Euskirchen [] ist eine mittelgroße Stadt im Rheinland und als Kreisstadt seit 1827 Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises im Südwesten von Nordrhein-Westfalen.

mini|Euskirchen, Luftaufnahme (2015) mini|Euskirchen, Luftaufnahme (2019) mini|Euskirchen – Blick über Bahnhof Richtung Innenstadt Euskirchen erhielt seine Stadtrechte 1302 und ist heute mit knapp 60.000 Einwohnern Sitz zahlreicher zentraler Einrichtungen und Zentrum einer Region mit einem Versorgungsbereich von über 195.000 Menschen. Teile der alten Stadtmauer und drei Wehrtürme, die zur Stadtbefestigung gehörten, sind vorhanden und stehen neben Gebäuden moderner Architektur. Innerhalb des mittelalterlichen Stadtmauerrings erstreckt sich die Fußgängerzone. Muttersprache der gebürtigen Euskirchener ist das Eifeler Platt, welches andere Merkmale besitzt als das in der Region weit verbreitete Kölner Platt. Der Name Euskirchen wird auf der ersten Silbe betont.

Geographie Räumliche Lage mini|Euskirchen, Alter Markt Euskirchen liegt in der Zülpicher Börde am nördlichen Rand der Eifel, rund 25 km von Bonn und 35 km von Köln entfernt. Durch das Stadtzentrum fließt der teilweise unterirdisch verlaufende Veybach, durch das gesamte Stadtgebiet und am Stadtrand entlang die Erft.

Das Stadtgebiet erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 15 km, in Ost-West-Richtung über 14 km. Die Gesamtfläche beträgt 139,63 km², die Stadtgrenze ist 85 km lang. Euskirchen liegt 50° 40′ 0" nördlicher Breite und 6° 47′ 0" östlicher Länge. Der niedrigste Punkt befindet sich am nördlichen Rand des Stadtgebietes in der Erftniederung, der höchste ist mit der Hahnenberg im Flamersheimer Wald, südöstlich der Steinbachtalsperre.

Wasserhaushalt Euskirchen hat eine unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge und einen niedrigen Grundwasserspiegel. Der wichtigste Fluss ist die Erft.

Niederschlag und Grundwasser im Braunkohlerevier In Euskirchen fallen etwa 680 mm Niederschläge pro Jahr. Das sind etwa 110 mm weniger als im Bundesdurchschnitt und ist durch die geographische Lage von Euskirchen begründet. Aufgrund der vorherrschenden Westwinde wird ein großer Teil der Niederschläge von den Westhängen der Mittelgebirge abgefangen, und hohe Niederschlagsmengen regnen bereits vor und in der Eifel ab. Der Braunkohletagebau beeinflusst unter anderem das Grundwasser und die Wassermengen in den Flüssen und Bächen.

Flüsse und Bäche Neben den nachfolgenden, nach Flusslauf und Nebenflüssen geordneten Flüssen und Bächen, gibt es vor allem im südlichen Bereich des Kreises Euskirchen zahlreiche weitere Bachläufe, z. B. im Münstereifeler Wald, auf dessen Höhenzügen sich die Wasserscheide der Erft und der Ahr befindet.

Seen und Talsperren In Euskirchen gibt es keine natürlichen Seen, lediglich einige Weiher, künstlich angelegte Teiche und zwei Stauseen. Die Steinbachtalsperre und die Madbachtalsperre auf dem Stadtgebiet wurden in den 1930er Jahren zur Versorgung der Euskirchener Tuchindustrie mit Brauchwasser gebaut und befinden sich im Süden der Stadt, nahe Kirchheim bzw. Queckenberg, nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Der Staudamm der Steinbachtalsperre wurde, nachdem er bei der Flutkatastrophe 2021 starke Schäden erlitten hatte, größtenteils abgerissen. Ein Wiederaufbau ist nach derzeitigem Stand (September 2025) noch ungewiss. Das Freibad soll 2027 wieder eröffnet werden.

Bodenflächen Landwirtschaft: 75,0 km² mini|300px|Flächennutzung Wald: 35,8 km² Gebäude- und Freifläche: 15,5 km² Verkehrsfläche: 9,3 km² Erholungsfläche: 1,3 km² Wasser: 1,2 km² Betriebsfläche: 0,6 km² Sonstiges: 0,5 km²

Stadtgliederung mini|Stadtteile von Euskirchen Die Stadt Euskirchen umfasst neben der Kernstadt mit den (inoffiziellen) Stadtvierteln Altstadt, Ost-, West-, Nord- und Südstadt 22 weitere statistische Stadtteile:

Billig, Dom-Esch, Elsig, Euenheim, Flamersheim, Frauenberg, Großbüllesheim, Kessenich, Kirchheim, Kleinbüllesheim, Kreuzweingarten, Rheder, Kuchenheim, Niederkastenholz, Oberwichterich, Palmersheim, Roitzheim, Schweinheim, Stotzheim, Weidesheim, Wißkirchen und Wüschheim. Die Bezeichnungen Disternich und Rüdesheim bezeichnen keine eigenen Stadt- oder Ortsteile. Diese Orte gehörten zur Zeit der Stadtgründung zu Euskirchen, fielen jedoch später wüst.

Nachbargemeinden Im Norden, Westen und Süden grenzen an Euskirchen Städte und Gemeinden des Kreises Euskirchen, im Osten liegt der Rhein-Sieg-Kreis.

Nördlich der Stadtteile Großbüllesheim und Wüschheim befindet sich die Gemeinde Weilerswist. Im Nordwesten und Westen verläuft die Grenze zur Stadt Zülpich entlang der A 1, mit Ausnahme der Stadtteile Oberwichterich und Frauenberg, die westlich der Autobahn liegen. Im Südwesten, westlich des Stadtteils Wißkirchen schließt sich die Stadt Mechernich an, deren Grenze südlich des Billiger Walds bis nach Kreuzweingarten verläuft. Südlich davon beginnt die Grenze zur Stadt Bad Münstereifel, die durch den Münstereifeler Wald um die Steinbachtalsperre herum bis in die Nähe von Berg in der Verbandsgemeinde Altenahr (Rheinland-Pfalz) führt. Es besteht jedoch kein gemeinsamer Grenzverlauf mit Rheinland-Pfalz. Im weiteren Verlauf ab Höhe Berg grenzt Euskirchen im Südosten und Osten an das Gebiet der Stadt Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis. Auf Höhe des Stadtteils Palmersheim schließt sich nordöstlich die Gemeinde Swisttal, ebenfalls Rhein-Sieg-Kreis, an.

Geschichte mini|280x280px|Dicker Turm, Teil der historischen Stadtmauer

Vorgeschichte und Römerzeit Funde von Werkzeugen belegen die Existenz von Menschen etwa 3000 bis 2000 v. Chr. auf dem heutigen Stadtgebiet. Keltische Siedlungen sind um 800 bis 500 v. Chr. nachgewiesen. In der Römerzeit um 38 v. Chr. besiedelten Eburonen und Ubier das Flussgebiet der Erft und legten ein Straßennetz an. In Billig entstand ein römischer Straßenknotenpunkt und Handelsmittelpunkt (Belgica vicus).

Mittelalter Von etwa 500 bis 800 n. Chr. befand sich in der Nähe des heutigen Annaturmplatzes eine fränkische Hofsiedlung. Archäologische Funde deuten auf eine kontinuierliche Besiedlung in der Merowinger- und Karolingerzeit hin. Typisch für fränkische Siedlungen dieser Zeit waren Einzelhöfe mit zugehörigen Wirtschaftsflächen, die sich entlang kleiner Gewässer oder auf leicht erhöhten Auenbereichen befanden.

Der Ortsname Euskirchen wurde erstmals im Jahr 870 urkundlich erwähnt. Überliefert sind unter anderem die Bezeichnungen Auelskirchen und Auskirchen, was als „Kirche auf der Aue“ gedeutet wird. Gemeint war vermutlich die heutige Martinskirche, die auf einer Aue errichtet wurde. Die Pfarrkirche St. Martin gehörte kirchenrechtlich zum Erzbistum Köln und war ein zentraler Bezugspunkt für die umliegenden Siedlungen.

Im Laufe des Hochmittelalters wuchs die Siedlung stetig. Die umliegenden Orte Disternich, Rüdesheim und Kessenich entwickelten sich in enger Verbindung zu Euskirchen. Die territoriale Zugehörigkeit wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach; zeitweise stand der Ort unter dem Einfluss der Grafen von Jülich. Um 1151 wurde die Martinskirche erweitert; zudem entstand mit St. Georg eine weitere Hofeskirche.

Ab dem 13. Jahrhundert dehnte sich der Ort insbesondere nach Osten und Südosten in Richtung des Mühlbachs aus, wo sich vor allem Müller- und Gerberbetriebe ansiedelten. Die Lage an Handelswegen zwischen Köln, Aachen und Trier begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung. Zwischen 1270 und 1300 wurden Schutzwälle und Gräben angelegt und das Viertel um die Martinskirche weiter ausgebaut.

Am 1. August 1302 verlieh Walram VIII. (1277–1302) von Monschau-Falkenburg Euskirchen die Stadtrechte. In der Folge entwickelte sich Euskirchen zu einem regionalen Markt- und Handwerkszentrum. Ab etwa 1325 war die Stadt von einer rund 1450 Meter langen Stadtmauer mit sieben Wehrtürmen und drei Stadttoren umgeben, die Schutz bot und das Stadtgebiet klar abgrenzte (siehe Altstadt (Euskirchen)). Die Stadtbefestigung wurde im Laufe des 14. Jahrhunderts mehrfach verstärkt und instand gesetzt.

Euskirchen war im Mittelalter Teil der territorialen Herrschaft des Herzogtums Jülich. Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1302 gehörte die Stadt ab 1355 zum Herrschaftsbereich der Herzöge von Jülich, unter deren Oberhoheit sie bis 1609 stand. Im Spätmittelalter wurde Euskirchen als eine der vier Hauptstädte des Fürstentums Jülich geführt. Gleichzeitig lag die Region historisch zwischen dem Einflussbereich des Herzogtums Jülich und dem des Kurfürstentums Köln, was die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Stadt prägte.

Im Spätmittelalter war Euskirchen von Landwirtschaft, Handwerk und regionalem Handel geprägt. Besonders das Tuchmacher- und Gerberhandwerk spielte eine bedeutende Rolle. Zünfte und kirchliche Einrichtungen bestimmten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben. Kriegerische Auseinandersetzungen, darunter regionale Fehden, sowie Seuchen – insbesondere die Pestwellen des 14. Jahrhunderts – führten wiederholt zu Bevölkerungsverlusten, ohne jedoch die grundsätzliche städtische Struktur dauerhaft zu verändern.

19. Jahrhundert

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Euskirchen von einer Ackerbürgerstadt zu einem bedeutenden Zentrum der Tuchindustrie. Bereits 1818 waren 38 Tuchmacherfamilien in der Stadt ansässig, die überwiegend in kleinen Manufakturen produzierten. In den folgenden Jahrzehnten entstanden erste mechanisierte Fabriken. Bis zur Mitte des Jahrhunderts war mehr als ein Drittel der Bevölkerung direkt oder indirekt in der Tuchproduktion beschäftigt. Wichtige Absatzmärkte bildeten Militärtuchaufträge, die der Branche zusätzliches Wachstum ermöglichten.

Die Industrialisierung brachte auch soziale Probleme mit sich. Viele Familien lebten in Armut, und Kinder arbeiteten schon ab dem achten Lebensjahr in den Fabriken. Um ihnen dennoch Grundbildung zu ermöglichen, richtete die Stadt 1829 eine Sonntags-Armenschule ein, die später in eine reguläre Sonntagsschule überging.

Ein entscheidender Standortvorteil war der Eisenbahnanschluss. 1864 wurde die Strecke von Düren nach Euskirchen eröffnet, 1871 folgte die Verbindung nach Bonn und 1880 nach Bad Münstereifel. Dies erleichterte sowohl den Import von Rohstoffen, insbesondere Wolle, als auch den Export der in Euskirchen produzierten Tuche.

Zwischen 1850 und 1900 entwickelte sich Euskirchen zur wohlhabenden Industriestadt. Einen wichtigen Beitrag leisteten auch jüdische Unternehmerfamilien, die im Handel und in der Industrie tätig waren. Parallel wuchs die Bevölkerung stark an: während der Amtszeit von Bürgermeister Carl Otto Selbach (1874–1904) verdoppelte sie sich von rund 5.500 auf etwa 10.500 Einwohner. Unter Selbach entstanden zudem wichtige Infrastruktureinrichtungen wie die Freiwillige Feuerwehr (1876), die Martins-Schule (1885), das Postamt (1886) sowie eine moderne Wasserversorgung (1887).

Der Städtische Friedhof Euskirchen an der Frauenberger Straße wurde 1887 angelegt.

20. Jahrhundert

Erster Weltkrieg Mit Kriegsbeginn 1914 wurden zahlreiche Euskirchener Männer zum Militär eingezogen, was in Industrie und Landwirtschaft zu erheblichem Arbeitskräftemangel führte. Frauen und Jugendliche übernahmen zunehmend Aufgaben in Betrieben. Die Tuchindustrie produzierte verstärkt Uniformstoffe und militärische Gewebe, was ihre Bedeutung für die Stadtwirtschaft unterstrich.

Die Versorgungslage verschlechterte sich während des Kriegsverlaufs. Lebensmittel wurden rationiert, die Bevölkerung war mit Engpässen und steigenden Preisen konfrontiert. Kriegsanleihen, Spendenaktionen und Liebesgaben zur Unterstützung der Front gehörten zum Alltag.