mini|Joe Manchin (2012) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Signatur Joseph Anthony „Joe“ Manchin III (* 24. August 1947 in Farmington, West Virginia) ist ein parteiloser amerikanischer Politiker (früher Demokratische Partei). Innerhalb der Demokratischen Partei, die er Ende Mai 2024 verließ, wurde er dem konservativen Flügel zugerechnet. Er gehörte vom 15. November 2010 bis zum 3. Januar 2025 als Vertreter West Virginias dem Senat der Vereinigten Staaten an. Von 2005 bis 2010 übte er das Amt des Gouverneurs in diesem Bundesstaat aus. Manchin ist in der 117. und 118. Wahlperiode (Regierung Biden) Vorsitzender des United States Senate Committee on Energy and Natural Resources. Er war dort Ranking member (Minderheitsführer der Demokraten) in der 116. Wahlperiode (Kabinett Trump I).
Familie, Ausbildung und Beruf Joe Manchin ist der Sohn von Mary O. geb. Gouzd und John Manchin und wuchs in der vom Steinkohlenbergbau geprägten Kleinstadt Farmington im Marion County (West Virginia) auf. Die Großfamilie Manchin ist in Wirtschaft und Politik des Countys aktiv. Sein Vater war der Sohn italienischer Einwanderer (ursprünglich Mancini), seine Mutter ist die Tochter tschechoslowakischer Einwanderer. Manchin arbeitete bereits in der Schulzeit im Lebensmittelgeschäft des Großvaters und im Möbelgeschäft des Vaters mit.Danielle Burton: 10 Things You Didn’t Know About West Virginia Gov. Joe Manchin. In: US News, 1. August 2008Senate Concurrent Resolution 34. In: West Virginia Legislature, 10. März 2017 (zur Benennung eines Gebäudes nach Manchin mit kurzem Lebensabriss); Jim Wallace: Joe Manchin. In: The West Virginia Encyclopedia, 16. Mai 2016. Zu seinen Vorfahren väterlicherseits aus San Giovanni in Fiore, Kalabrien, siehe In: Il Crotonese, 2. Mai 2006. Dort machte er den größten Teil seines Vermögens, das die NRO opensecrets.org 2018 auf 7,6 Millionen US-Dollar schätzte.Rank: 19th in the Senate
Manchin machte 1965 seinen High-School-Abschluss in seiner Heimatstadt Farmington und nahm im selben Jahr dank eines Footballstipendiums ein Studium an der West Virginia University auf. Wegen einer Knieverletzung musste er seine Sportkarriere aufgeben. Weil ein Feuer 1968 das Möbelgeschäft seiner Familie zerstört hatte, setzte er ein Semester lang für die Wiederaufbauarbeiten aus. Er schloss das College 1970 mit dem Bachelor of Business Administration ab und begann im Familienunternehmen zu arbeiten, unter anderem als Leiter einer Teppichhandlung. Später gründete er das Unternehmen Enersystems, Inc., das im Bereich Kohlebergbau und Kohleverstromung tätig ist.The Intercept: Joe Manchin’s Dirty Empire, vom 3. September 2021, geladen am 26. Oktober 2021Jim Wallace: Joe Manchin. In: The West Virginia Encyclopedia, 16. Mai 2016.
Joe Manchin und seine Frau Gayle lernten sich im College kennen und heirateten am 5. August 1967. Sie haben zwei Töchter und einen Sohn. Seine Frau war Secretary for the Arts des Bundesstaates.Hoppy Kercheval: Manchin considering running for Governor… again. In: Metro News, 11. Januar 2019.
Politische Laufbahn Aufstieg Manchin wurde 1982 für den 31. Wahlbezirk ins Abgeordnetenhaus von West Virginia gewählt und gehörte dem Parlament eine vierjährige Legislaturperiode lang an. Am 4. November 1986 siegte er bei einer außerordentlichen Nachwahl im 14. Wahlbezirk des Staatssenats, nachdem der Mandatsinhaber James L. Davis 1985 zurückgetreten war.WV State Senate 14 B – Special Election. In: OurCampaigns.com Im Senat saß er vom 1. Dezember 1986 und nach zwei Wiederwahlen (1988 und 1992) bis 1996 und setzte sich für Reformen in der Sozial- und Gesundheitsversorgung, unter anderem bei Medicaid, ein. Er galt bereits damals als wirtschaftsfreundlich und wurde von Verbraucherschützern kritisiert, setzte sich aber punktuell gegen Verkäufe von öffentlichen Betrieben wie Krankenhäusern ein. Bei der Wahl 1996 bewarb er sich zum ersten Mal um das Amt des Gouverneurs, nachdem Gaston Caperton wegen Amtszeitbegrenzung nicht mehr hatte antreten dürfen. Manchin verlor in der parteiinternen Vorwahl jedoch knapp gegen Charlotte Pritt, die als linke Kandidatin von den Gewerkschaften unterstützt wurde, während Manchin als konservativer Kandidat von Wirtschaftsverbänden, NRA und Pro-Life-Gruppen getragen wurde. Pritt unterlag bei der Hauptwahl dem Republikaner Cecil H. Underwood, den Manchin dabei unterstützte, was ihm anhaltende Kritik aus seiner eigenen Partei einbrachte. Er selbst verzichtete im Jahre 2000 zugunsten seines Parteifreundes Bob Wise darauf, erneut als Gouverneur anzutreten, und wurde stattdessen zum Secretary of State West Virginias gewählt. Dieses Amt hatte von 1977 bis 1985 schon sein Onkel James Manchin innegehabt. Er selbst orientierte das Amt in Richtung Bürgerservice und kämpfte gegen die zunehmende Wählerabstinenz.
Gouverneur von West Virginia 2004 trat Manchin erneut zur Gouverneurswahl an und gewann mit großem Vorsprung gegen den Republikaner Monty Warner. Neben Wirtschaftsverbänden unterstützten Manchin dabei auch zahlreiche Gewerkschaften, was seinen Hauptprogrammpunkt unterstützte, er setzte sich unideologisch für die Schaffung von Arbeitsplätzen ein. Manchin wurde am 17. Januar 2005 als erster Katholik und erster Italoamerikaner in sein Amt eingeführt. In seiner Gouverneurszeit wurden unter anderem die Staatsverschuldung reduziert und die Arbeiter-Unfallversicherung privatisiert, was ihm hohe Zustimmungswerte einbrachte. Anfang des Jahres 2006 kam es zu einigen schweren Minenunfällen, bei denen insgesamt 16 Bergleute ums Leben kamen. Am 1. Februar 2008 ordnete der Gouverneur einen vorübergehenden Stopp der gesamten Kohleproduktion in seinem Land an, bis alle Minen auf ihre Sicherheit überprüft waren (sein Onkel war 1968 bei einem Grubenunglück in Farmington gestorben).Pamela M. Prah: Are underground miners adequately protected? In: CQ Researcher. Band 16, 17. März 2006, Nr. 11; Beyond Sago: One by One. In: The Charleston Gazette-Mail, 5. November 2006. Bei der Gouverneurswahl am 4. November 2008 setzte er sich mit knapp 70 Prozent der Stimmen gegen den republikanischen Staatssenator Russ Weeks für eine zweite Amtszeit durch. Manchin hatte in Umfragen hohe Beliebtheitswerte, war Mitglied zahlreicher Gouverneursvereinigungen und 2010 Präsident der National Governors Association.NGA Chair 2010. In: OurCampaigns.com. Als Gouverneur kümmerte sich Manchin intensiv auch um kleine Angelegenheiten, etwa die Pünktlichkeit der Züge, weshalb sein Regierungsstil mit dem eines Kleinstadtbürgermeisters verglichen wurde.
Erste Amtsperiode als Senator Nach dem Tod Robert Byrds Ende Juni 2010, der seit 1959 US-Senator für West Virginia gewesen war, oblag es Manchin, einen Nachfolger zu ernennen. Er entschied sich für den 36-jährigen Juristen Carte Goodwin, der Byrds Platz allerdings nur bis zu einer Nachwahl einnehmen sollte. Da der Gouverneur aufgrund der Verfassung von West Virginia nicht noch einmal für sein Amt kandidieren konnte, gab es sofort Spekulationen, wonach Manchin selbst an dem Senatssitz interessiert sei; Manchin gab am 20. Juli 2010 seine Kandidatur für die Nachwahl im November bekannt. In der Vorwahl seiner Partei setzte er sich gegen den damals 95-jährigen, weiter links stehenden Ken Hechler durch, der aus Protest gegen das in West Virginia verbreitete Mountaintop Removal Mining angetreten war.Shira Toeplitz: Manchin gets veteran Dem challenger. In: Politico, 21. Juli 2010. Manchin traf in der Hauptwahl auf den Republikaner John Raese, einen Geschäftsmann, der zuvor sowohl gegen Robert Byrd als auch gegen West Virginias zweiten Senator, Jay Rockefeller, jeweils einmal bei einer Wahl unterlegen war. Obwohl Manchin als sehr populär in seinem Staat galt, deuteten die Umfragen zeitweise auf einen knappen Ausgang hin. Er gewann vergleichsweise deutlich mit 54 Prozent der Stimmen.
Manchin trat sein Mandat als Senator am 15. November 2010 an. Unmittelbar zuvor war sein bisheriger Vizegouverneur in West Virginia, Earl Ray Tomblin, als neuer Gouverneur vereidigt worden. Manchin gehört im Senat den Ausschüssen für die Bewilligung von Bundesmitteln, für die Nachrichtendienste, die Veteranenangelegenheiten sowie Energie und natürliche Ressourcen an.Sen. Joe Manchin III. In: Govtrack.us.
Bei der regulären Senatswahl 2012 trat Manchin erstmals für eine volle Mandatszeit an. Er traf in der Hauptwahl wiederum auf den Republikaner Raese und schlug ihn mit 61 Prozent der Wählerstimmen und 24 Prozentpunkten Vorsprung, während gleichzeitig Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl den Bundesstaat mit 27 Prozentpunkten Rückstand verlor.Statewide Results: General Election. In: SOS.wv.gov, 6. November 2012. Nachdem Manchin wiederholt seine Unzufriedenheit mit der gegenseitigen parteipolitischen Blockade im Senat geäußert hatte, erwog er 2015, Washington zu verlassen und sich bei der Gouverneurswahl 2016 erneut für sein früheres Amt zu bewerben.Kyle Cheney: Manchin won’t run for West Virginia governor. In: Politico, 19. April 2015. Nachdem der früher verlässlich demokratisch wählende Bundesstaat West Virginia sich seit dem Jahr 2000 immer stärker in Richtung einer republikanischen Hochburg gewandelt und Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 mit 42 Prozentpunkten Vorsprung vor Hillary Clinton gewonnen hatte – sein zweitbestes Ergebnis überhaupt in einem Bundesstaat –, war Manchin einer der letzten verbliebenen hochrangigen Politiker der Demokraten in diesem Bundesstaat.Michael Kruse, Burgess Everett: Manchin in the Middle. In: Politico, März/April 2017 (englisch). Die Republikaner rechneten sich gute Chancen aus, seinen Senatssitz 2018 übernehmen zu können.
Zweite Amtsperiode als Senator Nach längerem Zögern gab Manchin am 23. Januar 2018, wenige Tage vor dem Ablauf der Einreichungsfrist, seine erneute Kandidatur für das Senatsmandat bei der Wahl im November 2018 bekannt.Jonathan Martin: Manchin Will Seek Re-election but Sends Democrats a Stern Warning. In: The New York Times, 23. Januar 2018 (englisch). In der Vorwahl der Demokraten setzte sich Manchin mit 70 zu 30 Prozent der Wählerstimmen gegen die linke, von Bernie Sanders unterstützte Umweltaktivistin Paula Jean Swearengin durch.Clare Foran: West Virginia’s Conservative Democrat Gets a Primary Challenger. In: The Atlantic, 9. Mai 2017West Virginia Primary Election Results. In: The New York Times, 9. Mai 2018The Protest Vote in West Virginia’s Democratic Primary for Senate. In: MCI Maps, 10. Mai 2018. Manchin wurde von Gewerkschaften wie auch von Wirtschaftsverbänden unterstützt.Fred Lucas: Dem Joe Manchin suffers biggest plummet in job approval of any senator: poll. In: Fox News, 13. April 2018.