden in Wahllokalen an elektronischen Wahlgeräten abgegeben und 4.281.594 als Briefwahlstimmen, entsprechend einer Gesamtzahl von 646.420.869 Stimmen. 638.990.692 abgegebene Stimmen waren gültig. Von diesen waren 635.292.105 an elektronischen Wahlgeräten abgegeben worden (= 99,42 % gültige Stimmen) und 3.698.587 als Briefwahlstimmen (= 86,38 % gültige Stimmen). Landesweit gab es 1.051.016 Wahllokale mit durchschnittlich 930 Wählern pro Wahllokal. In 40 Wahllokalen musste die Wahl wiederholt werden.

Seit der Wahl 2014 konnten Wähler an den elektronischen Wahlgeräten bzw. auf Stimmzetteln die Option „None of the above“ (NOTA, „keiner der obigen [Kandidaten]“) wählen, um damit anzuzeigen, dass sie keine der auf dem Stimmzettel aufgeführten Kandidaten für wählbar hielten. 6.371.839 Wähler wählten diese Option. NOTA-Stimmen werden zwar separat gezählt, aber als ungültig gewertet, d. h. selbst wenn in einem Wahlkreis NOTA-Stimmen die Mehrheit ausmachen würden, wäre trotzdem der Kandidat mit der höchsten Stimmenzahl gewählt.

469 (86,4 %) der 543 gewählten Abgeordneten waren Männer und 74 (13,6 %) Frauen. mini|hochkant=1.5|Wahlbeteiligung nach Bundesstaaten und Unionsterritorien +Wahlberechtigte und WählerBundesstaat/UnionsterritoriumZahlWahllokaleWahl-berechtigteWählerstimmenBeteili-gungWahlgerätBriefwahlGesamtAndhra Pradesh46.38941.401.88733.348.275510.68233.858.95781,78 %Arunachal Pradesh2.226898.442691.00337.390728.39381,07 %Assam28.65024.572.11419.991.860126.30620.118.16681,87 %Bihar77.46277.259.57943.318.981161.87843.480.85956,28 %Goa1.7251.179.644896.97811.200908.17876,99 %Gujarat49.14048.009.94528.854.536307.45129.161.98760,74 %Haryana20.03120.187.91113.009.76865.86213.075.63064,77 %Himachal Pradesh7.9925.711.9694.000.41880.6584.081.07671,45 %Karnataka58.87154.772.33238.657.140178.23738.835.37770,90 %Kerala25.23127.807.00819.777.189256.06920.033.25872,04 %Madhya Pradesh64.87956.668.85237.847.559124.80937.972.36867,01 %Maharashtra98.14093.061.76057.009.173239.22957.248.40261,52 %Manipur3.0492.051.3571.588.38517.3841.605.76978,28 %Meghalaya3.5122.230.4511.705.7039.3241.715.02776,89 %Mizoram1.280861.327487.1884.640491.82857,10 %Nagaland2.3421.325.383760.5386.035766.57357,84 %Odisha38.03833.716.96525.063.626150.73325.214.35974,78 %Punjab24.45121.567.19613.478.55064.29913.542.84962,79 %Rajasthan53.12853.508.01032.836.062375.87633.211.93862,07 %Sikkim573466.643369.87618.631388.50783,26 %Tamil Nadu68.32162.404.94743.458.597310.50943.769.10670,14 %Tripura3.3502.870.8962.314.91133.9162.348.82781,82 %Uttar Pradesh162.069154.403.11287.722.429275.11487.997.54356,99 %Westbengalen80.53076.124.78060.261.961292.57460.554.53579,55 %Chhattisgarh24.22920.678.66715.039.93143.37615.083.30772,94 %Jharkhand29.52125.877.89217.097.589181.60317.279.19266,77 %Uttarakhand11.7238.431.1014.771.64992.5324.864.18157,69 %Telangana35.80933.232.31821.813.723218.10922.031.83266,30 %Andamanen und Nikobaren412315.745201.992605202.59764,16 %Chandigarh614660.552448.548835449.38368,03 %Dadra und Nagar Haveli und Daman und Diu459417.236297.536537298.07371,44 %Delhi13.64115.214.6388.916.76626.8198.943.58558,78 %Lakshadweep5557.95348.63061749.24784,98 %Puducherry9671.024.024807.7243.708811.43279,24 %Jammu und Kashmir 11.6298.802.3485.111.867509995.162.86658,65 %Ladakh578190.576132.6143048135.66271,19 %Gesamt1.051.016977.965.560642.139.2754.281.594646.420.86966,10 %

Ergebnisse Das von Premierminister Narendra Modi geführte Parteienbündnis NDA (mit unter anderem SHS und JD(U)) erreichte die für die Regierungsbildung erforderliche Schwelle von 272 Sitzen. Modis hindu-nationalistische BJP-Partei hat jedoch ihre absolute Parlamentsmehrheit verloren und wird die Wahl voraussichtlich mit 240 von 543 Sitzen beenden – weitaus weniger als das Ziel von 400 Sitzen, das sich Modi während des Wahlkampfs gesetzt hatte. Das Oppositionsbündnis um Rahul Gandhi hat sehr viel besser abgeschnitten als erwartet und sich bisher landesweit 193 Sitze gesichert – mit einem besonders starken Ergebnis im Süden.