mini|Lehrsaalgebäude
Die Polizeiakademie Hessen (HPA), bis 2009 als Hessische Polizeischule (HPS) bezeichnet, war bis 2022 eine Behörde des Landes Hessen, die für die Ausbildung und Fortbildung der hessischen Polizei zuständig war. Sie befand sich als zentrale polizeiliche Aus- und Fortbildungsstätte des Landes in Wiesbaden.
Nachfolgeeinrichtung Mit der Gründung der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS) zum Januar 2022 wurde das Zentrum für Fort- und Weiterbildung (ZFW) als Teil der Hochschule gegründet. Im ZFW gehen die Zentrale Fortbildung Hessen (ZFH), Fortbildung für Studium und Lehre, Hochschuldidaktik und pädagogische Bildung und die Fachfortbildung Polizei (ehemals HPA) in Hauptsachgebieten auf. Im Hauptsachgebiet 2 findet sich die Fachfortbildung Polizei wieder. Am Standort in Wiesbaden und den Außenstellen an den Standorten in Kassel, Lich und in Mühlheim werden die bisherigen Aufgaben der ehemaligen Abteilung Fortbildung der HPA in aufgabenbezogenen Sachgebieten verortet und für die neue Hochschule alle zentralen und dezentralen Seminare und Lehrgänge der Fachfortbildung Polizei sowie des ZPD angeboten.
Geschichtliche Entwicklung bis 1950 Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 standen die Alliierten vor der Aufgabe, die Verwaltung und die polizeilichen Sicherheitskräfte in Deutschland wieder aufzubauen. General Dwight D. Eisenhower, der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, bevorzugte die Herstellung der Funktionsfähigkeit der Verwaltung vor Entnazifizierung und Entmilitarisierung. Er war der Ansicht, dass die Versorgung der Bevölkerung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung Vorrang haben mussten. Dazu hatten sich die West-Alliierten im gemeinsamen Stab für Besatzungsfragen (SHAEF/G51) auf sogenannte Military Government Detachments (MG-Detachments) geeinigt. Diese Einheiten sollten hinter den kämpfenden Truppen für Sicherheit und Ordnung sorgen sowie kommunale Verwaltungen aufbauen.
Die MG-Detachments bestanden aus Soldaten und Zivilisten aus den alliierten Ländern. Sie hatten die Aufgabe, unbelastete deutsche Fachleute für die Verwaltung zu rekrutieren. Dies war jedoch aufgrund der strengen Entnazifizierungsbestimmungen der Alliierten schwierig. In vielen Fällen kam es daher zu willkürlichen Rekrutierungen von Fachpersonal durch die MG-Detachments. Die gefundenen Personen wurden mit weißen Armbinden mit der Aufschrift MG-Police ausgestattet und nahmen unter Aufsicht der Militärverwaltung die ihnen übertragenen Aufgaben wahr.
Da es die Absicht der Alliierten war, die komplette Verwaltung zu dezentralisieren, musste eine neue Rechtsgrundlage für den Neuaufbau von kleineren Stadt-, Land- und Grenzpolizei-Einheiten geschaffen werden. Am 7. Juli 1945 erließen die Alliierten die USFET-Direktive 2 - Administration of Military Government in the US-Zone of Germany, die den Aufbau der deutschen Polizei regelte. Sie legte die Grundlage für den Aufbau einer demokratischen und rechtsstaatlichen Polizei. Diese Verordnung sah vor, dass die deutsche Polizei künftig aus drei Bereichen bestehen sollte: Die Landespolizei sollte für die innere Sicherheit in den einzelnen Bundesländern zuständig sein. Die Bundespolizei sollte für die Sicherheit an den Grenzen und in den Bahnhöfen zuständig sein. Die Kriminalpolizei sollte für die Aufklärung von Straftaten zuständig sein. Die Direktive 2 war ein wichtiger Schritt zur Neuordnung der deutschen Polizei, die Umsetzung gestaltete sich jedoch schwierig. Die alliierten Besatzungsmächte hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die deutsche Polizei aufgebaut werden sollte. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde die deutsche Polizei nach sowjetischem Vorbild aufgebaut. Sie war streng zentralistisch organisiert und unterstand der Kontrolle der sowjetischen Militäradministration. In der Amerikanischen, Britischen und Französischen Besatzungszone wurde die deutsche Polizei nach demokratischen Grundsätzen aufgebaut. Sie war dezentral organisiert und unterstand der Kontrolle der jeweiligen Landesverwaltung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Polizei in einem desolaten Zustand. Die meisten Polizisten waren entweder gefallen oder in Kriegsgefangenschaft geraten. Die wenigen verbliebenen Polizisten waren oft unzureichend ausgebildet und ausgerüstet. Um die Sicherheit in der US-Zone Deutschlands wiederherzustellen, war es daher notwendig, eine neue Polizei aufzubauen. Die USFET-Direktive 2 vom 7. Juli 1945 sah vor, dass die deutsche Polizei unter der Aufsicht der Militärregierung neu organisiert und in kommunalen und provinzialen Polizeischulen ausgebildet werden sollte.
Im kommunalen Bereich entstanden vier Polizeischulen in Frankfurt am Main, Kassel, Marburg und Wiesbaden und zwei Polizeischulen für den Landesbereich, die zunächst in Bad Selters und Homberg (Efze), dann in Hofgeismar und Wiesbaden etabliert wurden. Die Ausbildung an den Polizeischulen war in den Anfangsjahren sehr schwierig. Es fehlte an geeigneten Räumlichkeiten, an Ausrüstung und an Lehrmaterial. Die Ausbildungsrichtlinien waren noch nicht vollständig erarbeitet und die Polizeianwärter waren oft nur unzureichend vorbereitet.
Am 25. Juni 1945 wurde in Kassel die Provinzial-Polizeischule Kurhessen in der Hohenzollern-Kaserne, einer ehemaligen Schutzpolizei-Kaserne, eröffnet. Mit der Leitung der Schule wurde Polizeidirektor Herbert Kalicinski betraut. Da die Kaserne stark bombenbeschädigt war und eine Polizeihundeführer-Schule angegliedert werden sollte, plädierte er schon im August 1945 für einen Umzug. In Homberg (Efze) fand man in einem ehemaligen Wehrertüchtigungslager die notwendigen Unterkünfte. Am 1. Oktober 1945 wurde die Polizeischule in Homberg (Efze) eröffnet und am 19. Oktober von Vertretern der Kommunal- und Militärbehörden eingeweiht. Allerdings war man auch hier nur notdürftig untergebracht und ständig auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten. Eine Verbesserung der Lage trat ein, als die Provinzial-Polizeischule Kurhessen dem Groß-Hessischen Innenminister unterstellt wurde. So konnten nach Auflösung eines Lazaretts in der Schulturnhalle eine Gemeinschaftsküche und ein Speiseraum eingerichtet werden. Ein Auszug aus dem Schultagebuch des Januar 1946 der Provinzial-Polizeischule Kurhessen zeigt, unter welchen Bedingungen die Ausbildung damals stattfand: „Wegen der großen Kälte und der mangelhaften Ernährung sowie unzureichender Bekleidung wird der Frühsport bis auf weiteres ausgesetzt.“
Am 31. Januar 1946 wurde durch den Hessischen Minister des Innern Hans Venedey eine neue Regelung zur Einstellung und Ausbildung der Polizei aufgestellt und mit der Verordnung über die vorläufigen Laufbahnrichtlinien für den hessischen Staats- und Kommunal-Polizeivollzugsdienst vom 13. Mai 1949 gesetzlich geregelt. PD Kalicinski hatte eine Berufung als Leiter an die Zentralpolizeischule der Britischen Zone angenommen und schied am 1. November 1948 aus dem Dienst des Landes Hessen aus. Auf seinen Posten wurde Oberregierungsrat Friedrich Bellof an die Landespolizeischule berufen. Die vergebliche Suche nach besseren Räumlichkeiten in Homberg (Efze) führte im August 1949 zum Entschluss, die Landespolizeischule Homberg in die Manteuffel-Kaserne nach Hofgeismar zu verlegen. Bis zu diesem Standortwechsel wurden in Homberg 41 Kurzlehrgänge, neun Grund-, vierzehn Meister-, drei Kriminalassistenten-, vier Oberbeamten- und neun Dolmetscher-Lehrgänge durchgeführt.
Mitte September 1945 richtete die Stadt Kassel in der zuvor von der Provinzial-Polizeischule Kurhessen verlassenen Hohenzollern-Kaserne ihre kommunale Polizeischule ein, die bereits seit Juli 1945 als Polizeivorschule bestanden hatte. Geleitet wurde die Schule ab April 1946 von Polizeimeister Albert Weber und im Juli 1946 in Polizeischule Kassel umbenannt. Nicht nur Kasseler Polizisten, sondern auch Beamte aus der gesamten Provinz Kurhessen wurden ausgebildet. Zum 1. Juli 1954 wurde die Polizeischule Kassel aus organisatorischen Gründen aufgelöst.
In Marburg wurde bereits im Oktober 1945 mit der Ausbildung von deutschen Kriegsgefangenen zu Polizeibeamten begonnen. Die Schule wurde zunächst von einem amerikanischen Offizier namens Lobl geleitet, danach von Polizeikommandant Walter Miszczuk. Bis zum 15. November 1945 wurden in Marburg Polizeibeamte ausgebildet. Danach wurde die Schule für die Ausbildung der neuen Grenzpolizei vorgesehen. Am 19. November 1945 wurde der erste Lehrgang für Grenzpolizei-Beamtenanwärter einberufen. Im Herbst 1946 wurde die Schule in Marburg geschlossen, da alle zukünftigen Lehrgänge an der Landespolizeischule in Bad Selters stattfinden sollten.
Ab diesem Zeitpunkt existierten nur noch drei kommunale Polizeischulen in Hessen. Die Kommunale Polizeischule Frankfurt am Main wurde am 25. August 1945 behelfsmäßig im Polizeipräsidium eröffnet und ab dem 1. Januar 1947 in einen Kasernenbau an der Ginnheimer Straße verlegt. Unter der Leitung des Polizeikommandanten Schönbach wurde ab dem 1. Juli 1947 mit dem Unterricht für die Frankfurter Polizeibeamten und Angehörigen fast aller Polizeiverwaltungen der näheren und weiteren Umgebung begonnen. Die Polizeischule Frankfurt am Main wurde unter dem letzten Schulleiter Adolf Hahnzog aus organisatorischen Gründen zum 15. September 1953 geschlossen.
Für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde am 1. Oktober 1945 im bombenbeschädigten ehemaligen Sanatorium Dornblüth in der Händelstraße mit einem Festakt die zunächst staatliche Polizeischule in Wiesbaden unter der Leitung von Direktor Dr. Philipp Hamberger (*3. April 1891 in Hahn) gegründet. Bis 1949 konnten in der kommunalen Polizeischule 1.600 Polizisten ausgebildet werden. 1950 wurde Walter Miszczuk mit der Schulleitung beauftragt, nachdem Hamberger zum Kommandeur der hessischen Polizei im Innenministerium berufen worden war. Die Hessische Polizeischule für den Regierungs- und Stadtbezirk Wiesbaden wurde Ende Juni 1951 aufgelöst, da das Gebäude für das neuentstandene Bundeskriminalamt benötigt wurde. Am 8. Oktober 1945 wurde der ehemalige Polizeihauptmann Friedrich Bellof mit der Leitung der Polizeischule betraut.
Die Landespolizeischule in Bad Selters, die hauptsächlich für die Ausbildung der Grenzpolizei zuständig war, wurde am 1. Februar 1946 im Kurhaus von Bad Selters eröffnet. Sie wurde am 30. Juni 1948 aufgelöst, weil die Aufgaben der Grenzpolizei weitestgehend entfallen waren und die Ausbildung auf Landesebene weiter zentralisiert werden sollte. Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch die Landespolizeischule in Homberg (Efze), diese wurde dann in der Zeit vom 24. September bis 2. Oktober 1949 nach Hofgeismar verlegt. Die Leitung blieb weiterhin in den Händen von Oberregierungsrat Friedrich Bellof. Da zu dieser Zeit die Einrichtung einer weiteren Polizeischule möglichst im südhessischen Raum geplant war, wurden schon vor dem Umzug die Planstellen der Landespolizeischulen auf die Schulen Nord und die noch einzurichtende Süd verteilt. Nach erfolgtem Umzug konnte am 3. Oktober 1949 der Lehrbetrieb in Hofgeismar beginnen, am 1. August 1950 der erste Verkehrslehrgang in der Landespolizeischule Hofgeismar.
Wegen der veränderten weltpolitischen Lage durch den eskalierenden Ost-West-Konflikt befürwortete die US-Militärregierung am 14. Dezember 1948 eine Verstärkung der Länderpolizeien um 10.000 Mann. Mit Erlass des Hessischen Ministers des Innern Heinrich Zinnkann vom 7. November 1949 wurde eine neue Personalplanung für die staatliche und kommunale Polizei vorgestellt und die hessische Polizei auf eine Stärke von 9.000 Mann durch die Einstellung von 1.000 neuen Beamten und die Umwandlung von 3.000 Gemeindebeamten in Landesbeamte vergrößert.