mini|Theater Bielsko-Biała (2020) Das Polnisches Theater Bielsko-Biała (Teatr Polski w Bielsku-Białej) ist ein städtisches Theater in der südpolnischen Stadt Bielsko-Biała (Bielitz-Biala). Es wurde von 1888 bis 1890 als Stadttheater Bielitz in der damals vorwiegend deutschsprachigen Stadt errichtet.

Theatergeschichte Die älteste Nachricht von einem Theaterspiel in Bielitz stammt von 1791, als in einem Gerichtsprotokoll Daniel Eisenberg erlaubt „hierorts Schauspiele durch einhalb Jahre aufzuführen“. Der nächste Beleg stammt von 1810, als Carl Flebbe Theateraufführungen erlaubt wurden. Im Jahr 1813 gastierte die Hornungsche Theatertruppe in Bielitz. Zum 1. Juli 1817 wurde neben der Schlosskapelle ein kleines Theater, das Sulkowskische Schauspielhaus, errichtet und eine Festvorstellung zu Ehren das Kaisers gegeben. Ab 1818 war dieses Theater auch für die bürgerliche Öffentlichkeit zugänglich. Das Sulkowskische Schlosstheater war bevorzugte Spielstätte reisender Theatergruppen. Dieses Theater fiel 1836 dem Stadtband zum Opfer.

In den Jahren 1856–1857 wurde ein Theatersaal im ersten Obergeschoss des Zunfthauses der Tuchmacher am Börsenplatz eingebaut. Das Theater wurde am 16. März 1857 mit einem Prolog in Bielizer Tuchmachermundart eröffnet und bestand bis 1882. Das kleine Theater hatte eine über zwei Geschosse reichende Holzkonstruktion und eine im Halbkreis geführte Galerie. Nach dem Ringtheaterbrand wurde die Galerie geschlossen. Bielitz hatte gute Verbindungen zum Hoftheater des Fürsten Anhalt-Pleß, der auch Gleiwitz bespielen ließ.

mini|Stadttheater Bielitz, Postkarte 1913

Im Verlauf der 1880er Jahre beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Neubau eines Deutschen Theaters. Die Grundsteinlegung erfolgte 1890 und der Bau wurde von Emil Ritter von Förster, dem Architekten des Ringtheaters und des Technischen Museums in Wien. Das Deutsche Stadttheater wurde am 30. September 1890 eröffnet mit dem von Stanislaus Wolf und Anton Freytag eigens verfassten Festspiel Das neue Musenheim sowie mit William Shakespeares Sommernachtstraum. Es verfügte über elektrische Beleuchtung und bot 800 Personen Platz. Bekannte Wiener Künstler wie der Theatermaler Jan Kautsky arbeiten an der Gestaltung des Theaterinneren mit. Im Jahr 1891 wurde vor dem Eingang des Gebäudes ein Brunnen errichtet. In den Jahren 1904–1905 wurde der Bau von Fellner & Helmer umgestaltet. Das Theater wurde am 1. Oktober 1905 wiedereröffnet. Der Zuschauerraum wurde erweitert, die Logen im ersten Obergeschoss wurden entlang der Innenachse entfernt und an den Seitenfassaden wurden zwei Geschossanbauten angebaut. Die Fassade zeigte Statuen der Musen Apollo, Melpomene und Thalia, die Kurtine einen „Tanz der Nymphen“.

Das Deutsche Theater in Bielitz wurde von Anfang an als Dreispartentheater geführt, ein Stammpublikum gab ihm durch Abonnements einen festen finanziellen Rückhalt. Die Schauspieler waren meist Angehörige österreichischer Bühnen. Vor dem Ersten Weltkrieg traten hier Stars wie Alexander Girardi, Alexander Moissi und Adele Sandrock auf, 1918 debütierte hier die jüdische Schauspielerin und Begründerin der Hamburger Kammerspiele, Ida Ehre, ab 1936 war der junge Gustav Manker, der spätere Direktor des Wiener Volkstheaters, als Bühnenbildner und Schauspieler hier engagiert. Für die Ausstattung erwarb man die Dekorationen des alten Wiener Hofburgtheaters am Michaelerplatz, darunter sogar den alten Vorhang. An drei Tagen der Woche wurde in Bielitz gespielt, einmal in der nahen Grenzstadt Teschen. Sowohl wegen seiner Architektur als auch in Hinblick auf das Repertoire war das Theater ein Symbol der engen kulturellen Beziehungen zwischen Bielitz und Wien. Das Theater galt sogar Jahre hindurch als das beste österreichische Sprechtheater außerhalb Wiens, wurde und war stark an der Kultur Wiens orientiert, auch noch nach 1918, wie aus den entsprechenden Jahrgängen des Deutschen Bühnen-Jahrbuchs hervorgeht. All das schlug sich auch signifikant im Stadtbild nieder, Bielitz wurde daher bald „Klein-Wien“ genannt.

in den 1930er Jahren musste sich das Bielitzer Theater hoher Konkurrenz stellen, da Wien – näher gelegen als Warschau – infolge der vorzüglichen Eisenbahnverbindungen fütr das kulturbeflissene Bürgertum leicht erreichbar war. Jeden Freitag fuhr in nur 4 1⁄2 Stunden ein Direktzug nach Wien und brachte die Bielitzer ins Burgtheater und in die Oper, wobei ein halber Waggon nur den noblen Abendroben der Damen vorbehalten war. Nur ein gutes Theater konnte unter diesen Umständen die Wiener Hochkultur entbehrlich machen, entsprechend ambitioniert war daher der Spielplan. Neben den obligatorischen Komödien und Operetten wurden auch Schillers Don Carlos (1937) und Maria Stuart (1938) gezeigt, Hugo von Hofmannsthals Jedermann (1938) sowie Dramen von Nikolai Gogol (Der Revisor), Gerhart Hauptmann (Rose Bernd, Michael Kramer und Hanneles Himmelfahrt), Karl Schönherr (Erde), Henrik Ibsen (Die Wildente) und Hermann Sudermann (Johannisfeuer). Höhepunkt war im Dezember 1937 Goethes Faust I in der Inszenierung von Richard Eggartner und im Bühnenbild Gustav Mankers, eine Aufführung, die von der Kritik als „einer der schönsten Theaterabende langer Jahre“ und als „ein Ereignis“ gepriesen wurde, „das weit über die Grenzen dieser Stadt hinaus als bedeutsame künstlerische Tat verzeichnet zu werden verdient.“

1938 ordnete ein Parteibonze nach dem „Anschluß“ Österreichs an, den „Ausbruch einer neuen Zeit“ am Theater festlich zu begehen. Er bestellte bei Direktor Rudolf Loewe eine Galavorstellung, jedoch mit der Bedingung, dass kein Jude darin mitwirken dürfe. Mit Müh und Not wurde eine „arische“ Besetzung zusammengestellt und zum geforderten Termin ging das Schauspiel „Zwölftausend“ in Szene. Der Verfasser war allerdings der Jude Bruno Frank, prompt lieferten die Zeitungen hämische Kommentare und der Parteifunktionär fiel in Ungnade.

Die Geschichte des polnischen Theaters beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945, gegründet von Stanisław Kwaskowski. Schon in der zweiten Hälfte In den 1940er Jahren war sie – laut Leon Schiller – eine der sechs besten Bühnen des Landes. In den Jahren 1995–2000 wurde das Theatergebäude sukzessive renoviert.

Architektur Der Bauplatz liegt in der Unteren Vorstadt und zählt heute zum Zentrum von Bielitz-Biala. Das Baukonzept bezieht sich deutlich auf die Wiener Oper und das Staatstheater in Budapest. Das Gebäude ist allseits freistehend auf dem der Parkanlage Pastornak. Der Baukörper ist durch Risalite stark aufgegliedert. Aus der Front des Vorderhauses mit seitlichen Treppenhäusern tritt ein Mittelrisalit hervor, in dem sich der Haupteingang befindet. Die beiden Obergeschosse sind in einem Foyerfenster zusammengefasst.

Dem kräftig profilierten Giebeldreieck ist ein Relief zweier einen Kranz haltender Genien eingeschrieben, die Giebelspitze ist von einer Statue bekrönt. Die seitlichen Treppenhäuser weisen über dem verkröpfen Kordongesims rundbogige Figurennischen auf. Die Skulpturen und der Stuck stammen von Josef Scheuer aus Bielitz und Adolf Schill aus Wien.

Der Saalbau zwischen Vorder- und Bühnenhaus ist dreigeschossig. Beherrschendes Element der hinteren Gebäudegruppe ist der Bühnenturm mit gestutztem Walmdach, begleitet von kleinen Pyramidenaufsätzen als Eckverzierung. Das Bühnenhaus wird durch Treppenrisalite mit Dreiecksgiebeln gegliedert.

Quellen

Bernd Vogelsang, Funde und Befunde zur schlesischen Theatergeschichte: Theaterbau in Schlesien, Forschungsstelle Ostmitteleuropa, 1983, Seiten 15–23

Weblinks

Website des Theaters

Einzelnachweise

Kategorie:Theatergebäude in Polen Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Schlesien Kategorie:Bauwerk in Bielsko-Biała Kategorie:Bauwerk des Eklektizismus in Polen Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren