Dahomey () ist ein Dokumentarfilm von Mati Diop. In dem Werk geht es um die Rückführung der in einem Pariser Museum eingelagerten Schätze des Königreiches Dahomey nach Afrika. Es feierte Mitte Februar 2024 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Premiere und gewann mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis des Festivals. Im September 2024 kam der Film in die französischen und im Oktober 2024 in die deutschen Kinos. Dahomey wurde von Senegal als Beitrag für die Oscarverleihung 2025 als bester Internationaler Film eingereicht.
Inhalt mini|Drei Skulpturen im Musée du quai Branly aus dem ehemaligen Königspalast in Dahomey, mit Hinweistafeln auf ihre künftige Restitution Mati Diops Dokumentarfilm beschäftigt sich mit der Rückgabe von 26 der königlichen Schätze des Königreiches Dahomey an Benin. Diese wurden während der Kolonialzeit geraubt und nach Frankreich gebracht. Erzählt werden die Geschichten der geplünderten afrikanischen Kunstwerke, gemischt mit Fiktion.Jordan Ruimy: Mati Diop’s 'Dahomey' to Premiere in Competition at Berlin Film Festival. In: worldofreel.com, 19. Januar 2024.David Katz: 20 European films we’re anticipating in 2024. In: cineuropa.org, 9. Januar 2024.
Im November 2021 gab Frankreich 26 aus dem einstigen Königreich Dahomey geraubte Kulturgüter offiziell an das westafrikanische Benin zurück. Vorausgegangen war der Bericht über die Restitution afrikanischer Kulturgüter an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, erstattet 2018 von den Wissenschaftlerinnen Bénédicte Savoy und Felwine Sarr. Zu den Werken, die bis dahin im Pariser Museum für außereuropäische Kunst, dem Musée du quai Branly, zu sehen waren, gehören Statuen von den einstigen Monarchen von Dahomey, König Glélé, König Behanzin und König Ghézo, die von großer symbolischer Bedeutung sind. Auch ein Thron, der 1892 von französischen Truppen geraubt wurde, kehrte zurück.Schätze aus Dahomey: Frankreich gibt geraubte Kunst an Benin zurück. In: euronews.com, 9. November 2021.
Nach der Landung der Fracht in Benin wurden die heimgekehrten Kunstobjekte von der tanzenden Bevölkerung Cotonous feierlich begrüßt. Die Kunstschätze wurden anfänglich in einem Museum im Präsidentenpalast in Cotonou ausgestellt. Diop zeigt in ihrem Film eine Riege von offiziellen Gästen und später auch Bürgern, die die zurückgegebenen Figuren dort bewundern. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen sie in der ehemaligen Königsstadt Abomey im Musée Historique d’Abomey ausgestellt werden.Rachida Houssou: Why Treasures Returned to Benin are still in boxes. In: justiceinfo.net, 7. April 2023. Diese einst pulsierende Stadt liegt etwa 65 Meilen von der Küste am Golf von Guinea entfernt.Musee Historique d’Abomey. In: momaa.org. Abgerufen am 19. Januar 2024.
Diop zeigt eine Diskussion von Studenten der Université d’Abomey-Calavi darüber, was sie von der Rückführung der Kulturgüter halten. Die Auswahl der Teilnehmer der Diskussionsrunde traf die Regisseurin gemeinsam mit dem Regieassistenten Gildas Adannou. Einige Diskussionsteilnehmer kritisieren, dass lediglich 26 von insgesamt rund 7.000 Objekten zurückgegeben wurden, erinnern daran, was während der Kolonialisierung noch alles verloren ging, so Sprachen, Traditionen und ein Teil ihrer Geschichte, oder nennen die Rückgabe eine Imagekampagne von Emmanuel Macron. Sie diskutieren auch darüber, ob die Rückgabe Benins Präsident Patrice Talon anzurechnen ist oder nicht.
Produktion Regie, Drehbuch und Dreharbeiten Regie führte Mati Diop. Als Regisseurin ist die Französin besonders für ihren Film Atlantique bekannt, der 2019 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Es handelt sich bei Dahomey um das erste Projekt von „Fanta Sy“, das Diop gemeinsam mit dem senegalesischen Filmemacher Fabacary Assymby Coly ins Leben rief, um junge Talente und neue afrikanische Geschichten zu fördern.Joan Irabor: Matio Diop Unveils 'Fanta Sy' Film Hub Pledges to Transform Storyetlling. In: thenollywoodreporter.com, 26. Januar 2024.
Die Auswahl der Teilnehmer der Diskussionsrunde an der Université d’Abomey-Calavi traf Diop gemeinsam mit Gildas Adannou, der die Debatte auch moderierte und als ihr Regieassistent fungierte.Dahomey – Presseheft. In: berlinale.de. Abgerufen am 22. März 2024. (PDF; 4 MB) Sie casteten die Studierenden aufgrund ihrer diskursiven Positionen.Jens Balkenborg: Film „Dahomey“ über Raubkunst: König Ghezo spricht. In: taz.de, 23. Oktober 2024. Die Diskussion wurde auch über das Campusradio übertragen.
Die Rückführung der Kunstobjekte wurde von Kamerafrau Josephine Drouin Viallard festgehalten, ebenso die Debatte an der Université d’Abomey-Calavi im zweiten Teil des Films. Zudem verwendet der Film Aufnahmen der Überwachungskameras des Musée du Quai Branly und der Räumlichkeiten in Cotonou.
Filmaufbau und Voiceover
Diop hat in ihrem Film dem bei der Rückführung vom Musée Quai Branly als Nummer 26 deklarierten Kunstobjekt eine besondere Stellung eingeräumt. Immer wieder erzählt es per Voiceover mit der verfremdeten Stimme des haitianischen Schriftstellers Makenzy Orcel von der Zeit in den dunklen Kellern des Pariser Museums, von seinen Erinnerungen an Afrika und von seinen Gedanken bei der Rückkehr in seine Heimat, meist aus der Dunkelheit in seiner Transportkiste heraus. Orcel schrieb auch die von ihm gesprochenen Worte.Sophia Zessnik: „Dahomey“ auf der Berlinale: Viel Wut ist dort zu vernehmen. In: taz.de, 20. Februar 2024. Hinter Objekt Nummer 26 verbirgt sich eine Statue, die den Sklavenhändler König Ghézo symbolisiert.
Sounddesign und Filmmusik Für das Sounddesign zeichneten Corneille Houssou, Nicolas Becker und Cyril Holtz verantwortlich, die Orcels Stimme ein überirdisches, nachhallendes Timbre verliehen haben.Jessica Kiang: 'Dahomey' Review: Mati Diop’s Exquisitely Strange Documentary Meditation on the Return of Looted Artifacts to Benin. In: Variety, 18. Februar 2024. Die Filmmusik komponierten Synthesizer-Spezialist Wally Badarou, bekannt als langjähriger Musiker der britischen Band Level 42, und der Experimentalmusiker und Singer-Songwriter Dean Blunt, mit dem Diop bereits für ihren Kurzfilm In My Room von 2020 zusammenarbeitete.Wally Badarou & Dean Blunt Scoring Mati Diop’s 'Dahomey'. In: filmmusicreporter.com, 9. Februar 2024.
Veröffentlichung Die Premiere des Films fand am 18. Februar 2024 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin statt, wo er im Wettbewerb gezeigt wurde.Dahomey. In: berlinale.de. Abgerufen am 6. Februar 2024. Im März 2024 wurde Dahomey beim Best of Doc Festival in über 60 Kinos über Frankreich verteilt gezeigt.Fabien Lemercier: Doc #5 sees the best of documentary film gracing upwards of 60 French cinemas. In: cineuropa.org, 5. März 2024. Ebenfalls im März 2024 eröffnete Dahomey das Dokumentarfilmfestival Cinéma du Réel.Fabien Lemercier: Documentaries cause a stir in Paris thanks to the Cinéma du Réel Festival. In: cineuropa.org, 22. März 2024. Im Juni 2024 wurde der Film beim Berlinale Open Air und beim Sydney Film Festival vorgestellt.https://www.berlinale.de/de/2025/news-pressemitteilungen/256390.html In: sff.org. Abgerufen am 8. Mai 2024. Im August 2024 wurde der Film beim New Zealand International Film Festival und beim Melbourne International Film Festival gezeigt.New Zealand International Film Festival reveals full 2024 programme. In: The New Zealand Herald, 3. Juli 2024.Dahomey. In: miff.com. Abgerufen am 12. Juli 2024. Mitte September 2024 wurde er bei der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt. In: filmkunstmesse.de. Abgerufen am 2. August 2024. (PDF; 544 KB) Ebenfalls im September 2024 wurde er beim Toronto International Film Festival und beim San Sebastian International Film Festival gezeigt.Dahomey. In: tiff.net. Abgerufen am 17. Oktober 2024.Dahomey. In: sansebastianfestival.com, abgerufen am 17. Oktober 2024. Der Kinostart in Frankreich war am 11. September 2024.Dahomey. In: allocine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2024. (Französisch) Ende September, Anfang Oktober 2024 wurde Dahomey beim New York Film Festival und beim Vancouver International Film Festival gezeigt.Rebecca Rubin: New York Film Festival Unveils 2024 Lineup: Sean Baker’s 'Anora', Paul Schrader’s 'Oh, Canada' and More. In: Variety, 6. August 2024.Janet Smith: Vancouver International Film Festival gives small preview of Special Presentations, with Cannes and Berlin award-winners on the roster. In: createastir.ca, 8. August 2024. Am 18. Oktober 2024 kam der Film in die US-amerikanischen und am 24. Oktober 2024 in die deutschen Kinos.https://www.hollywoodreporter.com/movies/movie-news/oscars-senegal-dahomey-international-feature-1236000777/ Ebenfalls im Oktober 2024 wurde Dahomey beim Montclair Film Festival gezeigt.Full Lineup Announced for the 2024 Montclair Film Festival. In: awardsradar.com, 27. September 2024. Ende Oktober 2024 wurde er bei der Viennale als Abschlussfilm gezeigt.https://cineuropa.org/en/newsdetail/468685 In Deutschland ist der Film seit 13. Dezember 2024 auf der Streamingplattform Mubi zu sehen. Im Januar 2025 wird Dahomey beim Palm Springs International Film Festival vorgestellt.Dahomey. In: psfilmfest.org. Abgerufen am 30. November 2024.
Rezeption Kritiken Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 99 Prozent positiv bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 8,1 von 10 möglichen Punkten, womit er aus den 25. Annual Golden Tomato Awards als Zweitplatzierter unter den Dokumentarfilmen des Jahres 2024 hervorging.Dahomey. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 30. November 2024.Rotten Tomatoes Awards: Best Movies & TV Winners of 2024. In: Rotten Tomatoes, 16. Januar 2025. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 85 von 100 möglichen Punkten.Dahomey. In: Metacritic. Abgerufen am 5. November 2024. mini|hochkant=0.95|Diskussionsteilnehmer und Regieassistent Gildas Adannou Lida Bach schreibt in ihrer Kritik bei moviebreak.de, es scheine bezeichnend, dass unter den Wettbewerbsfilmen der 74. Berlinale gerade derjenige der kürzeste ist, der noch am meisten zu sagen hätte. Mati Diop gebe in ihrer differenzierten Dokumentation über die Rückgabe gestohlener Kulturgüter aber nicht vor, alle Antworten zu haben. Vielmehr unterstreiche ihr dokumentarisches Werk die Bedeutung des Fragens und Hinterfragens der ambivalenten Facetten der Restitution.Lida Bach: Dahomey. In: moviebreak.de. Abgerufen am 21. Februar 2024.
Jens Balkenborg schreibt in seiner Kritik in der Taz, in sportlichen 67 Minuten gelinge es Dahomey so konzentriert wie experimentell die Folgen des Kolonialismus und die Komplexität der Restitutionsdebatten vor Augen zu führen. Der Film kapere den in eurozentrischer Schieflage befindlichen Diskurs um Restitutionen, indem er nicht über Menschen aus der ehemaligen französischen Kolonie spricht, sondern mit ihnen.
Robert Daniels bemerkt in seiner Kritik, die Debatte der Studenten an der Université d’Abomey-Calavi über die politischen, kulturellen und historischen Auswirkungen der Rückgabe der Artefakte erinnere an den Kurzfilm The Urban Crisis and the New Militants: Black Moderates and Black Militants von 1969, in dem es um die radikale schwarze Politik in Chicago in den späten 1960er Jahren ging.Robert Daniels: Berlin Film Festival 2024: Dahomey, My Favorite Cake, A Traveler's Needs. In: rogerebert.com, 20. Februar 2024.
In der Jahresbestenliste des vom British Film Institute herausgegebenen Filmmagazins Sight & Sound befand sich der Film auf Platz 4 der besten Filme des Jahres 2024.Jordan Ruimy: 'All We Imagine As Light' Tops Sight & Sound's Best of 2024. In: worldofreel.com, 6. Dezember 2024. Aus dem IndieWire Critics Poll 2024 ging Dahomey als Zweitplatzierter unter den besten Dokumentarfilmen hervor.Christian Blauvelt: 2024 Critics Poll: The Best Movies and Performances of the Year, According to 177 Critics. In: indiewire.com, 16. Dezember 2024.
Auszeichnungen