mini|hochkant|Johann Emanuel von Küster (1764–1833) Johann Emanuel Küster, ab 1815 von Küster (* 11. November 1764 in Havelberg; † 30. Mai 1833 in München), war ein deutscher Diplomat und preußischer Geheimer Staatsrat.

Leben Küsters Eltern waren der evangelische Prediger Samuel Christian Küster (1730–1797), der 1759 in Havelberg zum Ober-Domprediger befördert worden war, und dessen Ehefrau Christine Charlotte Küster, geb. Jury. Sein älterer Bruder war er Theologe und Schulmann Samuel Christian Gottfried Küster. Er besuchte zunächst die Domschule in Havelberg und wechselte nach der Versetzung seines Vaters von Havelberg nach Berlin-Friedrichswerder auf das Friedrichswerdersche Gymnasium. Vom 14. Mai 1784 an studierte Küster an der Universität Halle Rechts- und Staatswissenschaften.Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1606/15. Teil I: Biographien A – L. K. G. Saur, München 2009, S. 541. (Digitalisat Books, eingeschränkte Vorschau). Er war Mitglied des studentischen Constantistenordens.Anna Joisten: »Vor den Richterstuhl der Zeitgenossen und der öffentlichen Meinung« – Der Fall des preussischen Staatsdieners und Spätaufklärers Hans von Held. Böhlau/Brill, Köln 2023, S. 106. (Digitalisat Books, eingeschränkte Vorschau). Er scheint sein Studium in Berlin fortgesetzt zu haben, zählte dort jedenfalls später zum Kreis Berlinischer Schriftsteller.Valentin Heinrich Schmidt und Daniel Gottlieb Gebhard: Neuestes gelehrtes Berlin; oder literarische Nachrichten von jetztlebenden Berlinischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen. Teil I: A – L. Maurer, Berlin 1795, S. 283–284. (Digitalisat Books).

Die Laufbahn Küsters im diplomatischen Dienst begann, als die preußische Regierung am 5. Juni 1786 den im Auswärtigen Amt beschäftigten Geheimrat Christian von Dohm wegen der preußischen Außenprovinz Kleve zum Direktorialen für das Direktorium des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises, mit Sitz in Köln, ernannt hatte und er Küster als Assistenten mitnahm. Seiner Behörde hatte Dohm den Kandidaten der Jurisprudenz Johann Emanuel Küster als „einen jungen Menschen von guten Kenntnissen und Sitten, den ich schon seit einigen Jahren kenne“ empfohlen.Joseph Hansen (Hrsg.): Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution. Erster Band: 1780–1791, Hanstein, Bonn 1931, S. 22 (Digitalisat Books). Am 1. Juni 1787 wurde Küster zum Gesandtschaftssekretär ernannt. Er erwies sich als so fähig, dass er im Jahr 1791, von Mai bis November, als Dohm eine längere Urlaubsreise in die Schweiz unternahm, diesen vertreten und für ihn nach Berlin berichten konnte. 1791/92 hielt er sich mit Dohm in Aachen auf; 1793 wurde Küster zum Geheimen expedierenden Sekretär mit dem Prädikat Kriegsrat im Kabinettsministerium befördert.

Im Zusammenhang mit den von Frankreich im Tilsiter Frieden 1807 den unterlegenen Staaten abgenötigten Zahlungsverpflichtungen war Küster 1811 als Chef der 2. Abteilung des Außenministeriums vom preußischen König beauftragt worden, mit dem Finanzbeauftragten des westfälischen Königs über eine einvernehmliche Aufteilung der Schuldenlasten zu verhandeln.Gesetz-Bülletin des Königreichs Westphalen – Während des Jahres 1811 erlassene Decrete – Nr. 1 bis 37. Gesetz-Bülletin Nr. 17, Cassel 1811, S. 293. (Digitalisat Books).

Küster wurde am 26. Januar 1815 nobilitiert.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 78.

Küster war von 1815 bis 1833 preußischer Gesandter in Stuttgart und zugleich preußischer Gesandter in München von 1814 bis 1817 und von 1824 bis 1833; außerdem war Küster von 1819 bis 1823 als preußischer Gesandter in Karlsruhe akkreditiert.Jürgen Müller (Hrsg.): Demagogenverfolgung, Militärpolitik und wirtschaftliche Fragen 1824–1830. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2024, S. 59 (Digitalisat Books, eingeschränkte Vorschau). Auf dem Wiener Kongress war er enger Mitarbeiter Hardenbergs. Küster war im Auftrag des preußischen Königs an den Verhandlungen zur Gründung des Deutschen Bundes beteiligt, und zwar in seiner Eigenschaft als Geheimer Staatsrat, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei dem König von Württemberg und bei dem Großherzog von Baden, und wird in der Schluß-Akte der über Ausbildung und Befestigung des deutschen Bundes zu Wien gehaltenen Ministerial-Conferenzen‘ vom 15. Mai 1820 namentlich erwähnt.Karl Binding (Hrsg.): Deutsche Staatsgrundgesetze in diplomatisch genauem Abdrucke – Zu amtlichem und zu akademischem Gebrauche. Heft III: Konföderations-Akte. Deutsche Bundes-Akte. Wiener Schluß-Akte. Engelmann, Leipzig 1893, S. 38. (Digitalisat Books).

Familie Küster heiratete in München im Mai 1793 Maria Jocobine Heberle (1767–1847) aus Aachen. Aus der Ehe gingen drei Töchter und vier Söhne hervor, die alle in der Dorotheenstädtischen Kirche in Berlin getauft wurden. Seine älteste Tochter Auguste Wilhelmine Elisabeth (1795–1868), genannt ‚Betty‘, Stiftsdame, war Begleiterin der bayerischen Kronprinzessin Marie.F. W. J. Schelling: Philosophische Entwürfe und Tagebücher. Meiner, Hamburg 2023, S. 268. (Digitalisat Books, eingeschränkte Vorschau). Sohn Karl Gustav Ernst von Küster (* 29. Januar 1797) war kgl. preuß. Major und Legationsrat in Berlin, kaufte 1835 das Schloss Lomnitz in Schlesien († 1859). Der zweitälteste Sohn Franz Theodor (* 14. Dezember 1798) war ebenfalls Legationsrat, starb 1858 in Stuttgart. Von den jüngeren Töchtern Sophie Emilia (* 28. Juni 1800) und Julie Pauline von Küster (* 28. Mai 1803 Berlin) wurde letztere bekannt, die als Genre- und Ansichtenmalerin und Porträtistin wirkte. Sie starb 1873 im württembergischen Merklingen. Der zweitjüngste Sohn Paul Eduard Emanuel (* 16. Juli 1804) wurde preußischer Regierungsrat und wanderte um 1850 nach Nordamerika aus. Der jüngste Sohn Ernst Maximilian (* 24. November 1805) war Appellationsgerichtsrat in Breslau.

Küsters Neffe Wilhelm Küster, Major und Legationsrat, der seit Frühjahr 1817Schreiben aus St. Petersburg, vom 16 May. In: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. №. 85, Dienstag, 29. Mai 1817. (Digitalisat Books). bei der preußischen Gesandtschaft in St. Petersburg tätig gewesen und am 21. Juni 1822 nobilitiert worden warMaximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 86 u. Nachtrag S. 11., hatte mit dem Kaiser-Alexander-Grenadier-Regiment an dem russischen Feldzug 1828 an der Donau teilgenommen.Friedrich Karl Ferdinand von Müffling, Hans Joachim Behr: Karl Freiherr von Müffling: Offizier, Kartograph, Politiker (1775–1851) – Lebenserinnerungen und kleinere Schriften. Böhlau, Köln 2003, S. 301. (Digitalisat Books, eingeschränkte Vorschau).Karl August Varnhagen von Ense: Aus dem Nachlasse Varnhagen’s von Ense – Blätter aus der preußischen Geschichte. Band 3, Brockhaus, Leipzig 1868, S. 336. (Digitalisat Books).

Schriften (Auswahl) Actenmäßige Berichtigung der sogenannten actenmäßigen Darstellung der Ursachen, warum die von dem Kaiserlichen und Reichs-Kammer-Gericht den Kreisausschreibenden Herrn Fürsten des niederrheinisch-westphälischen Keises unterm 27sten August 1789 gegen die Lütticher Aufrührer aufgetragene Executions-Commission bisher unvollstreckt geblieben ist, und deren Nachtrags. Königliche Hofbuchdruckerei, Berlin 1791 (Digitalisat). Von den neueren Versuchen des Königlich-Preußischen Hofes, die Lüttichsche Sache zu vermitteln. Königliche Hofdruckerei, Berlin 1792. (Digitalisat). Darstellung des jetziges Krieges zwischen Deutschland und Frankreich, in besonderer Hinsicht auf die Theilnahme Preußens bis zum Basler Friedensschluß. Vieweg, Berlin 1796. (Digitalisat). Umriß der preußischen Monarchie nach statistischen, staats- und völkerrechtlichen Beziehungen. Erstes Heft, Unger, Berlin 1800. (Digitalisat). Beiträge zur Preußischen Staatskunde. Erste Sammlung, Haude und Spener, Berlin 1806. (Digitalisat). Darstellung des Benehmens der Französischen Regierung gegen Preussen seit dem Tilsiter Frieden. Haude und Spener, Berlin 1813. (Digitalisat).

Literatur Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 5, Voigt, Leipzig 1864, S. 324–325 (Google Books). Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Vierter Band, Meyer, Lemgo 1797, S. 304–305 (Google Books). Valentin Heinrich Schmidt, Daniel Gottlieb Gebhard: Neuestes gelehrtes Berlin; oder literarische Nachrichten von jetztlebenden Berlinischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen. Teil I: A – L. Maurer, Berlin 1795, S. 283–284 (Google Books).

Erich Wege: Das Stammbuch Friedrich von Mathissons. Band 2, Wallstein, Göttingen 2007 S. 284. (Google Books, eingeschränkte Vorschau).

Einzelnachweise

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