Der First Vienna Football-Club 1894,Siehe den Vereinsregisterauszug unter der ZVR-Zahl 828814177 auf zvr.bmi.gv.at, abgerufen am 26. April 2017. allgemein bekannt als First Vienna FC oder einfach nur als die Vienna bezeichnet, wurde am 22. August 1894 gegründet und ist somit der älteste österreichische Fußballverein. Die Männer spielen seit der Saison 2022/23 in der 2. Liga, Österreichs zweithöchster Spielklasse. Das 2012 neu formierte Frauenteam spielt in der ÖFB Frauen-Bundesliga, der höchsten Spielklasse im österreichischen Frauenfußball. Mit den Vereinsfarben Blau-Gelb trägt „Die Vienna“ seit 1899 ihre Spiele auf der Hohen Warte, einer Erhebung im Wiener Bezirk Döbling, aus. Das Heimstadion der Vienna war zeitweise mit einem Fassungsvermögen von 85.000 Zuschauern (heute 7200) das größte Stadion auf dem europäischen Kontinent und Heimstätte der österreichischen Nationalmannschaft.
Die Vienna gewann in ihrer Geschichte den österreich-ungarischen, den österreichischen und den deutschen Pokalwettbewerb. Höhepunkt der Vereinsgeschichte war der Sieg im Mitropapokal 1931, dem Vorläufer des Europapokals, wobei die Mannschaft als einzige in der Geschichte des Wettbewerbes ungeschlagen blieb.
Geschichte Gründungsgeschichte Der First Vienna Football-Club 1894 ist der älteste Fußballverein Österreichs. Er wurde am 22. August 1894 vereinsrechtlich gegründet. Am selben Tag wurde die Gründungsversammlung abgehalten und das heute noch gültige von William Beale entworfene Logo präsentiert, das in Anlehnung an den Wappenbestandteil seiner Heimat, der Isle of Man, eine leicht veränderte Triskele in Form eines von drei Beinen umrahmten Fußballes darstellt. Ins Mitgliederverzeichnis trugen sich damals folgende Herren ein: Franz Joli, Max Hans Joli, William Beale, Major, Anlauf, James Black, Brabenetz, Kent, Roberts und Geo Fuchs, der als erster Obmann des Vereins fungierte. Als Paten hoben im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ Baron Nathaniel Rothschild und Generaldirektor Schuster vom Bankhaus Rothschild den Verein aus der Taufe. Die Vereinsfarben wurden mit Blau und Gelb, den Wappenfarben des Hauses Rothschild, festgelegt.
Die Geschichte des Vereins ist eng verknüpft mit der Geschichte des österreichischen Fußballsports. Als das Fußballspiel in den frühen 1890er Jahren nach Österreich-Ungarn einzog, erreichte es zuerst Prag, Graz, Baden bei Wien und 1894 die Metropole des alten Reichs selbst. Bereits 1892 gründeten in Wien ansässige Engländer den Vienna Cricket Club. 1894 gründeten die Cricketer eine eigene Fußballabteilung und benannten sich in First Vienna Cricket and Football-Club um.
Gleichzeitig mit den Cricketern begannen einige Männer auf den Gartenanlagen des Baron Rothschild mit dem Fußballspiel. Begonnen hat es mit den Erzählungen des dort als Gärtner angestellten Engländers James Black, der seinen Kollegen vom englischen Fußball berichtete und ihnen auch die Regeln nahebrachte. In Franz Joli, dem Sohn des österreichischen Chefgärtners, der gerade von einem mehrmonatigen Aufenthalt aus England zurückkam und dort das Fußballspiel kennenlernte, fand er alsbald einen Mitstreiter und beide organisierten das erste Fußballmatch auf einer Wiese des Barons. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit traten vier Engländer gegen vier Österreicher an und zerpflückten die Rasenpracht des Barons, der seine Gartenanlagen liebte. Der Bankier und Finanzier Nathaniel Mayer von Rothschild verbot den Kickern daraufhin das Fußballspielen auf seinen Anlagen, finanzierte ihnen jedoch die Anmietung der Kuglerwiese und kam auch für den Trainings- und Spielbetrieb der Mannschaft auf. Aufgrund dieser Unterstützung entschlossen sich die jungen Männer sofort zur Vereinsgründung und nahmen aus Dankbarkeit die Wappenfarben ihres Mäzens an. Die ersten Mannschaften traten mit Jockeymützen und vertikal geteilten blau-gelben Hemden zu ihren Spielen an und sahen damit in der Anfangszeit aus wie Jockeys des Barons, der auch Besitzer eines großen und bekannten Rennstalls war.
Der Kampf um das First Der First Vienna Cricket and Football-Club und der First Vienna Football-Club reichten ihre Statuten fast gleichzeitig bei der Statthalterei ein, wobei die Unterlagen der Döblinger jedoch früher bearbeitet wurden und der First Vienna FC 1894 am 22. August 1894 die Vereinsgründung amtlich beglaubigt erhielt. Die Vienna wurde damit zum ältesten Fußballverein Österreichs. Die Cricketer aus dem Prater erhielten ihre Beglaubigung einen Tag später und mussten auf Antrag der Vienna daher die Bezeichnung First aus ihrem Namen streichen. Die Engländer, die auf den Titel First so erpicht waren, sprachen von Skandal und Korruption. Daraus entwickelte sich zwischen beiden Vereinen eine über das Sportliche hinausgehende Rivalität, wie es sie später wohl nur noch zwischen Rapid und Austria geben sollte.
Die ersten Spiele Am 15. November 1894 spielte die Vienna das erste offizielle Fußballmatch auf Wiener Boden gegen den Vienna Cricket and Football-Club. Das Spiel endete vor etwa 300 Zuschauern auf der Kuglerwiese, der Heimstätte der Vienna, mit einem klaren 4:0-Erfolg für die Pratermannschaft. Im Gegensatz zu den Cricketern, deren Mannschaft ausschließlich aus Briten bestand, standen in den Reihen der Döblinger bereits einige „echte“ Wiener. Diese historische Begegnung wird noch heute als die Geburtsstunde des österreichischen Fußballsports angesehen – obwohl bereits am 18. März des Jahres zwei Mannschaften des ATRV Graz gegeneinander angetreten waren. Das Rückspiel fand am 29. November auf der Jesuitenwiese im Prater statt und endete erneut mit einem 4:0-Erfolg der Cricketern. Erst im dritten Derby am 14. April 1895 konnte die Vienna die Cricketer erstmals bezwingen, wieder mit dem „Standardergebnis“ von 4:0. Der Sieg stellte nach dem gewonnenen Namensstreit den ersten sportlichen Erfolg über den Konkurrenten aus dem Prater dar.
Die ersten Erfolge Challenge-Cup und Tagblatt-Pokal 1897–1911 Die ersten großen Erfolge feiert die Vienna im Challenge-Cup. Dieser wurde 1897 erstmals ausgetragen und war grundsätzlich offen für alle Vereine der Monarchie. Im Semifinale des Bewerbs traf der First Vienna FC 1894 auf seinen Erzrivalen und Organisator des Bewerbs, den Vienna Cricket and Football-Club und verlor am 15. November 1897 das Spiel auf der Jesuitenwiese im Prater mit 2:3. Die Tore der Vienna erzielten Gindl und Nicholson. Der Vienna-Spieler M. D. Nicholson sorgte mit einem weiteren Tor, das vom Schiedsrichter allerdings nicht anerkannt wurde, dafür, dass ab diesem Zeitpunkt jedes Tor mit Tornetzen zu versehen war, wie das im Mutterland des Fußballs, England seit Jahren üblich war.
Am 27. November 1898 siegte die Vienna im Semifinale durch ein Tor von Lowe mit 1:0 gegen die Cricketer und stand damit erstmals im Endspiel des Challenge-Cup. Im Finale, das am 5. März 1899 auf der Jesuitenwiese im Prater ausgetragen wurde, bezwang die Vienna den Finalgegner AC Victoria Wien mit 4:1 und holte sich ihren ersten Challenge-Cup-Sieg. Die Mannschaft, die den allerersten Titel für den First Vienna FC 1894 holte, setzte sich aus den Spielern Karl Mollisch, Alfred Marek, M. D. Nicholson, O’Hofer, Anlauf, Niedl, Retzbach, Schönpflug, Eckstein, Hans und Soldat zusammen.
In der Folgesaison 1899/1900 bezwang die Vienna im Semifinale den Wiener FC 1898 mit 3:1 und holte sich im Finale am 11. März 1900 durch einen 2:0-Erfolg gegen den Vienna Cricket and Football-Club zum zweiten Mal den Challenge-Cup. Die Torschützen im Endspiel waren Eipel (Wilhelm Eipeldauer) und Albert (Franz Jureczek). Die Siegermannschaft hatte folgendes Aussehen: Erwin Zander, Gilly (Paul von Goldberger), Franz Joli, Karl Mollisch, M. D. Nicholson, Paul Zander, Max Joli, Blooncy (Ignaz Blumenfeld), Löwenbein, Eipel, Gindl, Albert, Eckstein, Willy Zander. In den folgenden Jahren konnte sich die Vienna im Challenge-Cup jedoch nicht mehr entscheidend in Szene setzen und schied zumeist sehr früh aus dem Bewerb aus.
Der zweite große Bewerb der damaligen Zeit war der bereits nach Meisterschaftssystem ausgetragene Wiener Tagblatt-Pokal. Dieser wurde von 1900 bis 1903 ausgespielt und in allen Jahren vom Wiener AC gewonnen. Die Vienna belegte in den Jahren 1902 und 1903 jeweils den zweiten Platz, wobei der Titelgewinn mit zwei bzw. einem Punkt Rückstand auf den WAC jeweils knapp verpasst wurde.
Bedeutende Freundschaftsspiele Am 1. November 1899 traf die Vienna im Rahmen der neuen Sportplatzeröffnung auf den DFC Prag. Die Prager waren seit zwei Jahren ungeschlagen und galten als die beste Kontinentalmannschaft der damaligen Zeit. Die Mannschaft aus Prag war komplett nach Wien gereist und meinte im Vorfeld, dass man den Wienern nicht die Feierlichkeiten verderben wolle und deshalb auf keinen Fall mehr als vier Tore schießen werde. Die von Trainer M. D. Nicholson neu formierte Mannschaft der Vienna lieferte mit dem 2:0 durch Tore von Eipel und Gindl eine Sensation, die sogar die Cricketer aus dem Prater mit Jubelrufen quittierten. Die Aufstellung der Vienna sah damals folgendermaßen aus: Mollisch (Tor), Erwin und Paul Zander (Verteidigung), Blooncy, Alfred Marek, Gilly (Deckung), Gindl, Eipel, Albert, Eckstein und Willy Zander (Angriff).
Die neue Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg und konnte am 3. Dezember 1899 auch die Cricketer schlagen. Diesem Erfolg kam besondere Bedeutung zu, da in den Reihen des First Vienna FC kein einziger Engländer mehr stand und damit erstmals eine reine Wiener Mannschaft den Praterklub, der noch immer zum größten Teil aus Briten bestand, besiegen konnte. Die von August 1899 bis zum Herbst 1904 von Hermann Schönaug geleitete Vienna erzielte nach dem Abschied Nicholsons eine Reihe weiterer schöner Erfolge. So gelangen dem First Vienna Football-Club 1901 Siege gegen Slavia Prag (5:3), Graz (7:1), Wiener FC 1898 (8:0) und Wiener AC (4: 2). 1901/02 gewannen die Döblinger ein Turnier in Margarethen sowie das Pfingstturnier der Cricketer. Im großen Rapid-Turnier gelangten sie zwar in die Entscheidung, mussten den Sieg jedoch den Cricketern überlassen.
1904 übernahm mit Franz Joli ein Gründungsmitglied von 1894 die Leitung des Vereins. Die Jubiläumsmannschaft dieses Jahres war eine der stärksten die der Klub bisher besaß und setzte sich aus Pekarna (Tor), Eipel, Weiß (Verteidigung), Dick, Blooncy, Lencewski, genannt Lintsch (Deckung) und Kellner, Kohn, Albert, Weißberg und Kreisl (Angriff) zusammen. Einer der größten Erfolge, die diese Mannschaft im Jahr 1904 errang, war ein 5:3-Auswärtssieg gegen den DFC Prag. Zur Halbzeit führten die Böhmen bereits mit 3:0 ehe Weißberg und Kohn binnen fünf Minuten durch drei Tore ausglichen und Kellner die Vienna mit zwei weiteren Toren zum Sieg führte. Erwähnenswert sind auch ein 5:3-Erfolg gegen Slavia Prag und ein 6:0-Sieg über Sparta Prag. Den Höhepunkt des Jubiläumsjahres bildete schließlich ein überraschender 4:3-Heimerfolg gegen den damaligen deutschen Meister T.u.FC Union 92 Berlin. Auch in diesem Spiel zeigte sich der unbedingte Siegeswille der Wiener, die erneut nach einem 0:3-Halbzeitstand das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden konnten.
Die ersten Jahre der Meisterschaft 1912–1923