Elena Hassinger (* 1982) ist eine deutsche Physikerin und Hochschullehrerin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie forscht im Bereich der Quantenmaterialien und Tieftemperaturphysik unter anderem an unkonventionellen Supraleitern.
Biografie Hassinger schloss ihr Studium der Physik an der Universität Heidelberg 2007 mit dem Diplom ab. Anschließend promovierte sie bis 2010 an der Universität Joseph Fourier Grenoble I in der Arbeitsgruppe von Jacques Flouquet zum Thema „Physique de la matière condensée et du rayonnement“. Von 2010 bis 2014 schloss ein PostDoc-Aufenthalt an der Université de Sherbrooke in Kanada bei Louis Taillefer an.
2014 wurde sie Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe (MPI CPfS) in Dresden. Sie baute dort die Gruppe „Physics of Unconventional Metals and Superconductors“ (PUMAS) auf. Im Oktober 2022 wurde sie vom Institut zum Max-Planck-Fellow ernannt und führt die Gruppe am MPI als Teil ihrer Universitätsprofessur in Dresden weiter. Von 2016 bis 2022 hatte sie im Rahmen der Zusammenarbeit „MaxPlanck@TUM“ parallel dazu eine Tenure-Track-Professur für „Quantenmaterialien - experimentelle Festkörperphysik“ an der Technischen Universität München.
2022 wurde sie auf die Professur für Tieftemperaturphysik komplexer Elektronensysteme am Institut für Festkörper- und Materialphysik der TU Dresden berufen. Die Professur wurde im Rahmen des Exzellenzcluster ct.qmat (Komplexität und Topologie in Quantenmaterialien) eingerichtet, in dem Hassinger auch Principal Investigator ist. Sie ist seit 2023 als Teilprojektleiterin für das Thema „Transporteigenschaften itineranter frustrierter und topologischer Magnete“ am Sonderforschungsbereich SFB 1143 zu „Korrelierter Magnetismus: Von Frustration zu Topologie“ beteiligt. Im Oktober 2025 wechselte sie auf eine Professur für Quantenmaterialien an das Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie leitet fortan die Arbeitsgruppe Neue Materialien, Transport, Thermodynamik und Mesoskopie.
Forschungsschwerpunkte Hassinger beschäftigt sich mit dem Verhalten unkonventioneller Metalle und Supraleiter bei extrem tiefen Temperaturen und in hohen Magnetfeldern. Als unkonventionell werden Supraleiter bezeichnet, bei denen die Kopplung der Cooper-Paare nicht durch Gitterschwingungen (Phononen), sondern durch andere Mechanismen entsteht. Bei den Versuchen wird die Materialprobe auf unter 0,35 Kelvin (−272,8 Grad Celsius) abgekühlt und einem sehr hohen Druck sowie einem ultrastarken Magnetfeld bis zu 18 Tesla ausgesetzt. Durch die Beobachtung der Materialien bei extremen Bedingungen sollen Zustände erkundet werden, die noch nicht durch die bekannten quantenmechanischen Berechnungen erklärt werden können. Hassinger war an der Erforschung des Druck-Phasen-Diagrams von mehreren unkonventionellen Supraleitern beteiligt. Sie hat sich außerdem mit Weyl-Halbmetallen beschäftigt und deren elektronische Struktur untersucht.
Sie entdeckte die zwei verschiedenen supraleitenden Phasen des unkonventionellen Supraleiter Cer-Rhodium-Arsen (CeRh2As2). Die meisten bekannten supraleitenden Materialien zeigen dagegen nur eine supraleitende Phase. Die zweite supraleitende Phase entsteht durch eine Asymmetrie der Kristallstruktur rund um das Cer-Atom. Das Material ist durch den Rashba- und Kondo-Effekt beeinflusst. Theoretisch werden dafür topologische Oberflächenzustände vorhergesagt. Sollten diese im Projekt Ixtreme im Labor nachgewiesen werden, wären sie ein Kandidat für topologische Quantenbits (Qbit). Durch eine größere Stabilität als die heute schon genutzten nicht-topologischen Qbits wären sie möglicherweise zum Aufbau großer Quantencomputer geeignet.
Sonstiges Für das im Rahmen des Studium Generale angebotene Seminar „The Big Bang Theory syndrome: Why should we care about stereotypes?“ erhielt Hassinger 2023 den Preis für diversitätssensible Lehre der TU Dresden. Das Seminar untersucht auf Basis wissenschaftlicher Literatur, welche Geschlechterstereotype es gibt und wie sie sich auf wissenschaftliche Laufbahnen, das Verhalten und die Rezeption auswirken. Zu diesem Themengebiet war Hassinger bereits 2019 an einer Veröffentlichung beteiligt.
Hassinger ist Mitglied in dem vom Exzellenzcluster ct.qmat initiierten Grete-Hermann-Netzwerk, einem internationalen Netzwerk von Forscherinnen auf dem Gebiet der Quantenphysik und der Physik der kondensierten Materie.
Auszeichnungen 2023: ERC Consolidator Grant für das Forschungsvorhaben „Exotische Quantenzustände bei lokal gebrochener Inversionssymmetrie in extremen Bedingungen – Ixtreme“, mit einer Dotierung von 2,7 Mio. Euro
Publikationen (Auswahl)
Weblinks Profil und Publikationen bei ORCID Homepage an der TU Dresden Max Planck Research Group PUMAS
Einzelnachweise
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