Peter Moors Fahrt nach SüdwestD.h. nach Südwest-Afrika, genau gesagt: Deutsch-Südwestafrika.. Ein Feldzugsbericht ist ein 1906In der G. Grote’schen Verlagsbuchhandlung in Berlin als Band 29 der Grote’schen Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller. veröffentlichtes Buch über den Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika des deutschen Pastors und Schriftstellers Gustav Frenssen (1863–1945). Die Schriften des sich später offen zum Nationalsozialismus bekennenden Schriftstellers gehörten zum Standardwerk des Deutschen Kaiserreichs und der NS-Zeit.
mini|Lage Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika Kurzeinführung Der Roman ist ein als realer Erlebnisbericht („Feldzugsbericht“) eines Soldaten des »Seebataillons« aus Kiel während des Herero-Krieges 1904 im sogenannten »Schutzgebiet« Deutsch-Südwest-Afrika aufgemachtes (fiktives) Werk, das von einem Autor in der Heimat nach der Rückkehr des Kriegsteilnehmers aufgezeichnet wurde.
Die Erzählungen von Gustav Frenssen, einst ein prominenter Autor und Nationalkonservativer, basieren auf realen Erfahrungen verschiedener Kriegsteilnehmer – vom Generalarzt bis zum Fußsoldaten. In der Kaiserzeit war Frenssen sehr bekannt und wurde sogar für den Literaturnobelpreis in Betracht gezogen. Nach 1933 verstrickte er sich jedoch in die NS-Diktatur, unter anderem als Funktionär der Reichsschrifttumskammer. Ungeachtet seiner politischen Fehltritte bleibt sein Werk, das während des Herero-Nama-Aufstands entstand, ein bedeutsames Zeugnis der kolonialen Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Seine anhaltende Popularität und sein Einfluss, der bis zum Ende des Dritten Reiches reichte, unterstreichen die Bedeutung dieses Buches.vgl. Gerhard Frenssen: Peter Moors Fahrt nach Südwest (Thomas F. Rohwer) - Begleittext
Gustav Frenssens Werk, das im 1918 erschienenen britisch-südafrikanischen Blue Book (Blaubuch) über den Genozid in der Namibwüste zitiert wird,siehe Kap. 15 in Words cannot be found: German colonial rule in Namibia: an annotated reprint of the 1918 Blue Book (Jeremy Silvester und Jan-Bart Gewald) beeinflusste maßgeblich die deutsche Debatte über die Kolonialzeit in Südwestafrika (heutiges Namibia). Diese Erwähnung wirkte sich auf andere Autoren aus, die um die Interpretationshoheit der deutschen Kolonialgeschichte rangen. Die Öffentlichkeit wurde durch diese Zitate gezwungen, sich mit den schweren Vorwürfen und dokumentierten Gräueltaten auseinanderzusetzen und musste die Vergangenheit sowie die damals noch angestrebte Zukunft der deutschen Kolonisation in Afrika rechtfertigen.
Rolf Cantzen hebt in einer Sendung des Deutschlandfunks die ideologische Aufbereitung des Krieges in dem viel gelesenen Roman hervor und zitiert zunächst zwei Passagen daraus:
Der südafrikanisch-namibische Schriftsteller Dorian Haarhoff vertritt die Auffassung, dass der Roman als „ambivalent“ gelesen werden sollte und nicht einfach eine Verherrlichung des deutschen Kolonialismus darstelle. Er argumentiert, dass er „... eine Reihe von beunruhigenden Fragen über die Kolonisation selbst“ offenbare (reveals ‘… a set of disturbing questions about colonisation itself’).Dorian Haarhoff, zitiert nach Jeremy Silvester und Jan-Bart Gewald (2003:112).
Zitat "Wir müssen noch lange hart sein und töten; aber wir müssen uns dabei, als einzelne und als Volk, um hohe Gedanken und edle Taten bemühen, damit wir der zukünftigen, brüderlichen Menschheit unser Teil beitragen." (S. 201)
Siehe auch Hans Grimm (Die Geschichte vom alten Blut und von der ungeheuren Verlassenheit, Aus Gustav Voigts' Leben) – zwei Novellen Paul Keding (Deutsch-Südwest) – ein Theaterstück
Literatur Gustav Frenssen: Peter Moors Fahrt nach Südwest. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1906. 210 S. (Digitalisat) (englische Übersetzung) Peter Moor's journey to Southwest Africa; a narrative of the German campaign. Archibald Constable and Co., London 1908 (Übersetzung ins Englische von Margaret May Ward) (online (Ausgabe 1914)) Jeremy Silvester und Jan-Bart Gewald: Words cannot be found: German colonial rule in Namibia: an annotated reprint of the 1918 Blue Book. London, Boston 2003 (online) Dorian Haarhoff: ‘A Soldier in Namibia: Gustav Frenssen’s Peter Moor’s Journey to Southwest Africa’, Logos, Vol. 8 (2), 1988, S. 81–83 Elisabeth Hutter: „Was werden wir alles erzählen aus diesem Affenland!“ - Die Schutztruppe als prekäres heroisches Kollektiv in Gustav Frenssens Peter Moors Fahrt nach Südwest. 2019 Rolf Meyn: Abstecher in die Kolonialliteratur. Gustav Frenssens Peter Moors Fahrt nach Südwest, in: Kay Dohnke/Dietrich Stein (Hg.): Gustav Frenssen in seiner Zeit. Von der Massenliteratur im Kaiserreich zur Massenideologie im NS-Staat, Heide 1997, S. 316-46. ISBN 3-8042-0750-2
Weblinks Peter Moors Fahrt nach Südwest (1906) Peter Moors Fahrt nach Südwest
Einzelnachweise und Fußnoten
Kategorie:Kriegsliteratur Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Deutsch-Südwestafrika Kategorie:Aufstand der Herero und Nama Kategorie:Medien (deutsche Kolonialgeschichte) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutsch-afrikanische Kulturbeziehungen Kategorie:Ersterscheinen 1906 Kategorie:Kolonialliteratur Kategorie:Literatur im Deutschen Kaiserreich