mini|Cannabis-Pflanze mini|hochkant|Emerald Triangle Das Emerald Triangle (von englisch: Emerald, übersetzt: Smaragd; anspielend auf die grüne Farbe dieses für die Edelstein-Erstellung gebräuchlichen Kristalls) ist eine Region in Nordkalifornien. In einem weiteren Kontext werden mit dem Begriff die drei Counties Humboldt, Mendocino und Trinity charakterisiert, in einem engeren die dort beheimatete Cannabis-Anbauregion, die als die größte innerhalb der USA gilt. Die unzugängliche Gegend im Emerald Triangle gilt darüber hinaus als Hochburg einer informellen Schattenwirtschaft, die auf – legal wie illegal angebautem – Marihuana basiert und von entsprechenden gesetzlichen Grauzonen charakterisiert ist.The Emerald Triangle: America’s Cannabis Garden, Alex Halperin, weedweek.com, 3. Juni 2020 (englisch) Ab den 1990ern führte die besondere wirtschaftliche Struktur unter anderem zu Versuchen, die Kernregion der Cannabis-Produktion in einem separaten, unter dem Plan-Namen „Sequoia County“ firmierenden Landkreis zu organisieren.How Legalization Changed Humboldt County Marijuana, Emily Witt, The New Yorker, 20. Mai 2019 (englisch)

Geografie mini|hochkant|links|Einzugsgebiet des Eel River mini|hochkant|Küstenlinie im Humboldt County mini|hochkant|Redwood-Bäume in Nordkalifornien mini|hochkant|Avenue of the Giants, Humboldt Redwoods State Park Die drei mit dem Begriff Emerald Triangle bezeichneten Counties liegen geografisch im Nordkalifornischen Küstengebirge – einer Region, in der die Gebirgsausläufer bis an die Küste heranragen beziehungsweise steil zu dieser herabfallen. Eine Folge ist, dass viele Ortschaften dieser – insgesamt nur dünn besiedelten – Region nur umständlich zu erreichen sind. Die an der Pazifikküste entlangführende California State Route 1 etwa verläuft ab Rockport (Mendocino County) zunehmend landeinwärts und endet schließlich in Garberville (Humboldt County). Größere Städte in der – auch die sogenannte Lost Coast mit beinhaltende – Region gibt es kaum. Neben Eureka (Einwohnerzahl laut Census 2020: 26.512) weisen lediglich die beiden Küstenstädte Arcata und Fortuna (ebenfalls in Humboldt County; Einwohner: fast 19.000 bzw. rund 12.500) sowie Ukiah, die Hauptstadt von Mendocino Country, bedeutendere Einwohnerzahlen auf. Sämtliche anderen Ortschaften – darunter auch die als Verproviantierungszentrum wichtige Ortschaft Garberville sowie das Cannabis-Anbauzentrum um Alderpoint – liegen, was die Anzahl der Einwohner anbelangt, weit darunter oder zählen zu lediglich aus statistischen Gründen als Ortschaften ausgewiesenen Gebieten (Census Designated Places; CDPs).

Das landschaftliche Erscheinungsbild der drei die Region bildenden Counties wird immer wieder als stark beeindruckend beschrieben. Geografisch wird das Gebiet vom Flusssystem des Eel River strukturiert – einen 315 Kilometer langen Fluss, der am Bald Mountain (Mendocino County) auf einer Höhe von 1903 Meter entspringt, in Richtung Norden abfließt, später einen Bogen Richtung Westen vollzieht und südlich der Humboldt-County-Hauptstadt Eureka in den Pazifik mündet.Eel River, rivers.gov, aufgerufen am 14. Januar 2024 (englisch) Landschaftlich ist die Region vorwiegend von Wäldern geprägt. Neben Eichenbewuchs prägen vor allem unechte Redwoods das Bild – hohe Nadelbäume, die mit den im kalifornischen Westen verbreiteten Riesenmammutbäumen allerdings nur entfernt verwandt sind. Landschaftlich aufgelockert wird das gebirgige Gelände von einzelnen Hochalmen. An Fauna findet sich im Emerald Triangle das Gros der Tierarten, wie sie auch in der Sierra Nevada sowie anderen Wildnis-Gebieten des amerikanischen Westens anzutreffen sind: Braunbären, Waschbären, Biber sowie vergleichbare Tierarten.Redwood National Park: Der Park mit den gigantischsten Nadelbäumen der Welt, visit-usa.at, aufgerufen am 14. Januar 2024

Speziell wegen der in der Region massiert anzutreffenden Küstenmammutbäume sind Teile von ihr als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Das größte ist der Redwood-Nationalpark. Er umfasst Binnenland- sowie Küstengebiete in der nördlichen Hälfte des Humboldt-County und erstreckt sich bis zur Grenze zu Oregon. Eine weitere Zone ist die King Range National Conservation Area. Sie umfasst den größten Teil der Lost Coast im südlichen Humboldt sowie nördlichen Mendocino County. Als landschaftlich attraktiv gilt zudem die „Avenue of the Giants“ – ein Abschnitt des U.S. Highway 101, die den eigentlichen Redwood-Nationalpark allerdings erst nördlich der Humboldt-Bezirksgrenze, im Einzugsbereich der Klamath Mountains, passiert.Kalifornien: Redwood-Nationalpark und State Parks, visittheusa.de, aufgerufen am 14. Januar 2024

Geschichte mini|Zivilisations-Rückstände: Humboldt County, Nähe Redwood National Forest Allgemeine Entwicklung Der Anbau von Marihuana begann sich in der Region ab Ende der 1960er-Jahre zu etablieren. Träger waren von der Hippie-Kultur und dem Summer of Love geprägte Aussteiger, die sich in wenig erschlossenen Regionen niederließen und dort eigene, selbstbestimmte Modelle von Gegenkultur zu etablieren. Entgegen kam dieser Neuansiedler-Gruppe der Umstand, dass die Holzindustrie in der Region eine Krise durchlebte und billige Grundstücke entsprechend leicht zu erwerben waren. Der Anbau von Cannabis war nicht zuletzt auch aus klimatischen Gründen naheliegend: Marihuana-Pflanzen benötigen eine relativ konstante Lichteinstrahlung – ein Faktor, der in dieser Bergregion gewährleistet war. Zusätzlich begannen die Pflanzer, ihre Produkte vermittels besonderer Techniken zu veredeln – etwa der aus Mexiko adaptierten Technik des Sinsemilla, bei dem die männlichen Hanfpflanzen von den weiblichen getrennt werden – mit dem Effekt, dass letztere deutlich höhere THC-Gehalte erzeugen.

Die Geschichte des Marihuana-Anbaus im Emerald Triangle wurde von drei Faktoren maßgeblich beeinflusst: dem von der US-Regierung unter Richard Nixon in die Wege geleiteten Krieg gegen die Drogen und der in der Folge etablierten Praxis, dass in regelmäßigen Intervallen Felder vernichtet und Marihuana-Anbauer mit Geld-, Bewährungs- oder Haftstrafen belegt wurden, dem Zug um Zug vonstatten gehenden Wechsel von einer eher idealistischen, den Idealen von Love and Peace frönenden Gründergeneration zu deren Nachkommen, die den Marihuana-Anbau vorrangig als Geschäft betrieben, die etappenweise erfolgte Legalisierung von Cannabis in Kalifornien – zunächst für medizinische Zwecke (Proposition 216 im Jahr 1996), in den 2010er-Jahren schließlich allgemein (Proposition 64; entsprechender Gesetzeserlass: 2018).

Der erste Faktor, der ab 1972 einsetzende Krieg gegen die Drogen und die damit einhergehende Intensivierung der Strafverfolgung, trug wesentlich dazu bei, dass sich die heimische Marihuana-Industrie noch stärker in den Untergrund zurückzog beziehungsweise gegen Einflüsse von außen abschottete. Die Verfolgungspraxis der involvierten Polizeibehörden zwang die Anbauer zu einem stetigen Versteckspiel. Umgekehrt bewirkten die wirtschaftlichen Einkünfte, welche der Cannabis-Anbau einbrachte, dass große Teile der Infrastruktur des Triangle direkt oder indirekt am Anbau sowie an dem mit diesem verknüpften Drogenhandel partizipierte.Netflix ergründet in Murder Mountain das Geschäft mit Cannabis, Robin Mahler, nau.ch, 7. Januar 2019.

Der zweite Faktor – die Ablösung der ersten, durch die Hippie-Ideale geprägten Generation durch eine materialistischer eingestellte Nachfolger-Generation – sorgte dafür, dass sich die Praktiken, unter denen der Marihuana-Anbau stattfand, zunehmend denen anderer, ähnlich gelagerter Geschäftsfelder anglichen. Die Struktur in den Anbaugebieten des Emerald Triangle wird Berichten zufolge maßgeblich von drei Gruppen bestimmt: den alten und später hinzugekommenen Anbauern, den Pflückern und Abenteuerlustigen, die sich ähnlich wie Saisonarbeiter verdingen und als „Trimmer“ bezeichnet werden und schließlich, als dritter Gruppe, den Gesetzlosen und Aussteigern, die unterschiedliche Gründe haben, die Aufmerksamkeit des Staates und seiner Organe zu meiden. Verstärkt werde die dynamische Gemengelage durch zusätzliche, ebenfalls mit dem Cannabisanbau zusammenhängenden Faktoren: der ökonomischen Abhängigkeit vom Cannabisanbau als dem dort zwischenzeitlich dominierenden Wirtschaftszweig, Konflikten zwischen Gründer- und Nachfolgergeneration – ein Konflikt, der sich politisch unter anderem anhand der Frage äußert, wie die zwischenzeitlich erfolgte Legalisierung am besten zu handhaben sei, kulturell und statustechnisch anhand in der Frage, wer als zum „Inner Circle“ als dazugehörig angesehen wird und entsprechend Entscheidungsprozesse mitgestalten kann. den begrenzten Kapazitäten lokaler und bundesstaatlicher Polizeibehörden, Gesetzesverstöße in der Region zu verfolgen.

Die in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre umgesetzte Legalisierung wird seitens der Anbauer überwiegend kritisch gesehen. Die neue Rechtslage erlaubt grundsätzlich zwar den Anbau von Cannabis. Im Gegenzug hat sie diesen allerdings mit einer Reihe Restriktionen versehen. Zusätzlich zu der seither erhobenen Steuer auf Cannabis-Produkte begrenzt sie die maximal nutzbare Fläche für Cannabis-Anbau und erlegt den Anbauern eine Reihe weiterer zusätzlicher Auflagen auf – beispielsweise das Engagement von Artenschutz-Experten, die prüfen, ob der betriebene Anbau mit umweltschutztechnischen Richtlinien vereinbar ist. Seitens der Gesetzgeber wurden derartige Restriktionen auch deswegen als notwendig erachtet, weil der Cannabisanbau einige für die Umwelt schädliche Folgen zeitigte – insbesondere die Verwendung von Pestiziden sowie das Ableiten von Chemikalien in den Wasserkreislauf.

Die praktische Auswirkung der 2018 in Kraft getretenen Regulierung: Ein Teil der Züchter hat sich – mehr oder weniger widerstrebend – mit der neuen Situation abgefunden und ihr Geschäft legalisiert. Andere hingegen ziehen weiterhin die illegale Anbauweise vor. Ihr Argument: die Legalisierung biete lediglich Großunternehmen und Landaufkäufern Vorteile, degradiere die Anbauer letztlich zu Pächtern und rechne sich speziell aufgrund des mit der Legalisierung einhergehenden Preisverfalls für Cannabisprodukte nicht. Auch Anbauer, die sich registrieren ließen, berichteten, dass für kleine Anbaubetriebe nur noch Nischen-Produkte in der Premium-Liga einkömmliche Summen abwarfen.Legal Pot: Death of the Emerald Triangle?, ABC News, 2. August 2010 (englisch)

„Sequoia County“ mini|Garberville, Humboldt County mini|Lost Coast. Im Hintergrund: die Ortschaft Shelter Cove mini|US 101 im Mendocino County Widersprüchliche, im Endergebnis erfolglose Verläufe hatten Bemühungen ab Anfang der 1990er Jahre, Teile der beiden Counties Humboldt und Mendocino abzutrennen und aus der abgetrennten Entität einen neuen Landkreis zu schaffen. Der erste Anlauf, Teile des südlichen Humboldts sowie des nördlichen Mendocino County als eigenständigen Bezirk zu etablieren, wurde maßgeblich von der in Alderpoint lebenden Einwohnerin Lee Ann Barton mit initiiert. Der ursprüngliche Plan-Name lautete Salmon Country, der später verwendete Sequoia County. Angegebener Grund für die anvisierte Abspaltung waren eine bessere lokalpolitische Vertretung, effizienter funktionierende Dienstleistungen vor Ort und schließlich eine gerechtere Nutzung eingenommener Steuermittel. Der erste Vorstoß 1992 scheiterte aufgrund geringer Unterstützung. Ein zweiter Vorstoß im Folgejahr ergab im Januar 1994 2.033 validierte Unterschriften. Die Initiative verfehlte das nötige Ziel für ein Abstimmungsverfahren allerdings um 169 Stimmen.New ”Emerald City” in Humboldt, Woodland Daily Democrat, Daily Democrat, 31. Mai 2011 (englisch)