Die Arenberg Bergbau-Gesellschaft mbH war ein deutsches Unternehmen des Steinkohlenbergbaus mit Sitz in Essen.
Gründung Am 12. Januar 1856 gründeten die Unternehmer Ernst von Waldthausen, Daniel Morian, Friedrich Hammacher, Julius Haniel, Ludwig Huyssen, Friedrich Wilhelm Waldthausen und Heinrich Carl Sölling die Arenberg’sche Bergbau- und Hüttengesellschaft100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 8., die Firma wurde schon zum 2. Mai 1856 in Arenberg’sche Actien-Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb geändert.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 9. Ihr Geschäftszweck waren der Betrieb von Steinkohlebergwerken, Kokereien und Hüttenwerken sowie der Handel mit Kohle, Erzen und Produkten aus eigener Herstellung.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 11.
Als Mutungen wurden schon im Gründungsjahr die Grubenfelder „Gottfried“, „Konstantinopel“, „Maximilian“ und „Prosper“ I-VI im Raum Bottrop erworben, die fast alle im Vest Recklinghausen lagen, in dem Herzog Prosper Ludwig von Arenberg Inhaber des Bergregals war.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 83. Damit erklären sich der Name der Grubenfelder „Prosper“ und die Firma des Unternehmens.
1856 wurde Friedrich Hammacher zum ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewählt. Seine Nachfolger waren Ernst von Waldthausen ab 1863 und Oscar von Waldthausen ab 1883.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 20. Nach dem Tod von Oscar von Waldthausen 1906 übernahm Otto Krawehl den Vorsitz des Aufsichtsrats100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 23., 1916 wurde er ebenfalls in den Aufsichtsrat der Rheinische Stahlwerke AG berufen, bevor er 1919 den Vorsitz des Aufsichtsrats der Rheinischen Stahlwerke AG übernahm.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 85.
Das Grundkapital betrug 1856 zunächst 1 Mio. Taler. Es wurde 1900 auf 6 Mio. Mark und 1904 auf 7,2 Mio. Mark erhöht.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 22.
Die Beschäftigtenzahlen der Zeche Prosper stiegen von 55 Beschäftigten im ersten Betriebsjahr 1856 kontinuierlich auf etwa 15.000 Beschäftigte im Jahr 1922, dem letzten Jahr vor der Fusion mit der Rheinische Stahlwerke AG. 1907 lag Arenberg auf Platz 64 der Liste der größten Unternehmen im Deutschen Reich nach der Beschäftigtenzahl.
Die Arenberg-Aktionäre konnten 1921 ihre Aktien in Aktien der Rheinische Stahlwerke AG umtauschen. Bis zu diesem Zeitpunkt, also über 66 Jahre, betrug die Dividende im Schnitt 19,7 %.
Unternehmungen der Arenberg’sche Actien-Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb Zeche Prosper I–III Der erste Schacht auf der Zeche Prosper I wurde 1856 abgeteuft.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 12. Die Förderung der Steinkohle begann 1863. Der Schacht wurde für die Mannschaftsfahrung mit einer Fahrkunst ausgestattet. 1865 nahm die Kokerei mit 72 Öfen neben Schacht 1 den Betrieb auf. Sie wurde Anfang der 1870er Jahre auf 112 Öfen erweitert und durch eine Gasfabrik und eine Ziegelei ergänzt.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 16. Wetterschacht 4 wurde 1892 abgeteuft. Schacht 5 wurde 1903 als Doppelförderschacht in Betrieb genommen.
1875 begann die Kohleförderung über Schacht 2 auf Prosper II. Wetterschacht 3 wurde 1892 abgeteuft und 1895 zum Förderschacht ausgebaut. Schacht 8 ging 1921 in den Förderbetrieb.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 27. Eine zweite Kokerei wurde auf Prosper II errichtet.
Im Oktober 1907 nahm Schacht 6 auf Prosper III den Förderbetrieb auf.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 25. Schacht 7 wurde 1908 abgeteuft und 1911 in Betrieb genommen.
1913 konnten auf Prosper I–III insgesamt 2,78 Mio. Tonnen Kohle gefördert und 558.000 Tonnen Koks produziert werden.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 93. Die Kohleförderung blieb über die Jahre des Ersten Weltkriegs annähernd gleich hoch. 1919 fiel sie auf 1,72 Mio. Tonnen. Die Kokserzeugung stieg während des Kriegs auf 864.000 Tonnen an und fiel nach Kriegsende 1919 auf 413.000 Tonnen.
Zeche Julius Philipp 1904 wurde die Zeche Julius Philipp erworben und – nachdem die Beteiligungsquote am Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat auf die Zeche Prosper übertragen worden war – 1905 an die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG weiterverkauft.
Zeche Arenberg Fortsetzung Arenberg kaufte 1909 alle 100 Kuxe der 1901 entstandenen Gewerkschaft der Zeche Arenberg-Fortsetzung. 1910 wurde ein Doppelschacht abgeteuft und 1912 mit der Förderung begonnen. 1919 übernahm die Rheinische Stahlwerke AG 95 der 100 Kuxe.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 30. mini|Arenberghaus in Essen, Hauptverwaltung der Arenberg’schen AG für Bergbau und Hüttenbetrieb ab 1920 und der Rheinische Stahlwerke AG ab 1926, 1962 abgerissen
Infrastruktur Die Zechen der Arenberg’schen Bergbau- und Hüttengesellschaft waren in den ersten Jahrzehnten ihres Betriebs verkehrstechnisch schlecht erschlossen. Ende 1856 gab es außer einigen Landstraßen nur die Wasserwege Rhein, Ruhr und Lippe für den Kohlentransport. Erst nach Jahren konnte die Zeche Prosper über ein Stichgleis an die Eisenbahn und erst 1914 an den neu eröffneten Rhein-Herne-Kanal über einen Werkshafen und die Werksringbahn angeschlossen werden.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 14 und S. 26.
1914 wurde die Flussschifffahrtsreederei Joseph Schürmann mit Sitz in Duisburg-Ruhrort erworben, in eine GmbH umgewandelt und zu den mit der Gesellschaft übernommenen Kähnen weitere in Auftrag gegeben, sodass mit dann insgesamt 13 Kähnen eine Ladefähigkeit von 18.000 Tonnen erreicht wurde.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 25 f.Helmut Betz: Erloschene Namen großer Rheinreedereien III (Schürmann / Braunkohle). In: Navalis, Zeitschrift zur Geschichte der Binnenschifffahrt, des Binnenschiffbaues und der Wasserstraßen, Jahrgang 2011, Heft 1, S. 1.
Auch in den Wohnungsbau für Arbeiter und Angestellte wurde fortlaufend investiert.
Rheinische Stahlwerke AG – Abteilung Arenberg Durch den Übergang der Gewerkschaft Arenberg-Fortsetzung auf die Rheinische Stahlwerke AG (Rheinstahl) im Jahr 1919 wurden die Bindungen zwischen dem Koksproduzenten Arenberg und dem Koksverbraucher Rheinstahl zum beiderseitigen Vorteil enger. Zum 1. Januar 1921 wurden alle Arenberg-Grubenbetriebe von der Rheinische Stahlwerke AG gepachtet. Schon Ende 1922 kam es zur vollständigen Verschmelzung durch Fusionsvertrag vom 22. Dezember 1922. Innerhalb der Rheinische Stahlwerke AG wurde die Abteilung Arenberg gebildet, die für die nächsten 29 Jahre für die Prosper-Betriebe und die Schachtanlage Arenberg-Fortsetzung zuständig war.
Die Rheinische Stahlwerke AG hatte 1900 die Zeche Centrum in (Bochum-)Wattenscheid mit einer jährlichen Kohleförderung um 800.000 Tonnen, einer jährlichen Koksproduktion von etwa 250.000 Tonnen und einer Belegschaft von 3.300 Beschäftigten erworben.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 86. 1917 wurde die Gewerkschaft Brassert in Marl-Brassert mit einer Kohleförderung von 370.000 Tonnen/Jahr und 1.600 Beschäftigte übernommen.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 88. 1920 wurden die Gewerkschaft Schallmauer mit Braunkohlengrube und Brikettfabrik in Frechen bei Köln und 1921 die Gewerkschaft Fröhliche Morgensonne in (Bochum-)Wattenscheid mit einer Kohleförderung von 350.000 Tonnen/Jahr und etwa 2.400 Beschäftigten erworben.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 89. Die Schachtanlage 4/6 der Zeche Centrum wurde 1922 an die Adler Bergbaugesellschaft mbH veräußert.
1925 wurde die Zeche Admiral in (Dortmund-)Wellinghofen mit einer jährlichen Kohleförderung von 130.000 Tonnen und etwa 1000 Beschäftigten im Jahr 1924 aus Interesse an der Beteiligungsziffer beim Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat erworben und umgehend stillgelegt. 1941 wurde die Zeche Admiral an die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW) in Dortmund verkauft.Gebhardt: Ruhrbergbau. 1957, S. 90.
In den Jahren 1926 und 1927 wurde bei Prosper eine Zentralkokerei errichtet, die die verschiedenen veralteten Prosper-Kokereien ersetzte. Diese Kokerei wurde bis 1936 zur größten Kokerei Europas ausgebaut.Jahrbuch des Deutschen Bergbaus. Verlag Glückauf, Essen 1951, S. 224.
Nach der Gründung der Vereinigte Stahlwerke AG 1926 brachte die Rheinische Stahlwerke AG rückwirkend sämtliche ihr gehörende Hüttenwerke, Erzgruben, Eisenhandelsgesellschaften und dazugehörige Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ein und wurde damit zum Aktionär mit einem Anteil von 8,5 %.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 34.Die Vereinigte Stahlwerke AG wurden gegründet von der Thyssen-Gruppe, der Phoenix AG für Bergbau- und Hüttenbetriebe, die beide zusammen die Aktienmehrheit besaßen, und weiteren großen Unternehmen der Montanindustrie. Hoesch, Friedrich Krupp AG, Klöckner-Werke, Gutehoffnungshütte und Mannesmann beteiligten sich nicht an diesem Kartell. Ziele der Vereinigte Stahlwerke AG waren nicht nur Preisabsprachen, sondern auch eine Rationalisierung zur Senkung der Produktionskosten. Der Vorstandsvorsitzende der Rheinische Stahlwerke AG Otto Krawehl wurde Mitglied im Aufsichtsrat, Aufsichtsratsvorsitzender wurde Fritz Thyssen. Bei der Rheinische Stahlwerke AG verblieben alle bergbaulichen Betriebe.
1926 wurden etwa 5 Millionen Tonnen Kohle von allen Zechen der Rheinische Stahlwerke AG gefördert, die damit über eine erhebliche Kohlenbasis verfügte, an der die I.G. Farben großes Interesse zwecks Sicherung des eigenen Kohlebedarfs zeigte. 1924 wurde ein langfristiger Liefervertrag zwischen der Rheinische Stahlwerke AG und der I.G. Farben geschlossen. Nach und nach kaufte die I.G. Farben Aktien der Rheinische Stahlwerke AG auf und erwarb so ein Aktienpaket von schließlich 47 %.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 35. Der spätere Vorstandsvorsitzende der I.G. Farben Hermann Schmitz wurde 1925 Mitglied des Aufsichtsrats der Rheinische Stahlwerke AG und war von 1937 bis Anfang 1956 Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgten keine weiteren wesentlichen Veränderungen an den Besitzverhältnissen. Allerdings wurden zahlreiche Bergbauanlagen bei Luftangriffen schwer beschädigt oder zerstört. Während der Kriegsjahre wurden auf allen Zechen ausländische Arbeitskräfte (Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) eingesetzt.Holger Menne, Michael Farrenkopf: Zwangsarbeit im Ruhrbergbau während des Zweiten Weltkrieges. Spezialinventar der Quellen in nordrhein-westfälischen Archiven. (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 123.) (= Schriften des Bergbau-Archivs, Nr. 15.) Bochum 2004, ISBN 3-937203-06-0. (Archivsignaturen Schachtanlage Brassert 37 / 12–13, F35 Nr. 299–300, 490–491, 1961–1962 und RSW / 4058, 4140, 4151, 4772, 4774, 4963 und 6735)
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Rheinische Stahlwerke AG in wechselnder Form unter Kontrolle der Militärregierung bzw. alliierter Organe. Das Vermögen der Gesellschaft war beschlagnahmt worden.100 Jahre Arenberg. (Festschrift) 1956, S. 46. Am 5. September 1951 wurde die Rheinische Stahlwerke AG ohne eine Veränderung ihres Eigentums aus der alliierten Kontrolle entlassen.
Arenberg Bergbau-Gesellschaft