Gesellschaft: Meitetsu (Nagoya Tetsudō)
Die Meitetsu Mikawa-Linie (jap. , Meitetsu Mikawa-sen) ist eine Eisenbahnstrecke auf der japanischen Insel Honshū, die von der Bahngesellschaft Meitetsu (Nagoya Tetsudō) betrieben wird. Östlich von Nagoya in der Präfektur Aichi verbindet sie in Nord-Süd-Richtung Toyota mit Hekinan. Hinzu kommt je ein stillgelegter Abschnitt an beiden Enden.
Streckenbeschreibung Die 39,8 km lange Strecke ist in Kapspur (1067 mm) verlegt und mit 1500 V Gleichspannung elektrifiziert. Insgesamt werden 23 Bahnhöfe bedient, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Aus betrieblichen Gründen wird sie im Bahnhof Chiryū in eine nördliche Sektion („Berglinie“) und eine südliche Sektion („Meerlinie“) geteilt, wobei es zwischen den beiden weder durchgehende Züge noch eine direkte Gleisverbindung gibt.
Nördlicher Ausgangspunkt ist der Bahnhof Sanage am Stadtrand von Toyota. Dort reicht das Streckengleise einige hundert Meter weiter, um mittels Spitzkehre eine Zufahrt zum benachbarten Depot zu verkehren. Die Strecke durchquert anschließend das Stadtgebiet von Toyota. An den Bahnhöfen Umetsuba und Toyotashi kann zu den Zügen der Meitetsu Toyota-Linie in Richtung Nagoya umgestiegen werden. Keine Gleisverbindung besteht hingegen mit der Aichi-Ringlinie, die im Abstand von etwa 200 bis 300 Metern parallel dazu verläuft und über eigene Bahnhöfe verfügt. Chiryū ist der Verknüpfungspunkt mit der Meitetsu Nagoya-Hauptlinie, dort endet die Nordsektion. Die ebenfalls dort beginnende Südsektion bedient unter anderem den Bahnhof Kariya, wo Anschluss an die Tōkaidō-Hauptlinie von JR Central besteht. Die Strecke verläuft entlang dem westlichen Rand der Mikawa-Küstenebene und endet im Bahnhof Hekinan.
Die Mikawa-Linie ist überwiegend eingleisig; mit zwei Streckengleisen ausgestattet sind drei relativ kurze Abschnitte. Diese liegen zwischen Chiryū und Shigehara, Kariya und Kariyashi sowie Umetsubo und Toyotashi. Um die Anzahl höhengleicher Bahnübergänge zu verringern, sind seit Ende der 1970er Jahre mehrere Abschnitte auf Viadukte verlegt worden, die eine Gesamtlänge von mehr als 16 Kilometern erreichen.
An die beiden Streckenenden schließen sich stillgelegte Abschnitte durch relativ dünn besiedelte Gebiete an, die 2004 stillgelegt wurden. Im Norden führte die Mikawa-Linie eins über Sanage hinaus durch das Yasaku-Tal nach Nishi-Nakagane. Ursprünglich hätte die Strecke weiter ostwärts bis nach Asuke führen sollen, doch der Abschnitt wurde nie vollendet. Am südlichen Ende verlief die Mikawa-Linie ab Hekinan in Richtung Osten und endete im Bahnhof Kira Yoshida, wo sie auf die Meitetsu Gamagōri-Linie traf; Teile dieses Abschnitts werden seither als Radweg genutzt.
Zugangebot Grundsätzlich wird die Meitetsu Mikawa-Linie in zwei Sektionen unterteilt, die am Bahnhof Chiryū betrieblich voneinander getrennt sind. Um von einer zur anderen Sektionen zu gelangen, muss dort zwingend umgestiegen werden. Beide Sektion werden von Chiryū aus ferngesteuert und von Zügen im Einmannbetrieb befahren. In früheren Jahren gab es etliche Eilzüge, die von der Meitetsu Nagoya-Hauptlinie her kommend zu einer der beiden Sektionen durchgebunden wurden. Doch ihre Zahl nahm im Laufe der Jahre ab und mittlerweile gibt es keine solche Direktverbindungen mehr. Auf der Nordsektion verkehren Lokalzüge im Viertelstundentakt von Chiryū über Toyotashi im Stadtzentrum von Toyota nach Sanage. Ebenfalls mit Lokalzügen im Viertelstundentakt bedient wird die Südsektion von Chiryū über Kariya nach Hekinan.Meitetsu: Basisfahrplan. Revision vom 18. März 2023, abgerufen am 10. Januar 2024.
Bilder
Geschichte mini|hochkant=0.6|links|Emblem der Mikawa Tetsudō Planung und Streckenbau Im November 1910 kamen 31 Personen in Kariya zusammen, um die Gründung der Hekikai Keibentetsudō vorzubereiten. Diese sollte eine dampfbetriebene Kleinbahn mit einer Spurweite von 762 mm errichten, die Ōhama mit der Tōkaidō-Hauptlinie in Chiryū verbinden sollte. Eine entsprechende Baugenehmigung wurde im Juli 1911 erteilt. Nur einen Monat später erhielt die Chikyō Keibentetsudō die Genehmigung für den Bau einer Kleinbahn von Chiryū nach Koromo (heute zu Toyota gehörend). Da die Besitzverhältnisse beider Gesellschaften teilweise deckungsgleich waren, kamen die Aktionäre überein, sich per 30. Mai 1912 zur Mikawa Tetsudō (kurz Mikatetsu) zusammenzuschließen. Ebenso fiel der Beschluss, die Spurweite auf die übliche Kapspur (1067 mm) zu ändern.
mini|links|Dampfzug der Mikawa Tetsudō auf der Takahama-Brücke (1914) Das Unternehmen begann im Januar 1913 mit den Bauarbeiten an der Strecke vom Bahnhof Kariya nach Ōhamakō (heute Bahnhof Hekinan), auch wenn diese aufgrund der Rezession nur langsam voranschritten. Die Eröffnung dieses Abschnitts erfolgte am 5. Februar 1914. Der Abschnitt zwischen Kariya und dem Bahnhof Chiryū (heute Mikawa Chiryū) folgte am 28. Oktober 1915. Nachdem es gelungen war, das finanziell angeschlagene Unternehmen zu sanieren, schlug die Geschäftsleitung der Mikatetsu im November 1916 eine Verlängerung von Mikawa Chiryū nach Sanage vor. Die Aktionäre waren mit dem Plan einverstanden und genehmigten zu diesem Zweck eine Kapitalerhöhung.Meitetsu: 名古屋鉄道社史, S. 293–294. Die Verlängerung der Strecke ging in mehreren Etappen in Betrieb: am 5. Juli 1920 von Mikawa Chiryū nach Tsuchihashi, am 31. August 1920 nach Uwa Goromo, am 1. November 1920 nach Koromo (heute Toyotashi), am 17. Januar 1922 nach Koshido und am 31. Oktober 1924 nach Sanage.
Nach einer weiteren Kapitalerhöhung im Februar 1924 beschloss die Mikatetsu, ihre Strecke an beiden Enden nach Asuke bzw. nach Gamagōri zu verlängern sowie die bestehende Strecke zu elektrifizieren.Meitetsu: 名古屋鉄道社史, S. 296–297. Die Umstellung auf elektrischen Betrieb zwischen Ōhamakō und Sanage erfolgte am 5. Februar 1926. Am südlichen Ende verkehrten die Züge ab 1. September 1926 über Ōhamakō hinaus nach Matsukijima und am 25. August 1926 nach Kira Yoshida. Am nördlichen Ende verliefen die Bauarbeiten zunächst ebenfalls problemlos. Die Strecke wurde am 26. August 1927 von Sanage nach Shidare verlängert, am 17. September 1927 nach Mikawa Hirose und am 22. Januar 1928 nach Nishi-Nakagane. Obwohl unmittelbar darauf die Arbeiten an der Verlängerung nach Asuke aufgenommen worden waren, konnte dieser Abschnitt wegen der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, der schlechten finanziellen Lage des Unternehmens und des Pazifikkriegs nie vollendet werden.
Fusion mit Meitetsu und Ausbau 1931 war die Übernahme der Mikatetsu durch die Aichi Denki Tetsudō (Aiden) an unüberbrückbaren Differenzen gescheitert.Meitetsu: 名古屋鉄道社史, S. 754. Zehn Jahre später kam sie durch die Vermittlung des Eisenbahnministeriums, die ohnehin eine Konsolidierung des Eisenbahnwesens mittels weitreichender Fusionen anstrebte, doch noch zustande. Am 1. Juni 1941 ging die Mikatetsu in der Meitetsu auf, der Nachfolgegesellschaft der Aiden, gleichzeitig erhielt die Strecke die Bezeichnung Mikawa-Linie. Kurz vor Kriegsende schoss ein amerikanischer P-51-Kampfjet am 14. August 1945 auf einen Zug, der gerade dabei war, in den Bahnhof Takemura einzufahren; dabei wurden zwei Menschen getötet und 75 weitere schwer verletzt.Meitetsu: 名古屋鉄道百年史. 1994, S. 216.
Eine neu errichtete Verbindungskurve bei Chiryū ermöglichte ab 17. September 1950 Direktverbindungen zwischen der Meitetsu Nagoya-Hauptlinie und dem südlichen Teil der Mikawa-Linie.Meitetsu: 名古屋鉄道百年史. 1994, S. 985. Dennoch blieb die Situation unbefriedigend, da von der Nagoya-Hauptlinie zur nördlichen Sektion der Mikawa-Linie weiterhin keine Gleisverbindung bestand, mit Ausnahme zweier umständlicher Spitzkehren über Ushida. Ebenso hielten die Züge in Bahnhöfen, die rund hundert Meter auseinander lagen; jene der Nagoya-Hauptlinie in Higashi-Chiryū und jene der Mikawa-Linie in Mikawa Chiryū. An der Nagoya-Hauptlinie ließ die Bahngesellschaft deshalb den neuen Bahnhof Chiryū errichten, der am 1. April 1959 in Betrieb ging. Sowohl die Nord- als auch die Südsektion der Mikawa-Linie werden seither von Osten her in diesen Bahnhof geführt. Dies hatte zur Folge, dass die Mikawa-Linie seither betrieblich zweigeteilt ist und die durchgehenden Verbindungen zwischen der nördlichen und der südlichen Sektion aufgegeben wurden. Andererseits entfernte man 1975 das direkte Gleis zwischen der Südsektion und Mikawa Chiryū.Meitetsu: 名古屋鉄道百年史. 1994, S. 1000.
Rationalisierung durch Teilstilllegung mini|links|Dieseltriebwagen auf der stillgelegten Yahagi-furukawa-Brücke (2003) Angesichts der zunehmenden Zahl verkehrender Züge und der damit verbundenen Kapazitätsengpässe schien es angebracht, die bisher vollständig eingleisige Mikawa-Linie punktuell zweigleisig auszubauen. Als erster ein zweites Gleis erhielt am 11. April 1976 der Abschnitt zwischen Chiryū und Shigehara, gefolgt von Kariya–Kariyashi am 14. Dezember 1980 und Umetsubo–Toyotashi am 1. Oktober 1986. Allerdings waren die in dünn besiedelten ländlichen Regionen liegenden Streckenenden stark defizitär. Als Sparmaßnahme setzte die Meitetsu ab 14. März 1985 auf dem Teilstück zwischen Sanage und Nishi-Nakagane Einzel-Dieseltriebwagen im Einmannbetrieb ein und entfernte dort anschließend die Oberleitung.Meitetsu: 名古屋鉄道百年史. 1994, S. 1058. Von der gleichen Maßnahme betroffen war am 1. Juli 1990 auch der Abschnitt zwischen Hekinan und Kira Yoshida.三河線も一部ワンマンに 名鉄、来月レールバス投入. In: Kōtsū Shimbun, 23. Juni 1990, S. 1. Andererseits erfolgte die schrittweise Einführung des Viertelstundentaktes zwischen Chiryū und Sanage sowie zwischen Chiryū und Hekinan.
Die anhaltende Landflucht hatte zur Folge, dass die äußeren Streckenenden trotz des Einsatzes von Dieseltriebwagen weiterhin verlustbringend waren und in hohem Maße quersubventioniert werden mussten. Darüber hinaus bestand dringender Sanierungsbedarf. Im März 2000 gab die Meitetsu-Geschäftsführung die baldige Stilllegung aller Strecken bekannt, die eine Benutzungsfrequenz von weniger als 2000 Fahrgästen täglich aufwiesen. Betroffen waren sechs Abschnitte, darunter die beiden Streckenenden der Mikawa-Linien.名鉄が赤字鉄道廃止 岐阜・愛知両県の6線区 地元に意向: In: Chūnichi Shimbun, 25. November 1998, S. 1. Die Stilllegung der Abschnitte Sanage–Nishi-Nakagane und Hekinan–Kira Yoshida sowie deren Ersatz durch Buslinien erfolgte schließlich am 1. April 2004.名鉄三河線 猿投-西中金間と碧南-吉良吉田間 2線区廃止 バス代替輸送. In: Kōtsū Shimbun, 7. April 2004, S. 3.
Liste der Bahnhöfe mini|Triebzug der Baureihe 6800 im Bahnhof Kariyashi In Betrieb Name km Anschlusslinien Lage Ort MY11 Sanage () 0,0 Toyota MY10 Hiratobashi () 1,1 MY09 Koshido () 2,2 MY08 Umetsubo () 4,2 Meitetsu Toyota-Linie MY07 Toyotashi () 5,6 Aichi-Ringlinie MY06 Uwa Goromo () 7,4 Meitetsu Koromo-Linie (1929–2002) MY05 Tsuchihashi () 10,2 MY04 Takemura () 12,8 MY03 Wakabayashi () 15,1 MY02 Mikawa Yatsuhashi () 17,5 MY01 Mikawa Chiryū () 20,6 Chiryū NH19 Chiryū () 21,3 Meitetsu Nagoya-Hauptlinie MU01 Shigehara () 23,5 MU02 Kariya () 25,2 Tōkaidō-Hauptlinie Kariya MU03 Kariyashi () 26,8 MU04 Ogakie () 29,4 MU05 Yoshihama () 31,4 Takahama MU06 Mikawa Takahama () 33,3 MU07 Takahama-minato () 34,3 MU08 Kita-Shinkawa () 36,1 Hekinan MU09 Shinkawa-machi () 37,1 MU10 Hekinan-chūō () 38,2 MU11 Hekinan () 39,8
Stillgelegte Streckenabschnitte mini|Das frühere Empfangsgebäude in Mikawa Mifune ist als Baudenkmal geschützt mini|Der frühere Bahnhof Tanao mit Radweg Südsektion Name km Lage Ort Hekinan () 0,0 Hekinan Tamatsu-ura () 0,7 Tanao () 1,6 Mikawa Asahi () 2,3 Nakabata () 3,8 Nishio Mikawa Heisaka () 4,8 Mikawa Kusu () 5,9 Terazu () 7,9 Nishi-Ishiki () 10,2 Mikawa Ishiki () 11,7 Matsukijima () 13,7 Kira Yoshida () 16,4 Nordsektion Name km Lage Ort Nishi-Nakagane () 0,0 Toyota Mikawa Hirose () 1,5 Shidare () 4,5 Mikawa Mifune () 5,8 Sanage () 8,6
Literatur
Weblinks
Informationen zur Südsektion der Meitetsu Mikawa-Linie (englisch) Informationen zur Nordsektion der Meitetsu Mikawa-Linie (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Japan