mini|1 Taler, Giesberg 4 Rückseite Die Wiedertäufertaler, frühere Schreibweisen Wiedertäuferthaler bzw. Wiedertäufer-Thaler, waren Gold-, Silbermünzen und Schaumünzen, die während und nach dem Täuferreich von Münster 1534 geschlagen und im Umlauf gebracht wurden.
Beschreibung mini|hochkant=1.5|Wiedertäufertaler, wahrscheinlich Giesberg 6 Britisches Museum
Es handelt sich um eine Gold- oder Silbermünze, die als halber Taler, bzw. als Taler herausgegeben wurde. Der Taler hatte etwa das Gewicht von einer Unze. Es sind aber auch noch höher gewichtige Münzen bekannt. Anders als üblich enthielt sie kein Bildnis, da die Melchioriten, zu denen man die münsteraner Täufer zählten, jedes Bild ablehnten. Dafür waren Bibelsprüche in Westfälisch enthalten. Optisch unterscheiden sie sich von allen damals umlaufenden Münzen dadurch, dass sie ausschließlich Schrift tragen und keinerlei bildliche Darstellungen zeigen. Darin kommt die Bilderfeindlichkeit und die Ablehnung der Geldwirtschaft des Täuferregimes zum Ausdruck. Dass kein nominaler Wert angegeben war, war für Münzen dieser Zeit aber nicht unüblich.
Variante Giesberg 2 Vorderseite mini|hochkant=1.5|Die Wiedertäufertaler von 1534 Halber Taler, Giesberg 2 (Vorderseite: Et si dat imadt upt nie gebare werde; Kehrseite: So mach he godes rike nicht schei) des LWL-Museums für Kunst und Kultur Der erste Text in der Mitte der einen Seite lautet
Der zweite Text als äußere Umschrift auf der Vorderseite heißt:
(weiter auf der Kehrseite)
Kehrseite
Der letzte Spruch: „ein König aufrecht über alle“, begründete der Prädikant Dionis Vinne bei seinem Verhör im Oktober 1534 mit Bibelstellen der Propheten Jeremia (Kap. ) und Hesekiel (Kap. und Kap. ). Der dritte Text als innere Umschrift der Rückseite ist das Motto der Täufer:
In der Mitte auf einem Wappen nennt es nicht nur Ort und Zeit der Prägung, sondern kann auch als Aufforderung verstanden werden.C. A. Cornelius: Berichte der Augenzeugen über das münsterische Wiedertäuferreich. In: Geschichtsquellen des Bistums Münster. Band 2. Münster 1853, Reprint 1983, , S. 112–113 (Bericht des Heinrich Gresbeck, digitale-sammlungen.de), S. 277 (Verhör des Dionis Vinne, Oktober 1534, digitale-sammlungen.de).
Varianten mini|Schaumünze Giesberg 21, eine Arbeit die Heinrich Aldegrever zugeschrieben wurde, was aber umstritten ist mini|Schaumünze Giesberg 25 Der Kunsthistoriker Max Geisberg hat von dem Wiedertäufertaler etwa 20 Varianten ausfindig gemacht. Hinzu kommen noch 9 Schaumünzen, die allesamt nicht authentisch sind. Die meisten davon sind Nachprägungen des 16. und 17. Jahrhunderts.
Falsch Zweifelhaft EchtDie Authentizität der Varianten nach Max Geisberg: Die Münsterischen Wiedertäufer und Aldegrever eine ikonographische und numismatische Studie. In: Studien zur Deutschen Kunstgeschichte. Heft 76, J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1907, S. 64–72, (). 5 8 9 10 11 12 13 15 16 20 1 3 6 7 18 19 2 4 14 17 mini|hochkant=1.5|Münsteraner Taler von 1535, Fürstbischof Franz von Waldeck, wahrscheinlich aus dem Silber des Wiedertäufertalers geschlagen (LWL-Museum für Kunst und Kultur) wurde allerdings in Warendorf geprägt Die in der Zeit der Wiedertäuferherrschaft 1534/1535 geprägten Münzen dienten dreierlei Zwecken. Zum ersten versuchte man bischöfliche Landsknechte in die Stadt zu locken, zum zweiten dienten sie zum Schmuck der Ketten der Herzöge und ihrer Räte und schließlich zur Vornahme einer Zeremonie, die die Apostel in den ungläubigen Städten und Dörfern vornehmen sollte. Der König ließ am 13. Oktober 1534 insgesamt 27 Apostel aus dem schwer belagerten Münster in die Nachbarstädte Soest, Coesfeld, Osnabrück und Warendorf (vier Himmelsrichtungen), um dort zu missionieren. Beim sogenannten „Münzwurf“, wurden im Mittelalter Rechtsgeschäfte beendet, und dies hatte einen biblischen Bezug. Ein gläubiger Mensch ist wertvoller als ein Goldstück. Die Menschen mache ich seltener als Feingold, die Menschenkinder rarer als Golderz aus Ophir. Karl-Heinz Kirchhoff: Die Täufer in Münster 1534/35. Untersuchungen zum Umfang und zur Sozialstruktur der Bewegung (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Band 22; Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Band 12). Aschendorff, Münster (in Westfalen) 1973, ISBN 3-402-05220-2, S. 24. Die Inschrift bezog sich auf die Taufpraxis und den Anspruch auf die Königs- und Weltherrschaft. Den Täufern war der Besitz und der Gebrauch des Geldes unter Androhung der Todesstrafe verboten. Durch die Ausübung des Münzregals sollte die Souveränität bzw. das Königtum manifestiert werden und die Bevölkerung des Umlands darauf aufmerksam gemacht werden. Max Geisberg weist auf die Tatsache hin, dass bei der Eroberung der Stadt, neben einem gewaltigen Silberhort, auch die Münzstempel der Wiedertäufer in die Hände der Sieger gefallen waren, die damit beliebig viele Nachprägungen anfertigen konnten und auch tatsächlich vorgenommen haben, wie die Verwendung eines echten und eines nachgestochenen Stempels nebeneinander beweist. Die Inumlaufbringung dieser „Wiedertäufertaler“ lässt im Nachhinein die geldfeindliche Haltung der Täufer als bigott erscheinen und diskreditiert ihre religiöse Not und Haltung. Dies erklärt auch die gewaltigen Nachprägungen bis ans Ende des 17. Jahrhunderts. Nur in den allerseltensten Fällen ist man berechtigt, aus der Provenienz oder aus dem gesamten Charakter einer Münze den Schluss zu ziehen, eine wirklich während der Belagerung geschlagene Wiedertäufermünze vor sich zu haben.Max Geisberg: Die Münsterischen Wiedertäufer und Aldegrever eine ikonographische und numismatische Studie. In: Studien zur Deutschen Kunstgeschichte. Heft 76, J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1907, S. 63 ().
Kein Zahlungsmittel, sondern ein Propagandainstrument Der Wiedertäufertaler diente nicht als Zahlungsmittel, sondern als Propagandainstrument. Das wird allein schon durch die Tatsache klar, dass es keine Unterwährung, wie z. B. Schwaren gab. Nur Taler und Goldgulden aus der Zeit des Königtums Jan van Leidens sind bekannt. Im Osnabrücker Rathaus verwahrten bis 1945 drei Goldstücken, die sechs Apostel der Wiedertäufer hätten: „sick up dem Marckede und straten openbar angegeven und geprediget, der thoversicht, deße Statt mit erer Lehre tho vergifften, und des erer angeboden Lehre deße jegenwerthige der goldene pennige tho einer ohrkunde up dem Marckede von sich geschmeten“. Der Münzwurf war der Beginn der Konversion, die im Taufakt abgeschlossen wurde. Auch wurde eine Münze in Warendorf aufgefunden.LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum, Münster, Inv.-Nr. 36793 Mz.
Prägestätten Das Geständnis des Knechtes Ludgers tom Rink, Hermann B., vom 23. Dezember 1534 besagt:
Die Aussage des Knechtes bezieht sich auf die Bischöflich-Münsterischen Münze, die mit dem Münzhause am Roggenmarkte 4 und allen Münzstempeln bei dem Handstreiche vom 27. Februar 1534 in die Hand der Wiedertäufer gekommen war.
Geschichte
mini|hochkant=1.5|Ein ganzer Taler, Giesberg 14 („ein König aufrecht über alle“) des LWL-Museums für Kunst und Kultur Die Prägung des Wiedertäufertalers wurde ab September 1534 vor der Inthronisierung Jan van Leidens begonnen. Die Münzen mit dem Epitaph: „ein König aufrecht über alle“ ist daher jüngeren Ursprungs.Die Geschichtsquellen des Bisthums Münster. Band 2: Berichte der Augenzeugen über das münsterische Wiedertäuferreich Standort München. Bayerische Staatsbibliothek -- H.eccl. 426 d-2 S. 48–49, (digitale-sammlungen.de). Diese Devise, »Ein König aufgerichtet über alle«, begründete der Prädikant Dionis Vinne bei seinem Verhör im Oktober 1534 mit Bibelstellen der Propheten Jeremia (Kap. ) und Hesekiel (Kap. und Kap. ). Am Ende der Rückseitenumschrift stehen die gekreuzten Schwerter aus dem Königssymbol, der von zwei Schwertern, dem geistlichen und dem weltlichen durchbohrten Weltkugel als Anspruch »dat he hersschen sal aver de gantzen Werelt« (D. Vinne). Im Zentrum der Rückseite steht das in den Text THO MVNS / TER umgesetzte dreiteilige Stadtwappen (Gold-Rot-Silber), umgeben von dem Schlachtruf EIN GODT EIN GELOVE EIN DOEPE („ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“), ein Zitat aus dem Epheserbrief , darüber die Jahreszahl 1534. Der zentrale Spruch auf der Vorderseite zitiert aus dem Johannesevangelium: DAT WORT IS FLEISCH GEWORDEN VN WANET IN VNS („Das Wort ist Fleisch geworden und wohnt unter uns“, ): in der Täufergemeinde realisiere sich das Wort, die göttliche Weissagung; die Gemeinde sei das Realität gewordene Gotteswort. Es gibt auch Abschläge bis zum Doppeltalergewicht. Die Gepräge sind bis zum 17. Jahrhundert nachgebildet worden, was heute die meisten Stücke in Sammlungen darstellt. Der Goldschmied J. Potthoff († 1607), sowie der Münzmeister E. Ketteler (um 1640) haben die meisten angefertigt. Die Münzen dürften als „Souvenirs“ für die Gesandten des Friedenskongresses (Westfälischer Friede) und ihren Anhang bestimmt gewesen sein.G. Dethlefs: »Gottes Macht ist meine Kraft«. Die Münzen und Medaillen der Wiedertäufer zu Münster. In: Dresdner Kunstblätter. Band 37, 1993, , S. 152–155. Der bischöfliche Münsteraner Taler des Jahres 1535 mit den beiden Heiligen Petrus und Paulus wurde wahrscheinlich erst nach der Einnahme der Stadt durch Franz von Waldeck aus dem Silber des beschlagnahmten Wiedertäuferschatzes geprägt worden sein. Originale aus der belagerten Stadt von 1534 sind daher selten. 400 Jahre später wurde auf Münsteraner Notgeldscheinen des Jahres 1921 an diese Episode der Stadtgeschichte erinnert.
Bericht des Meisters Heinrich Gresbeck Der Tischlermeister Heinrich Gresbeck aus Münster verfasste einen Bericht über das Schlagen des Geldes:
Literatur Philip Grierson: Münzen des Mittelalters (= Die Welt der Münzen. Band 4). Deutsche Übersetzung von Alfred P. Zeller. Battenberg, München 1976, ISBN 3-87045-103-3. Wilhelm Jesse: Quellenbuch zur Münz- und Geldgeschichte des Mittelalters (mit 16 Tafeln). Halle an der Saale 1924 (Neudrucke: Scientia, Aalen 1968 und ebenda 1983, ISBN 3-511-00266-4). Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Gietl, Regenstauf 2005, ISBN 3-924861-84-6; Battenberg, [München], ISBN 3-89441-550-9. Gerd Dethlefs: Münzen und Medaillen auf die Wiedertäufer zu Münster. In: Stadtmuseum Münster (Hrsg.): Die Wiedertäufer in Münster [Ausstellungskatalog Stadtmuseum Münster, 1982/83]. Aschendorff, Münster 1982, , S. 244–264, mit Katalog S. 265–294; 5., verb. und erw. Auflage. Aschendorff, Münster 1986, . Barbara Rommé (Hrsg.): Das Königreich der Täufer in Münster. Neue Perspektiven. Mit Beiträgen anläßlich der Ausstellung im Stadtmuseum Münster von Peter Johanek, Rita Kauder-Steiniger, Ralf Klötzer, Barbara Rommé und Bernd Thier. Lit, Münster 2003, ISBN 3-8258-6253-4. Karl-Heinz Kirchhoff: Die Täufer in Münster 1534/35. Untersuchungen zum Umfang und zur Sozialstruktur der Bewegung (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Band 22; Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Band 12). Aschendorff, Münster (in Westfalen) 1973, ISBN 3-402-05220-2, S. 24.
Weblinks
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Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Silbermünze Kategorie:Goldmünze Kategorie:Täuferbewegung