mini|Johann Freiherr von Schloissnigg (1809–1883), Jurist, Gubernialrat, Statthalter von Kärnten und Geheimrat, Landespräsident in Krain. Lithographie von August Prinzhofer, 1859
Schloissnigg, Johann Nepomuk, Baron Freiherr von (auch Janez Nepomuk Šlojsnik, Schloißnig(g), * 24. Februar 1809 in Wien; † 4. Februar 1883 ebenda [ÖBL]), Beamter, Politiker, u. a. Statthalter von Kärnten in der Funktion des Landeshauptmanns, Landespräsident in Krain, der „slowenischen Partei“ zuzuzählender slowenophiler Abgeordneter im Krainer Landtag.
Stammbaum mini|Stammbaum der Schloissnigga, 1875
Schloissnigg stammte laut Wurzbach aus einer innerösterreichischen Familie, mit Zweigen in Wien, Niederösterreich, Tirol und Ungarn.Dabei ist die Wurzbach’sche Bezeichnung der innerösterreichischen Herkunft der Schloissniggs recht ungenau, weil dieser Begriff mehrere Kronländer umfasst, zudem erlaubt sie eine ethnische Identifikation nicht, was durchaus nachvollziehbar sein mag.Constantin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich Dreißigster Teil Schindler - Schmuzer (Wien 1875), Schloissnigg, S. 137–140, Stammtafel S. 139. Schloissnigg ist laut Internetrecherche ein bis heute gängiger Name im Jauntal sowie im Gailtal. Die Familie hatte Besitzungen in Innerösterreich und auch ausgedehnten Grundbesitz in Ungarn.
mini|Trauungsregister, Schloissnigg, St. Stephan in Wien, 1733 Der Ahnherr und Urgroßvater väterlicherseits, Gregor(ius), war unter Karl VI. Hofkriegsrat, ehelichte am 13. April 1733 Maria Anna von Cremerius in St. Stephan zu Wien und verstarb 1756. Laut Eintrag in der Heiratsmatrikel aus Sankt Stephan war Gregorius in Clagenfurt aus Cärnthen geboren, womit ein unmittelbarer Kärnten-Bezug der Schlossinigs gegeben ist. Archiv St. Stephan (Wien), Trauungsbuch, Tomus 47, Folio 5, recte 13. April 1733
Jakob Schloissnigg, der Bruder des Großvaters von Johann Nepomuk, wurde am 9. September 1789 in den erbländischen Ritterstand erhoben, Johann Baptist Schloissnigg (* 23. November 1743, † 16. September 1804), der Großvater selbst, erhielt am 26. Juli 1792 das ungarische »Indigenat«, d. h., er wurde Angehöriger eines adeligen Geschlechtes in Ungarn, und wurde am 15. Mai 1793 in den erbländischen Freiherrenstand erhoben. Franz I. (1777–1850), der Onkel väterlicherseits des Johann Nepomuk, wurden 1825 in den niederösterreichischen Herrenstand erhoben. Dessen Bruder und Vater von Johann Nepomuk, Johann Baptist Marcus (* 25. April 1782, † 30. September 1849), ehelichte Angiolina, geborene Drossi Plastera (Plasterer nach Steeb/Sterneck Ch. Steeb, T. Sterneck: Die Daublebsky, Freiherren von Sterneck zu Eberstein. Zur Geschichte und Genealogie der seit fast zweihundert Jahren in Kärnten beheimateten Linie einer böhmischen Adelsfamilie. Klagenfurt am Wörthersee 2011, S. 37–38, 74.) (* 25. Mai 1798, † 11. Jänner 1862), welche in St. Thomas am Zeiselberg/Šenttomaž pri Celovcu nordöstlich von Klagenfurt begraben wurde und daselbst ihren Grabstein hat.
mini|Grabsteiner in St. Thomas am Zeiselberg - Šenttomaž pri Celovcu (Magdalensberg, Kärnten) Johann Nepomuk Schloissnigg hatte drei Geschwister: Theodor Wilhelm (* 27. März 1817), Victor (* 10. März 1818, † 14. Juli 1851) und Angiolina (* 13. November 1823 Wien, † 10. Dezember 1883 Gries bei Bozen), verehelichte Freiherrin von Sterneck. Sie war verheiratet mit Carl Daublebsky (nach Kneschke) (Daublewsky nach Wurzbach), Freiherr von Sterneck und Ehrenstein und ist ebenfalls in St. Thomas am Zeiselberg begraben. Angiolina hatte 1860 die Herrschaft Gundersdorf/Gundrska vas bei St. Thomas am Zeiselberg erworben. Nach dem Tod ihres Ehemanns Carl und da ihre Ehe Kinderlos geblieben war, veräußerte sie Schloss Gundersdorf ein Jahr später wieder. Die Grabsteine ziert u. a. das Wappen der Schloissnigg, ein Eberkopf.
mini|Parte von Johann Nepomuk Schloissnigg (1883, Adler-Archiv, Wien) Der Leichnam von Schloissnigg, der in Wien verstorben war, wurde nach Ljubljana überführt, wo er neben seiner vorverstorbenen Gattin Josepha, geborene Fürstin Thurn und Taxis (verwitwete Karl Freiherr Wallbrunn, * 1789, † 21. September 1867) am zwischenzeitlich aufgelösten Friedhof von Sv. Krištof in Ljubljana-Bežigrad beigesetzt wurde.
Wirken in Kärnten Schloissnigg war 1835–37 Kreissekretär in Klagenfurt, 1838–1840 Sekretär und 1841–1846 Gubernialrat beim Illyrischen Gubernium in Ljubljana.
1847 kam Schloissnigg nach Klagenfurt, wurde 1849 Kreishauptmann ebenda und am 8. Dezember 1849 mit Amtswirksamkeit vom 2. Jänner 1850 Statthalter der neu gebildeten Statthalterei von Kärnten.
Diese Funktion behielt Schloissnigg auch, nachdem die in Landesregierung umbenannte vormalige Statthalterei (Landesbehörde) mit Entschließung vom 1. Juli 1853 neu organisiert und mit 29. Mai 1854 in Wirksamkeit gesetzt worden war.
mini|Denkmal für Johann Nepomuk Schloissnigg in Hermagor (Kärnten) - Foto Bernhard Gitschtaler In Kärnten setzte sich Schloissnigg für den Ausbau der Straßen- und Eisenbahninfrastruktur eingesetzt (nach ihm sind aufgrund seines Engagements für den Ausbau der Straße durch das Gailtal/Zilja die Schloißniggwände/Šlojsnikove stene ebendort benannt), ebenso betrieb er die Sanierung von Klagenfurt.
mini|Landesgesetzblatt, Landeseinteilungserlass, slowenische Fassung, 8.9.1854 Aufgrund seiner Funktion war Schloissnigg von Amts wegen ab 8. Dezember 1849 bis zu deren Auflösung 1854 Präsident der Grundentlastungskommission sowie der sog. LandesorganisierungskommissionBojan-Ilija Schnabl: Landesorganisierungskommission. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 775–778. [COBISS.SI-ID 22139400] . Die Aufgabe der Letzteren war die praktische Umsetzung der durch die Oktroyierte Märzverfassung 1849, durch die Grundreform sowie in der Folge durch das Silvesterpatent 1851 notwendigen Reform von Justiz und Verwaltung.
Neben ›verwaltungstechnischen‹ Aspekten hatte die Einteilung der Kronländer nach Rumpler »natürlich eine gravierende nationalpolitische Komponente«H. Rumpler: Zentralistische Reichspolitik oder Germanisierung ? Zum nationalpolitischen Gehalt der Politik der Wiener Regierung gegenüber Illyrien-Krain von der Revolution 1848 zum Neoabsolutismus. In: H. Rumpler, A. Suppan: Geschichte der Deutschen im Bereich des heutigen Slowenien 1848–1941/Zgodovina Nemcev na območju današnje Slovenije 1848–1941. Wien/München 1988, S. 76–77.. (Eine Unterteilung in Kreise konnte seiner Ansicht nach »auch dem Schutz einer nicht deutschen Minorität in einem überwiegend deutschen Kronland dienen«.)
Schloissnigg hielt jedoch nach Rumpler noch 1852 eine Kreiseinteilung nach ethnischen Gesichtspunkten in Kärnten für entbehrlich.H. Rumpler: Zentralistische Reichspolitik oder Germanisierung ? Zum nationalpolitischen Gehalt der Politik der Wiener Regierung gegenüber Illyrien-Krain von der Revolution 1848 zum Neoabsolutismus. In: H. Rumpler, A. Suppan: Geschichte der Deutschen im Bereich des heutigen Slowenien 1848–1941/Zgodovina Nemcev na območju današnje Slovenije 1848–1941. Wien/München 1988, S. 77.
Dass Schloissniggs diesbezügliche Motivation nicht notwendigerweise ethnopolitisch getragen war, darauf deutet insbesondere die Tatsache, dass Schloissnigg etwa das einsprachige deutsche OrtsverzeichnisBojan-Ilija Schnabl: Ortsrepertorium. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 969–973. [COBISS.SI-ID 22148104] von Kärnten überarbeitete, das nach dem provisorischen Gesetz vom 17. März 1849 bereits zuvor erstellt worden war. Er erließ stattdessen den für das gesamte Land durchgehend zweisprachigen Landeseinteilungs-Erlass vom 23. Dezember 1849Bojan-Ilija Schnabl: Landeseinteilungs-Erlass (1), Kärntner, vom 23. Dezember 1849. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 754–764, ilustr. [COBISS.SI-ID 22131208], kundgemacht im zweisprachigen Kärntner Landesgesetz- und Regierungsblatt vom 16. März 1850.Bojan-Ilija Schnabl: Landesgesetzblatt, zweisprachiges Kärntner. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 769–775, ilustr. [COBISS.SI-ID 22133768] Damit wird die Konstitutionalität beider Völker im Land als Rechtskategorie bestätigt.
Wirken im Geiste von Artikel 3 der Kärntner Landesverfassung von 1849 Der Grundsatzartikel 3 der Kärntner Landesverfassung vom 30. Dezember 1949 im 1. Abschnitt „Vom Lande“ besagt: „Die im Lande wohnenden Volksstämme sind gleichberechtigt und haben ein unverletzliches Recht auf Wahrung und Pflege ihrer Nationalität und Sprache.“"Kaiserliches Patent vom 30. Dezember 1849 wodurch die Landesverfassung für das Herzogthum Kärnten samt der dazugehörigen Landtags-Wahlordnung erlassen und verkündet wird", RGBl. vom 8. Jänner 1850 (Kärntner Landesverfassung, 1849, Artikel 3)Eine neuerliche Berücksichtigung der Kärntner Slowenen in der Landesverfassung sollte erst 2017 wieder erfolgen und zwar in deren Grundsatzartikel 5, speziell Abs. 2: "(2)Das Land Kärnten bekennt sich gemäß Artikel 8 Abs. 2 des Bundes-Verfassungsgesetzes zu seiner gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, wie sie in Kärnten in der slowenischen Volksgruppe zum Ausdruck kommt. Sprache und Kultur, Traditionen und kulturelles Erbe sind zu achten, zu sichern und zu fördern. Die Fürsorge des Landes gilt allen Landsleuten gleichermaßen." Kärntner Landesverfassung, insb. Art. 5: Schloissniggs Wirken über seine gesamte Dienstzeit in Kärnten ist geprägt von seinen Bemühungen für das Slowenische, die slowenische Sprache, slowenische Einrichtungen, die er als oberster Landesvertreter – Statthalter des Kaisers in der Funktion des Landeshauptmanns – an den Tag legte.
So ist mit seiner Amtszeit ist das zweisprachige, deutsch-slowenische, Erscheinen des Landesgesetzblattes/deželni zakonik 1850 bis 1859 verbunden. Bojan-Ilija Schnabl. Landesgesetzblatt, zweisprachiges Kärntner. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 769–775, ilustr. [COBISS.SI-ID 22133768] Darin unterzeichnete Schloissnigg ebenfalls seine slowenischen Gesetzestexte in der slowenischen Orthografie Šlojsnik.
mini|Kärntner Landesgesetzblatt, Landeseinteilungserlass, slowenische Fassung, 8.9.1854 mini|Kärntner Landesgesetzblatt, Landesorganisierungskommission, slowenische Fassung Weitere darin veröffentlichte zweisprachige Ortsverzeichnisse folgten auch nach der formellen Aufhebung der Märzverfassung (Landeseinteilungs-Erlass vom 3. Oktober 1854. Bojan-Ilija Schnabl. Landeseinteilungs-Erlass (2), Kärntner, vom 8. September 1854. In: Katja Sturm-Schnabl (Hrsg.), Bojan-Ilija Schnabl (Hrsg.): Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška: von den Anfängen bis 1942. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, Bd. 2, j-Pl, S. 764–766, ilustr. [COBISS.SI-ID 22131464] )
mini|Anleitung zur Verwendung des Gemeindeeigentums, zweisprachige Titelseite, Kärnten 1850 mini|Zweisprachige Anleitung zur Verwendung des Gemeindeeigentums, Kärnten 1850 (Deutsch, Slowenisch), Seite 2–3