mini|In der St. Bride’s Church (Fleet Street) erinnert eine Gedenktafel an William Charles Wells mini|hochkant|Titelseite von Two essays… (1818) mini|hochkant|Titelseite von Wells Dissertation De frigore (1780)
William Charles Wells (* 24. Mai 1757 in Charleston; † 18. September 1817 in London) war ein schottischer Arzt. Seine bekannteste Schrift ist sein Essay über den Tau aus dem Jahr 1814. Es wurde ins Französische (1817) und Deutsche (1821) übersetzt.
Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung Wells war das vierte Kind von Robert Wells (* 10. August 1728; † 12. Juli 1794) und dessen Frau Mary Rowand (* 27. Dezember 1728; † 21. Juni 1805). Wells aus Schottland stammende Eltern hatten sich 1753 in Charleston in South Carolina niedergelassen. Wells loyalistisch eingestellter Vater war Drucker und Buchhändler, der auch NotenwerkeBonny H. Miller: A Songbook and a Sea Voyage: The Legacy of Louisa Wells Aikman. In: The Bulletin of the Society for American Music. Band 36, Nr. 1, 2010, S. 1–3 (PDF). vertrieb. Dieser gab ab 1758 die Zeitung South-Carolina Weekly GazetteClarence Saunders Brigham: Bibliography of American Newspapers, 1690–1820. Part XVI: South Carolina. In: Proceedings of the American Antiquarian Society. Band 34, 1924, S. 286. heraus, die 1764 in The South-Carolina and American General GazetteClarence Saunders Brigham: Bibliography of American Newspapers, 1690–1820. Part XVI: South Carolina. In: Proceedings of the American Antiquarian Society. Band 34, 1924, S. 280. umbenannt wurde. Seine Geschwister sind John Wells (2. Juli 1752; † 19. Oktober 1799)Eintrag bei Find a Grave, abgerufen am 8. Januar 2024., Louisa Susannah Wells (verheiratete Louisa Susannah Aikman, * 17. Oktober 1755.; † 29. November 1831)[Obituary notice of Louisa-Susannah Aikman.] In: The Gentleman’s Magazine. Band 101, Dezember 1831, S. 571 (online)., Griselda WellsLouisa Susannah Wells: The journal of a voyage from Charlestown, S. C., to London undertaken during the American revolution by a daughter of an eminent American loyalist. New York 1906, S. 110 (online). und Helena Wells (verheiratete Helena Whitford, * 1761?; † 6. Juli 1824).
1768 besuchte Wells die Schule im schottischen Dumfries und ab Herbst 1770 die University of Edinburgh. Dort freundete er sich mit David Hume einem Neffen des Philosophen David Hume und William Miller (1755–1846) an. Im Sommer 1771 kehrte er nach Charleston zurück und wurde Lehrling von Alexander Garden (1730–1791).
Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs musste Wells Vater 1775 Charleston verlassen. Drei Monate später folgte Wells ihm nach England, wo er im Herbst 1775 in Edinburgh ein Medizinstudium begann und bis 1778 lebte. Im Sommer 1778 bestand er die vorbereitenden Prüfungen, die zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin notwendig waren, graduierte aber noch nicht. Im Herbst kehrte er nach London zurück und besuchte dort die Kurse von William Hunter über Anatomie und Geburtshilfe. Außerdem wurde er für drei Monate Schüler am St. Bartholomew’s Hospital. Anfang 1779 ging Wells in die Republik der Vereinigten Niederlande und diente als Arzt in einem schottischen Regiment. Nachdem es zu Auseinandersetzungen mit seinem Regimentschef gekommen war, legte Wells seinen Posten schon bald nieder. Anfang 1780 studierte er drei Monate lang Medizin in Leiden und bereitete seine Dissertation mit dem Titel De frigore (Von der Kälte) vor. Am 24. Juni 1780 verteidigte er in Edinburgh unter William Robertson seine Dissertation und wurde Doktor der Medizin. Zu dieser Zeit lernte er William Lister (1756–1830) kennen.
Drucker in Amerika Anfang 1781 kehrte Wells, von seinem Vater dazu aufgefordert, erneut nach Charleston zurück. Er sollte sich um die Angelegenheiten seines Vaters kümmern, die Wells Bruder John nur unzureichend regelte. Im März 1781 hatten Robert und John Wells die halbwöchentlich erscheinende Zeitung The Royal Gazette gegründet.Clarence Saunders Brigham: Bibliography of American Newspapers, 1690–1820. Part XVI: South Carolina. In: Proceedings of the American Antiquarian Society. Band 34, 1924, S. 278–279. Wells überredete seinen Bruder nach England zurückzukehren und sich mit ihrem Vater auszusöhnen und versprach sich bis zu dessen Rückkehr um alle seine Geschäfte zu kümmern. Im Dezember 1782 ordneten die Briten die Evakuierung von Charleston an. Wells ging nach St. Augustine in Florida, wo er eine Druckerpresse zusammenbaute, die er in Einzelteilen mitgebracht hatte. Im Namen seines Bruders begann er mit dem Druck der East-Florida Gazette, der ersten Wochenzeitung Floridas.Horance G. Davis Jr.: Pensacola Newspapers, 1821–1900. In: The Florida Historical Quarterly. Band 37, Nr. 3–4, 1959, S. 418 ().Lawrence Counselman Wroth: The colonial printer. Portland 1938, S. 51–53 (online). Als sein Bruder John aus England zurückgekehrt war schiffte sich Wells im Mai 1784 in St. Augustine ein und kehrte nach Großbritannien zurück.
Mediziner in Edinburgh Nach seiner Rückkehr lernte er Matthew Baillie kennen und dachte über seine berufliche Zukunft nach. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Paris im Jahr 1785 eröffnete Wells, mit geliehenem Geld, in London eine Arztpraxis. Am 17. März 1788 wurde er als Lizenziat am Royal College of Physicians zugelassen.William Munk: The roll of the Royal College of Physicians of London; comprising biographical sketches of all the eminent physicians, whose names are recorded in the annals from the foundation of the College in 1518 to its removal in 1825 from Warwick Lane to Pall Mall East. 2. Auflage, Band 2, London 1878, S. 379–383 (online). Am 3. September 1789 wurde zum Arzt am Finsbury Dispensary gewählt. Er war dort bis zum 11. Dezember 1799 im Amt. 1792 erschien Wells An essay upon single vision with two eyes über beidäugiges Sehen. Im November 1795 wurde er Assistenzarzt am St. Thomas’ Hospital und 1800 schließlich Arzt, eine Position, die er bis ans Lebensende innehatte.
Publizist seit 1800 1800 hatte Wells einen leichten Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr vollständig erholte. Fast alle seine medizinischen Artikel erscheinen von 1800 bis 1812 in den Transactions of a Society for the Improvement of Medical and Chirurgical Knowledge. Für das The Gentleman’s Magazine verfasste Wells ab 1800 biografische Abrisse, so über Anthony Lambert (1758–1800), George Wilson († 1800), George Fordyce, John Savage († 1804) und David Pitcairn (1749–1809).
Wells starb an den Folgen eines Hydrothorax in seiner Unterkunft in Serjeants’ Inn in der Chancery Lane. Er wurde in der St. Bride’s Church in der Fleet Street bestattet, in der im Auftrag seiner Schwester Louisa Susannah eine Gedenktafel, mit einem von Lister verfassten Text, errichtet wurde.J. B. N.: [Tablet in Memory of Dr. Wells.] In: The Gentleman’s Magazine. Band 91, Juni 1821, S. 505 (online).
Kurz vor seinem Tod diktierte Wells seinem Freund Samuel Patrick seine Autobiografie. Wells war nicht verheiratet. Ein Bildnis von ihm ist nicht bekannt.
Über den Tau 1814 veröffentlichte Wells sein Essay über den Tau An essay on dew, and several appearances connected with it (dt.: Ein Essay über Tau und einige damit verbundene Erscheinungen) für die er noch im gleichen Jahr mit der Rumford-Medaille der Royal Society ausgezeichnet wurde.
Seit Aristoteles’ Meteorologica war bekannt, dass sich Tau in wolkenlosen Nächten mit wenig oder keinem Wind bildet. Man hielt den Tau für unsichtbaren Regen oder erklärte ihn mit dem „Schwitzen“ der Pflanzen. Nach eigener Angabe hatte Wells bereits im Herbst 1784 darüber spekuliert, dass die Taubildung mit der Erzeugung von Kälte verbunden sein muss.
In einem 1788 in den Transactions of the Royal Society of Edinburgh veröffentlichten Aufsatz über den Reif äußerte Patrick Wilson (1743–1811) eine ähnliche Vermutung.Patrick Wilson: Experiments and observations upon a remarkable cold which accompanies the separation of boar frost from a clear air. In: Transactions of the Royal Society of Edinburgh. Band 1, Nr. 2, 1788, S. 146–177 (online). Im gleichen Jahr beobachtete James Six (1731–1793), dass an klaren, tauigen Nächten ein in der Höhe angebrachtes Thermometer eine niedrigere Temperatur anzeigte als ein auf dem Boden befindliches.James Six: Experiment on local heat. In a letter from James Six, Esq. to the Rev. Francis Wollaston, LL. B. F. R. S. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 78, Nr. 78, 1788, S. 103–120 (doi:10.1098/rstl.1788.0009). Die kühlere Temperatur am Boden wurde als Folge des Taues angesehen.
Wells wiederholte die älteren Experimente und ersann zahlreiche neue. Er quantifizierte die Erscheinung der Taubildung, indem er die Lufttemperatur in verschiedenen Höhen maß, und die Menge des abgeschiedenen Kondenswassers auf Wollproben wog. Wells stellte fest, dass die Taubildung sowohl auf toten als auch lebenden Pflanzenteilen erfolgte. Er fand, dass dunklere Objekte mehr Tau erzeugten als helle. Aus den Ergebnissen seiner Experimente schloss Wells, dass der in der Luft enthalten Wasserdampf durch Wärmeausstrahlung auf Boden und Pflanzen in Form von Tau kondensierte.Nicholas J. Wade: Destined for Distinguished Oblivion. The Scientific Vision of William Charles Wells (1757–1817). Kluwer Academic Publishers, New York 2003, ISBN 978-0-306-47385-2, S. 5–10
John Tyndall würdigte 1863 in seiner an der Royal Institution abgehaltene Vorlesungsreihe Heat considered as a mode of motion die anschaulichen und geschickten Experimente Wells, die zur Erklärung der Taubildung geführt hatte und die aller nachfolgenden Kritik widerstand.John Tyndall: Heat considered as a mode of motion. London 1863, S. 400–404 (online).
Das Essay wurde ins Französische (1817) und Deutsche (1821) übersetzt.
Der Fall Hannah West Kurz nach Wells Tod erschien 1818 der Artikel An account of a female of the white race of mankind, part of whose skin resembles that of a negro; with some observations on the causes of the differences in colour and form between the white and negro races of men. Dabei handelt es sich um einen Artikel der bereits am 1. und 8. April 1813[Alexander Tilloch]: Proceedings of Learned Societies. In: The Philosophical Magazine. Band 41, 1813, S. 302–303 (online).[Thomas Thomson]: Proceedings of Philosophical Societies. In: Annals of Philosophy. Band 1, Mai 1813, S. 312–383 (online). bei einem Treffen der Mitglieder der Royal Society vorgetragen wurde, aber nicht in den Philosophical Transactions veröffentlicht wurde. Wells berichtet darin über die 23-jährige Hannah West, deren weiße Haut an linker Schulter, Arm, Vorarm sowie der Hand seit ihrer Geburt schwarz gefärbt war. Weder ihre Eltern, noch ihre elf Geschwistern wiesen eine abnorme Hautfärbung auf.Hermann Beigel: Beitrag zur Geschichte und Pathologie des Albinismus partialis und der Vitiligo, und über Nigrismus. In: Nova acta Academiae Caesareae Leopoldino-Carolinae Germanicae Naturae Curiosorum. Band 31, 1864, S. 21 (online).Stephen Jay Gould: Unorthodoxies in the first formulation of natural selection. In: Evolution. Band 37, Nr. 4, 1983, S. 856–858 (doi:10.2307/2407927).