Die Hydroxymethylbenzoesäuren (Trivialname: Kresotinsäuren, auch Hydroxytoluylsäuren) bilden eine Stoffgruppe, die sich sowohl von den Kresolen als auch von den Hydroxybenzoesäuren und Toluylsäuren ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Methyl- (–CH3), Carboxy- (–CO2H) und Hydroxygruppe (–OH) als Substituenten. Durch deren unterschiedliche Anordnung ergeben sich zehn Konstitutionsisomere. Viele Isomere wurden bereits in verschiedenen Lebewesen gefunden. Vier der Isomere können als Methylsalicylsäuren bezeichnet werden.
Vertreter 2-Hydroxymethylbenzoesäuren / Methylsalicylsäuren IUPAC-Name 2-Hydroxy-3-methylbenzoesäure 2-Hydroxy-4-methylbenzoesäure 2-Hydroxy-5-methylbenzoesäure 2-Hydroxy-6-methylbenzoesäure Andere Namen 2-Hydroxy-m-toluylsäureo-Kresotinsäure3-Methylsalicylsäure 2-Hydroxy-p-toluylsäurem-Kresotinsäure4-Methylsalicylsäure 6-Hydroxy-m-toluylsäurep-Kresotinsäure5-Methylsalicylsäure 6-Hydroxy-o-toluylsäure2,6-Kresotinsäure6-Methylsalicylsäure Strukturformel 110px 100px 135px 150px CAS-Nummer PubChem Summenformel C8H8O3 Molare Masse 152,15 g·mol−1 Aggregatzustand fest Schmelzpunkt 163–165 °C 173–177 °C 150–154 °C 170–171 °C567-61-3 Cas No. | 2-Hydroxy-6-methylbenzoic acid Apollo, abgerufen am 13. August 2023 Siedepunkt 246 °C ? ? ? Dichte ? ? ? ? Löslichkeit 1,5 g·L−1 in Wasser (20 °C) 10 g·L−1 in Wasser (100 °C) ? ? GHS-Kennzeichnung Gefahr Achtung Achtung Achtung H- und P-Sätze
3-Hydroxymethylbenzoesäuren IUPAC-Name 3-Hydroxy-2-methylbenzoesäure 3-Hydroxy-4-methylbenzoesäure 3-Hydroxy-5-methylbenzoesäure Andere Namen 3-Hydroxy-o-toluylsäure3-Carboxy-2-methylphenol 3-Hydroxy-p-toluylsäure3,4-Kresotinsäure5-Carboxy-2-methylphenol 5-Hydroxy-m-toluylsäure3,5-Kresotinsäure Strukturformel 110px 100px 135px CAS-Nummer PubChem SummenformelC8H8O3 Molare Masse152,15 g·mol−1 Aggregatzustandfest Schmelzpunkt 169–170 °C 202–204 °C ? Siedepunkt ? ? ? Dichte ? ? ? Löslichkeit ? ? ? GHS-Kennzeichnung Achtung Achtung Achtung H- und P-Sätze
4/5-Hydroxymethylbenzoesäuren IUPAC-Name 4-Hydroxy-2-methylbenzoesäure 4-Hydroxy-3-methylbenzoesäure 5-Hydroxy-2-methylbenzoesäure Andere Namen 4-Hydroxy-o-toluylsäure4,2-Kresotinsäure 4-Hydroxy-m-toluylsäure4,3-Kresotinsäure 5-Hydroxy-o-toluylsäure5,2-Kresotinsäure Strukturformel 100px 100px 135px CAS-Nummer PubChem SummenformelC8H8O3 Molare Masse152,15 g·mol−1 Aggregatzustandfest Schmelzpunkt 177–181 °C 173–177 °C ? Siedepunkt ? ? ? Dichte ? ? ? Löslichkeit ? ? ? GHS-Kennzeichnung Gefahr Gefahr Achtung H- und P-Sätze
Geschichte Viele bekannte Chemiker beschäftigen sich in der Geschichte mit den isomeren Kresotinsäuren, darunter etwa: August Kekulé, Ferdinand Tiemann, Carl Schotten, Georg Wittig, Karl von Auwers, Henry Gilman, Karl Theophil Fries, Rolf Appel und Derek H. R. Barton. Obwohl der vom Kresol abgeleitete Trivialname schon 1860 von Hermann Kolbe eingeführt wurde, wurde noch Jahrzehnte später meist der inzwischen veraltete Begriff Oxytoluylsäuren gebraucht. Die verschiedenen Isomere wurden in den ersten Jahrzehnten der Auseinandersetzung mit dieser Stoffgruppe hauptsächlich nur dazu synthetisiert, die Konstitution der Edukte zu beweisen.
Vorkommen o-Kresotinsäure in Stocksia brahuica, Zanthoxylum gilletii, Zanthoxylum zanthoxyloides, Osmanthus fragrans 6-Methylsalicylsäure in verschiedenen Penicillium-Arten; Biosynthese aus Acetyl-CoA, Malonyl-CoA und NADPH über enzymgebundene Zwischenprodukte. Auch in Pflanzen der Gattung Hydrophyllaceae und Pilzen, Bakterien: Streptomyces albidoflavus, Streptomyces coelicolor, Streptomyces viridochromeogenes. 3,4-Kresotinsäure in Drimia sanguinea 4,2-Kresotinsäure in Dipsacus laciniatus 4,3-Kresotinsäure in Incarvillea delavayi
Gewinnung und Darstellung Klassische Synthesen Methode Geeignet für Isomere (Ausbeute) EinzelnachweisePhenolverkochung ausgehend von den entsprechenden AminotoluylsäurenalleKolbe-Schmitt-Reaktion ausgehend von Kresolenortho (28 %), meta (60 %), para (67 %), 4,2- (36 %), 4,3- (66 %)Alkalischmelze der entsprechenden Kresolsulfonsäurenmeta, 3,4-, 3,5-, 5,2-, 4,3-Cannizzaro-Reaktion oder Oxidation von Hydroxymethylbenzaldehydenmeta, para, 2,6-, 4,2-, 4,3-Hydrolytisch-decarboxylativer Abbau von durch Friedel-Crafts-Acylierung mit Oxalylchlorid aus Kresolen gewonnenen Methyldioxobenzofuranenmeta, para, 2,6-oxidativer Abbau von Acylkresolen z. B. mit Iodmeta, paraAddition des entsprechenden Kresols mit Appel-Salz und Hydrolyse des Adduktspara
Verwendung Kresotinsäuren sind inzwischen Grundstoffe in der chemischen Industrie und finden weite Anwendung in der Synthese. Arzneistoffe, die aus Kresotinsäuren hergestellt werden können, sind z. B.: Lasalocid, Repaglinid und Nelfinavir. Erforscht werden auch von Kresotinsäure abgeleitete p38-MAP-Kinase-Inhibitoren. Insbesondere die o-Kresotinsäure ist Grundstoff für einige Beizenfarbstoffe des Triphenylmethan-Typs (Mordant-Blue-Serie).
Einzelnachweise
Kategorie:Stoffgruppe Hydroxymethylbenzoesauren Hydroxymethylbenzoesauren Hydroxymethylbenzoesauren