Die Artilleriegranate DM121 ist ein Artilleriegeschoss vom Typ HEER mit Kaliber 155 mm. Diese Munition wurde von Rheinmetall entwickelt und wird von der Bundeswehr mit der Panzerhaubitze 2000 und der RCH 155 genutzt.
Entwicklung Das DM121 und DM131 (mit Base-Bleed) wurde von Rheinmetall unter der Bezeichnung RH30 bzw. RH40 entwickelt. Dabei orientierten sich die Entwickler an dem von Bofors bzw. Nammo entwickelten HEER-Geschoss. Gleichzeitig ging Rheinmetall eine Kooperation mit Denel und Naschem in Südafrika ein, welche große Erfahrung in der Produktion von reichweitegesteigerten Artilleriegeschossen hatten. Im Jahr 2002 waren die RH30- und RH40-Geschosse fertig entwickelt und wurden von der Bundeswehr als DM121 (RH30) und DM131 (RH40) übernommen. Bei der Bundeswehr ersetzten diese neuen Geschosse, das als Zwischenlösung für die Panzerhaubitze 2000 beschaffte DM111, welches auf dem britischen L15A4 basierte. Seit 2008 werden die DM121 und DM131 auch von Rheinmetall Denel Munition (RDM) als M1711 „Assegai“ und M1712 „Assegai“ (mit Base-Bleed) bzw. von Denel als M0121A2 „Assegai“ angeboten.Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7, S. 653–654 & 665–666.Valka.cz: Assegai Projectile Family (PDF; 3,0 MB)Dtic.mil: IM Upgrade of Italian Army DM111 155 mm Artillery Projectile (PDF; 1,4 MB)Army-guide.com: RH-30
Eigenschaften DM121 ist in der Nomenklatur der Bundeswehrmunition die Bezeichnung für das RH30-Artilleriegeschoss von Rheinmetall.
Die DM121 ist ein 155-mm-Artilleriegeschoss vom Typ HEER. Das Geschoss entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) und kann von allen gängigen Artilleriegeschützen mit Kaliber 155 mm verschossen werden. Mit der PzH 2000 mit 52 Kaliberlängen (L/52) hat es eine effektive Schussweite von rund 30 km und eine geringe Streuung. Auf die maximale Schussdistanz (30 km) sollen etwa 85 % aller Geschosse auf einer Fläche einschlagen, die der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Befüllt ist das Geschoss mit 11,4 kg insensitivem Sprengstoff vom Typ „Rh26“, der zu 88 % aus RDX plus 12 % Bindemittel besteht. Das Geschoss hat einen zulässigen Temperaturbereich zwischen −46 °C und +63 °C und lässt sich somit in allen Klimazonen einsetzen.Sprotyvg7.com.ua: довідник “з використання 155-мм пострілів до артилерійських систем” (PDF; 3,3 MB)
Gegenüber älteren Geschossen wie dem M107 und M795 besitzt das M121 bessere innenballistische wie außenballistische Eigenschaften. Diese werden erreicht durch geringe Fertigungstoleranzen, verbesserter Aerodynamik und sowie durch die Verwendung eines Hohlbodens. Bei einem Test konnte die PzH 2000 mit einer neu entwickelten Treibladung mit der DM121 eine Schussdistanz von 35,9 km erreichen, das entspricht einer Entfernung von 34,1 km auf Meereshöhe. In der Praxis wird die Munition selten auf die maximale Entfernung verschossen, da bei so großen Schussdistanzen die Streuung bis zu 300 m beträgt. Somit ist das Geschoss bis zu einer Entfernung von 30 km effektiv einsetzbar. Der Boden des Geschosses lässt sich abschrauben und durch einen Base-Bleed ersetzen. Damit wird die DM121 zu dem reichweitegesteigerten DM131, das geringfügig schwerer ist, und eine etwas niedrigere Mündungsgeschwindigkeit (V0) erreicht, aber durch den reduzierten Bodensog Schussdistanzen von rund 40 km erzielen kann. Bei Versuchen in Südafrika wurde mit einem DM131 eine Schussdistanz von 47,4 km (44,7 km auf Meereshöhe) erzielt. Nachteilig ist auch hier die vergrößerte Streuung.
In das Geschoss können verschiedene Kopfzünder eingeschraubt werden, die nach STANAG 2916 vereinheitlicht sind. Neben marktüblichen Aufschlagzündern kann in das Geschoss auch ein Kurskorrekturzünder, wie z. B der 2DGMArt von Junghans Defence eingesetzt werden. Dieser macht das DM121 zu Präzisionsgelenkter Munition, die sich selbst ins Ziel steuert. Dabei wird unabhängig von der Schussdistanz ein Streukreisradius von 10 bis 30 m erzielt.
Im oder über dem Ziel detoniert das Geschoss und der Mantel wird in etwa 13000 Splitter zerlegt, die auf eine Fläche von rund 3500 m² wirken. Die Splitter sind auf kurze Distanz tödlich für Infanterie und durchschlagen Stahlbleche von leicht gepanzerten Fahrzeugen. Schlägt das Geschoss neben einem Kampfpanzer ein, kann die Wirkung ausreichen, um die Laufrollen und Ketten zu beschädigen und ihn dadurch zumindest vorübergehend außer Gefecht zu setzen, oder die Optiken, Kommunikations- und Waffenanlage unbenutzbar zu machen. Ein direkter Treffer trifft einen Panzer aus steilem Winkel von oben, wo die Panzerung schwach ist und führt meistens zu einer kompletten Zerstörung des Panzers. In größerem Abstand können die Splitter immer noch erhebliche, teilweise tödliche Verletzungen hervorrufen oder ungepanzerte Fahrzeuge schwer beschädigen. Weiter kann das Geschoss mit einem Verzögerungszünder mehrere Zentimeter Stahlbeton durchschlagen und danach zeitverzögert zur Detonation gebracht werden.
Das DM121 gehört zur Sorte der getrennt geladenen Munition mit modularen DM92-Treibladungsbeuteln oder Plastikbehältern (Zonenladungen).Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7, S. 665–666. Dabei wird die Zahl der Treibladungen entsprechend der Entfernung zum Ziel gewählt.
Varianten & Kenngrößen SystemDM121 (RH30)DM131 (RH40)Länge (inkl. Zünder)875 mm896 mmGewicht (inkl. Zünder)43,5 kg44,5 kgFüllung11,4 kg Rh268,2 kg Rh26Mündungsgeschwindigkeit V0 mit L/39820 m/s799 m/sMündungsgeschwindigkeit V0 mit L/52945 m/s928 m/sMaximale Schussweite mit L/3924,7 km30 kmMaximale Schussweite mit L/5230,1 km>40 kmEinsatztemperatur-46º bis +63ºCLagertemperatur-51º bis +71ºC Quelle:
Beschaffung und Produktion mini|hochkant|DM121-Geschosse (vorn) Anfangs wurde der Geschossmantel von Rheinmetall in Unterlüß produziert, die Füllung mit Sprengstoff geschah bis zum Bau der neuen Einrichtungen bei Eurenco in Sorgues, Frankreich.
Die DM121 sollte bei der Bundeswehr allmählich die Vorräte der veralteten Artilleriemunition M107 und M795 ersetzen. Eine Bestellung aus dem Jahr 2009 umfasste 30.000 Stück „zur Regeneration des Verbrauchs und zum Aufbau der durch die NATO vorgegebenen Mindestbevorratung“. Erst im Jahr 2019 wurde wieder ein Etat für die Beschaffung beschlossen. Die zweite Bestellung umfasste 32.000 Stück zum Verkaufspreis von 109 Millionen Euro mit einer Option für weitere 11.000 Stück zum Preis von 37 Millionen Euro. Der Rahmenvertrag sah einen Kauf auf Abruf innerhalb der nächsten fünf Jahre in acht großen Lieferungen vor. Die erste Lieferung erfolgte 2019.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurden große Mengen Artilleriemunition aus NATO-Reserven in die Ukraine geliefert und verbraucht. Die Vorräte schrumpften rapide und die globale Nachfrage erhöhte sich schlagartig um das Mehrfache. 2023 wurde der bestehende Rahmenvertrag aufgeweitet auf ein Gesamtvolumen von 246 Mio. Euro. Außerdem wurde ein weiterer Rahmenvertrag über die Lieferung mehrerer hunderttausend Geschosse unterschiedlicher Typen, dazu Zünder und Treibladungsmodule abgeschlossen. Der neue Rahmenvertrag läuft bis ins Jahr 2029 und hat ein potenzielles Auftragsvolumen von rund 1,2 Mrd. Euro.
Die Bundesregierung unterstützte 2024 Rheinmetall beim Neubau einer Munitionsfabrik in Unterlüß durch eine langfristige Abnahmegarantie. Das Werk sollte im zweiten Jahr die Kapazität von 100.000 Stück und innerhalb von drei Jahren 200.000 Stück Artilleriemunition im Jahr erreichen und geplant war eine Investition von 300 Millionen Euro. Beim Spatenstich am 12. Februar 2024 waren Olaf Scholz, Mette Frederiksen, Boris Pistorius und Armin Papperger von Rheinmetall anwesend. Im Endausbau sollte das Werk im dritten Jahr 100 % der Komponenten entweder selbst herstellen, oder aus Deutschland beziehen. Rheinmetall will dafür im Jahr 1.900 Tonnen RDX-Sprengstoff produzieren. Die Notwendigkeit einer solchen Regelung ergab sich aus der Knappheit von Artilleriemunition, nationalen Sicherheitsinteressen, die die Ausfuhr von Artilleriegeschossen beschränken kann, und dem bürokratischen Aufwand für den grenzüberschreitenden Transport von Gefahrgut, Explosivstoffen und militärischen Gütern. Dadurch war der konzernweite grenzüberschreitende Austausch von Komponenten und Fertigprodukten nicht mehr gewährleistet.
Am 20. Juni 2024 wurde der Abschluss eines neuen Rahmenvertrags bekannt gegeben, dieser erweitert den bestehenden Rahmenvertrag erheblich. Dieser Vertrag über die Lieferung von verschiedenen Typen von 155-mm-Artilleriemunition, Treibladungen und Zündern hat einen Umfang von bis zu 8,5 Mrd. Euro und garantiert Rheinmetall die volle Auslastung der neuen Fabrik in Unterlüß über viele Jahre hinweg und somit die Amortisation der Investitionskosten. An dem Vertrag sind neben Deutschland auch die Niederlande, Estland und Dänemark beteiligt, die sich so langfristig die Lieferung von Teilmengen zu festgelegten Preisen sicherten. Zugleich wurde der Abruf der ersten Teilmenge im Volumen von 880 Mio. Euro ab dem Jahr 2025 vereinbart.
Bei der offiziellen Eröffnung nach 14 Monaten Bauzeit am 27. August 2025 wurde eine Produktion von 25.000 Stück bis Ende 2025 und 140.000 für das zweite Jahr, zugleich der Ausbau auf 350.000 Stück jährlich bis 2027 bekanntgegeben. Damit ist es das größte Munitionswerk in Europa. Bei der Eröffnung waren Verteidigungsminister Pistorius, Vizekanzler Lars Klingbeil, der bulgarische Staatspräsident Rumen Radev, Rumäniens Ministerpräsident Ilie Bolojan, offizielle Vertreter aus Lettland und Litauen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte anwesend. Für den Bau der Fabrik und die Ausweitung der Produktion wurden am Standort ca. 500 Millionen Euro investiert.
Darüber hinaus hat Rheinmetall auch an anderen Standorten die Produktionskapazitäten erhöht und will neue Werke aufbauen, außerdem eine Produktion in der Ukraine starten. Am 18. Februar 2024 unterzeichneten Rheinmetall und ein ukrainisches Partnerunternehmen ein Memorandum of Understanding, das künftig auch die Herstellung von Artilleriemunition in der Ukraine ermöglichen soll. Bis 2027 will Rheinmetall die Produktion konzernweit auf insgesamt 1,1 Millionen Stück Artilleriemunition pro Jahr über mehrere Standorte in verschiedenen Ländern aufweiten.
Am Standort Aschau a. Inn gab es 2026 eine Produktion von 1.700 Tonnen Sprengstoff und 300.000 Treibladungsmodulen pro Jahr. Mit neuen Fertigungslinien sollen die Produktionskapazitäten um zusätzlich 2.500 Tonnen erweitert werden und die Zahl der Treibladungsmodule bis 2028 auf eine Million jährlich gesteigert werden.
Zu den ersten Exportkunden des DM121 gehörten u. a. die Niederlande (10.000 Schuss) sowie Griechenland. Die erste Lieferung an die Ukraine aus Unterlüß erfolgte im Juli 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:STANAG Kategorie:Waffentechnik Kategorie:Geschützmunition