Walther Maximilian Gustav Quedenfeldt (* 26. September 1871 in Essen;Lebenslauf. In: Gustav Quedenfeldt: Die Mysterien des heiligen Sebastian, ihre Quellen und ihr Abhängigkeitsverhältnis. Dissertation Marburg 1895, S. 95; digitale-sammlungen.de.Das Deutsche Literatur-Lexikon (siehe unter Literatur) nennt als Geburtsort abweichend Berlin. † 23. Oktober 1959 in München) war ein deutscher Dramatiker, Librettist, Arrangeur und Theateragent.

Leben

Gustav Quedenfeldt, evangelischer Konfession, wurde als Sohn des Eisenbahnbaumeisters und späteren Duisburger Stadtbaurats Theodor Quedenfeldt (* 8. Juli 1834 in Karmitten; † 5. Oktober 1906 in Duisburg) und dessen Ehefrau Klara, geborene Thiel, in Essen geboren. Seine Geschwister waren die Malerin Anna Quedenfeldt (1868–1959), der Fotograf Erwin Quedenfeldt (1869–1948) und Kurt Quedenfeldt (1878–1929).Irmgard Siebert, Dietmar Haubfleisch: Erwin Quedenfeldt. Von der Fotografie zur Lichtbildkunst. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2022, ISBN 978-3-465-04578-6, S. 558–559. Quedenfeldt besuchte zunächst in Magdeburg die Schule und schloss nach dem Umzug der Familie nach Duisburg das dortige Realgymnasium mit dem Reifezeugnis ab. Danach studierte er in Bonn, Berlin, Genf und Marburg neuere Sprachen und wurde dort 1895 mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über die Legenden des heiligen Sebastian zum Dr. phil. promoviert.

Danach schlug er die Theaterlaufbahn ein. Er trat zunächst als Tenor im Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz, in Dresden und in Leipzig auf.Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Band 69, Druck und Kommissionverlag F.A. Günther & Sohn, 1961, S. 88; . 1907 gehörte er dem Ensemble des Stadttheaters Basel als Darsteller an.Neuer Theater-Almanach. Theatergeschichtliches Jahr- und Adressen-Buch. Band 18. Präsident der Reichstheaterkammer, Berlin 1907, S. 269; . Im August 1907 zog er nach München, wo er mit einigen Unterbrechungen die längste Zeit seines Lebens bleibt.

Von 1916 bis 1921 betrieb er zusammen mit Hans Foerster die Konzertagentur Triton. Später erwarb er sich hauptsächlich einen Namen als Operettenlibrettist. Während der Zeit des Nationalsozialismus trat er überwiegend als Bearbeiter klassischer Operetten in Erscheinung. Er gliederte sich damit in ein System der nationalsozialistischen Kulturpolitik ein, das Genre der Operette zu „entjuden“ und der vielfachen Beiträge jüdischer Autoren zu entledigen. Um deren Namen verschwinden lassen zu können, wurden viele Werke von „arischen“ Autoren stark überarbeitet oder mit gänzlich neuen Texten unterlegt. In diesem Zuge wurden auch die Handlungen der Werke oft stark verharmlost sowie politischer und obrigkeitskritischer Inhalte entkleidet.Heike Quissek: Das deutschsprachige Operettenlibretto : Figuren, Stoffe, Dramaturgie. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-02481-7, S. 284–292, hier S. 288; doi:10.1007/978-3-476-05351-0.Ingo Fulfs: Musiktheater im Nationalsozialismus. Tectum, Marburg 1995, ISBN 3-89608-913-7, S. 71–78. Welche Rolle Quedenfeldt innerhalb dieses Systems spielte ist allerdings nicht systematisch untersucht.

Quedenfeldt heiratete 1901 Amalie Adelheid Reifen, der gemeinsame Sohn Gernot wurde im selben Jahr geboren. Die Ehe wurde 1906 geschieden. 1908 heiratete er die Sängerin Carola Galster.

Werke Die Mysterien des heiligen Sebastian, ihre Quellen und ihr Abhängigkeitsverhältnis (Diss. Marburg) 1895; . Gedichte eines Unmodernen. 1898. Künstlerlieben. Eine Spaziergangserzählung in Versen. 1899. Richard Meienreis: Lumpenlies’l (Singspiel, Libretto) 1905.Lumpenlies’l: Singspiel in einem Akt von Gustav Quedenfeldt. Mit Einlagen von Anna Maria Witte. Musik von Richard Meienries [sic] 2. Auflage. 1929; . Franz Werther (= Franz Wickenhauser): Die Musterweiber (Libretto mit Paul Hubl und Michail Alexandrowitsch Weikone). Dresden 1911.Franz Stieger: Opernlexikon. Teil III: Librettisten, Band 3: Q – Z. Schneider, Tutzing 1981, ISBN 3-7952-0319-8, S. 781; Michał Józefowicz: Das Boudoirgeheimnis. München 1912. Franz Werther: Die wehrpflichtige Braut (Libretto mit Philipp Weichand). München 1914. Josef Snaga: Der Hutmacher seiner Majestät (Libretto mit Theo Halton). Hannover 1915. Franz Werther: Das verbotene Lied (Libretto mit Paul Hubl). München 1916; . Richard Trunk: Herzdame (Libretto). 1917, . Carl Zeller: Der Vogelhändler (Operette, Textbearbeitung mit Walther Brügmann) 1933. Arthur Bauckner nach Melodien von Carl Millöcker: Das verwünschte Schloß (Operette, Text mit Walther Brügmann). Leipzig 1934, . daraus: Arthur Bauckner: Husarenritt (Marsch, Text mit Walther Brügmann) 1934.Catalog of Copyright Entries: Musical compositions. Band 29, Nr. 3, S. 254; . Josef Snaga: Wenn Liebe befiehlt (Libretto mit Julius Werth). 1935. Franz von Suppè: Boccaccio (Textbearbeitung; musikalische Bearbeitung: Franz Werther). 1935; . Franz von Suppè: Dichter und Bauer (Textbearbeitung mit Eugen Rex; musikalische Bearbeitung Franz Werther). 1936; . Johann Strauss (Sohn): Eine Nacht in Venedig (Textbearbeitung mit Eugen Rex, musikalische Fassung von Karl Tutein). München 1936. Carl Zeller: Der Obersteiger (Operette, Textbearbeitung mit Walther Brügmann). München 1936; . Nico Dostal: Extrablätter (Libretto). 1937; .Nico Dostal: Ans Ende deiner Träume kommst du nie. Berichte – Bekenntnisse – Betrachtungen. Pinguin, Innsbruck 1982, ISBN 3-7016-2137-3, S. 158. Rudolf Kattnigg: Mädels vom Rhein (Libretto). Bremen 1938; . Auch als: Die Mädel von Sankt Goar (Libretto). Bremen 1939. Franz von Suppè: Banditenstreiche (Operette, Textbearbeitung) 1940. Arno Vetterling: Die Fliegerin (Operette, Text mit Eugen Rex) 1941. Johann Strauss (Sohn): Cagliostro in Wien (Textbearbeitung, musikalische Fassung von Karl Tutein). Danzig 1941.Edith Rosenstrauch-Königsberg: Cagliostro und Wien – Das letzte Opfer der päpstlichen Inquisition. In: Gerhard Ammerer, Hans Haas (Hrsg.): Ambivalenzen der Aufklärung. Festschrift für Ernst Angermann. Verlag für Geschichte und Politik, Wien / Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-56324-6, S. 139–154; hier S. 141 . Abgedruckt in: Beatrice Müller-Kampel (Hrsg.): Edith Rosenstrauch-Königsberg: von der Metallschleiferin zur Germanistin : Lebensstationen und historische Forschungen einer Emigrantin und Remigrantin aus Wien (= Literatur und Leben. 56). Böhlau, Wien 2001, ISBN 3-205-99307-1, S. 195–214; hier S. 199 f.; . Carl Millöcker: Der Bettelstudent (Operette, Textbearbeitung mit Richard Bars) 1943; , . Carl Zeller: Die Rosl vom Wörthersee (Text mit Carl Wolfgang Zeller; musikalische Bearbeitung von Rudolf Kattnigg und Carl Wolfgang Zeller). 1943/44 (nicht aufgeführt) Der andere Esel (Komödie) 1948; , .

Literatur Wilhelm Kosch, Heinz Rupp, Carl Ludwig Lang (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Band 12: Plachetka - Rilke. Francke, Bern 1990, ISBN 3-317-01647-7, Sp. 433. Irmgard Siebert, Dietmar Haubfleisch: Erwin Quedenfeldt. Von der Fotografie zur Lichtbildkunst. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2022, ISBN 978-3-465-04578-6, S. 558–559. Uwe Steffen (Red.): Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 7: Register. Piper, München und Zürich 1997, ISBN 3-492-03972-3, S. 573.

Weblinks

Einzelnachweise

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