Sterben ist ein Filmdrama von Matthias Glasner. In den Hauptrollen sind Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Lilith Stangenberg, Robert Gwisdek und Ronald Zehrfeld zu sehen. Das Werk feierte im Februar 2024 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin seine Premiere, wo es im Hauptwettbewerb gezeigt wurde. Der Kinostart in Deutschland folgte Ende April 2024. Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2024 wurde Sterben mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet, zudem Harfouch für die beste weibliche Hauptrolle, Hans-Uwe Bauer für die beste männliche Nebenrolle und Lorenz Dangel für die beste Filmmusik.

Handlung Das Familiendrama ist in fünf Kapitel bzw. Akte unterteilt, die durch Zwischentitel getrennt sind. Die ersten Akte spielen nicht chronologisch hintereinander, sondern stellen dieselbe Zeitspanne aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren dar, was durch verbindende Elemente (etwa Telefonate) verdeutlicht wird.

1. Lissy und Gerd Lissy Lunies ist Mitte 70 und lebt mit ihrem demenzkranken Mann Gerd in einer gemeinsamen Wohnung in der Nähe von Hamburg. Die zwei können kaum noch füreinander sorgen: Lissy leidet unter Diabetes mellitus, ist nierenkrank und hat Krebs. Auch beginnt sie langsam zu erblinden, weshalb sie beim Autofahren von ihrem Mann dirigiert wird. In Notfällen muss ihre hilfsbereite Nachbarin immer wieder in die Wohnung einbrechen, da sie nicht eingelassen wird. Als Lissy aufgrund eines vermuteten Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert wird, wird ihr Mann zunächst in eine Tagespflege verlegt und zieht anschließend dauerhaft in eine Pflegeeinrichtung, in der er gelegentlich von Lissy und ihrem gemeinsamen Sohn Tom besucht wird. Nach kurzer Zeit stirbt Gerd nachts einsam an einer Lungenentzündung und wird in einem Bestattungswald beerdigt. Tom verpasst die Beerdigung, da er unterwegs liegenbleibt; er erscheint aber anschließend bei seiner Mutter, wo es zu einer Aussprache kommt, in der Lissy ihrem Sohn mitteilt, dass seine Zeugung ein Unfall sei und sie ihn nie geliebt habe. Tom erwidert, dass auch er sie nie geliebt habe und ihre Gegenwart unerträglich finde. Er sei wie sie: kalt. Sie informiert ihn über ein Sparbuch, von dem er ihre Beerdigung zahlen und den Rest behalten solle.

2. Tom Tom arbeitet als Dirigent in Berlin. Er bereitet gemeinsam mit seinem besten Freund, dem depressiven Bernard, die Uraufführung von dessen neuer Komposition Sterben vor. Bernard wird von Selbstzweifeln gequält und ist mit seinem Werk und dessen Verwirklichung unzufrieden; Tom versucht vergeblich, ihm Mut zu machen und ihn daran zu hindern, das geplante Konzert zu verschieben. Toms Ex-Freundin Liv bekommt derweil ein Kind, Jessy, mit ihrem neuen Lebensgefährten Moritz, spannt aber, da sie Moritz nicht liebt, Tom als Ersatzvater für ihr Kind ein, der diese Rolle auch gern einnimmt, zumal er Liv nach zehn Jahren Trennung noch liebt. Sie erwarteten damals ein gemeinsames Kind, das Liv jedoch aus wirtschaftlichen Bedenken abtrieb.

3. Ellen Toms Schwester Ellen ist eine wilde und unangepasste junge Frau, die schwer alkoholabhängig in Hamburg lebt und mühsam als Zahnarzthelferin über die Runden kommt, obwohl ihre Sucht ihr die Arbeit erschwert. Sie beginnt eine Affäre mit dem angestellten Zahnarzt Sebastian und zieht ihn in ihre Alkoholexzesse mit hinein. Als Sebastian sie nach einiger Zeit darum bittet, zumindest gelegentlich auf den Alkohol zu verzichten, hält sie das nur kurz durch. Obwohl er eine Familie in München hat und diese nicht verlassen will, gelingt es ihm nicht, sich von Ellen zu lösen.

4. Der schmale Grat Zufällig treffen Tom und Liv in Berlin mit Ellen und Sebastian zusammen. Tom lädt die beiden zur Uraufführung von Sterben in die Philharmonie ein. Ellen, die sich immer von ihren Eltern Tom gegenüber zurückgesetzt fühlte, stört von Beginn an das Konzert durch einen hartnäckigen Hustenanfall und übergibt sich schließlich auch noch in einem Schwall. Die Aufführung wird unterbrochen, viele Gäste verlassen fluchtartig den Raum. Der wütende Bernard greift Ellen tätlich an und gerät dadurch mit Sebastian in Streit. Das Konzert wird abgebrochen.

Bernards Selbstzweifel wachsen dadurch weiter, er zieht sich immer mehr zurück. Seine Lebensgefährtin, die Cellistin Mi-Do aus dem Orchester, findet keinen Zugang mehr zu ihm. Er grübelt über den schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst und wird das Gefühl nicht los, in Sterben die richtige Balance nicht zu finden.

An Heiligabend ruft Bernard Tom zu sich: Er sei entschlossen, sein Leben in dieser Nacht zu beenden. Tom solle bis zum Ende warten, um Mi-Do den Schock zu ersparen, falls sie vorzeitig zurückkommen sollte. Tom akzeptiert Bernards Todeswunsch, obwohl ihn Liv am Telefon beschwört, die Selbsttötung zu verhindern. Nach Vollendung des Suizids ruft er die Polizei und geht. Bernard hinterlässt als sein Vermächtnis die vollendete Komposition, die anschließend von Tom wieder in der Philharmonie vor großem Publikum dirigiert wird. Statt der ursprünglichen Besetzung mit Chor tritt nun das von Mi-Do gespielte Solo-Cello in den Vordergrund und schafft damit eine Beziehung zwischen dem verstorbenen Komponisten und seiner zurückgebliebenen Partnerin. Die Aufführung wird ein voller Erfolg.

5. Liebe Tom führt seit einiger Zeit eine lose Beziehung mit der jungen Orchesterassistentin Ronja. Beide sind der Meinung, dass es nicht die große Liebe ist, doch als sie ihm mitteilt, dass sie schwanger ist, reagiert er erfreut. Der Film endet mit Lissys Beerdigung, zu der sowohl Tom als auch Ellen erscheinen. Tom trägt stolz sein Kind auf dem Arm und geht nach der Beerdigung einen Schritt auf seine Schwester zu, indem er ihr das Sparbuch zuspricht, von dem Lissy ihm erzählt hat.

Produktion Widmung und Besetzung

Regie führte Matthias Glasner, der auch das Drehbuch schrieb. Gewidmet hat Glasner den Film seiner Familie, „den Lebenden und den Toten“, so dass deutlich wird, dass der Film autobiografische Züge trägt. Matthias Glasner sagte in einem Interview, dass der Film an manchen Stellen möglichst nahe an die Realität herankommen sollte: „Das war schon sehr besonders bei dem Film, weil es mir dann doch auch wichtig war, dass bestimmte Dinge stimmen. Das Pflegeheim, in dem mein Vater gestorben ist, wir haben genau dort gedreht, wir haben in dem Krankenhaus gedreht, wo meine Mutter gestorben ist.“

Corinna Harfouch spielt in der Hauptrolle Lissy Lunies. Bereits in Glasners Filmdrama This Is Love spielte sie in der Hauptrolle. Hans-Uwe Bauer ist in der Rolle ihres demenzkranken Ehemannes Gerd zu sehen. Er spielte bereits in der Fernsehserie Zeit der Geheimnisse Harfouchs Ehemann. Lars Eidinger spielt ihren Sohn Tom und Robert Gwisdek dessen Freund Bernard. Anna Bederke spielt Toms Exfreundin Liv. Lilith Stangenberg ist in der Rolle von Toms Schwester Ellen zu sehen und Ronald Zehrfeld in der Rolle des Zahnarztes Sebastian, mit dem sie eine Beziehung beginnt. Tom Böttcher spielt den jüngeren Tom.

Filmförderung und Dreharbeiten Der Film erhielt vom Deutschen Filmförderfonds eine Produktionsförderung in Höhe von 1,44 Millionen Euro, von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 700.000 Euro, von der Filmförderungsanstalt in Höhe von 500.000 Euro, von der Film- und Medienstiftung NRW in Höhe von 500.000, vom FilmFernsehFonds Bayern in Höhe von 180.000, von der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein in Höhe von 400.000 Euro und von der Nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH in Höhe von 140.000 Euro.FFA fördert die Entstehung von 9 Filmprojekten und 11 Drehbüchern mit 3,9 Millionen Euro. In: ffa.de, 11. Oktober 2021.Förderentscheidungen Juni 2021. In: filmstiftung.de. Abgerufen am 22. Januar 2024. (PDF; 709 KB)Expedition durch den Filmnorden: Jahresbericht 20/21. In: moin-assets.b-cdn.net. Abgerufen am 22. Januar 2024. (PDF; 411 KB) Von der Filmförderungsanstalt erhielt der Film eine Verleihförderung in Höhe von 125.000 Euro, von der Film- und Medienstiftung NRW in Höhe von 70.000 Euro und von german films für den Kinostart in Österreich 5.000 Euro.Jochen Müller: FFA: 600.000 Euro Verleihförderung für „Chantal im Märchenland“. In: Blickpunkt:Film, 19. März 2024.5,4 Millionen Euro für Filme, Serien und Kinderkino. In: filmstiftung.de, 2. Mai 2024.Jochen Müller: German Films: 366.825 Euro für Kinostarts deutscher Filme im Ausland. In: Blickpunkt:Film, 15. März 2024.

Die Dreharbeiten fanden von Ende November 2022 bis Anfang April 2023 in Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen statt. Als Kameramann fungierte Jakub Bejnarowicz. Mit ihm arbeitete Glasner bereits für Gnade zusammen, ebenso für die von ihm inszenierte Tatort-Folge Die Ballade von Cenk und Valerie.

Filmmusik und Veröffentlichung Lorenz Dangel, mit dem Glasner bereits für die Fernsehserie Blochin zusammengearbeitet hatte, wurde für die Filmmusik mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Die Premiere fand am 18. Februar 2024 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin statt, wo der Film im Hauptwettbewerb gezeigt wurde.Sterben. In: berlinale.de. Abgerufen am 6. Februar 2024. Dort im Wettbewerb hatte Glasner 2012 bereits seinen Film Gnade vorgestellt. Ab Mitte April 2024 wurde Sterben beim Lichter Filmfest gezeigt.Sterben. In: lichter-filmfest.de. Abgerufen am 21. März 2024. Der reguläre Kinostart in Deutschland war am 25. April 2024.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 27. Januar 2024. Im Juni 2024 wurde der Film beim Transilvania International Film Festival gezeigt.Radu Dumitrescu: First films announced for Transilvania International Film Festival 2024. In: romania-insider.com, 21. März 2024. Ebenfalls im Juni 2024 wurde der Film beim Sydney Film Festival vorgestelltDying. In: sff.org. Abgerufen am 8. Mai 2024. und hiernach beim Karlovy Vary International Film Festival.Dying. In: kviff.com. Abgerufen am 14. Juni 2024. Im August 2024 wurde er beim New Zealand International Film Festival und beim Melbourne International Film Festival vorgestellt.https://www.nziff.co.nz/2024/ngamotu-new-plymouth/dying/Dying. In: miff.com. Abgerufen am 12. Juli 2024. Im November 2024 sind Vorstellungen beim Denver Film Festival und beim Tallinn Black Nights Film Festival geplant.Dying. In: eventive.org. Abgerufen am 9. Oktober 2024.PÖFF announced Germany as the focus country 2024. In: poff.ee, 23. Oktober 2024.

Rezeption Altersfreigabe In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es, der Film richte sich klar an ein erwachsenes Publikum, behandele ernste Themen wie Alkoholismus, Familienkonflikte, Krankheit und Suizid, enthalte eindringliche Szenen und biete nur wenige emotionale Entlastungsmöglichkeiten.Sterben. In: spio-fsk.de. Abgerufen am 25. April 2024. Bettina Peulecke schreibt in ihrer Kritik für NDR Kultur, zwar lasse sich Sterben auch als Hymne an das Leben betrachten, doch hier werde nichts beschönigt und vieles gezeigt, das schwer zu ertragen ist: „Zum Glück besitzt der Film immerhin Galgenhumor, aber kalt lassen dürfte er trotzdem niemanden.“Bettina Peulecke: Drama „Sterben“: Matthias Glasners Gewinner des Silbernen Bären. In: ndr.de, 24. April 2024. Kritiken und Einspielergebnis Michael Meyns resümiert in seiner Kritik für Filmstarts, mit einer ganzen Riege deutscher Schauspielstars entfalte Matthias Glasner in Sterben das breite, oft reiche Bild einer Familie, wobei einige der herausragenden Momente des Kinojahres entstünden. Zugleich verliere er sich aber auch in einer Struktur, die ihre absoluten Höhepunkte schon zu früh erreiche und sich dann mit einem knapp einstündigen, in allzu bekannten Bahnen verlaufenden Selbstzerstörungs-Drama selbst ganz schön ausbremse.Michael Meyns: Sterben. Ein epischer Film über Familie (und alles andere). In: Filmstarts. Abgerufen am 26. April 2024.