mini|Bücher mit Aufklebern („Spiegel-Bestseller“ und „Spiegel-Bestsellerautorin“, 2022) Bestseller (, „am besten“ und , „verkaufen“) ist ein Anglizismus für Handelsartikel, deren Absatzvolumen überdurchschnittlich hoch ist. Solche Artikel werden in Bestsellerlisten aufgenommen. Verkauft sich ein Artikel mindestens eine Million Mal, spricht man insbesondere in der Musikindustrie auch von einem Millionenseller. Das deutschsprachige Synonym Kassenschlager hat seinen Ursprung in der Verwendung des Begriffs Schlager für ein erfolgreiches, massentaugliches und vielfach verkauftes Produkt.

Wortherkunft und Geschichte Das Wort Bestseller ist im angelsächsischen Sprachgebrauch erstmals 1889 für Bücher belegt, durchgesetzt hat sich das Wort in der US-amerikanischen Branchenzeitschrift The Bookman, in der 1895 eine erste Bestsellerliste erschien.Joachim-Félix Leonhard, Hans-Werner Ludwig: Medienwissenschaft 1. 1999, S. 764 ff. (). In deutschen Wörterbüchern erscheint das Wort Bestseller ab 1941. Sonja Marjasch definierte 1946 Bestseller als „Massenartikel, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, in einem bestimmten Absatzgebiet, im Vergleich zu den übrigen Büchern derselben Gattung (während derselben Zeit am selben Ort) eine Höchstzahl an verkauften Exemplaren erreicht“.Burkhart R. Lauterbach: Bestseller: Produktions- und Verkaufsstrategien. 1979, S. 8.

Der Große Brockhaus führt den Begriff seit seiner Auflage 1953. Seit Ende der 1960er Jahre wird insbesondere in Deutschland der Begriff supramedial verwendet, also auch für Kinofilme, Comics oder Schallplatten.Harald Fricke, Klaus Frubmüller, Jan-Dirk Muller, Klaus Weimar: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Band 1, 1997, S. 218. Als ältester (deutscher) Bestseller der Literaturgeschichte gilt Das Narrenschiff, 1494 von Sebastian Brant in Basel veröffentlicht. Es wurde erst beinahe drei Jahrhunderte später von Johann Wolfgang von Goethes Die Leiden des jungen Werther abgelöst.

Martin Luthers Übersetzung Das Newe Testament Deutzsch erschien im September 1522 im Folioformat mit einer Auflage zwischen 3000 und 5000 Exemplaren.Helmut de Boor, Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1971, S. 34 (). Bereits im Dezember 1522 war eine zweite Auflage erforderlich, eine dritte folgte 1524 und weitere in späteren Jahren; sein Neues Testament entwickelte sich zum Steadyseller und dürfte zu seinen Lebzeiten etwa 200.000 Exemplare verkauft haben.Marion Janzin, Joachim Güntner: Das Buch vom Buch: 5000 Jahre Buchgeschichte. 2007, S. 173 (). Christian Fürchtegott Gellerts Fabeln und Erzählungen (1746–1748) fanden große Verbreitung. Als 1839 die neue Auflage erschien, war sie innerhalb weniger Monate vergriffen; rasch hintereinander folgten drei weitere Auflagen.Sybille Schönborn, Vera Viehöfer: Gellert und die empfindsame Aufklärung. 2009, S. 279.

Typische Bestseller der schöngeistigen Literatur sind Daniel Defoes Robinson Crusoe (1719), Jonathan Swifts Gullivers Reisen (1726), Voltaires Candide oder der Optimismus (1759), Harriet Beecher Stowes Onkel Toms Hütte (1852) oder Mark Twains Die Abenteuer des Tom Sawyer (1876).Werner Faulstich: Bestandsaufnahme Bestseller-Forschung. 1983, S. 30 ff. (). Bereits Goethe erkannte die Bedeutung hoher Verkaufszahlen. Er wird zitiert mit dem Satz „Wer aber nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben.“Brockhaus: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. 1868, S. 152 f. ().

1867 erloschen die Verlagsrechte der deutschen Klassiker und bescherten dem Buchmarkt einen Absatzboom für billige Werkausgaben von Schiller, Goethe und Lessing, die nach zeitgenössischen Angaben innerhalb weniger Tage mit einer Auflage von einer halben Million verkauft werden konnten.Joachim-Félix Leonhard, Hans-Werner Ludwig: Medienwissenschaft 1. 1999, S. 765 (). Zudem kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert durch den Kolportagebuchhandel zur massenhaften Verbreitung von Büchern und Zeitschriften, beispielsweise den Gesellschaftsromanen der ersten deutschen Bestsellerautorin E. Marlitt in der Gartenlaube. Bis heute sind aus dieser Zeit Longseller wie der Struwwelpeter (1844) von Heinrich Hoffmann und Max und Moritz (1865) von Wilhelm Busch in kaum veränderter Form erhältlich.Ernst Fischer: Bestseller in Geschichte und Gegenwart. In: Medienwissenschaft, 1. Teilband, 1999, S. 765.

An die Kolportage schließen in Deutschland die Abenteuerromane von Schriftstellern wie Karl May und Robert Kraft an, die ebenfalls in hohen Auflagen verbreitet werden. Ein weiterer deutscher Bestsellerautor des frühen 20. Jahrhunderts, der nur bedingt dem Trivialroman zuzuordnen ist, ist der Dramatiker Ludwig Ganghofer, dessen Werk bis heute eine Gesamtauflage von mehr als 30 Millionen Exemplaren erreicht hat.

In der Neuzeit entwickelten sich die seit Juni 1997 erschienenen Fantasybücher von Joanne K. Rowlings Harry Potter zu einer unübertroffenen Erfolgsgeschichte. Im Oktober 2000 startet die deutsche Ausgabe von Band 4 mit einer Erstauflage von einer Million Exemplaren, bereits im Dezember 2001 waren die Bücher in 47 Sprachen übersetzt und 123 Millionen Mal verkauft worden, darunter 15 Millionen Exemplare in Deutschland.Doreen Huber: Harry Potter und das Geheimnis seines Erfolges. 2007, S. 5 (). Weltweit wurden von den sieben Büchern bis 2012 über 450 Millionen Exemplare verkauft.. In: Die Welt, 13. April 2012. Die Romane sind damit das erfolgreichste Jugendbuch aller Zeiten.

Auch umstrittene Literatur wie Adolf Hitlers Mein Kampf oder Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab gehören zu den Bestsellern. Bis zum November 1933 wurden von Mein Kampf 854.127 Stück ausgeliefert, der Eher-Verlag nannte für 1933 eine Auflage von 1,182 Millionen. Die Gesamtauflage (einschließlich aller Billigdrucke und Sonderausgaben) erreichte sieben Millionen Exemplare.Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers „Mein Kampf“. 2011, S. 189. Mehr als 1,3 Millionen Mal verkaufte sich das im August 2010 erschienene Buch Sarrazins Deutschland schafft sich ab und war damit eines der meistverkauften Politiksachbücher Deutschlands.Angela Merkel (Hrsg.): Dialog über Deutschlands Zukunft. 2012 ().

In der Literatur besteht als Referenzkategorie die Bestsellerliste, die für verschiedene Instanzen des Literaturbetriebs (Buchverlage, Buchhandel, Käufer) bestimmte direktive Funktionen übernimmt.Werner Faulstich, Ricarda Strobel: Bestseller als Marktphänomen. 1986, S. 20 (). Der Bestseller wird in diesem Kontext als Listenbestseller bezeichnet. Insbesondere für Romane, aber auch andere Literaturarten, bestehen derartige Listen. Die in diesen Listen enthaltenen Buchtitel oder insbesondere der die Liste anführende Buchtitel werden als Bestseller bezeichnet. Dadurch lässt sich zweifelsfrei ermitteln, welche literarischen Werke am erfolgreichsten waren.Werner Faulstich, Ricarda Strobel: Bestseller als Marktphänomen. 1986, S. 21 (). Als literaturwissenschaftliche Beschreibungskategorie ist der Bestseller ein Buch, das sich – relativ zu anderen Büchern desselben Typs – innerhalb einer begrenzten Zeitspanne besonders gut verkauft.Harald Fricke, Klaus Frubmüller, Jan-Dirk Muller, Klaus Weimar: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (Artikel Bestseller). Band 1, 1997, S. 217.

Die meisten Sachverständigen für die Ermittlung von Buchbestsellern legen eine untere Absatzgrenze fest, gehen also von der Zahl der verkauften Exemplare aus. Dabei geht es um die Frage, ob ein Werk überhaupt mit dem Titel Bestseller beworben werden darf. Ab 100.000 verkaufter Stücke der Originalausgabe gilt ein Buch als Bestseller. In den Bestsellerlisten jedoch, die auf unterschiedlichen Methoden zur Erhebungen der Absatz- bzw. Verkaufsmengen beruhen, werden keine unteren Grenzen festgelegt. Der Begriff Bestseller wird nicht nur für Listen verwendet, sondern auch in den Kulturseiten der Presse, in Buchkritiken und -beschreibungen.

Begriffsvarianten des Bestsellers Sonja Marjasch kam im Zuge ihrer Untersuchungen zum Phänomen Bestseller zu dem Schluss, dass dieser in sich unterteilt werden kann. Diese Unterbegriffe sind allerdings viel weniger an exakten Verkaufszahlen orientiert. In diesem Zusammenhang lassen sich literarische Werke nach der Messzeit, nach dem Umsatz oder der Umsatzdauer eingliedern:

seller: guter Umsatz; keine festgelegte Umsatzdauer good seller: recht guter Umsatz; keine festgelegte Umsatzdauer steady seller: guter Umsatz bei langer Umsatzzeit; z. B. die Bibel longseller: Werk, das sich über einen langen Zeitraum verkaufen lässt fast seller: recht guter Umsatz bei kurzer Umsatzzeit bestseller: sehr guter Umsatz innerhalb einer bestimmten Messzeit: Woche, Monat, Jahr steady bestseller: sehr guter Umsatz während der Dauer von zwei oder mehr Messzeiten; z. B. Vom Winde verweht

Allerdings sind diese Begriffe rein theoretisch, und die Frage nach dem historischen Hintergrund bzw. Umfeld eines Werkes bleiben unbeantwortet. Sonja Marjasch bezeichnet Bestseller zwar als kulturelle Barometer unserer Zeit, jedoch geht aus ihren Definitionen nicht hervor, wann man ein Buch aus welchem Grund in eine der oben genannten Kategorien einordnet.

Als Zusatz zu den fünf Kategorien Sonja Marjaschs kann der konträre Begriff Worstseller genannt werden. Dieser beschreibt ein Buch, welches während einer langen Umsatzzeit kaum oder sogar fast gar keinen Umsatz erzielen konnte (z. B. Über die Liebe). Seit 2006 bringt der Diogenes Verlag die Novität eines Taschenbuchprospektes mit den eigenen Worstsellern heraus.

Ein anderer weitgehend akzeptierter Ansatz zur Analyse der „Lebensdauer“ eines Buches ist eine in vier Typen aufgegliederte Typologie:

Bestseller: Novitäten mit aktuellen Themen und/oder von bekannten Autoren Longseller: Bibel, klassische Kinderbücher, Klassiker, Nachschlagewerke, Klassiker der Moderne, Lehrbücher Steadyseller: Lexika, Loseblatt, Zeitschriften-Abos, wissenschaftliche Periodika Problemkinder: Publikumszeitschriften, Novitäten unbekannter Autoren, Tageszeitungen, erklärungs- und überzeugungsbedürftige Titel.

Nach diesem Modell wählen die meisten Buchhändler ihr Sortiment aus und können so abschätzen, ob sie ein ausgewogenes Angebot mit kontrollierbarem Risiko (beispielsweise durch Problemkinder) haben.

Der Weg zum Bestseller Ein Buch wird zu einem Bestseller, indem es überdurchschnittlich oft verkauft wird. Die Auflagenerfassung ist oftmals unterschiedlich, woraus sich z. B. bei Büchern ergibt, dass die gängigen Bestsellerlisten nicht synchron sind.

Dass ein Bestseller-Erfolg nicht leicht zu erringen ist, ergibt sich schon daraus, dass in den USA jährlich schätzungsweise 200.000 Bücher auf den Markt kamen, von denen gerade einmal 1 % Bestsellerstatus erreichen können. Dabei ist nicht immer die literarische Qualität eines Buches ausschlaggebend. Ein Buch kann durch eine von Verlag und Literaturvertretung in vielen Einzelheiten geplante Herstellung zum Bestseller gemacht werden. Wichtig für den Erfolg eines Buches sind das richtige Thema zur richtigen Zeit, ein gutes Marketing mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowohl vom Verlag als auch im Bucheinzelhandel. Doch eine Bestsellerkampagne ist längst nicht die Garantie für den Verkaufserfolg.

Auf dem Weg zum Bestseller begegnet ein Buch unterschiedlichen Personen und Institutionen, die über seine Zukunft entscheiden. Zu ihnen gehören Buchhändler, Verlagshäuser, Redakteure, Literaturagenten und die Medien. Die bedeutendsten Verlagshäuser in Deutschland wie unter anderem Bertelsmann, Suhrkamp oder auch der Fischer-Verlag konnten bislang einen Großteil der in Deutschland publizierten Bestseller auf sich vereinigen.