mini|Preis für Brent-Rohöl in US-Dollar ($) pro Barrel 1988 bis Anfang März 2026
Der Ölpreis ist ein auf einem Markt festgestelltes Austauschverhältnis für eine bestimmte Menge einer Ölsorte. Die Vielzahl unterschiedlicher Ölsorten bedingt eine Vielzahl von Ölpreisen. In der Praxis bezieht sich der veröffentlichte Ölpreis jedoch meist auf ausgewählte Referenzöle – standardisierte Sorten, deren Preis an Termin- oder Spot-Märkten als Benchmark dient. Als Handelsgröße gilt das Barrel, was exakt 42 Gallonen oder c. 159 Liter sind, wobei 7 Barrel 1 metrischen Tonne entsprechen. Der Handel mit Öl gehört zur globalen Energiewirtschaft und ist zugleich ein zentraler Bereich der Mineralölwirtschaft.
Dabei hängt der Ölpreis von der unterschiedlichen physikalisch-chemisch Zusammensetzung, insbesondere vom API-Grad (Dichte) und Schwefelgehalt, ab. Man spricht auch von „süßen“ (Schwefelgehalt < 0,5 %) oder „sauren“ (Schwefelgehalt > 0,5 %) Ölsorten. Der fossile Rohstoff ist geprägt von vielen weiteren Eigenschaften (z. B. Viskosität, Asphaltengehalt, Wasser- und Salzgehalt), welche in Hinblick auf die daraus fabrizierten Produkte einen Einfluss auf den Preis nehmen.P. Hornsell, R. Mabro: Oil Markets and Prices: The Brent Market and the Formation of World Oil Prices. Oxford University Press, Oxford 1993. Außerdem wird Öl mit geringerer Qualität zur industriellen Nutzung konstant zu geringeren Preisen als Öl mit höherer Qualität gehandelt. Die Herstellung der Produkte (speziell die verschiedenen Kraftstoffe) findet dabei in Erdölraffinerien statt. Die auf der Basis von Rohöl erzeugten Grundchemikalien werden sodann anschließend in nachgelagerten Anlagen und chemischen Verfahren der chemischen Industrie zu petrochemischen Produkten weiterverarbeitet.
Ein großer Teil des realen internationalen Ölhandels findet ohne Börsenbeteiligung direkt zwischen Lieferant und Abnehmer als Teil der Erdölwirtschaft statt. Die Ursprünge dieser Geschäftspraxis gehen auf den „Posted-Price“ aus den 1900er Jahren zurück und reichten bis in die frühen 1980er Jahre. Die Preise orientieren sich seit Ende des 20. Jahrhunderts an den Kursen der internationalen (und meist elektronischen) Börsen wie der New York Mercantile Exchange (NYMEX) in New York City, der ICE Futures in London, die Amsterdam-Rotterdam-Antwerp (ARA) Handelsplattform, die Terminbörse Chicago Board of Trade (CBoT), der Shanghai Futures Exchange (SHFE) und der Singapore Exchange (SGX). (Hrsg.): Mineralölwirtschaftsverband e. V. 12/2004International Energy Agency Oil Prices and Refinery Activity (PDF; 95 kB) Ein bekannter US-amerikanischer Index ist der NYSE Arca Oil Index. Die wichtigsten Referenzöle für den Handel sind in diesem Zusammenhang Brent für Europa und West Texas Intermediate (WTI) für Nordamerika.
Der an den Ölbörsen festgestellte Marktpreis für Erdöl resultiert aus dem Angebot und der Nachfrage nach Erdöl. Die Nachfrage- und Angebotsseite werden dabei durch unterschiedliche Faktoren wie bspw. das Wirtschaftswachstum der Industriestaaten, die begrenzten Ölvorkommen sowie geologisch bedingte Fördermaxima, den Outputmengen der Raffinerien und den Fördermengen und Investitionen der Ölförderer bestimmt. Ebenfalls beeinflussen eine Vielzahl von Finanzmarktfaktoren wie beispielsweise Wechselkurse, Terminkontrakte und Zinssätze sowie verschiedene Ereignisse wie bspw. politische Konflikte, Kriege oder Naturkatastrophen den Ölpreis. Man spricht dann auch von Ölkrisen oder Energiekrisen.
Determinanten des Ölpreises mini|Ölpreise in US-Dollar pro Barrel von 1861 bis 2011 (1861–1944 WTI, 1945–1983 Arabian Light, 1984–2011 Brent). Die rote Linie basiert auf dem Preisstand von 2011 (lineare Skala). Deutlich zu erkennen ist der Ölpreiscrash Mitte der 1980er Jahre.|267x267px
Im Folgenden werden die Determinanten für den Ölpreis auf den internationalen Märkten genauer erläutert.
Nachfragefaktoren Die Ölnachfrage hängt primär vom Wachstum des Bruttosozialprodukts, von strukturellen Veränderungen der Wirtschaft und vom technischen Fortschritt sowie der Entwicklung des Ölpreises ab. Die Nachfrage von erschöpfbaren Gütern kann unter bestimmten Bedingungen verschwinden, so durch technologischen Fortschritt oder die Einführung eines Substitutes. Auch der Fall der Enteignung der Ressource wird als Verschwinden der Nachfrage modelliert. In unterschiedlichen makroökonomischen Publikationen wurde gezeigt, dass je nach Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines dieser oben genannten Szenarien, der Produzent bzw. Förderer eine Beschleunigung der Produktion bzw. Exploration versucht.
Wirtschaftswachstum Die konjunkturelle Entwicklung und somit die Nachfrage nach Erdöl in den Industrieländern und großen Schwellenländern wie z. B. China, Indien und Brasilien beeinflusst die Entwicklung des Ölpreises.
Bevorratung mini|El-Saharara-Ölfeld in Libyen
Die Volatilität des Ölpreises wirkt sich auf die Bevorratung in zweifacher Hinsicht aus. Der Anreiz zur Bevorratung durch Verbraucher, Raffinerien und Regierungen ist in der Regel in einem volatilen Markt größer, dies wiederum führt bei gleichbleibenden Bedingungen zu kurzfristigen Preissteigerungen. Zweitens erhöht die Volatilität selbst den Wert der Kaufoption.Anne-Marie Brook, Robert Price, Douglas Sutherland, Niels Westerlund, Christophe Andre: Oil Price Developments: Drivers, Economic Consequences and Policy Responses. 8. Dezember 2004. OECD Economics Working Paper No. 412, SSRN Ferner unterliegt der Ölpreis einer gewissen Saisonalität. So liegt der Tiefpunkt für gewöhnlich im Hochwinter zwischen Dezember und Januar, trotz des hohen Verbrauchs an Heizöl. Die Höchststände erreicht der Ölpreis hingegen im Frühjahr, wenn in den USA die „Driving Season“ beginnt, und im Herbst wegen der allgemeinen Bevorratung mit Heizöl.
Preiselastizität der Nachfrage Die Preiselastizität der Nachfrage misst die relative Änderung, die auf der Nachfrageseite auftritt, wenn eine relative Preisänderung eintritt. Die Nachfrage nach Öl zeigt sich dabei als sehr preisunelastisch, dies bedeutet, dass nur eine schwache Reaktion der Nachfrage auf Preisveränderungen eintritt. Dies ist häufig bei Gütern, die nicht schnell und einfach substituierbar sind, der Fall.
Die Internationale Energieagentur (IEA) macht hauptsächlich die geringe Preiselastizität für die starken Schwankungen des Ölpreises in den Jahren 2007–2009 verantwortlich.Internationale Energieagentur: Medium-Term Oil Market Report 2009 (PDF; 3,2 MB) S. 104. In der Zeit von Januar bis Juli 2008 betrug der Preissprung 55 % bei gleichzeitigem Nachfragewachstum von lediglich 1 %.
Einkommenselastizität der Nachfrage Wenn das verfügbare Einkommen steigt, steigt die Nachfrage nach Öl stärker. Mit steigendem Einkommen werden höhere Preise akzeptiert. Wenn das Realeinkommen konstant bleibt, dann würden höhere Preise die Nachfrage reduzieren.L. Hunt, G. Judge, Y. Ninomiya: Underlying trends and seasonality in UK energy demand: a sectoral analysis. In: Energy Economics. Issue 25, schätzen die langfristige Einkommenselastizität der Nachfrage in ihrem Modell, welches auf Daten für den britischen Energiemarkt für die Jahre 1971–1997 auf 0,56 ein. D. Gately, H. Huntington: The asymmetric effects of changes in price and income on energy and oil demand. In: The Energy Journal. 2002, 23, schätzen die langfristige Preiselastizität der Nachfrage in ihrem Modell, welches auf Daten für den o. g. Zeitraum beruht, für OECD-Staaten auf 0,56 und Nicht-OECD-Staaten auf 0,53. Für die asiatischen Länder bzw. schnell wachsende Schwellenländer kommen sowohl D. Gately und H. Huntington als auch M. Pearan, R. Smith, T. Akiyama: Energy Demand in Asian Developing Economies. A World Bank Study, Oxford University Press, 1998 zu Werten um 0,95–1,2
Insbesondere die Aussagen zu der Marktsituation bei konstanten Realeinkommen sind jedoch in Frage zu stellen. Bei konstantem oder sinkendem Realeinkommen und steigendem Ölpreis findet eben auch eine Priorisierung des Konsums statt. Andere Güter werden dann weniger oder gar nicht mehr konsumiert bzw. nachgefragt, um den Preisanstieg bei einem definierten Budget und gegebenen Bedarf kompensieren zu können. Da Öl zu den Gütern der Grundversorgung der Menschen in den Industriegesellschaften zu zählen ist, sind solche Mechanismen jedoch von erheblicher Bedeutung in der (politischen) Beurteilung gesellschaftlicher und ökonomischer Realitäten.
Angebotsfaktoren
Die Angebotsseite wird überwiegend durch die Verfügbarkeit, die zukünftige Verfügbarkeit und die Einschätzung dieser, sowie der Marktstruktur bestimmt.
Erdölreserven
Die Unsicherheit über die tatsächlich vorhandenen Reserven und die unterschiedlichen Bewertungsansätze der Ölfirmen sind wichtige Faktoren zur Ölpreisbildung. Von dem globalen Ölvorkommen kann aufgrund physikalischer Grenzen nur ein kleiner Teil gefördert werden. Mit steigendem Ölpreis erhöht sich der ökonomisch sinnvolle Anteil an förderbaren Reserven.
Marktstruktur und Knappheitsrente mini|Vereinfachte Darstellung der Knappheitsrente und den Grenzkosten der Förderung
Im Unterschied zur vollkommenen Konkurrenz ist der Preis bei erschöpfbaren Ressourcen nicht der Schnittpunkt der Nachfrage mit den Grenzkosten. Die Hotelling-Regel besagt, dass für eine nicht-erneuerbare Ressource, die in begrenzter Menge zur Verfügung steht unter der Vernachlässigung von Lagerkosten, der Gewinn aus dem Verkauf der Ressource dann maximiert wird, wenn die Knappheitsrente (d. h. die periodischen diskontierten Zahlungen dieser Knappheitsrente) für jede Periode gleich ist. Die Knappheitsrente gibt dabei die Opportunitätskosten des Verkaufs einer zusätzlichen Ressourceneinheit an. Mit anderen Worten, in einem vollkommenen Markt wächst die Differenz zwischen Marktpreis und Grenzkosten von Periode zu Periode mit dem Zinssatz, und daher muss der Preis der erschöpfbaren Ressource im Laufe der Zeit unter der Annahme, dass die Grenzkosten konstant sind, zunehmen.
Wie bereits anfangs erwähnt beeinflussen auch geopolitische Unsicherheiten, Kapazitätsengpässe, niedrige Lagerbestände und Preisvolatilität den Marktpreis. Die Dynamik des Ölmarktes ist dabei meist zögerlich und eine (partielle) Gleichgewichtspreisfindung eher langfristig. Oben genannten Umstände können dazu führen, dass kurzfristig Spotpreise und Preise für Futures mit kurzer Laufzeit dramatisch über den Gleichgewichtspreis ansteigen können.G. Farell, B. Kahn, F. Visser: Price determination in international oil markets: developments and prospects. South African Reserve Bank Quarterly Bulletin, March Eine Studie zu lateinamerikanischen Aktienmärkten deutet darauf hin, dass geopolitische Konflikte auch weit entfernte Finanzmärkte über Ölpreise und Wechselkurse beeinflussen können.
OPEC – Preissetzung und Angebotsverknappung mini|Globale Verteilung der OPEC-Mitgliedsstaaten.
Der Rohölmarkt wird oft als Kartell bezeichnet. Speziell das Monopol der Standard Oil bis 1911, später die Einflussnahme der Seven Sisters und ab 1960 der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auf den Erdölpreis sind hier zu erwähnen.
Diese Bezeichnung „Kartell“ ist jedoch eine starke Vereinfachung. Dennoch kommen die meisten makroökonomischen Studien bezüglich der Marktstruktur des Ölmarktes zum Ergebnis, dass die OPEC-Mitgliedsstaaten und einige Nicht-Mitglieder bei der Festlegung der Ölfördermengen zumindest stark kooperieren.
Diese starke Kooperation wird teilweise als horizontale Kollusion bezeichnet, bei der es zu einer Preisverzerrung kommt. Das starke Kooperationsverhalten beeinträchtigt die Gleichgewichtspreisfindung durch die freien Marktkräfte Angebot und Nachfrage. Unter extremen Bedingungen können Angebotsbeschränkungen seitens der Förderländer und die daraufhin folgenden Preiserhöhungen die globale Finanzstabilität bedrohen.
Finanzmarktfaktoren