mini|Barbara O’Neill (2018) Barbara O’Neill (* 28. Juli 1953 in Campbelltown City-Ingleburn, Verwaltungsgebiet von Sydney) ist eine australische Referentin und Autorin, die dafür bekannt ist, gefährliche und ungesicherte alternativmedizinische Verfahren und Ideen zu propagieren und zu praktizieren.

Im Jahr 2019 wurde O’Neill dauerhaft verboten jegliche Formen medizinischer Dienstleistungen oder Gesundheitsbildung in Australien anzubieten, unabhängig davon ob sie dafür ein Entgelt annimmt oder nicht. Die Health Care Complaints Commission (HCCC), die australische Beschwerdekommission für Gesundheitswesen in New South Wales, sah es nach Untersuchungen als erwiesen an, dass sie eine Gefährdung für die öffentliche Gesundheit ist, da sie insbesondere gefährdete Patienten durch ihre Fehlinformationen und unethischen und gefährlichen Dienstleistungen anspreche und diese von Behandlungen eines Arztes abhalte. Des Weiteren verfüge sie über keine anerkannte medizinische Qualifikationen und hat die Ausbildung in der Krankenpflege nicht bestanden.

2026 beschloss der Oberste Rat für Medienregulierung (SCMR) in Ägypten, Barbara O’Neill den Auftritt in allen ägyptischen Medien zu verbieten. Neben dem Untersagen von Ausstrahlungen, Wiederholungen oder Verbreitungen jeglicher Videoinhalte, in denen sie zu sehen ist, wurde ihr die Werbung für alle von ihr in Ägypten angebotenen Gesundheits-, Schulungs- oder Veranstaltungsdienstleistungen verboten. Damit folgte der SCMR der Empfehlung des ägyptischen Ministeriums für Gesundheit und Bevölkerung sowie der ägyptischen Ärztekammer.

Sie ist mit Michael O’Neill verheiratet, dem Gründer der australischen Partei Informed Medical Options Party, einer politischen Gruppierung gegen Impfungen und Fluoridierung. Diese Partei fusionierte 2023 zur HEART Party.

2025 wurde Barbara O’Neill von Hermann Keppler ein Ehrentitel als Associated Professor am College of Naturopathic Medicine (CNM) und ein Jahr zuvor ein Ehrendiplom ohne Abschluss von der gleichen Organisation verliehen. Keppler, der Gründer und Präsident des CNM, sowie der Mutterorganisation American School of Natural Health in Clearwater, Florida ist ein langjähriges Mitglied der Scientology-Kirche. Religionswissenschaftler sehen Organisationen wie das CNM als von Scientology gegründete Tarnorganisationen, die verschiedene Bemühungen finanzieren und fördern, um die Psychiatrie, die Psychologie, den Einsatz von Medikamenten und die evidenzbasierte Medizin zu diskreditieren.

Australian Skeptics verlieh O’Neill den Bent Spoon 2025. Dieser wird jährlich an den Urheber des absurdesten pseudowissenschaftlichen oder paranormalen Unsinns verliehen. Die Gesellschaft wies darauf hin, dass O’Neill trotz des Verbots weiterhin bei Veranstaltungen außerhalb von Australien für ihre medizinischen Verschwörungstheorien und alternativen Behandlungsmethoden geworben hat, die oft auch nach Australien gestreamt wurden. Unter anderem wurden dabei ihre Behauptungen erwähnt, dass geriebene Kartoffeln Tetanus vorbeugen, Cayennepfeffer Magengeschwüre heilen, geschnittener Knoblauch auf der Fußsohle eines Babys wirksamer als Antibiotika sei und gehackte Zwiebeln Lungenentzündung behandeln könnten.

Tätigkeiten O’Neill, geboren in der australischen Metropole Sydney im Bundesstaat New South Wales, bezeichnet sich selbst seit mindestens 2004 als Naturheilkundlerin, Ernährungsberaterin und Gesundheitsberaterin, obwohl sie über keinerlei entsprechende Qualifikation oder Ausbildung verfügt. Sie hat die Vorwürfe zurückgewiesen, dass ihre Aussagen unbegründet seien, gab aber zu, dass sie auf Anfrage der Beschwerdekommission für das australische Gesundheitswesen (HCCC) keine Beweise vorlegen konnte.

Zusammen mit ihrem Ehemann betrieb sie das Misty Mountain Health Retreat in der Nähe von Kempsey, indem der einwöchige Aufenthalt bis zu 8000 australische Dollar (ca. 5.500 €) kostet. Sie bot auch telefonische Beratung an. Laut O’Neills Website bot sie Dienste zur Entschlackung an, die angeblich die Heilung von Herzkrankheiten, Diabetes mellitus, hormonellem Ungleichgewicht, chronischer Müdigkeit, Candida/Pilzerkrankungen, Drogenabhängigkeit, Krebs, Sodbrennen und Fettleibigkeit begünstigen sollten.

Videos ihrer Vorträge wurden trotz des HCCC-Verbots mehr als 700.000 Mal angesehen. Nachdem ihre bisherige Arbeit in Australien untersagt wurde, führt sie diese weiterhin in Neuseeland und in den Vereinigten Staaten durch. Sie hat auch mehrere Bücher über Gesundheit und Ernährung veröffentlicht, die gefährliche Behauptungen und Ratschläge enthalten.

Im Monat direkt nach der Entscheidung der HCCC sollte O’Neill ein Wellness-Programm in den Vereinigten Staaten durchführen, dessen Kosten sich auf 2.350 US-Dollar pro Person beliefen. Noch im Juli 2023 bot O’Neill weiterhin Programme für Krebspatienten in den Vereinigten Staaten an, deren Kosten sich auf fast 6.000 US-Dollar pro Person belaufen. O’Neill war auch auf den Cookinseln und anderen Ländern aktiv.

Gefährliche medizinische Thesen

Krebstherapie mit Natron Laut den Ermittlungen des HCCC behauptete O’Neill fälschlicherweise, Krebs heilen zu können und drängte ihre Kunden, keine Chemotherapie durchzuführen.

O’Neill propagierte die diskreditierte Behauptung, Krebs sei ein Pilz, der mit Backnatron behandelt werden könne. Sie hat auch, ohne Beweise zu liefern, behauptet, dass ein Arzt 90 % der Krebserkrankungen seiner Patienten mit Natroninjektionen geheilt habe. Außerdem hat sie ihren Kunden empfohlen, Krebs zu heilen, indem sie sechs Wochen lang eine kohlenhydratarme Diät einhält.

Ende 2019 wurde bekannt, dass ein Mann von den Cookinseln, der an Krebs im vierten Stadium erkrankt war, verstorben ist, nachdem er O’Neills Rat gefolgt war, einen medizinischen Eingriff abgelehnt und versucht hatte, seine Krankheit mit Natron, Zitronensaft und abgekochtem Wasser zu behandeln. Befürworter von O’Neill behaupten, er sei vor seinem Tod zwei Jahre lang in der Remissionsphase gewesen.

Ablehnung von Impfungen O’Neill riet von Immunisierungen ab und behauptete, alle Impfstoffe seien schädlich und die Ursache für eine Reihe von Krankheiten wie ADHS, Autismus, Epilepsie und plötzlicher Kindstod. Sie behauptet, dass „Kinder auf natürliche Weise gegen Tetanus geimpft werden können, indem sie viel Wasser trinken, früh zu Bett gehen, kein Junkfood essen und in den Hügeln herumlaufen“. Jegliche Belege für diese Behauptung fehlen.

O’Neill hat sich gegen die australische Impfinitiative „No Jab, No Pay“ eingesetzt, bei der die meisten Steuervergünstigungen für Eltern von aktuellen Impfungen abhängig gemacht werden. Sie ist auch Mitglied der von ihrem Mann gegründeten „Informed Medical Opinions Party“, einer bekannten alternativmedizinischen und impfgegnerischen politischen Gruppierung, die von medizinischen Verbänden und Fachleuten des Gesundheitswesens stark kritisiert wird.

Ablehnung von Antibiotika In mehreren ihrer YouTube-Videos rät O’Neill von der Einnahme von Antibiotika ab und vertritt die widerlegte Behauptung, dass diese Krebs verursachen. Schwangeren Frauen hat sie gesagt, dass die Einnahme von Antibiotika gegen Gruppe B Streptokokken unnötig sei, weil „noch nie ein Baby an einer peripartalen Streptokokkeninfektion gestorben ist“. Die Statistiken des Royal Australian College of Obstetricians and Gynaecologists zeigen jedoch, dass 14 % der Neugeborenen, die sich mit einer solchen Early-Onset-Neugeborenensepsis infizieren, sterben, und dass Antibiotika dieses Risiko drastisch senken können.

Säuglingsmilchnahrung O’Neill hat Eltern, die ihren Säugling nicht stillen können, statt Säuglingsanfangsnahrung Alternativen zu verwenden. Dazu gehören unpasteurisierte Ziegenmilch und eine Mischung aus Mandelmilch und Datteln oder Bananen. Die Mitverfasserin der Richtlinien des National Health and Medical Research Council (NHMRC) zur Säuglingsernährung, Jane Scott, hat erklärt, dass diese Ratschläge „definitiv nicht sicher sind“ und dass „hier eine echte Gefahr für Säuglinge besteht, da sie nicht zu einem gesunden Wachstum und einer gesunden Entwicklung beitragen“.

Als ihr die NHMRC-Leitlinien zur Säuglingsernährung für Ärzte vorgelegt wurden, die evidenzbasierte Empfehlungen enthalten, sagte O’Neill, dass sie diese nie gelesen habe und sich weigern würde, dies zu tun.

Strafrechtliche Ermittlungen

Die Australische Beschwerdekommission für das Gesundheitswesen (Health Care Complaints Commission – HCCC) Zwischen Oktober 2018 und Januar 2019 gingen bei der New South Wales Health Care Complaints Commission (HCCC) mehrere Beschwerden von Fachkräften des Gesundheitswesens und aus der Öffentlichkeit über O’Neills Gesundheitsratschläge ein. Darunter befand sich eine Beschwerde, dass die von ihr erteilten Ratschläge zur Säuglingsernährung zum Tod führen könnten, wenn sie befolgt würden, woraufhin sie erklärte, dass ihre Anweisungen nicht auf offiziellen Leitlinien oder Beweisen beruhten.

Die Kommission stellte fest, dass einige ihrer Empfehlungen auf den Ideen von Tullio Simoncini basierten, einem in Verruf geratenen ehemaligen italienischen Onkologen und Verfechter der Alternativmedizin, der nach dem Tod eines seiner Patienten wegen Betrugs und Totschlags inhaftiert wurde. Einige ihrer Leitlinien basierten auf den Ansichten von Ärzten, die von Patienten verklagt worden waren, weil sie keine angemessene Behandlung durchgeführt hatten. Als die HCCC O’Neill auf diese Tatsachen hinwies, erklärte sie, dass sie weiterhin beabsichtige, deren Ratschläge zu befolgen.

Der HCCC stellte außerdem fest, dass O’Neill nicht in der Lage war, im Rahmen ihrer Ausbildung und Erfahrung Gesundheitsfragen zu erkennen und zu beantworten, und dass sie es versäumt hatte, Aufzeichnungen über die von ihr erteilte Gesundheitsberatung zu führen, wie dies gesetzlich vorgeschrieben ist. O’Neill hat zwar behauptet, von zwei inzwischen aufgelösten Organisationen Diplome in Naturheilkunde, Ernährung und Diätetik erhalten zu haben, doch das HCCC stellte fest, dass sie über keinerlei gesundheitsbezogene Qualifikationen verfügte.

O’Neill behauptete, dass sie ihren Kunden lediglich Informationen und keine gesundheitlichen Ratschläge gab und dass sie niemals behauptete, Krebs heilen zu können.

Verbotsverordnung Die HCCC kam zu dem Schluss, dass O’Neill mit ihrem Verhalten gegen fünf Bestimmungen des Verhaltenskodex für nicht registrierte Ärzte verstoßen hat und dass sie ein Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Öffentlichkeit darstellt.

Am 24. September 2019 untersagte die HCCC O’Neill auf unbestimmte Zeit die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen oder Bildungsmaßnahmen in jeglicher Form, unabhängig davon, ob sie dafür ein Entgelt annimmt oder nicht. Somit ist es ihr untersagt, Vorträge zu halten, öffentlich zu sprechen oder Kunden zu empfangen.

Ein Sprecher der HCCC sagte, dass O’Neills Aktivitäten genau überwacht würden und die Verbotsverfügung für New South Wales, Victoria, Queensland und South Australia gelte. Er erklärte auch: „Wenn das Material in [diesen Gebieten] online zugänglich ist, wird es im Allgemeinen als Erbringung eines Gesundheitsdienstes betrachtet“, und dass „die Präsentation von Gesundheitsbildung in jeglicher Form oder die Erbringung von Gesundheitsdiensten einen Verstoß gegen ihre Verbotsverfügung darstelle“.

Nach der Entscheidung hat O’Neill eine Online-Petition gestartet, in der sie die HCCC auffordert, ihren Entschluss zu revidieren. Zu der Petition kommentiert O’Neill: „Es sieht jetzt ein bisschen düster aus, aber der große Gott des Universums wird nicht zulassen, dass seine wunderbare gesundheitliche Wahrheit zerstört wird, egal wie Männer und Frauen es auch versuchen mögen.“ Sie hat gegenüber der Presse auch behauptet, sie sei Opfer einer Propagandakampagne im Stil der Nazis.