mini|Jeanne Boitel (1939) Jeanne Marie Andrée Boitel (geboren am 4. Januar 1904 in Paris; gestorben am 7. August 1987 ebenda) war eine französische Schauspielerin. In den 1930ern galt sie als Star; sie weigerte sich, während der Besatzungszeit zu drehen, und wurde in der Résistance aktiv.

Leben und Wirken Künstlerische Laufbahn Jeanne Boitel stand schon mit 19 Jahren auf der Bühne und besuchte den Schauspiellehrgang des Pariser Konservatorium, den sie 1924 abschloss. Nach einem guten Start als Theaterschauspielerin, ihre Schönheit und ihr Gesangstalent brachten ihr die Avancen von Filmregisseuren ein, drehte sie ab 1931 Filme unter der Regie von Viktor Tourjansky, Georges Lacombe und schließlich Jean Renoir. Ihre natürliche Vornehmheit bestimmte sie für die Rollen einer raffinierten Grande Dame – und machte sie auch dazu. In den 1930er Jahren drehte sie etwa 30 Filme. Während der Besatzungszeit lehnte sie jegliche Kompromisse mit den deutschen Besatzern ab, die von 1940 bis 1944 die gesamte Filmproduktion kontrollierten, und kehrte zu ihrer ursprünglichen Leidenschaft für das Theater zurück, gleichzeitig arbeitete sie für die Résistance.

Durch ihr Engagement in der Résistance lernte sie Jacques Jaujard, den Konservator des Louvre-Museums, kennen. Unter dem Decknamen „Mozart“ wurde sie zu ihm geschickt, um die von ihm versteckten Kunstwerke zu inventarisieren und über deren Schicksal zu diskutieren. Sie verliebten sich in einander und heirateten nach dem Krieg.

Nach dem Krieg hielt sie sich für zu alt, um ihre Filmkarriere fortzusetzen, und trat in die Comédie-Française ein, wo sie von 1947 bis 1966 spielte. Sie kehrte erst 1954 in bescheidenem Umfang ins Kino zurück, nachdem Sacha Guitry, der mit ihr vor dem Krieg in Remontons les Champs-Élysées gespielt hatte, sie umworben und schließlich überzeugt hatte, im Film Versailles – Könige und Frauen und einigen anderen Filmen mitzuwirken. Ihren letzten Auftritt auf der Leinwand hatte sie dann als Madame Maigret in Kommissar Maigret stellt eine Falle an der Seite von Jean Gabin. Diese Rolle brachte ihr dauerhaften Ruhm ein, da sie lange Zeit die einzige Madame Maigret im Kino blieb.

Nachdem sie noch für das Fernsehen gedreht hatte, zog sie sich mit 70 Jahren endgültig aus dem Filmgeschäft zurück.

Tätigkeit in der Résistance Während der Besatzungszeit wurde Jeanne Boitel zusammen mit acht anderen Schauspielerinnen von Henri Rollan (Deckname „Bach“), einem Professor am Konservatorium und renommierten Schauspieler an der Comédie-Française und am Odéon, angeworben, um ein geheimes Netzwerk aufzubauen, das während der gesamten Besatzungszeit die Unterbringung und die Anleitung der Abgesandten aus London in Paris sicherstellte, darunter die bedeutendsten Persönlichkeiten der Résistance von Jean Moulin und Alexandre Parodi bis hin zu Pierre Brossolette und Gaston Defferre. Sie bereiteten die Treffen vor und sorgten für die Erkundung, bevor diese Persönlichkeiten zu Treffen oder in ihre Unterkunft kamen. Die neun „Musen“ waren sich der Verantwortung bewusst und ihre Verhaftung wäre katastrophal gewesen, doch „Bach“ und „Mozart“ blieben so diskret, dass sie sogar nach dem Krieg ein wenig in Vergessenheit gerieten.

Boitel, die jeden Tag eine mit Telegramm und Dokumenten vollgestopfte Aktentasche mit sich führte, sagte: „C’était une volupté […] de me trouver dans le métro, avec cette serviette, serrée contre les Allemands.“ (Übersetzung: Es war eine Wollust, mit dieser Aktentasche mit der Metro zu fahren, eng an die Deutschen gepresst.)Élisabeth Terrenoire: Combattantes sans uniforme: les femmes dans la résistance. Bloud et Gay, 1946, S. 12.

Privates Der Ehe mit Jacques Jaujard entstammte ein Sohn, der Übersetzer und Autor François-Xavier Jaujard (1946–1996). Am 7. August 1987 starb sie im Alter von 83 Jahren.

Sie war Präsidentin der Union catholique du théâtre et de la musique.

Ehrungen Für ihren Mut wurde Boitel mit dem Croix de guerre, der Rosette de la Résistance und der Aufnahme in die Ehrenlegion geehrt.

Filmografie (Auswahl)

Theaterauftritte (Auswahl) 1924: Ysabeau von Paul Fort, Regie: Firmin Gémier, Théâtre de l’Odéon 1925: Faust nach Goethe, Regie: Firmin Gémier, Théâtre de l’Odéon 1925: Le Rosaire von André Bisson, Théâtre de l’Odéon 1937: Le Mari singulier von Luc Durtain, Théâtre de l’Odéon 1938: Le Comédien von Sacha Guitry (auch Regie), Théâtre de la Madeleine 1938: Dostoïevski von Alexandra Roubé-Jansky, Regie: André Moreau, Paris, Théâtre Hébertot 1943: La Dame de minuit von Jean de Létraz, Regie: Denis d’Inès, Théâtre de l’Apollo 1945: L’Aiglon von Edmond Rostand, Regie: Maurice Lehmann, Théâtre du Châtelet 1947: Ruy Blas von Victor Hugo, Regie: Pierre Dux, Comédie-Française 1952: Les Nuées von Aristophanes, Regie: Socrato Carandinos, Comédie-Française 1952: Britannicus von Racine; Regie, Bühnenbild und Kostüme: Jean Marais; Comédie-Française, die Rolle der Albine im Wechsel mit Louise Conte 1952: Duo von Paul Géraldy, Regie: Pierre Dux, Comédie-Française 1959: Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand, Regie: Charles Gantillon, Jean Le Poulain, Théâtre des Célestins 1962: La Troupe du Roy, eine Hommage an Molière, Regie. Paul-Émile Deiber, Comédie-Française 1963: La Foire aux sentiments von Roger Ferdinand, Regie: Raymond Gérôme, Comédie-Française

Einzelnachweise

Weblinks

Jeanne Boitel bei allocine.fr (französisch) Jeanne Boitel bei unifrance.org (französisch) Jeanne Boitel bei cineartistes.com (französisch, Archivlink) Theaterauftritte bei Les Archives du spectacle (französisch)

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