mini|Die damals sogenannte Madonna in der Rosenlaube von Stefan Lochner und das Triptychon Die Mutter Gottes mit der Wickenblüte waren mit anderen Hauptwerken der sogenannten Kölner Malerschule auf die Burg Hohenzollern ausgelagert Das Kunstdepot Hohenzollern bestand vom 31. August 1942 bis August 1947 auf der Burg Hohenzollern im heutigen Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Es bewahrte in dieser Zeit kriegsbedingt ausgelagerte Kunstschätze aus den drei Kölner Museen Wallraf-Richartz-Museum, Schnütgen-Museum und Kunstgewerbemuseum. Das Depot beherbergte Hauptwerke der Altkölner Malerei, aber auch bis in die Romanik zurückreichende Skulpturen, wie das Kruzifix aus der Kirche St. Georg. Zudem fanden sich im Kunstdepot Hohenzollern Kunstwerke, die im Verlauf des Zweiten Weltkriegs als Raubkunst aus Frankreich dorthin gelangt waren.
Ein Großteil der Kunstwerke wurde vor ihrer Rückkehr nach Köln in den Jahren 1946/47 zusammen mit Werken der Württembergischen Staatsgalerie aus anderen Depots im Kunstgebäude in Tübingen in der Ausstellung Meisterwerke aus den Kölner Museen und der Württembergischen Staatsgalerie Stuttgart gezeigt.
Die Vorbereitung zur Auslagerung Der Ablauf der Auslagerung wird in einem Schreiben von Wilhelm Ewald, dem Verantwortlichen für die Auslagerung, an den ersten verantwortlichen Nachkriegsvertreter der Kölner Stadtverwaltung Willi Suth beschrieben. Zunächst sei bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs das städtische Amt 72 in Köln damit beauftragt gewesen, eine Auslagerung der Kölner Kunstschätze zu organisieren. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein Depot geplant. Mit Beginn des Krieges sei Amt 72 jedoch zunehmend überfordert gewesen, sodass es den Unterabteilungen und den Museumsdirektoren selbst überlassen wurde, geeignete Depoträume zu finden.Ewald an Suth, 28.10.1945, HAStK, Acc 93, Nr. 258, Blatt 38 ff. beschrieben in:
Es ist anzunehmen, dass es mindestens 29 verschiedene Standorte gab.Kopie eines Verzeichnisses der Museumsdepots der Hansestadt Köln, abgebildet in: , S. 15. Genannt werden (Schreibweise der dortiger Liste): Baldern (bei Neresheim Jaxtkreis) Bronnbach bei Wertheim Crottorf Kreis Altenkirchen Dietramszell (bei Wolfratshausen Bez. München) Ehrenbreitstein bei Koblenz Friesenhagen Krs. Altenkirchen b. Wissen Gaibach (Mainfranken) Harkotten Reg.-Bez. Münster Hohenzollern b. Hechingen Württemberg Huglfing (Oberbayern Bez. Weilheim) Ilmbach (Mainfranken b. Wiesenheid) Irmelshausen (Mainfranken b. Königshofen i. Grabfeld) Junkertal (Krs. Altenkirchen) Kochendorf (b. Heilbronn Württemberg) Kuckuckstadt ( b. Liebstadt Sachsen) Langenau a. Lahn (b. Nassau) Nedensdorf (Oberfranken b. Staffelstein) Oberaudorf (Oberbayern b. Rosenheim) Oberschwappach (Mainfranken) Pommersfelden (Mittelfranken b. Bamberg) Rottach-Eggern (Bez. Miesbach a. Tegernsee) Schönstein (a. Sieg b. Wissen) Siegen (Westfalen) Steeg (Kreis Altenkirchen) Unterdissen (Bayern Bez.-Amt Kaufbeuren) Untermaubach (bei Düren) Volperhausen (bei Wissen, Sieg, Post Morsbach) Wiesentheid (Mainfranken) Wildenburg (bei Wissen Krs. Altenkirchen)
mini|Burg Hohenzollern Der für den Schutz der gesamten rheinischen Kulturgüter beauftragte Theodor Wildeman besuchte Anfang Juni 1942 Süddeutschland und traf sich dort mit dem gebürtigen Kölner Walther Genzmer, der ab 1934 als Leiter für das Hochbauwesen in Sigmaringen arbeitete. Ehrenamtlich war dieser auch als Landeskonservator der preußischen Hohenzollernschen Lande beschäftigt. Bei der Besichtigung der Burg Hohenzollern wurden die Herrschaftsküche unter dem Grafensaal, bei Bedarf auch die Kellerräume darunter und die evangelische Kapelle als mögliche Aufbewahrungsräume in Betracht gezogen. Die Kellerräume im Nordflügel wurden als zu feucht und für ein Depot ungeeignet empfunden. Nach Abklärung mit der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses wurde die Genehmigung zur Einrichtung eines Depots erteilt, mit der Auflage, die Schlosskapelle nicht zu nutzen. In einem Telegramm des Wallraf-Richartz-Museums wurde die definitive Ankunft des Bergungstransports für die Nacht vom 31. August auf den 1. September 1942 angekündigt. Die Gesamtverantwortung für die Transporte lag bei dem Kunsthistoriker Werner Bornheim.Schriftverkehr Genzmer in Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 310, T 2 Nr. 575 u. 576, zusammengefasst bei:
Die Einrichtung des Kunstdepots Ein Transport von Werken aus dem Kunstgewerbemuseum in Köln von der Festung Ehrenbreitstein, einem weiteren Depot, auf die Burg Hohenzollern, organisiert von „Haubrich, Köln“, ist für den 31. August 1942 belegt. Ihm wurden weitere Kunstwerke aus dem Wallraf-Richartz-Museum zugepackt. Insgesamt sollen es bei diesem Transport etwa 34 Kisten gewesen sein. Dies ergibt sich aus nachträglichen Erinnerungsprotokollen.Dr. Köllmann an Amt 722, 7.3.1955, HAStK, Acc 93, Nr. 258, beschrieben in:
Viele Kunstgegenstände waren zunächst in anderen Depots untergebracht und kamen erst im weiteren Verlauf in das für sicherer gehaltene Süddeutschland, als diese Depots, wie im vorliegenden Fall die Festung Ehrenbreitstein, als zu unsicher empfunden wurden.
Aus Inventarlisten zum Zeitpunkt der Auflösung des Depots lässt sich folgender Umfang rekonstruieren:Abbildungen der Listen bei Mindestens 20 Kisten aus dem Schnütgen-Museum mit Holzplastiken 14 Kisten mit Gemälden, Kunsthandwerk aus Holz, Elfenbein, Papier, Keramik, Glas, Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Zinn, Eisen und Textilien aus dem Kunstgewerbemuseum, davon 7 Kisten mit Werken aus der Sammlung Clemens 16 Grafikkästen mit Handzeichnungen, Grafiken, Radierungen und Miniaturen aus dem Wallraf-Richartz-Museum 78 wertvolle Gemälde ohne besondere Schutzverpackung aus dem Wallraf-Richartz-Museum Das Pestkruzifixus der Pfarrgemeinde St. Maria im Kapitol und eine Frauenbüste mit Konsole aus der St. Margaretenkirche. Einzelne Kunstwerke wurden auch bei Kontrollbesuchen der Kuratoren noch nachträglich eingebracht, so wie das am 19. November 1942 von Helmut May mitgebrachte „kostbare Gemälde von van Gogh“: Die Brücke von Arles.May an Genzmer, 16.11.1942, in Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 310, T 2 Nr. 575, zusammengefasst bei:
Um die Räumlichkeiten für die Nutzung als Depot herzurichten, wurden unter anderem elektrische Heizöfen angeschafft, die Türen wurden mit Sicherheitsschlössern versehen und die Fenster zum Burghof hin mit Splitterschutz für den Fall von Luftangriffen ausgestattet. Dieser Schutz bestand aus 60 cm tiefen Holzkästen, die mit Sand befüllt waren. Nach innen waren sie oben und unten mit zwei in die Fensterlaibung eingelassenen Eisenschienen bewehrt, nach vorn mit 8/8-cm-Kanthölzern gesichert. Andere Fenster wurden einbruchsicher gemacht. Ein Hechinger Schlosser stellte am 28. Juli 1943 für 2 Eisentüren, 24 Luftschutzkästen, 8 Rohre, 8 Eisenstäbe für ein Fenster und 2 Schlösser 185,65 RM in Rechnung.Rechnung von Rudolf Bumüller an die Stadt Köln, Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 310, T 2, Nr. 575, zusammengefasst bei: Die Schlüsselgewalt lag beim Schlossverwalter.
Otto Schmitt, Professor für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule Stuttgart, hatte von dem Kunstdepot erfahren und bat in einem Schreiben vom 24. Februar 1943 an Genzmer um eine Führung für seine 20 bis 30 Studierenden. Genzmer willigte ein, versäumte aber, sowohl die Generalverwaltung als auch die Verantwortlichen der Museen zu informieren. Der Schlossverwalter beschwerte sich bei seinen Vorgesetzten darüber, dass die Kunstgegenstände von den Studierenden auch in die Hand genommen worden waren. Genzmer erklärte, dass dies nur durch Fachleute erfolgt sei. Im Juni 1943 gab es eine weitere Exkursion.
Am 28. Mai 1943 wurde die Burg von einem Erdbeben der Stärke 5,6 mit Epizentrum im Raum Tailfingen-Onstmettingen erschüttert. Es kam zu leichten Schäden auf der Burg, die Kunstwerke waren aber nicht betroffen.Genzmer an die Generalverwaltung, 31.05.1943, Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 310, T 2, Nr. 576, zusammengefasst bei:
Im Dezember 1944 beanspruchte die Luftwaffe Räumlichkeiten für eine Nachrichtenstelle auf der Burg. Der Schlossverwalter konnte den Zugang zum Depot sichern, und der Raumbedarf der Luftwaffe war nicht besonders groß. Ob die Angriffe mit Bordwaffen alliierter Flieger im Februar 1945 damit in Verbindung standen oder eher im Vorbeiflug erfolgten, ist nicht zu ermitteln. Letztlich hinterließen auch sie kaum Schäden an der Burg.Genzmer an Förster, 5.3.1945, Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 310, T 2, Nr. 575, zusammengefasst bei:
Am 3. März 1945 kam es zu einem letzten Besuch von etwa acht bis zehn Stuttgarter Kunststudenten. In diesem Zusammenhang lud Genzmer den in Hechingen wohnenden Werner Heisenberg ein, die Kunstwerke ebenfalls zu betrachten. Heisenberg arbeitete im Rahmen des aus Berlin-Dahlem ausgelagerten Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik am Forschungsreaktor Haigerloch sowie in den Räumen einer Hechinger Textilfabrik und einer örtlichen Brauerei. Er war kulturell interessiert und gab als guter Pianist auch Konzerte in Hechingen. Am Tag nach dem Besuch schrieb er an seine Frau:
Ein fachmännischer Umgang mit den Kunstwerken schien offenbar immer noch nicht wichtig.
Am 20. April erreichten französische Truppen Hechingen, zur gleichen Zeit mit den amerikanischen Truppen der Alsos-Mission. Sie besuchten auch die Burg; es existieren Fotoaufnahmen. Das Kunstdepot war aber nicht von Interesse für sie.
Köln war bereits im März von den Amerikanern besetzt worden. Am 5. Mai war Konrad Adenauer wieder als Oberbürgermeister eingesetzt worden.
Adenauer setzte alles daran, die Werke der Kölner Malerschule sicher nach Köln zurückzubringen. Er befürchtete, dass die Bilder von den Alliierten beschlagnahmt werden könnten, und organisierte deshalb eine Rückholaktion über Zonengrenzen hinweg. Hierfür waren amerikanische Dokumente notwendig. In einem stadtkölnischen Leichenwagen wurden die wichtigsten Bilder am 25. Mai nach Köln zurückgebracht. Sie sind namentlich nicht aufgeführt, aber aus den späteren Inventarlisten lassen sie sich ungefähr ermitteln. Die Werke wurden zunächst in einem Keller einer katholischen Pfarrei in der Hermann-Pflaume-Straße eingelagert. Als die Amerikaner von französischer Seite (siehe unten) über die Angelegenheit informiert wurden, wurde Adenauer doch zur Herausgabe gezwungen. Die Bilder wurden beschlagnahmt, aber mit der Versicherung, dass sie, soweit es sich nicht um Raubkunst handele, wieder in städtischen Besitz zurückkehren sollten.
Das Depot nach dem Krieg Am 31. Mai besuchte erstmals die Commission de récupération artistique („Kommission zur Rückführung der Kunst[werke]“) unter Führung von Rose Valland die Burg. In ihrer Begleitung war auch Kurt Martin, der ehemalige Direktor der Kunsthalle Karlsruhe und während der deutschen Besatzung des Kunstmuseum Straßburg. Rose Valland war also über Raubkunst und die deutschen Kunstdepots gut informiert und auch im ständigen Kontakt mit ihren amerikanischen Kollegen.Les Archives diplomatiques à la Courneuve, Archives de Ministère des Affaires étrangères (AMAE) Bade 4.228/2 beschrieben in:
Wegen der Leichenwagenaktion befahl sie, dass ohne eine schriftliche Genehmigung der französischen Militärbehörden kein Kunstwerk mehr aus dem Depot entfernt werden dürfte. Das Depot wurde in ihren Berichten als sich im ausgezeichneten Zustand befindlich beschrieben und befand sich nach ihrer Darstellung in einem perfekt eingerichteten Raum.
Die Kommission vermutete auch Raubkunst vorzufinden, insbesondere aus der Sammlung Vollard. Rose Valland erwähnt Künstler wie Courbet, Degas, Renoir und Ingres.
Von Rose Valland nachgewiesene Werke der Raubkunst, die sich auf der Burg befandenDie MNR-Nummer bezieht sich auf das Verzeichnis Musées nationaux récupération Die einzelnen Werke lassen sich hier recherchieren: