Unterbrüden ist ein Kirchdorf mit etwa 1900 Einwohnern und seit 1971 ein Ortsteil der Gemeinde Auenwald im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Geographie Zur Altgemeinde Unterbrüden gehörte lediglich das Dorf Unterbrüden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden um Unterbrüden mehrere Aussiedlerhöfe.
Umliegende Ortschaften sind Mittelbrüden im Norden, Rottmannsberg im Nordosten, Ebersberg und Lippoldsweiler im Osten, Hohnweiler und Bruch im Südosten, Oberweissach im Süden sowie Unterweissach und die Dresselhöfe im Westen beziehungsweise Nordwesten.
Bei Unterbrüden befand sich der 1426 erwähnte Kymenhof.
Geschichte
Mittelalter Indirekt wurde Unterbrüden erstmals in einer in Ulm ausgestellten Urkunde am 16. Juli 1027 erwähnt. Mit dieser Urkunde schenkte der römisch-deutsche Kaiser Konrad II. dem Bischof Meginhard I. und seinem Bistum Würzburg den Reichswald um Murrhardt innerhalb bestimmter Grenzen. In diesem Zusammenhang wird auch ein montem Eicheneberch sowie ein Heroltosbach genannt.Württembergisches Urkundenbuch, Band I., Nr. 219, Seite 259–260 Hierbei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Eichelberg, der nordöstlich von Unterbrüden liegt und den Holzbach, der am Eichelberg entspringt und durch den Ort fließt.
Erstmals erwähnt wird ein Ort mit dem Namen Brüden in einer Urkunde von Papst Innozenz IV. aus dem Jahre 1245. Mit dieser Urkunde bestätigte der Papst den Augustiner-Chorherren vom Stift Backnang Besitztümer und Privilegien in verschiedenen Orten.Württembergisches Urkundenbuch, Band IV., Nr. 1040, Seite 90–93 Allerdings ist unklar, auf welches der drei Brüden-Orte sich die Urkunde bezieht. Wahrscheinlich ist, dass mit dem Ort das heutige Oberbrüden gemeint war. Unterbrüden entstand wohl erst einige Zeit später. Auf einer Karte von Georg Gadner von 1593 findet sich erstmals ein Under Brida. mini|Unterbrüden Ende des 17. Jahrhunderts
Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg hatte auch Unterbrüden unter Einquartierungen, Plünderungen und Seuchen zu leiden. Viele Einwohner wurden von Soldaten überfallen, misshandelt und oftmals auch getötet. Am 23. Oktober 1634 wurde Stoffel Klein im Waldgewann Eichelberg von meuternden Soldaten erschlagen. Am 16. November 1634 wurde der Knecht Hans Schaal von der Seemühle von einem Soldaten in mörderischer Weise erstochen, als er ihnen den Weg nach Unterbrüden zeigen wollte. Unterbrüden zählte im Jahre 1626 184 Einwohner. 1641 wurden nur noch 28 Personen gezählt. Viele Einwohner waren vertrieben, der Pest zum Opfer gefallen oder auf den Schlachtfeldern gestorben. Nach dem Westfälischen Frieden (1648) konnten viele Vertriebene zurückkehren. 1654 hatte sich die Bevölkerung wieder einigermaßen erholt und man zählte nun 71 Einwohner. Es sollte jedoch noch lange dauern, bis das Vorkriegs-Niveau wieder erreicht werden konnte. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatte Unterbrüden wieder etwa 100 Einwohner. mini|Historischer Wegweiser in Unterbrüden Ende des 17. Jahrhunderts erschien Unterbrüden als Under Brüden in den Forstlagerkarten von Andreas Kieser.
19. Jahrhundert Das milde Klima Unterbrüdens begünstigte den Wein- und Obstbau. Die Weinbauflächen umfassten Mitte des 19. Jahrhunderts noch 56 Morgen. Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung (1871) waren es immerhin noch 45 Morgen. Auf einen Morgen pflanzte man etwa 1900 Rebstöcke. Es wurden hauptsächlich die Weißwein-Sorten Elbling, Roter Elbling und Silvaner gepflanzt, jedoch auch Rotwein-Sorten, etwa Trollinger. Die beste Weinlage war die Flur Altenberg am Südhang des Eichelbergs. Ein Großteil des Weins wurde nach Backnang und in die Orte des Welzheimer Waldes verkauft.Beschreibung des Oberamts Backnang, S. 327. Durch die Reblaus und andere Schädlinge verschwand der Weinbau bis zum Ersten Weltkrieg und die Weinberge wurden in Streuobstwiesen umgewandelt.
An Obstsorten pflanzte man zumeist Mostobstsorten. Weiterhin auch Steinobst (Zwetschgen, Pflaumen, Pfirsiche und Kirschen). In guten Jahren konnte etwas Obst nach außen verkauft werden. Schäferei wurde von ortsfremden Schäfern betrieben und die Wolle nach Baden verkauft, während die Schlachtschafe bis nach Paris abgesetzt wurden. Die Rinder wurden auf die Märkte von Cannstatt, Ludwigsburg und Stuttgart getrieben. Viele Handwerker, vor allem Maurer, arbeiteten in den Sommermonaten auf Baustellen von Stuttgart und kehrten erst im Herbst nach Hause zurück. In Heimarbeit wurde Leinenweberei betrieben und Besen gebunden.Beschreibung des Oberamts Backnang, S. 326.
Im Ort bestand eine Gips-, Schrot- und Ölmühle samt Hanfreibe, dazu zwei Gaststätten und ein Kramladen.
Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg sind aus Unterbrüden 25 Soldaten gefallen. An die Toten erinnert ein Kriegerdenkmal mit Eisernem Kreuz, Stahlhelm und gekreuzten Bajonetten.
Weimarer Republik In der Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich Unterbrüden aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Armut zu einer Hochburg der linksextremen KPD. Bereits 1926 erhielten die Kommunisten in Unterbrüden 26,1 % der abgegebenen Stimmen, während die gemäßigt linke SPD kaum Bedeutung hatte. Noch bei der Reichstagswahl von 1932 bekamen die Kommunisten 42 %. Nur ein Jahr später waren viele Wähler der KPD zur NSDAP abgewandert, die nun 48,3 % erhielt. Allerdings kam die KPD bei der letzten freien Wahl vor der Machtergreifung 1933 noch auf 25,3 %.
Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg waren in Unterbrüden ausgebombte Zivilisten aus Pforzheim und Zweibrücken in Notunterkünften einquartiert. Außerdem wurden zwei Mädchenklassen aus Stuttgart-Feuerbach in Unterbrüden untergebracht und gingen im Ort zur Schule.
Am 20. April 1945 um 13:00 Uhr marschierten Soldaten des 397. Regiments der 100. Infanteriedivision der US-Armee kampflos in Unterbrüden ein. Versprengte deutsche Soldaten schossen noch auf die anrückenden Amerikaner, zogen sich dann jedoch in Richtung Unterweissach und Allmersbach zurück. Eine geplante Sprengung der Brücke über den Brüdenbach konnte Bürgermeister Zucker gerade noch verhindern.
Nachkriegszeit Durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und des ehemaligen Österreich-Ungarn wuchs Unterbrüden nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. Das Neubaugebiet Grundweg entstand zwischen 1960 und 1968. Die Holzbachäcker wurden ebenfalls aufgesiedelt, die Baugebiete Holzbachäcker I, II und III entstanden bis 1966. Am Ende der 1960er Jahre folgte das Gebiet Holzbachäcker IV. 1971 wurde Unterbrüden ein Ortsteil der Gemeinde Auenwald. Im Vorfeld gab es auch Stimmen, die einen Zusammenschluss mit Unterweissach befürworteten.
Nach der Gebietsreform entstand das Neubaugebiet Holzbachäcker V mit 50 Wohneinheiten, das 1975 fertiggestellt wurde. Es wurde in der Folgezeit um die Wohnquartiere Holzbachäcker VI und VII vergrößert. In den 1990er Jahren entstand mit dem Quartier Stockrain das vorerst letzte größere Neubaugebiet.
Während der Dürre und Hitze in Europa 2026 geriet am 6. August ein Auto einer 59-jährigen Frau wegen eines technischen Defekts in Brand; das Feuer breitete sich auf eine benachbarte Wiese aus. Wegen der Dürre konnten sich die Flammen schnell ausbreiten und verursachten einen Flächenbrand mit hohem Sachschaden.
Am 31. August 2026 kam es zu einem schweren Autounfall auf der Kreissstraße 1907 zwischen Unterbrüden und Unterweissach. Bei dem Unglück wurde ein 20-jähriger Mann getötet und ein 34-Jähriger verletzt.
Einwohnerentwicklung
1626: 184 1641: 28 1654: 71 1684: 99 1692: 138 1810: 414 1828: 462 1870: 450 1894: 449 (446 evangelische, 3 katholische Einwohner)Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 364. 1896: 437 1939: 446 1950: 620 1961: 780 1971: 1006 1981: 1289 1986: 1296 1989: 1326 1991: 1338 1995: 1551 2008: 1900
Politik
Schultheißen und Bürgermeister Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß für den Ortsvorsteher durch Bürgermeister ersetzt.
Schultheißen Liste der Schultheißen (unvollständig; Amtszeiten teilweise unklar): 1810: Johannes Maier 1832: Johannes Zucker 1832–1839: Michael Müller, Landwirt 1840–1860: Johannes Beck 1886–1904; Karl Staiger, Landwirt 1904–1930: Karl Wolf, Landwirt
Bürgermeister Mit der Gemeindereform wurde zum 1. Dezember 1930 die Bezeichnungen Schultheiß in Bürgermeister geändert und die Schultheißenämter in Bürgermeisterämter umbenannt. 1930–1931: Karl Wolf, Landwirt 1931–1945: Gottlob Zucker 1945–1946: Gottlieb Layer 1946–1948: Friedrich Kugler 1948–1953: Gottlob Zucker 1953–1971: Karl Auktor (in Personalunion Bürgermeister von Oberbrüden) 1971: Walter Schmitt (zugleich Bürgermeister von Lippoldsweiler und Ebersberg)
Wappen und Flagge links|mini|152x152px|Das erloschene Wappen von Unterbrüden mini|148x148px|Alte Variante des Wappens Die Altgemeinde Unterbrüden führte ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Blasonierung: In gespaltenem Wappenschild oben in Gold (in der Heraldik als Gelb dargestellt) ein blauer Schlüssel, darunter in Blau ein goldener (gelber) Pflug.
Wappenbegründung: Der Pflug symbolisiert die einstmals große Bedeutung der Landwirtschaft in der Gemeinde.
Die Gemeindefarben waren Blau-Gold, dargestellt als Blau-Gelb.
Die Bannerflagge war blau-gelb gespalten mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.
Mit der Gemeindereform in Baden-Württemberg von 1971 ist das Wappen von Unterbrüden erloschen. Es wird heute nur noch von örtlichen Vereinen und zur Traditionspflege benutzt. Kirchen
Evangelische Kreuzkirche → Hauptartikel: Kreuzkirche (Unterbrüden)
Die dem Hl. Kreuz benannte Kreuzkirche ist die jüngste der evangelischen Kirchen Auenwalds. Sie befindet sich an der Ecke Brückenweg/Auenstraße und wurde 1970 gebaut.
Neuapostolische Kirche Die Neuapostolische Kirche von Unterbrüden ist ein repräsentativer Kirchenbau in der Lippoldsweiler Straße. Sie verfügt über einen Turm, der von einem goldenen Kreuz bekrönt ist.
Bildungseinrichtungen In Unterbrüden befindet sich eine Grundschule. Eine weiterführende Schule kann mit dem Bildungszentrum Weissacher Tal besucht werden.
Sehenswürdigkeiten
Historischer Wegweiser am Hohlweg Hochgasse Bauernhaus mit Gewölbekeller (erbaut 1840), Hügelstraße 10 (ehemals Haus Dais)
Bilder aus Unterbrüden
Vereinsleben
CVJM-Ortsgruppe Oberbrüden-Unterbrüden Gesangverein „Frohsinn“ Unterbrüden e.V. Kleintierzuchtverein Weissacher Tal mit Zuchtanlage (Unterbrüden, Grasmulde 1). Obst- und Gartenbauverein Unterbrüden
Sonstiges Nach den Brüden-Orten ist die regionale Apfelsorte Brüdener Parmäne benannt.
Persönlichkeiten
In Unterbrüden geboren Karl Stolz (1913–2001), Landrat, Präsident des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbandes Karl Kühnle (1923–2003), 143. Apostel der Neuapostolischen Kirche, Präsident der NAK in Württemberg und Bayern.
Mit Unterbrüden verbunden
Jens Steinat (* 1977), Allgemeinmediziner und Politiker (CDU)
Literatur
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 325f. Claudia Gollor-Knüdeler, Helmut Bomm: ...du seist ein Paradies. Allmersbach im Tal, Althütte, Auenwald, Weissach im Tal. Verlag Roland Schlichenmaier, Weissach im Tal 1994, ISBN 3-929478-07-2. Gemeinde Auenwald (Hrsg.): 750 Jahre Auenwald 1245–1995, Auenwald 1995.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Geographie (Auenwald) Kategorie:Ersterwähnung 1245 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Rems-Murr-Kreis) Kategorie:Ehemaliger Weinbauort in Deutschland