Máire Mhac an tSaoi (geborene Máire MacEntee, verheiratete Máire Cruise O’Brien; * 4. April 1922 in Dublin; † 16. Oktober 2021), war eine irische Sprachwissenschaftlerin und Mitarbeiterin im diplomatischen Dienst, vor allem aber eine modernistische Dichterin im Dialekt der Dingle-Halbinsel des Munster-Irisch, Memoirenschreiberin und eine herausragende Vertreterin der modernen irischen Literatur. Zusammen mit Seán Ó Ríordáin und Máirtín Ó Direáin war Mhac an tSaoi, in den Worten des Dichters Louis de Paor, eine „der drei Dichter, die die irische Lyrik in den 1940er und 50er Jahren revolutionierten“.
Leben Mhac an tSaoi wurde in Dublin geboren. Ihr Vater, Seán MacEntee, war gebürtig aus Belfast und ein Veteran der Irish Volunteers während des Osteraufstands von 1916 und des anschließenden irischen Unabhängigkeitskriegs sowie der Anti-Treaty IRA während des irischen Bürgerkriegs. MacEntee war auch ein Gründungsmitglied der Fianna Fáil, ein langjähriges Mitglied des Parlaments (TD) und Tánaiste im Dáil Éireann. Ihre Mutter, die im County Tipperary geborene Margaret Browne (oder de Brún), eine Lehrerin am Alexandra College, war ebenfalls eine irische Republikanerin. Ihr Onkel, Monsignore Pádraig de Brún, war ein Gelehrter der irischen Sprache, ihr anderer Onkel war Kardinal Michael Browne.
Mit der Mutter als Irischlehrerin wuchs sie inmitten der überlieferten bardischen Dichtung und „der mittelalterlichen aristokratischen Tradition höfischer Liebesgedichte in irischer Sprache“ auf. Louis de Paor zufolge wurde sie zudem stark von den Aufenthalten bei ihrem Onkel, Pádraig de Brún, beeinflusst, der neben seinen priesterlichen Pflichten in der Gemeinde Dún Chaoin den Dialekt der Dingle-Halbinsel des Munster-Irisch erforschte.
Mhac an tSaoi studierte moderne Sprachen und Keltologie am University College Dublin, bevor sie am Dublin Institute for Advanced Studies und von 1945 bis 1947 an der Sorbonne weitere Forschungen betrieb. Danach trat sie in den irischen diplomatischen Dienst ein und arbeitete während des Franco-Regimes in der irischen Botschaft in Madrid. Dort entdeckte sie die Werke von Federico García Lorca und begann mit dem Schreiben von Gedichten in irischer Sprache. Die beachtetsten Werke der 1940er und frühen 1950er Jahre haben die Spannung zwischen religiösen Überzeugungen und traditionellen Moralvorstellungen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen der Umwälzungen in einer Welt im Krieg zum Thema. Mhac an tSaois Gedichte beachten dabei traditionelle Sprach- und Versmuster.
1962 heiratete sie römisch-katholisch den Politiker, Schriftsteller und Historiker Conor Cruise O’Brien in Dublin. Dadurch wurde sie auch zur Stiefmutter von O’Briens Kindern aus seiner Zivilehe von 1939; die Eheleute adoptierten später zwei Kinder, Patrick und Margaret. Sie reiste mit ihrem Mann in die Demokratische Republik Kongo, als der von Generalsekretär Dag Hammarskjöld als Vertreter der Vereinten Nationen während der Kongo-Krise ausgewählt wurde.
Mhac an tSaoi lebte dann mit ihrem Mann in New York City, wo er an der New York University arbeitete; Ende der 1960er Jahre kehrten sie nach Dublin zurück. Mhac an tSaoi war gegen den Vietnamkrieg und nahm 1969 an einer Protestaktion gegen den Krieg teil.
Mhac an tSaoi hatte eine lebenslange Leidenschaft für die irische Sprache und war eine der führenden Autoritäten für Munster-Irisch. Sie gewann 1988 den O’Shaughnessy Poetry Award des Irish American Cultural Institute und erhielt 1992 den D. Lit. Celt. honoris causa der National University of Ireland. Sie wurde 1996 in die Aosdána gewählt, verzichtete aber 1997 auf die Mitgliedschaft, nachdem Francis Stuart zum Saoi ernannt worden war. Mhac an tSaoi hatte gegen Stuart gestimmt, weil er im Zweiten Weltkrieg als Spion der Abwehr tätig war und an Radiopropagandasendungen aus Nazi-Deutschland mitgewirkt hatte, die sich an das neutrale Irland richteten.
Im Jahr 2001 veröffentlichte Mhac an tSaoi den preisgekrönten Roman A Bhean Óg Ón… über die Beziehung zwischen dem Dichter, irischen Clanchef und Volkshelden Piaras Feiritéar aus dem County Kerry im 17. Jahrhundert und Meg Russell, der Frau, für die er einige der größten Liebesgedichte schrieb, die je in irischer Sprache verfasst wurden. A Bhean Óg Ón… und ihr Gedicht Jack wurden von 2006 bis mindestens 2010 in den Kursen zur Leaving Certificate Examination sowohl für Higher als auch für Ordinary Levels verwendet.
Zusammenfassend macht de Paor sie zusammen mit Seán Ó Ríordáin und Máirtín Ó Direáin für die Erneuerung der literarischen Moderne in der irischen Literatur in irischer Sprache verantwortlich, die seit der Hinrichtung von Patrick Pearse 1916 eingeschlafen war.
Weblinks
Veröffentlichungen (Auswahl) Margadh na Saoire (1956) Mit Conor Cruise O’Brien: A Concise History of Ireland (1972) Codladh an Ghaiscigh (1973) An Galar Dubhach (1980) An Cion go dtí Seo (1987) „Writing In Modern Irish – A Benign Anachronism?“ (1995) The Same Age as the State (2004) Cérbh í Meg Russell? (2008) Scéal Ghearóid Iarla (2010) Marbhnaí Duino (2013, Übersetzung von Rainer Maria Rilke: Duineser Elegien)
Einzelnachweise
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