mini|St. Rochus in Schlichting mini|Innenansicht Die Kirche St. Rochus liegt auf der Warft der Gemeinde Schlichting im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Dithmarschen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.
Geschichte und Beschreibung Eine Kirche in Schlichting wurde erst 1544 erwähnt, bestand aber vermutlich schon in vorreformatorischer Zeit, wie das Patrozinium des Pestheiligen Rochus vermuten lässt, dessen Verehrung sich in Norddeutschland gegen 1500 verbreitete. Schlichting war jedoch kein eigenständiges Kirchspiel, sondern gehörte zu Hennstedt. Trotzdem war St.-Rochus-Kirche keine Filialkirche der Hennstedter St.-Secundus-Kirche, sondern vermutlich wie die St.-Anna-Kirche im benachbarten Sankt Annen eine Eigenkirche der führenden Familie des Ortes, der Itzemannen, die aus eigenen Mitteln errichtet wurde und deren Patronat unterstand. Das Geld für den Kirchbau stammte möglicherweise aus der bei der Schlacht von Hemmingstedt 1500 gemachten Beute.
Die Saalkirche wurde mehrfach umgebaut und renoviert. Sie besteht aus einem Langhaus, das im Osten dreiseitig geschlossen ist. Dem Westteil des Satteldachs wurde 1759 ein achteckiger, mit einem spitzen Helm bedeckter Dachreiter aufgesetzt, in dem eine 1595 gegossene Glocke aufgehängt ist und der nach Blitzeinschlag 1869 erneuert wurde. Der Westteil des Innenraums ist mit einer niedrigen Holzbalkendecke, der Ostteil mit einem Tonnengewölbe überspannt.
Zur Kirchenausstattung gehört ein im Stil des Akanthusbarock geschnitzter Altar von 1720. Die Figur des gekreuzigten Jesus Christus vor einer gemalten Landschaft mit der Stadt Jerusalem im Mittelpunkt des in Form einer Ädikula gestalteten Mittelbildes ist eine um 1500 entstandene spätgotische Arbeit. Gerahmt wird sie von Putten, sowie von Maria und Johannes, die vor den flankierenden Pilastern stehen. In der aufbrechenden Giebelzone befindet sich die Figur des Auferstandenen. Auf der Predella ist das Abendmahl dargestellt. Zu den liturgischen Geräten zählt ein Kelch von 1588.
Auch die übrige Ausstattung stammt aus der Zeit um 1720. Das links vom Altar aufgestellte hölzerne Taufbecken ist inschriftlich auf 1727 datiert. Es hat die Form einer Vase, wobei die aus den Ornamenten herauswachsenden Wellen das Taufwasser symbolisieren. Die lange Inschrift lautet: „Die Tauf die Seligkeit bescheret / Auch uns Sünd Tod Teufel wehret / Der Glaub und Christi Worten Krafft / Nicht Wasser solchen Nutzen schafft / Der alte Mensch soll täglich sterben / Der Seele neue Gnad erwerben / Das Aug allein das Wasser sieht / Die Vergebung durch den Geist geschieht / Der Tauf sei darum hoch die Kinder / Weil sie von Mutterleib an Sünder / Die Kinder auch an Christum glauben / Drum sie des Taufs nicht zu berauben.“ Sie erinnert an die Bedeutung der Taufe und betont die Notwendigkeit der Kindertaufe zur Rettung vor der Erbsünde. Zum Taufbecken gehören zwei Taufdeckel, ein schlichter, gleichzeitig entstandener Halbkugel mit Griff und ein aufwendig geschnitzter Aufbau mit einer von Putten umgebenen figürlichen Darstellung der Taufe Jesu.
Die Kanzel mit geschnitzten Figuren des Heilandes und der Evangelisten stammt von 1728; sie wird von einem kauernden Mose mit den Gesetzestafeln getragen.
Die Kirche ist ein geschütztes Kulturdenkmal mit der Objekt-ID 3759 im Denkmalschutzgesetz.
Kirchengemeinde Die Kirchengemeinde Schlichting wurde erst 1875 eigenständig. Sie ist die kleinste selbständige Kirchengemeinde in Dithmarschen, zu der außer dem Kirchdorf selbst keine weiteren Dörfer gehören. Die Gemeinde teilt sich die Pastorin mit der St.-Anna-Kirche von Sankt Annen. Beide Gemeinden sind seit 2023 Teil des Pfarrsprengels Hemme / Lunden / St. Annen / Schlichting, zu dem außerdem die Mutterkirche in Lunden und die Marienkirche von Hemme gehören.
Literatur
Weblinks
Schlichting auf der Website des Kirchenkreises
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Kreis Dithmarschen Kategorie:Kulturdenkmal in Schlichting Kategorie:Rochuskirche Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Dithmarschen Kategorie:Saalkirche in Schleswig-Holstein Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Schleswig-Holstein Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude in Europa