mini|Onshore-Windkraftanlage Die Windenergie in Deutschland hat einen wachsenden Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland und ist mit einer Deckung von etwa 28 % des Strombedarfs im Jahr 2025 inzwischen die wichtigste Stromquelle des Landes.
2024 lieferten Windkraftanlagen in Deutschland 136,4 TWh elektrische Energie, deutlich mehr als Braunkohlekraftwerke, die mit 71,1 TWh auf dem zweiten Platz rangierten. Ende 2025 waren in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 77,69 GW installiert, davon 68,07 GW an Land und 9,62 GW in Offshore-Windparks. Die bislang maximalen eingespeisten Leistungen lagen für landgestützte Anlagen bei 46,66 GW (25. März 2026) und für Offshore-Anlagen bei 8,48 GW (26. März 2026).
2024 beschäftigte die Windenergie-Branche 124.000 Arbeitnehmer, die Investitionen in die Windenergie betrugen 2023 7,4 Milliarden Euro.
Geschichtliche Entwicklung lang=de|mini|Entwicklung der Windenergie in Deutschland seit 1990 (blau: erzeugte elektrische Energiemenge pro Jahr, rot: installierte Leistung)
Ganz entscheidend für den Boom der Windenergie in der Bundesrepublik Deutschland war das Stromeinspeisungsgesetz von 1991, das die Stromnetzbetreiber zur Abnahme des erzeugten Stroms verpflichtete. Diese Förderung des Technologieeinstiegs in erneuerbare Energien wurde von der von Herbst 1998 bis Herbst 2005 bestehenden Rot-Grünen Bundesregierung im Jahr 2000 im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit Einschränkungen fortgeschrieben. Das Gesetz sicherte den Betreibern von Windenergieanlagen feste Vergütungen für den eingespeisten Strom zu. In der Folge verdoppelte sich die installierte Leistung etwa alle zwei Jahre, bis etwa 2002. Ende 2003 war rund die Hälfte der gesamten europäischen Windenergieleistung (28.700 MW) in Deutschland installiert. Mittlerweile haben andere europäische Staaten stark aufgeholt, während in Deutschland die Vergütung reduziert wurde, sodass 2017 der deutsche Anteil an der europäischen Windkraftleistung nur noch gut 31 % betrug.
Die EEG-Förderung der Investoren stärkte indirekt die Stellung der deutschen Windkraftindustrie, was andere EU-Staaten kritisierten. Vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) wurde jedoch mit Entscheidung vom 13. März 2001 C-379/98 bestätigt, dass es sich bei Transfers aus dem EEG um keine Beihilfen im Sinne des EG-Vertrages handelt. Auch der Subventionsbegriff laut § 12 des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes wird vom EEG nicht erfüllt. Die strukturellen Wirkungen des EEG sind denjenigen von Subventionen vergleichbar, jedoch wird die Förderung von den Stromkunden aufgebracht und nicht aus Steuermitteln.
Statistik Bundesweit
Deutschland hatte bis Ende des Jahres 2007 mit 22.247 MW die höchste installierte Leistung weltweit installiert, 2008 wurde es von den USA und 2010 von China übertroffen. Ende 2014 waren in Deutschland 38.215 MW Onshore-Windkraft installiert, mit einem Zuwachs von 4.665 MW Neuinstallation allein im Jahr 2014. Offshore waren 1044 MW installiert, davon 523 MW neu ins Netz genommen. (PDF) Fraunhofer IWES. Bis Ende 2017 wuchs die installierte Leistung auf 55.876 MW an. Ende 2024 waren es 72 GW, davon 63 GW an Land und 9 auf See.Anlagen zur Stromerzeugung und -speicherung in Deutschland. In: energy-charts.info, abgerufen am 19. Juni 2026.
Mit Enercon, Siemens Windenergie, Senvion und Nordex haben mehrere Windenergieanlagenhersteller ihren Sitz in Deutschland, weitere in der Windbranche tätige Unternehmen wie Vestas und General Electric betreiben Werke in Deutschland. Im Jahr 2010 betrug der Exportanteil der Branche 66 %,. DEWI. Abgerufen am 10. Oktober 2011. der Umsatz lag im Jahr 2011 bei über 10 Mrd. Euro.
Im Jahr 2019 lieferte die Windenergie nach vorläufigen Zahlen der AG Energiebilanzen ca. 126,4 TWh elektrische Energie, womit sie vor Braunkohle (114,0 TWh), Erdgas (91,3 TWh), Kernenergie (75,2 TWh) und Steinkohle (56,9 TWh) die wichtigste Stromquelle in Deutschland war. Windkraftanlagen an Land produzierten 101,8 TWh, Offshore-Windparks 24,6 TWh. Insgesamt produzierten Kraftwerke in Deutschland 611,5 TWh, von denen 569,0 TWh im Inland verbraucht wurden, der Rest wurde in europäische Nachbarstaaten exportiert.Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträgern. AG Energiebilanzen. Abgerufen am 4. Januar 2020. Prozentual betrug der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung rund 21 %, Braunkohle lag bei ca. 19 %.Die Stromproduktion aus Kohle in diesem Jahr stark gesunken. In: Wirtschaftswoche, 26. Dezember 2019. Abgerufen am 4. Januar 2020. Tagesaktuelle Einspeisedaten (für Deutschland) sind für die Jahre ab 2011 im Internet frei zugänglich.Energy Charts. Internetseite von Fraunhofer ISE. Abgerufen am 5. Juli 2015.; . Stundenaktuelle Informationen zur Einspeisung von Wind- und PV-Strom in Deutschland.
Den bisherigen Windstromrekord hält der Monat Februar 2020. In diesem außergewöhnlich stürmischen Monat produzierten Windkraftanlagen nach vorläufigen Daten des BDEW ca. 20,9 TWh elektrischer Energie, was etwa der Jahresstromproduktion von zwei Kernkraftwerken entspricht. Zugleich wurde damit der bisherige Windstromrekord von 16,5 TWh um rund 25 % übertroffen.Windkraft im Februar: „So viel Strom wie zwei AKWs im Jahr“. In: Euwid Neue Energie, 28. Februar 2020. Abgerufen am 29. Februar 2020. Ungewöhnlich stark war insbesondere die Kalenderwoche 8, in der die Windenergie mehr als 55 % des deutschen Strombedarfs deckte (siehe Grafiken in der folgenden Galerie).
Windenergiestatistik Deutschland Jahr Brutto-Stromverbrauch in TWh Onshore-Windkraftanlagen Offshore-Windkraftanlagen Installierte Leistung in MW Windstrom Erzeugung in GWh Anteil am Brutto-Stromverbrauch in % Vermiedene CO2 -Emissionen (in 1000 t CO2-Äquivalent) Anzahl WKA Installierte Leistung in MW Windstrom Erzeugung in GWh Anteil am Brutto-Stromverbrauch in % Vermiedene CO2 -Emissionen (in 1000 t CO2-Äquivalent) Anzahl WKA 2024 521,7 63.571 112.777 21,6 85.494 28.766 9.215 26.082 5,0 20.118 1.639 2023 520,5 60.976 117.877 22,6 89.355 28.677 8.473 23.887 4,6 18.424 1.566 2022 551,5 57.976 99.149 18,2 75.625 28.443 8.216 25.124 4,6 19.295 1.539 2021 574,2 55.871 92.075 15,9 68.156 28.230 7.874 24.373 4,3 18.721 1.501 2020 557,8 54.240 104.796 18,9 79.350 29.608 7.874 27.306 4,9 21.079 1.501 2019 577,4 53.193 101.150 17,5 77.041 29.456 7.528 24.744 4,3 19.165 1.469 2018 594,9 52.565 90.484 15,2 62.684 29.213 6.417 19.467 3,3 13.648 1.305 2017 601,3 50.292 88.018 14,6 59.130 28.675 5.427 17.947 3,0 12.111 1.169 2016 599,9 45.283 67.650 11,3 45.115 27.270 4.152 12.274 2,0 8.283 947 2015 600,0 41.297 72.340 12,1 48.243 25.980 3.283 8.284 1,4 5.591 792 2014 594,0 37.620 57.026 9,6 38.029 24.867 994 1.471 0,2 993 258 2013 606,6 32.969 51.819 8,5 34.688 23.645 508 918 0,2 622 116 2012 609,2 30.711 50.948 8,4 34.139 23.030 268 732 0,1 497 k. A. 2011 609,6 28.524 49.280 8,1 38.209 22.297 188 577 0,1 431 k. A. 2010 618,4 26.823 38.371 6,2 27.835 21.607 80 176 0,03 128 k. A. 2009 584,1 25.697 39.382 6,7 28.724 21.164 35 38 0,01 28 k. A. 2008 621,5 22.794 41.385 6,7 29.088 20.301 0 0 0 0 k. A. 2007 624,9 22.116 40.507 6,5 30.460 19.460 0 0 0 0 k. A. 2006 623,3 20.474 31.324 5,0 23.665 18.685 0 0 0 0 k. A. 2005 618,6 18.248 27.774 4,5 22.587 17.574 0 0 0 0 k. A. 2004 615,4 16.419 26.019 4,2 21.525 16.543 0 0 0 0 k. A. 2003 605,9 14.381 19.087 3,2 15.828 15.387 0 0 0 0 k. A. 2002 592,7 11.976 16.102 2,7 12.786 13.759 0 0 0 0 k. A. 2001 589,0 8.738 10.719 1,8 7.708 11.438 0 0 0 0 k. A. 2000 578,1 6.097 9.703 1,7 6.547 9.359 0 0 0 0 k. A. 1999 557,2 4.435 5.639 1,0 3.290 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1998 555,3 2.877 4.579 0,8 2.371 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1997 547,7 2.089 3.025 0,6 1.426 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1996 550,4 1.549 2.073 0,4 1.006 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1995 541,8 1.121 1.530 0,3 759 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1994 531,1 618 927 0,2 460 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1993 526,6 326 612 0,1 304 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1992 531,6 174 281 0,1 139 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1991 538,6 106 102 0,02 51 k. A. 0 0 0 0 k. A. 1990 549,9 55 72 0,01 36 k. A. 0 0 0 0 k. A.
Bestand in den einzelnen Bundesländern
Da das jährliche Windaufkommen schwankt, wird vom Deutschen Windenergie-Institut (DEWI) für die Berechnung der Windenergieanteile nach Bundesländern ein sogenanntes 100-%-Jahr (d. h. ein durchschnittliches Windjahr gemäß dem Windindex) als Berechnungsgrundlage verwendet.
+ Installierte Leistung an Land Stand Ende 2025, Zahl der Windkraftanlagen, Anteil des Landes an der deutschen Leistung, Prozent des potenziellen Jahresenergieeintrags aus Windenergieanlagen am Nettostromverbrauch in Deutschland nach Bundesländern Bundesland installierte Leistung31. Dez. 2025 Anzahl WEA31. Dez. 2025 Anteilan der Leistung Leistung je km² Anteil amNettostromverbrauchin % (2016)Windenergienutzung in Deutschland. Stand 31. Dezember 2016. Dewi-Magazin 50. Abgerufen am 5. August 2017. Baden-Württemberg 2.071 MW 823 WEA 3,0 % 58 kW/km² 2,0 % Bayern 2.759 MW 1.169 WEA 4,0 % 39 kW/km² 4,4 % Berlin 17 MW 6 WEA < 0,1 % 19 kW/km² 0,2 % Brandenburg 9.555 MW 4.135 WEA 14,0 % 322 kW/km² 64,1 % Bremen 199 MW 85 WEA 0,3 % 475 kW/km² 5,9 % Hamburg 122 MW 61 WEA 0,2 % 161 kW/km² 0,9 % Hessen 2.799 MW 1.201 WEA 4,1 % 133 kW/km² 7,0 % Mecklenburg-Vorpommern 3.925 MW 1.826 WEA 5,8 % 168 kW/km² 86,4 % Niedersachsen 13.977 MW 6.239 WEA 20,5 % 293 kW/km² 32,5 % Nordrhein-Westfalen 9.095 MW 3.853 WEA 13,3 % 267 kW/km² 5,8 % Rheinland-Pfalz 4.328 MW 1.790 WEA 6,3 % 218 kW/km² 17,4 % Saarland 565 MW 218 WEA 0,8 % 220 kW/km² 5,8 % Sachsen 1.431 MW 863 WEA 2,1 % 78 kW/km² 9,6 % Sachsen-Anhalt 5.790 MW 2.747 WEA 8,5 % 283 kW/km² 62,7 % Schleswig-Holstein 9.644 MW 3.313 WEA 14,1 % 610 kW/km² 87,8 % Thüringen 1.902 MW 861 WEA 2,8 % 117 kW/km² 20,1 % Deutschland Onshore gesamt 68.177 MW 29.190 WEA 100 % 191 kW/km² 18,4 % mini|Windenergieleistung in EU/DE/ES (1990–2011) in einzelnen Ländern (Quelle: BMU Erneuerbare Energie in Zahlen)
Der Aufbau von Windkraftanlagen in verschiedenen Bundesländern hat diverse Vorteile. Während z. B. in den norddeutschen Bundesländern tendenziell höhere Windgeschwindigkeiten herrschen, was die Wirtschaftlichkeit der Windenergie positiv beeinflusst, könnten sich durch die zusätzliche Erschließung von Standorten im Binnenland positive Effekte für die Energiesicherheit ergeben.Siegfried Heier, Nutzung der Windenergie. 7., aktualisierte Auflage, Bonn 2016, S. 18.
Abstandsregeln der Bundesländer
Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit von Windkraftanlagen bestimmt sich nach dem Baugesetzbuch (BauGB) des Bundes sowie der Raumplanung von Kommunen und Ländern. Darüber hinaus gestattet es § 249 Absatz 9 BauGB den Ländern, die Zulässigkeit innerhalb eines Abstands von bis zu 1.000 Metern zu Wohnbebauungen durch Landesgesetz weiter einzuschränken. Ältere Landesgesetze, die größere Mindestabstände enthalten, gelten grundsätzlich fort,§ 249 Abs. 9 S. 4 BauGB was insbesondere für Bayern Anlass zu kontroversen Diskussionen gab.
Seit dem 1. Februar 2023 sieht § 249 Abs. 7 Satz 2 BauGB allerdings vor, dass landesgesetzliche Abstandsgebote ihre Wirksamkeit verlieren, wenn ein Bundesland seine bundesgesetzlichen Ausbauziele nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz verfehlt. Auch der Freistaat Bayern hat seine 10H-Regelung gemäß Art. 82 BayBO inzwischen deutlich verwässert und teilweise durch einen pauschalen 1.000-Meter-Abstand gemäß Art. 82a BayBO ersetzt.
+ Abstandswerte in Meter in Deutschland nach Bundesländern Bundesland Wohngebiete Stand Dezember 2021 Baden-Württemberg Einzelfall Bayern 10-Fache Anlagehöhe (sog. 10H-Regelung), sofern die Gemeinde keine Gebiete für Windenergie ausweist Berlin ohne Abstandsempfehlung Brandenburg 1.000 (Empfehlung) Bremen 450 (i. d. R.) Hamburg 500 Hessen 1.000 Mecklenburg-Vorpommern 1.000 Niedersachsen mindestens 400 (2 H-Regel) Nordrhein-Westfalen 1.000 Rheinland-Pfalz 1.000 Saarland Einzelfall Sachsen ohne Abstandsempfehlung Sachsen-Anhalt 1.000 Schleswig-Holstein 800 Thüringen 750
Offshore-Windenergie