Der Rheinfeldzug von 1796 umfasste eine Reihe von militärischen Operationen während des Ersten Koalitionskriegs zwischen Frankreich und Österreich. Die Österreicher unter dem Oberbefehl von Erzherzog Karl waren in der Lage, zwei Armeen der französischen Republik auszumanövrieren und zu besiegen.
Vorgeschichte
Die europäischen Herrscher betrachteten die Französische Revolution zunächst als einen internen Streit zwischen dem französischen König Ludwig XVI. und seinen Untertanen. Als die revolutionäre Rhetorik an Schärfe zunahm, erklärten die europäischen Monarchen ihre Interessen mit denen Ludwigs und seiner Familie zu einer Einheit. Die Pillnitzer Deklaration drohte mit zweideutigen, aber sehr ernsten Konsequenzen, falls der französischen Königsfamilie etwas zustoßen sollte. Französische Emigranten, die von den Habsburgern, den Preußen und den Briten unterstützt wurden, agitierten weiter für eine Gegenrevolution. Schließlich erklärte der französische Nationalkonvent am 20. April 1792 der Habsburger Monarchie den Krieg, wodurch das gesamte Heilige Römische Reich in den Krieg getrieben wurde. In diesem Ersten Koalitionskrieg (1792–98) stand Frankreich den meisten europäischen Staaten gegenüber, die mit ihm Land- oder Wassergrenzen teilten, sowie Großbritannien, dem Königreich Portugal und dem Osmanischen Reich.1794 standen die Armeen der Französischen Republik vor dem Zusammenbruch. Die radikalsten Revolutionäre begannen mit der Säuberung von allen Männern, die im Verdacht standen, dem Ancien Régime gegenüber loyal zu sein. Die levée en masse schuf eine neue Armee mit Tausenden von ungebildeten Männern, die dem Kommando von Offizieren unterstellt wurden, deren Hauptqualifikation eher ihre Loyalität zur Revolution als ihr militärisches Geschick war. Die traditionelle militärische Organisation wurde durch die Bildung von Halbbrigaden gebrochen; Einheiten, die durch die Zusammenlegung alter militärischer Einheiten mit neuen revolutionären Formationen entstanden.
Darüber hinaus hatte sich die Armee bereits 1795 durch Gerüchte und Taten in ganz Frankreich unbeliebt gemacht, da sie sich in räuberischer Weise von den ländlichen Gebieten bediente und sich allgemein gesetzeswidrig und undiszipliniert verhielt. Ab April 1796 wurde das Militär nicht mehr mit wertlosem Papiergeld, sondern mit Münzen aus Metall bezahlt, aber der Sold war immer noch deutlich im Rückstand. Das französische Direktorium war der Ansicht, dass sich der Krieg von selbst finanzieren sollte, und stellte kein Budget für die Bezahlung, Verpflegung und Ausrüstung der Truppen bereit. Daher wurde ein Feldzug, der die Armee aus Frankreich herausführte, sowohl aus Haushaltsgründen als auch aus Gründen der inneren Sicherheit immer dringlicher.Blanning: The French Revolutionary Wars, Oxford University Press, New York, 1998 S. 41–59.Dupuy: Nouvelle histoire de la France contemporaine. La République jacobine, Seuil, Paris, 2005 S. 156.Bertaud: The Army of the French Revolution, Princeton University Press, Princeton, 1988 S. 283–290.Clerget: Tableaux des armées françaises, R. Chapelot, Paris, 1905 S. 62.Smith: Napoleonic Wars Data Book, Stackpole, Mechanicsburg, 1999 S. 111., S. 120.
Kriegspläne mini|Die strategische Situation in Europa 1796 Am Ende des letztjährigen Feldzugs hatten Frankreich und Österreich einen Waffenstillstand geschlossen, planten und rechneten aber weiterhin mit einem Krieg. In einem Dekret vom 6. Januar 1796 gab das Direktorium Österreich den Vorrang vor Italien als Kriegsschauplatz. Die Finanzen der Ersten Französischen Republik waren schlecht, so dass von ihren Armeen erwartet wurde, dass sie in neue Gebiete eindrangen und von den eroberten Gebieten lebten. Da die Österreicher die französischen Absichten kannten, kündigten sie am 20. Mai 1796 an, dass der Waffenstillstand am 31. Mai enden würde, und bereiteten sich auf eine Invasion vor.Von Angeli: Erzherzog Carl von Österreich als Feldherr und Heeresorganisator Bnd 1., W. Braumüller, Wien, 1896 S. 473. Österreich
Anfangs umfassten die kaiserlichen Truppen etwa 125.000 Mann, darunter drei autonome Korps,Ein autonomes Korps war in den österreichischen bzw. kaiserlichen Armeen eine bewaffnete Einheit unter dem Kommando eines erfahrenen Feldkommandanten. Sie umfassten in der Regel zwei, maximal drei Divisionen und zeichneten sich durch hohe Beweglichkeit und unabhängiges Handeln aus. von denen 90.000 unter dem Kommando von Erzherzog Karl, dem Bruder von Kaiser Franz II. standen. Vor Beginn des Feldzugs im Rheinland nahm Dagobert Sigmund von Wurmser 25.000 Mann als Verstärkung mit nach Italien, nachdem die Nachricht von Bonapartes ersten Erfolgen eingetroffen war. Die österreichische Strategie bestand darin, Trier einzunehmen und diese Position am Westufer zu nutzen, um die französischen Armeen nacheinander anzugreifen.
Der 20.000 Mann starke rechte (Nord-)Flügel unter dem Herzog Ferdinand von Württemberg stand auf dem östlichen Rheinufer hinter der Sieg und überwachte den französischen Brückenkopf bei Düsseldorf. Ein Teil patrouillierte am Westufer und hinter der Nahe. Die Garnisonen der Festung Mainz und der Festung Ehrenbreitstein umfassten etwa 10.000 Mann. Karl konzentrierte den Großteil seiner Truppen unter dem Kommando von Graf Maximilian Baillet von Latour zwischen Karlsruhe und Darmstadt, wo der Zusammenfluss von Rhein und Main einen Angriff am wahrscheinlichsten machte. Der äußerste linke Flügel unter Anton Sztáray, Michael von Fröhlich und Ludwig Joseph von Bourbon, Prinz von Condé, bewachte die Rheingrenze von Mannheim bis zur Schweiz.
Frankreich
Die französische Strategie sah vor, die beiden französischen Armeen entlang des Rheins gegen die österreichischen Flanken vorgehen zu lassen. Jean-Baptiste Jourdan sollte mit seiner 70.000 Mann starken Sambre- und Maas-Armee über Mainz entlang des Rheins nach Franken vorstoßen. Währenddessen sollte Jean-Victor Moreau die 70.000 Soldaten der Rhein- und Moselarmee bei Neu-Breisach, Kehl und Hüningen über den Rhein führen und Schwaben und das Herzogtum Bayern unterwerfen. Gleichzeitig sollte Napoleon die Invasion in Italien durchführen. Sobald er alle seine Ziele erreicht hatte, sollte er die Alpen nach Tirol überqueren, wo er mit Moreau in Kontakt treten und die österreichische Armee vernichten sollte.Chandler: The Campaigns of Napoleon, Macmillan, New York 1966 S. 46f.
Operationen
Rheinüberquerung Am 31. Mai überschritt der linke Flügel der Rhein- und Moselarmee unter Jean-Baptiste Kléber bei Opladen den Rhein und rückte bis Siegburg vor. Am 1. Juni konnte Kléber bei Siegburg den Herzog von Württemberg über die Sieg drängen, der sich daraufhin nach Altenkirchen zurückzog. Drei Tage später besiegte Kléber den Herzog in der Schlacht von Altenkirchen, worauf Karl die österreichischen Truppen vom Westufer des Rheins abzog und den Herzog durch Wilhelm Ludwig Gustav von Wartensleben ersetzte. Am 10. Juni überquerte Jourdans Hauptverband bei Neuwied den Rhein, während Moreau bis zur Lahn vorrückte. Karl ließ 12.000 Mann zur Bewachung Mannheims zurück, verteilte seine Truppen auf seine beiden Armeen und zog rasch nach Norden gegen Jourdan. Am 15. Juni konnte Karl die Truppen Jourdans bei Wetzlar schlagen, worauf sich Jourdan auf das sichere Westufer des Rheins bei Neuwied zurückzog. In der Folge stießen die Österreicher bei Uckerath auf Kléber, der sich anschließend nach Düsseldorf zurückzog. Nach seinem Erfolg ließ Karl 35.000 Mann unter Wartensleben in Mainz und weitere 30.000 in den anderen Festungen zurück und zog mit 20.000 Mann nach Süden, um Latour zu unterstützen.Von Angeli: S. 73., 98., 118.
Die Bemühungen waren jedoch nicht völlig erfolgreich. Während Karl die Franzosen bei Wetzlar und Uckerath zurückwerfen konnte, konnte Louis Charles Antoine Desaix die schwäbischen Reichstruppen bei Ludwigsburg schlagen. Nachdem er die österreichischen Stellungen bei Mannheim beschossen hatte, schickte Moreau seine Armee von Speyer aus in einem Gewaltmarsch nach Straßburg. Desaix, der die Vorhut anführte, überquerte in der Nacht vom 23. zum 24. Juni bei Kehl den Rhein. Die dortige Stellung wurde nur mäßig verteidigt. Am 24. Juni griff die Vorhut von Desaix die unterlegenen schwäbischen Kräfte auf der Brücke an, die der Hauptstreitmacht vorausgegangen waren. Die Schwaben waren zahlenmäßig unterlegen und konnten nicht verstärkt werden. Der größte Teil der kaiserlichen Rheinarmee war bei Mannheim geblieben, wo Karl den Hauptangriff erwartete. Weder die Truppen von Ludwig Joseph in Freiburg noch die Truppen von Karl Aloys zu Fürstenberg in Rastatt konnten Kehl rechtzeitig erreichen, um sie zu unterstützen.
Moreau verstärkte seinen neu gewonnenen Brückenkopf am 26. und 27. Juni, so dass er nun über 30.000 Mann verfügte, die nur 18.000 lokalen Truppen der Koalition gegenüberstanden. Moreau ließ die Division Delaborde auf dem Westufer zurück, um den Rhein zwischen Neu-Breisach und Hüningen zu überwachen, während er selbst nach Norden gegen Latour zog. Getrennt von ihrem Befehlshaber zog sich der österreichische linke Flügel unter Fröhlich und dem Prinzen von Condé nach Südosten zurück. Am 28. Juni traf Desaix bei Renchen auf Sztárays Kolonne mit 9.000 Mann. Währenddessen hatte Pierre Marie Barthélemy Ferino bei Hüningen in der Nähe von Basel den Rhein überquert und rückte ungehindert am deutschen Rheinufer nach Osten vor. Dies verschaffte den Franzosen den gewünschten Zangeneffekt.Graham: The History of the Campaign of 1796 in Germany and Italy, T. Cadell, Jun. and W. Davies, London, 1796 S. 18–22. Von Süden aus verfolgte Ferino die Österreicher unter Fröhlich und den Prinzen von Condé in einem weiten Bogen von Ost nach Nordost in Richtung Villingen, während Gouvion Saint-Cyr nach Rastatt vorrückte. Am 5. Juli besiegte Desaix Latour in der Schlacht von Rastatt und drängte die kaiserlichen Truppen hinter die Alb zurück.Dodge: S. 290.
Französische Offensive An seinem Entschluss, die Murg zu halten, konnte Karl nach den Ergebnissen des 5. Juli nicht mehr festhalten. Der Feind war schon zu weit ins Gebirge vorgedrungen, hatte wichtige Täler und Pässe erobert und war nach der Einnahme von Gernsbach auch im Besitz der Straße nach Pforzheim. Da nun bereits die linke Flanke ernsthaft bedroht schien und bei einem weiteren Vordringen des Gegners auch der Rückzugsweg gefährdet sein würde, hielt Karls es für notwendig, sich der augenblicklichen Bedrohung zu entziehen um Raum für eine neue Offensive zu schaffen.Von Angeli: S. 185f.
Die Tatsache, dass die Franzosen es versäumt hatten, Latour nachzusetzen, ermöglichte es Karl, mit einer Verstärkung von 25.000 Mann Rheinaufwärts zu marschieren und sich zwischen Ettlingen und Mühlburg mit Latours Truppen zu vereinigen. Von dort bereitete er sich darauf vor, am 10. Juli gegen Moreau vorzurücken. Die Franzosen kamen ihm am 9. Juli zuvor. Trotz dieser Überraschung konnte Karl in der Schlacht von Ettlingen die Angriffe von Desaix auf seine rechte Flanke abwehren, doch auf der linken Seite konnten die Franzosen die kaiserlichen Truppen in den Hügeln östlich der Stadt zurückdrängen und bedrohten nun seine Flanke. Da Karl jedoch um die Sicherheit seiner Nachschublinien besorgt war, begann er sich nach Osten zurückzuziehen, um vor Moreau das Neckartal zu erreichen.Thiers: The History of the French Revolution Bnd. IV, Bentley & Son, London, 1881 S. 488ff.
In der Zwischenzeit hatte Jourdan erneut den Rhein überquert und drängte Wartensleben hinter die Lahn. Am 10. Juli besiegte Jourdan die Österreicher bei Friedberg und am 16. Juli nahm Jourdan Frankfurt am Main ein. Jourdan ließ General Marceau mit 28.000 Mann zurück, um Mainz und Ehrenbreitstein zu blockieren. Er selbst folgte Wartensleben, der Befehl hatte, sich durch das Maintal Richtung Donau zurückzuziehen. Am 4. August eroberte Jourdan Würzburg. Drei Tage später wurde Wartensleben bei Forchheim geschlagen.Phipps: S. 350ff.