mini|Nikolaikirche in Aidlingen Die Nikolaikirche ist die evangelische Pfarrkirche von Aidlingen, einer Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Böblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Baugeschichte Die Kirche, die im Kern auf eine Wehrkirche zurückgeht - der Turm wurde um 1417 gebaut, ist in wesentlichen Teilen (Chor 1459, Schiff um 1473) von Aberlin Jörg gestaltet worden. Nach Einführung der Reformation in Württemberg 1534 wurden – wie auch in anderen Kirchen – um 1550 Bänke eingebaut, eine Kanzel an die südliche Chorbogenwand mit Zugang aus der Sakristei gestellt und zunächst 1557 die untere, 1775 die obere Empore mit nördlicher Außentreppe eingebaut.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 241, 265 – ISBN 978-3-95505-592-9 Beide Emporen fielen dem Kirchenbrand 1949 zum Opfer. Architekt E. Fritz gestaltete 1952 das Innere mit der Reduzierung auf eine neue Westempore samt kurzem Nordschenkel um. Architekt Gottfried Wendschuh sorgte 1970 für eine Außenrenovierung.

Architektur Die Nikolaikirche besteht aus einem langgestreckten und recht schmalen (18,30 × 7,30 vorn/8,20 hinten) Langhaus, das mit einem Satteldach bedeckt ist, unter dessen Schleppdach im Norden sich ein Seitenschiff befindet, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten, der von Strebepfeilern gestützt wird, einem fünfgeschossigen Kirchturm an der Nordwand des Langhauses, der mit einem Satteldach zwischen Staffelgiebeln bedeckt ist, und der Sakristei an der Südwand des Chors. Das oberste Geschoss des Kirchturms beherbergt hinter den als Maßwerkfenster gestalteten Klangarkaden den Glockenstuhl, in dem vier Kirchenglocken hängen.

Der Innenraum im Erdgeschoss des Kirchturms ist mit einem Kreuzgratgewölbe überspannt, der des Langhauses mit einer Flachdecke, die mit Hohlkehlen gerahmt ist, der des Chors mit einem Netzgewölbe.

Ausstattung Der Taufstein von 1471 stammt aus der Zeit des Kirchenneubaus, die zwei „Fünfsitze“ des Chorgestühls von 1510. Im Kirchenschiff fallen die zwölf Bilder eines im 17. Jahrhundert entstandenen Passionszyklus ins Auge, die bis zum Kirchenbrand an der heute nicht mehr vorhandenen unteren Empore angebracht waren. Der Künstler dieser Bilder ist nicht bekannt, jedoch dies, dass Kupferstiche von Matthäus Merian d. Ä. aus dem Jahr 1627 die Vorlage für die Motive gaben. Den Fuß der nach dem Kirchenbrand 1949 notwendigen neuen Holzkanzel schuf der Bildhauer Helmuth Uhrig, das Altarkreuz aus Messing zur Wiedereröffnung nach dem Brand der Bietigheimer Künstler Adolf Hess (1893–1953).

Glasgemälde Die Neuverglasung der drei Chorfenster entwarf 1952 der Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler mit der Stuttgarter Glaswerkstatt Emil Gaisser. Im dreiachsigen Mittelfenster hinter der Orgel sind oben im Maßwerk das Christogramm und Alpha und Omega, darunter die Majestas Domini, also Christus mit Kreuznimbus in der Mandorla auf dem Regenbogen im Segensgestus, mit den Wundmalen, rotem Mantel und seinen Füße auf der Weltkugel, seitlich die Evangelistensymbole. Im Nordost-Fenster, auf der „Gnadenseite“: Posaunenengel, Auferstehende über dem gefällten Tod samt seiner Sense; im Südost-Fenster, auf der „Gerichtsseite“: zwei Engel mit Posaune und Schwert, Auferstehende und – vor dem Höllenschlund – Verzweifelnde; links und rechts gibt es Beischriften in großen Lettern (Mt 25,34 und 25, 41).

Literatur Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Neckarkreis – Inventar; Stuttgart 1889, S. 94 500 Jahre Evang. Kirche Aidlingen - Festschrift anläßlich der 500-Jahr-Feier der evangelischen Kirche Aidlingen; Hg. Evangelische Kirchengemeinde (Aidlingen), Aidlingen 1971 Fritz Heimberger (Red.): Kirchen im Landkreis Böblingen; (Hrsg.) Evang. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen; München/Zürich, 1990, Seite 11

Weblinks

Beschreibung der Kirche auf der Website der Kirchengemeinde

Einzelnachweise

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