mini|Kärntner Bildstock am Faaker See, Foto Vincenc Gotthardt

Die Kärntner Bildstöcke bzw. hier insbesondere die Südkärntner Bildstöcke sind christliche Kleindenkmäler in offener Flur. Sie folgen in Typologie, Lokalisierung, lokalhistorischer Bedeutung sowie der Einbettung ins lebendige Brauchtum der Kärntner sowie auch der weiteren europäischen kulturhistorischen Tradition. Sie sind Zeugnisse überregionalen kulturellen Austausches, der Inkulturation sowie überregionaler kultureller Entwicklungen über die Jahrhunderte hinweg. Als Zeugen der Kulturgeschichte des Landes verleihen sie der Kulturlandschaft dieser Region eine charakteristische Prägung. Vgl. dazu Wilhelm Deuer: Ausgewählte Flurdenkmäler. In: W. Wadl: Magdalensberg, Natur, Geschichte, Gegenwart, Gemeindechronik. Klagenfurt 1995, 284–286, hier 284. Im (südlichen) Kärnten im Süden Österreichs, das über die Jahrhunderte durch die Bikulturalität oder Zweisprachigkeit (Deutsch und Slowenisch) geprägt war, sind einige Besonderheiten auszumachen, die ihren besonderen Wert für die Kärntner, die österreichische und europäische Kulturlandschaft ausmachen.

Regionale Häufung mini|Kärntner Bildstock Ameisbichl (Gemeinde Poggersdorf), Foto Bojan Schnabl

Bildstöcke oder „Kreuze“, wie sie von der Bevölkerung bezeichnet werden (slow. znamenje oder regional križ), sind hauptsächlich in katholischen geprägten Gegenden anzutreffen. In evangelischen geprägten Gebieten wurden diese Glaubenszeugnisse meist im 16. Jh. entfernt. Sie sind im Gailtal weniger stark verbreitet als im Südkärntner Zentralraum (im Rosental, auf der Sattnitz, im Klagenfurter Feld im Jauntal sowie auf den Ossiacher Tauern bzw. im Feldkirchner-Moosburger Hügelland). In historischer Sicht waren diese Gegenden stark von einer bisweilen nicht mehr existenten der Präsenz der kärntenrslowenischen Kultur und Sprache geprägt, was die Bedeutung der interkulturellen Prozesse bei der Errichtung, Pflege und kollektiven identitätsstiftenden Wahrnehmung unterstreicht.Uši Sereinig, Bojan-Ilija Schnabl: „Bildstock“. In: Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl (Hg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, Von den Anfängen bis 1942. Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 155–158, ISBN 978-3-205-79673-2 Bei Deuer heißt es dazu: „[I]nsbesondere der südliche Landesteil mit den gemischtsprachigen Gebieten [ist] besonders reich an Bildstöcken, Wegkreuzen und -kapellen. Sie sind untrennbarer Bestandteil der Flur, der von Menschenhand geformten Landschaft, geworden und verkörpern eine besonders unmittelbare Ausdrucksform der Volksfrömmigkeit, weil sie meist ohne direkte Einwirkung kirchlicher Institutionen von der Bevölkerung in Eigeninitiative errichtet worden sind und auch ihre Erhaltung bis zum heutigen Tag im Ermessen der Besitzer, Anrainer oder ganzer Nachbarschaften liegt.“ Wilhelm Deuer: Ausgewählte Flurdenkmäler. In: W. Wadl: Magdalensberg, Natur, Geschichte, Gegenwart, Gemeindechronik. Klagenfurt 1995, 284–286, hier 284.

Auf Deuer geht auch der Entwurf des Gemeindewappens von Poggersdorf im Klagenfurter Feld zurück, in dem neben Edlingern zuzuschreibende Symbole u. a. auch ein Südkärntner Bildstock dargestellt ist.

Traditionell wurden und werden noch heute Lindenbäume neben Bildstöcken gepflanzt oder dort, wo sie Opfer der Zeit werden, werden Linden nachgepflanzt, so neben den zahlreichen Bildstöcken an der Görtschitztal Straße zwischen den Pfarren St. Thomas und Timenitz (in der Gemeinde Magdalensberg) nordöstlich der Landeshauptstadt Klagenfurt, wo sie die Landschaft prägen.Zu deren besonderen kulturhistorischen Bedeutung in diesem Kontext siehe: Bojan-Ilija Schnabl: „Linde“. In: Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl (Hg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, Von den Anfängen bis 1942. Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2016, Bd. 2, S. 828–829, ISBN 978-3-205-79673-2

Erscheinungsformen mini|Kärntner Bildstock in Thomas am Zeiselberg (Gemeinde Magdalensberg), Foto Bojan Schnabl

Unter einem Bildstock versteht man generell einen frei stehenden, gemauerten Pfeiler oder eine Säule mit Aufsatz, der mit bildlichen, seltener mit figuralen Darstellungen religiösen Inhalts ausgestattet ist. Die Grundform wurde in der Gotik ausgebildet und besteht aus Basis, Schaft, Aufsatz und Helm. Die Formenvielfalt, die sich daraus entwickelt hat, ist groß. Zu den häufigsten Erscheinungsformen des Bildstocks im Grenzgebiet Österreich/Slowenien zählen: Pfeiler- und Säulenbildstöcke, Breitpfeilerbildstöcke mit Satteldach, Kapellenbildstöcke, Laubenbildstöcke und darüber hinaus schlankere oder breitere drei-, fünf- sechs- und achtseitige Pfeiler. Im Gegensatz zu Breitpfeilern mit einer großen, nicht zum Boden reichenden Nische oder Wandvertiefung haben Kapellen- und Laubenbildstöcke einen kleinen betretbaren Innenraum. Die architektonische Gestaltung und Bemalung der Bildstöcke reicht von den qualitätsvollsten Errungenschaften der unterschiedlichen Stilepochen bis zu deren einfachsten Ausprägungen (Volkskunst).

Herkunft thumb|Bildstock Goritschach / Goriče (Gemeinde Schiefling am Wörthersee), Foto Jernej Šušteršič

Einige Wissenschaftler sehen eine Verwandtschaft der Bildstöcke mit antiken Wegsteinen, die von den Römern neben den Straßen zur Erinnerung an verstorbene Reisende aufgestellt wurden, oder mit Meilensteinen, die als Entfernungsanzeiger an Straßen das Reisen erleichterten.

Die Herkunft der Bildstöcke im (Süd-)Kärntner Raum wird in Frankreich vermutet, zumal die ältesten Bildstöcke eine große Ähnlichkeit mit den steinernen Totenleuchten von Burgund aufweisen. Damit stellen sie ein Zeugnis transkultureller Prozesse ein Europa bzw. der Prozesse der Inkulturation kultureller Errungenschaften in zeitlicher und/oder geografischer Dimension.Bojan-Ilija Schnabl: „Inkulturation“. In: Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl (Hg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, Von den Anfängen bis 1942. Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 523–527, ISBN 978-3-205-79673-2

Möglicherweise wurde die älteste in Österreich erhaltene spätromanische Totenleuchte von Köttmannsdorf am Anfang des 13. Jh.s von französischen Steinmetzen errichtet, die von den Zisterziensern nach Viktring geholt wurden. Totenleuchten mit charakteristischen offenen, tabernakelartigen Aufsätzen, wo ein Licht für die Verstorbenen entzündet wurde, stehen hauptsächlich auf Friedhöfen. In ganz Kärnten sind acht Totenleuchten bzw. Lichtsäulen bekannt: Köttmannsdorf, Keutschach am See, Globasnitz, Lieding, Steuerberg, Völkermarkt, Maria Saal und Gurk. Zu den ältesten erhaltenen Bildstöcken zählen Bildstöcke, die Grundherrschafts-, Gerichtsbarkeits- oder andere Grenzen markieren. Als ältester steinerner Bildstock Südkärntens, der an der ehemaligen Grenze zwischen der Gerichtsbarkeit der Stadt Villach und der Burg Landskron stand, gilt das Weiße Kreuz (1399 urk. erwähnt) beim Zehenthof in Villach. Als Grenzkreuz wurde auch das Armesünderkreuz/Križ ubogih grešnikov in Sankt Stefan im Gailtal errichtet (1499), da bis zu dieser Stelle die Gerichtsbarkeit der Herrschaft Aichelburg reichte. Es ist mit Fresken aus der Schule Urban Görtschachers ausgestattet und zählt zu den vier in Kärnten denkmalgeschützten gotischen Bildstöcken. Breda Vilhar vertritt die Ansicht, ‚Görtschacher‘ sei „vermutlich der verdeutschte slowenische Name goričan nach dem Ort Görtschach/Goriče im Unteren Gailtal“. Vilhar führt weiter aus: „Auch bei [Margareta] Witternigg wird erwähnt, dass sein Name ein heimischer Kärntner Name sei, aus ‚Windisch Görtschach‘ abgeleitet.“B. Vilhar: Ziljske freske in še kaj s poti za sledovi gotskega stenskega slikarstva med Marijo na Zilji in Šmohorjem = Die Gailtaler Fresken. Celovec [e.a.] 1996, 77

Denkmalgeschützt sind weiters: das Hauser- und das Gangl-Stöckel in Reisach im Gailtal (1499), das Kernmaier-Kreuz in St. Walburgen im Gebiet des Görtschitztals (Fresken um 1425/30) und das Tschahonig-Kreuz/Čahovnikov križ in St. Martin am Techelsberg. Laut www.kleindenkmäler.at ist Letzterer „der gewaltigste spätgotische Nischenbildstock Kärntens mit einer Höhe von 8 Metern und einer Tabernakelbreite von 2 Metern. Ein riesiges Kegeldach ruht auf einem massiven Vierkanter auf. Der Nischenkörper hebt sich deutlich vom verjüngten Schaft ab. Das Kegeldach ist mit Fichtenschindeln gedeckt und wird gekrönt von einem vergoldeten Christusmonogramm: IHS. Die kostbaren gotischen Fresken (15. Jh.?) sind leider zum Großteil verblasst.“

Brauchtum Obwohl viele Bildstöcke nicht erhalten geblieben sind oder ihren ursprünglichen Entstehungszweck verloren haben, werden ihnen im lokalen Brauchtum Geschichten, Sagen und Legenden zugeschrieben oder sollen an besonders schwere Zeiten wie Pestepidemien erinnern. Sie sind Teil des lokalen Brauchtum und sind eingebunden in religiöse Handlungen (z. B. Flurprozessionen) der ländlichen Bevölkerung. Sie können auch Wegweiser alter Verkehrs- und Pilgerwege sein (z. B. Olip [Vilip] Kreuz/Olipov [Vilipov] križ in Bleiburg oder die spätbarocke Wegkapelle, genannt „Windische Kapelle“ in Pörtschach am Wörthersee).

Erinnerungskultur und Gedenken Als persönliche Gedächtnisstätten sollen sie an tragische Unfälle erinnern oder drücken den Dank für eine erhörte Bitte in Not aus (z. B. das Truppe- oder Truppi-Bildkreuz/tablici pri Trupiju in Finkenstein am Faaker See; das Baštej-Kreuz/Baštejev križ in Ludmannsdorf aus 1893).

Kulturgeschichtlich interessant sind jene, die aufgrund eines Gelöbnisses errichtet wurden oder aus Dank für die glückliche Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg bzw. aus der Lagerhaft nach den Nazi-Deportationen von Kärntner Slowenen am 14. April 1942,Judith Götz: Deportationen 1942. In: Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl (Hg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, Von den Anfängen bis 1942. Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 236–240, ISBN 978-3-205-79673-2 weil sie konzeptuell eine ganz andere Vision jener Zeit vermitteln, als sie die heroisierenden Krieger- und Gefallenendenkmäler ausdrücken. Diese Kapellen mit kärntnerslowenischem Bezug sind in ihrer Botschaft vergleichbar mit zahlreichen slowenischen Grabinschriften in Kärnten. Bojan-Ilija Schnabl: Grabinschriften. In: Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl (Hg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, Von den Anfängen bis 1942. Wien, Köln, Weimar, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 442–444, ISBN 978-3-205-79673-2

Beispielhaft seien genannt das Gedenkkreuz der Familie Kumer-Črčej bei Moos/Blato als Ausdruck des Danks dafür, dass der Familie die Deportation 1942 erspart blieb, das Žlajhar Kreuz/Žlajharjev križ in Zedras/Sodraževa bei Ludmannsdorf/Bilčovs, die Svec-Kapelle/Svečeva kapelica in Aich/Dob bei Bleiburg/Pliberk, das Peter-Kreuz/Petrov križ in Grablach/Grablje, das Wrulich-Kreuz der Familie Wrulich, vlg. Selanovi, slow. Selanov križ in Tutzach/Tuce am Radsberg/Radiše. Die Lajmiš-Gedenkkapelle/Lajmiševa spominska kapelica erinnert ihrerseits an eine tragische Explosion von Kriegsmaterial kurz vor Kriegsende, die fünf Burschen in den Tod riss.

Bildmotive Die Bildmotive in den Nischen (Christus- und Marienbilder, Heilige, Dreifaltigkeitsdarstellungen) sind meist nach bestimmten Regeln angebracht. Häufig ist auf der der nächsten Kirche zugewandten Seite der Kirchenpatron dargestellt, weshalb Bildstöcke in der Vergangenheit auch eine wichtige Wegweiserfunktion hatten. Dem entspricht die Darstellung des hl. Laurentius bei einem der seltenen Beispiele barocker Herrschaftsarchitektur (im Gegensatz zur sonst üblichen Volksarchitektur), dem dreiseitigen Toman-Kreuz/Tomanov križ in Zinsdorf in der Gemeinde Magdalensberg.