Der Racing Club de Lens ist ein französischer Fußballverein aus der nordfranzösischen Stadt Lens im Département Pas-de-Calais. Der bisher größte Erfolg der Vereinsgeschichte wurde 1998 mit dem Gewinn der Meisterschaft errungen.
Die Vereinsfarben sind Rot und Gelb. Von Fans und Presse werden sie als „Blut und Gold“ (frz. Sang et Or) bezeichnet. Die Mannschaft trägt ihre Spiele im Stade Bollaert-Delelis aus. Seit 2018 Vereinspräsident und Nachfolger des langjährigen Amtsinhabers Gervais Martel ist Joseph Oughourlian, ein Fondsmanager. Die Ligamannschaft trainiert seit Juli 2026 Dino Toppmöller, der Pierre Sage ablöste. Seit der Saison 2020/21 spielt der Verein in der Ligue 1.
Geschichte Die ersten Jahre Der Ursprung des Vereins geht bis ins Jahr 1905 zurück, als Studenten in Lens auf dem „Place Verte“ begannen Fußball zu spielen. Ein Jahr später wurde der Club gegründet. Der Name Racing Club Lens wurde bei der Gründung in Anlehnung an den historischen Racing Club de France ausgewählt. Der Verein ist heute bekannt für seine roten und gelben Trikots. Die ersten Trikots hatten jedoch die Farben grün und schwarz, in Anlehnung an den Bergbau, von welcher die ganze Region lebte und dessen Geschichte auch eng mit dem Verein verbündet ist. So galt Racing bis ungefähr zur Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert – und damit auch weit über das Ende des Steinkohlebergbaus hinaus – als der französische „Kumpelklub“ schlechthin; die Franzosen verwenden dafür die durchaus nicht negativ konnotierte Bezeichnung „Gueules noires“ („Schwarzschnauzen“). Dieses Bild haben Verein, Anhänger, Stadtväter und Medien lange kolportiert. Tatsächlich war er aber eher der Verein der örtlichen Bergbaugesellschaft von Lens-Lievin: Mitglieder der Geschäftsleitung lenkten und finanzierten den Klub jahrzehntelang, bauten auf dem Unternehmensgelände das Stadion, beschäftigten bis in die 1960er Jahre hinein einen Großteil der Spieler – für die ein Aufrücken in den Profikader häufig einen Wechsel von der Unter- zur Übertagebeschäftigung bedeutete – und unterstützten auch Racings offiziellen Fanclub Les Sang et Or. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb eingestellt. 1919 wurde dieser wieder aufgenommen, wobei dort zum ersten Mal die Vereinsfarben gewechselt wurden. Das Grün-Schwarz wurde durch himmelblaue Trikots ersetzt.
Blut und Gold Ein zweites Mal wurden diese Farben im Jahre 1924 gewechselt. Von nun an und bis heute trat der Verein in rot und gelb auf. Die Legende besagt, dass die Farben vom damaligen Präsidenten Moglia (1923–1930) in Anlehnung an die Farben der spanischen Flagge ausgewählt wurden. Auch hier lässt sich eine Verbindung zum Bergbau herstellen, da weiter behauptet wird, dass das Rot für das Blut im Bergbau und das Gelb für das Gold stehe. Das Vereinsmotto, welches der Verein noch heute mit stolz lebt, war geboren. Auf sportlicher Ebene wurde der erste nennenswerte Erfolg 1929 errungen, als zum ersten Mal die nordfranzösische Meisterschaft gewonnen wurde. Dennoch gehörte Lens nicht zu den Gründervereinen der 1932 gegründeten Division 1. Einen weiteren Meilenstein stellte der Bau des Stade Félix-Bollaert dar, in welchem der Verein noch heute seine Heimspiele austrägt.
Erste Jahre im Profifußball In der ersten Liga spielte Lens zum ersten Mal 1937. Im Kampf um den Aufstieg schaffte man es den US Valenciennes und die AS Saint-Étienne hinter sich zu lassen. Die erste Saison beendete man auf Platz 14, die zweite Saison beendete man auf dem siebten Platz. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges musste auch der französische Fußball einen großen Einschnitt hinnehmen. Durch die deutsche Besetzung war es nicht mehr möglich eine landesweite Meisterschaft auszutragen. Daher wurde zwischen 1939/40 und 1944/45 die Zonenmeisterschaft ausgetragen. Offiziell wurden der Meistertitel nicht ausgespielt, zwischen 1941 und 1944 wurde vier Mal in Folge die Zonenmeisterschaft gewonnen. Darüber hinaus gelang es dem Racing Club 1940 zum ersten Mal ins Halbfinale des Coupe de France einzuziehen. Das Spiel gegen Olympique Marseille ging deutlich mit 9:1 verloren. In der ersten Saison nach dem Zweiten Weltkrieg gelang mit dem 6. Platz das zu diesem Zeitpunkt beste Ergebnis der Division 1 Geschichte. Die große Ernüchterung folgte in der Saison 1947, wo man am Ende der Saison als 17. den Abstieg in die 2. Liga hinnehmen musste. Nach zehn Jahren im Profifußball war der Verein nur noch zweitklassig. In der ersten Saison im Unterhaus missglückte der Aufstieg mit Platz acht am Ende der Saison noch ziemlich deutlich. Für Furore sorgte „Les Sang et Or“ im Pokal. Der Zweitligist schaffte es bereits in der 1. Runde mit einem 3:0 über den Erstligisten AS Saint-Etienne für eine Überraschung zu sorgen. Nach weiteren Siegen gegen AS Bayeux, Stade Rennes und Stade Français stand Lens zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Pokalfinale und stand dicht vor dem ersten wichtigen Titelgewinn. Im Finale kam es ausgerechnet zum Zusammentreffen mit dem Erzrivalen OSC Lille. Lille gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den besten Mannschaften in Frankreich und gewann das Finale mit 3:2. 1949 gelang mit dem 1. Platz in der 2. Liga nach zwei Jahren Abstinenz die Rückkehr in die Division 1.
Etablierung im Profifußball Die ersten Jahre nach der Rückkehr waren vom Abstiegskampf geprägt. Drei Jahre spielte Lens unten im Keller mit und schaffte es teilweise nur knapp, die Klasse zu halten und einen erneuten Abstieg zu verhindern. Die erfolgreichste Zeit begann 1955 mit dem 3. Platz. Dieser wurde in den beiden folgenden Jahren übertroffen, als Lens jeweils Vizemeister wurde. 1957 war es dabei besonders knapp, als am Ende der Saison nur einen Punkt auf OGC Nizza fehlte, um den ersten Meistertitel zu gewinnen. 1958 gelang es nicht, an die erfolgreichen Vorjahre anzuknüpfen und man beendete die Saison auf Platz elf. Für Aufsehen sorgte man wieder im Pokal, wo man das Halbfinale erreichte und erst gegen Stade Reims rausflog. Die folgenden Jahre waren von vielen Auf und Abs geprägt. Lens pendelte meist zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf, konnte aber mit Ausnahme des 3. Platzes 1964 nicht mehr an die Erfolge der 1950er Jahre anzuknüpfen. Daraus folgte der Abstieg in der Saison 1968, nach 20 Jahren war der Verein wieder nur noch zweitklassig.
Die schwierigen 1970er und 1980er Jahre Der sportliche Abstieg des Vereines war eng mit dem Ende der Kohleära verbunden. Durch die finanziellen Probleme gelang es nicht, sich in der Spitzengruppe etablieren. Nach dem Abstieg wurde die erste Saison in der Division 2 auf dem siebten Platz beenden. Dennoch stieg Lens am Ende ab, da der Verein aufgrund der finanziellen Schieflage einen Neuaufbau als Amateurverein starten sollte. Nach zwei Abstiegen in Folge startete Lens 1970 somit nur noch in der drittklassigen Amateurliga, wo der Neuaufbau starten sollte. Es blieb bei einer Saison, als Vierter gelang der direkte Wiederaufstieg in die Division 2 und die Rückkehr in den Profifußball. In der Division 2 spielte Lens von Anfang an eine gute Rolle und verpasste als dritter zwei Mal knapp den Aufstieg. 1972 sorgte man als Zweitligist erneut im Pokal für Aufsehen, als man im Halbfinale knapp am Erstligisten SC Bastia scheiterte. Das Hinspiel ging mit 3:0 noch deutlich verloren, im Rückspiel lieferte man einen großen Kampf und schaffte es mit einem 2:0-Sieg noch fast, das Ergebnis aus dem Auswärtsspiel auszugleichen. 1973 gelang nach fünf Jahren in der 2. und 3. Liga mit dem 1. Platz die ersehnte Rückkehr ins Oberhaus des französischen Fußballs. Anders als nach dem letzten Aufstieg in die Division 1 schaffte es Lens dieses Mal von Beginn an, eine gute Rolle zu spielen. Die erste Saison wurde auf Platz zehn beendet, die zweite Saison schon auf einem starken siebten Platz. Als Krönung gelang zum zweiten Mal der Einzug ins französische Pokalfinale. 27 Jahre nach der Niederlage gegen Lille musste man sich auch Saint-Etienne geschlagen geben. Am Ende stand es 0:2. Da sich die ASSE als Meister schon für den Europapokal der Landesmeister qualifiziert hatte, erbte Lens den Platz für den Europapokal der Pokalsieger. In der Saison 1976 spielte man somit zum ersten Mal international. In der ersten Runde wurde der irische Vertreter Home Farm FC zugelost. Nach einem 1:1 im Auswärtsspiel gelang zu Hause mit einem 6:0-Sieg souverän der Einzug in die nächste Runde. Im Achtelfinale ging es gegen den holländischen Vertreter ADO Den Haag, wo beide Spiele knapp verloren gingen. 1976 spielte Lens noch lange gegen den Abstieg, schaffte es 1977 wieder eine sehr starke Saison zu spielen und zum 3. Mal in der Vereinsgeschichte die Vizemeisterschaft zu gewinnen. Zum Titel fehlten am Ende neun Punkte auf den FC Nantes. Der tiefe Fall kam ein Jahr später. Als Vizemeister war Lens zum ersten Mal berechtigt im UEFA-Pokal anzutreten, wo man nach teils furiosen Siegen über Malmö FF und Lazio Rom im Achtelfinale am 1. FC Magdeburg scheiterte. Enttäuschender war da die Leistung in der Meisterschaft, wo man als Vizemeister gestartet am Ende wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber Olympique Lyon als 18. zum 3. Mal den Gang in die Division 2 angehen musste. Der Abstieg wurde direkt in der ersten Saison als Zweiter mit dem direkten Wiederaufstieg wieder gerade gerückt. 1981 scheiterte Lens abermals im Halbfinale des Pokals. 1983 qualifizierte man sich als vierter der Division 1 erneut für den UEFA Cup. Nachdem bereits zwei belgische Vertreter ausgeschaltet worden waren, scheiterte man im Achtelfinale am RSC Anderlecht. Auch 1986 schaffte man es sich für den UEFA Cup zu qualifizieren, scheiterte aber bereits in der 1. Runde an Dundee United.
Tiefer Fall und goldene Ära Im Jahre 1988 wurde der Abstieg als 17. knapp verhindert. Neuer Präsident wurde währenddessen Gervois Martel, der in den nächsten Jahrzehnten die Fäden des Vereins zog. In seiner ersten Saison schaffte er es nicht den erneuten Abstieg aus der Ligue 1 zu verhindern, wodurch Lens erneut nur noch zweitklassig war. Dieses Mal misslang der direkte Wiederaufstieg, in der zweiten Saison reichte Platz zwei, um die Rückkehr in die Ligue 1 zu feiern. Die erfolgreichsten Jahre begannen mit dem ersten wichtigen Titelgewinn in der Vereinsgeschichte. Im Coupe de la Ligue gelang es dem RC bis ins Finale einzuziehen, wo gegen den FC Metz der Titel gefeiert wurde. 1995 gelang als fünfter die Rückkehr in den Europapokal, im UEFA Cup scheiterte man 1996 im Achtelfinale an Slavia Prag. Gleichzeitig wiederholte man den 5. Platz im Vorjahr und qualifizierte man sich erneut für den UEFA Cup, wo man bereits in der 1. Runde an Lazio scheiterte. Nachdem die Saison 1997 auf Platz 13 beendet und der Europapokal so verpasst worden war, begann die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Wegen der besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Metz gelang 1998 der Gewinn des ersten Meistertitels. Auch in den Pokalwettbewerben sorgte man für Furore. Im Coupe de France wurde zum 3. Mal das Finale erreicht, wie auch in den beiden vorherigen Endspielen gelang es Lens nicht, das Finale für sich zu entscheiden. Am Ende war Paris Saint-Germain eine Nummer zu groß, Lens verlor mit 2:1. Auch im Ligapokal zeigte man wieder starke Leistungen, scheiterte im Halbfinale. Trotz der starken Leistungen in der Saison schaffte es kein Spieler in den Kader der französischen Nationalmannschaft, die beim Turnier 1998 im eigenen Land den Weltmeistertitel gewann.
Die Meistermannschaft RC Lens RC Lens70px Tor: Guillaume Warmuz (34/-) Abwehr: Frédéric Déhu (32/1), José-Karl Pierre-Fanfan (12/-), Yoann Lachor (27/2), Cyrille Magnier (26/-), Xavier Méride (7/-), Aboubacar Sankharé (3/-), Éric Sikora (33/-), Jean-Guy Wallemme (28/-) Mittelfeld: Hervé Arsène (19/1), Philippe Brunel (33/1), Mickael Debève (29/2), Marc-Vivien Foé (18/2), Wilson Oruma (7/-), Romain Pitau (2/-), Vladimír Šmicer (28/7), Stéphane Ziani (32/11) Angriff: Titi Camara (12/1), Anto Drobnjak (31/14), Wagneau Eloi (20/3), Tony Vairelles (32/9)