mini|hochkant=1.40|Ansichtskarte Friedrichshafen am Bodensee (Bildmontage) Der Deutsche Luftfahrer-Verband entstand am 9. Oktober 1911 durch Namensänderung aus dem am 28. Dezember 1902 gegründeten Berliner Deutschen Luftschiffer-Verband unter Vorsitz von Carl Busley (1850–1928). Busley war es gelungen, die verschiedenen deutschen Luftschiffervereine in einem Dachverband zu vereinen und mit der Änderung des Namens nicht mehr allein den Ballonen und Luftschiffen den Vorrang einzuräumen, sondern das Hauptaugenmerk mehr auf Flugmaschinen und Flugzeuge zu richten. Der Verband verfolgte das Ziel, den Luftsport in Deutschland zu vereinen, weiterzuentwickeln und zu fördern.

Geschichte Die Vorgeschichte der deutschen Luftschifffahrt mini|Wissenschaftliche Fahrt mit dem Ballon Humboldt: Arthur Berson, Richard Aßmann und Hans Groß

Im Jahre 1881 am 8. November gründete sich der Deutsche Verein zur Förderung der Luftschifffahrt. Diese erste luftfahrttechnische Organisation Deutschlands führte von 1888 bis 1899 bemannte und unbenannte Forschungsballonfahrten durch. Später führte die Entwicklung zur Einrichtung des preußischen Luftschiff-Detachements.

Deutscher Luftschiffer-Verband 1902 In Deutschland war die meteorologische Luftschifffahrt, die von akademischen Vereinen mit wissenschaftlichen Ballonfahrten durchgeführt wurde, gängige Praxis. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren diese Aktivitäten vorrangig und der Luftsport in Deutschland nicht entwickelt. Die Wende hin zum sportlichen Fliegen begann erst im Jahre 1900 mit der Weltausstellung in Paris. Federführend für die Entwicklung des Luftsports war dort der Aéro-Club de France, der Ausschreibungen für einige Weltrekordflüge im Ballonwettfahren initiierte. Als für einen bedeutsamen Rekord aus dem Jahre 1900 galt ein Ballonfahrtwettbewerb von Frankreich nach Russland, der internationale Aufmerksamkeit erregte und als Geburtsstunde des Luftsports galt. Diesen Rekord, in 35 Stunden 45 Minuten mit im Freiballon Centaure gefahrenen 1925 Kilometern, stellten die französischen Aeronauten und Ballonfahrer Henry de La Vaulx und Joseph Félix Georges, Graf Castilion de Saint Victor (1870–1962) auf.

Die Gründung Mit großem Geschick war es Carl Busley im Jahre 1902 gelungen, die luftsporttreibenden deutschen Vereine in einem Zentralverband zu vereinen. Die Argumente Busleys zu diesem Schritt waren gemeinsame Interessen der Vereine, Wetteifern, Wettstreit und dass man beim Luftsportwettbewerb um einen Preis streiten müsste. An der Gründungskonferenz in Augsburg waren die Vorstände der Vereine für Luftschifffahrt aus München, Augsburg, Berlin und Straßburg beteiligt. Noch standen Fahrten mit Luftschiffen und Ballonen im Vordergrund und es existierten fünf Vereine mit zehn Ballonen.

Der Vorstand Der Vorstand setzte sich aus den Vorsitzenden der Gründungsvereine zusammen. Carl Busley Vorsitzender aus Berlin; Berliner Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 31. August 1881–1931 Carl Neureuther (1838–1921) (Generalmajor) aus München; Münchner Verein für Luftschifffahrt, gegründet 1889 August von Parseval (Hauptmann) aus Augsburg; Augsburger Verein für Luftschiffahrt e. V., gegründet am 28. Juni 1901 Hugo Hergesell Geheimrat und Professor aus Straßburg; Oberrheinischer Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 24. Juli 1896 Beisitzers im Präsidium Richard Abegg, Ballonfahrer, Chemiker und Fotograf

Weitere zugehörige Vereine Niederrheinischer Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 15. Dezember 1902 in Barmen Posener Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 2. Dezember 1902 Ostdeutscher Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 11. Juni 1911 in Graudenz Koblenzer Verein für Luftschiffahrt, gegründet am 11. Mai 1905 Fränkischer Verein für Luftschiffahrt, 12. Mai 1905 in Würzburg

Die Satzung von 1902 (Auszug) mini|Mitgliederabzeichen Deutscher Luftschiffer Verband 1905 §1 Der Deutsche Luftschiffer-Verband besteht aus einer Vereinigung von Luftschiffer-vereinen, welche Luftfahrten wissenschaftlicher oder sportlicher Natur ohne gewerbsmäßige Führer veranstalten, und bezweckt die Förderung gemeinsamer Interessen der Luftschifffahrt a) Herausgabe der „Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt“ als Verbandszeitschrift und amtliches Organ des Vereins (Herausgeber Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck). Diese Zeitung erschien von 1898 bis 1909 als „Illustrierte Aeronautische Mitteilungen“, 1910 wechselte der Name in „Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt“ und erschien dann von 1912 bis 1919 als „Deutsche Luftfahrer-Zeitschrift. Amtsblatt des Deutschen Luftfahrer-Verbandes. Offizielles Organ der Abteilung der Flugzeug-Industriellen im Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller“. b) Publikation eines gemeinsamen Verbandsjahrbuches c) Aufrechterhaltung einer einheitlichen Führerinstruktion (Ausbildung für Luftfahrer) d) Erteilung der Führerberechtigung (Luftfahrerschein bzw. Pilotenschein) seitens der Vereine nach gemeinsamen im Verband festgestellten Grundsätzen, seinerzeit als „Grundgesetz“ bezeichnet.

1905 Eintritt in den Fédération Aéronautique Internationale Die Anregung von Henry de La Vaulx aus dem Jahre 1904, Vizepräsident des Aéro-Club de France, zur Gründung eines internationalen Verbands für Luftschifffahrt führten bei Busley als Mitbegründer zu Bestrebungen, den Luftsport mit einheitlichen Regeln auch im internationalen Maßstab voranzubringen. Nach Verhandlungen mit den jeweiligen nationalen Dachverbänden kam es in Paris am 14. Oktober 1905 zur Gründung des Internationalen Aeronautischen Verbandes (Fédération Aéronautique Internationale (FAI)). Carl Busley wurde zum Vizepräsidenten dieser internationalen Vereinigung gewählt.

In der Zeit von 1908 bis 1909 traten dem Deutschen Luftschiffer-Verband auch Organisationen bei, die selbst keine angewandte Luftfahrt betrieben, so der Bayerische Automobil-Club, der Kaiserliche Automobil-Club, die Deutsche Motorrad-Vereinigung und der Deutsche Touring-Club. Mit eigenen Luftfahrtabteilungen unterstützten sie die Entwicklung und Ideen der Luftfahrt mit ihren technischen Innovationen und sportlichen Aspekten.

Dritte Gordon-Bennett-Wettfahrt 1908 mini|Erinnerungsplakette 1908 vom Berliner Verein für Luftschiffahrt Vom 10. bis 12. Oktober 1908 fand die 3. Gordon-Bennett-Wettfahrt in Berlin statt. Veranstaltet vom Deutschen Luftschiffer-Verband durch den Berliner Verein für Luftschiffahrt. Die Sportkommission bestand aus Carl Busley, Alfred Hildebrandt, Hermann Moedebeck und August Riedinger als Sportkommissare und Eschenbach als Justitiar, zur Überwachung des regelgerechten Ablaufs der Wettfahrten und der erzielten Zeiten für die Platzierungen.

Deutscher Luftfahrer-Verband 1911 Die Weiterentwicklung mini|Veranstalter Berliner Verein für Luftschiffahrt, Kaiserlicher Automobilclub und Kaiserlichen Aero-Club (1912) Am 9. Oktober 1911, dem Tag der Gründungskonferenz, wählten die Delegierten ihren Vorsitzenden Carl Busley und als Schriftführer Hugo Hergesell. Mit der Umbenennung in Deutscher Luftfahrer-Verband trug man der modernen Entwicklung hin zu nicht motorisierten und motorisierten Flugmaschinen Rechnung.

Mit der Gründung des Dachverbands war eine sprunghafte Entwicklung der Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Im Jahre 1912 waren es schon 74.000 Mitglieder mit 74 Regionalvereinen und mehr als 130 Freiballons und 107 Freiballonführern und im Jahre 1913 verzeichnete der Verband 78.000 Mitglieder in 88 Vereinen.

Erste Pilotenscheine der Alten Adler (Auswahl)

Die Flugpioniere, die vor dem 1. August 1914 (Ausbruch des Ersten Weltkriegs) ihre Prüfung zum Flugzeugführer gemäß den Bestimmungen des Deutschen Luftfahrer-Verbandes ablegten, bezeichneten sich als Alte Adler. Ferdinand von Hiddessen – 17. Januar 1911 Carl Wilhelm Witterstätter – 17. Januar 1911 Bruno Büchner – 3. Februar 1911 Albert Rupp – 17. Februar 1911 Georg Schendel – 17. Februar 1911 Hellmuth Hirth (Flugzeugführerpatent Nr. 79) – 11. März 1911 Alfred Mahncke – 1. April 1911 Reinhold Jahnow – 10. April 1911

Der Vorstand von 1912 Geschäftsstelle: Berlin W 30, Nollendorfplatz 3. Fernsprecher: Amt Lützow 3605 und 5999, Nollendorf 945. Telegramm-Adresse: Luftschiff, Berlin. Präsident: Generalleutnant z. D. (zur Disposition) Freiherr von Goltz, Berlin Stellvertretender Präsident: Geheimer Regierungsrat Professor Hugo Hergesell, Straßburg Vertreter: Weißwange, Dresden; Geheimer Regierungsrat Professor Anton Miethe, Berlin-Halensee Vertreter: Professor Arthur Berson, Berlin Stellvertreter des Präsidenten im Vorstandsrat: General der Infanterie z. D. Hans Gaede, Freiburg im Breisgau; Professor Julius Precht, Hannover Vertreter: Professor Gocht, Halle (Saale); Justizrat Victor Niemeyer, Essen-Ruhr Vertreter: Professor Karl Bernhard Bamler, Rellinghausen-Ruhr; Professor Johann Schütte, Danzig Vertreter: Major von Schoenermark, Berlin; Joseph, Frankfurt a. M. Vertreter: Julius, Berlin, Nürnberg; Major von Abercron, Mühlheim am Rhein, J. P. H. de la Croix, Rittergut Haasel-Niederlausitz; Adalbert von Francken-Sierstorpff, Berlin Vertreter: Hauptmann der Reserve Richard von Kehler, Berlin; August Euler, Frankfurt a. M. Vertreter: Sperling, Berlin Ehrenpräsidenten: Generalleutnant Stephan von Nieber und General der Kavallerie z. D. Graf Ferdinand von Zeppelin und General à la suite Sr. Majestät des Königs von Württemberg Ehrenmitglieder: Geh. Reg.-Rat Professor Carl Busley, Professor Karl Bernhard Bamler und Hauptmann a. D. Alfred Hildebrandt

Der Vorstandsrat Vorsitzender: Generalleutnant z.D. Freiherr von der Goltz. Stellvertretender Vorsitzender: General der Infanterie z. D. Gaede Beisitzer

Generalsekretär Ferdinand Rasch, Berlin Nollendorfplatz 3

Das Grundgesetz vom 26. Oktober 1912 (Auszug) mini|Titelseite, Gordon Bennett Wettbewerbe von Alfred Dierrlamm (1906 bis 1912) § 1 Name und Sitz des Verbandes Der Deutsche Luftfahrer-Verband hat seinen Sitz in Berlin. Er ist in das Vereinsregister des Amtsgerichts Berlin-Mitte eingetragen. § 2 Zweck und Aufgabe des Verbandes l. Der Verband bezweckt das Zusammenfassen und Zusammenwirken aller im Deutschen Reiche in der Luftfahrt tätigen und mit ihr sich beschäftigenden Kräfte und deren einheitliche Vertretung im In- und Auslande. 2. Seine Aufgabe ist die Förderung der Deutschen Luftfahrt auf allen einschlägigen Gebieten, insbesondere der Wissenschaft, Technik, Industrie, des Verkehrs, Sports- und der Luftfahrerfürsorge; namentlich durch: a) Veranstaltung, Leitung oder Unterstützung einheimischer und internationaler Unternehmungen im Bereiche der Luftfahrt, b) Aufstellung und Durchführung einheitlicher Bestimmungen für die Ausübung und die Einrichtungen des Luftsportes, c) Technische Begutachtung von Ballonfüllplätzen, Luftschiffhäfen und Ankerplätzen, sowie Begutachtung und Anerkennung von Flug- und Landungsplätzen, d) Mitarbeit an der rechtlichen Regelung der Luftfahrt und an ihrer Durchführung, e) Werbetätigkeit, f) Unterhaltung eines Archive für Luftfahrt.

Die Abteilungen des Verbandes mini|Mützenkokarde Deutscher Luftfahrer-Verband Freiballonabteilung Vorsitzender: Major von Abercron, Mülheim a. Rhein, Regentenstr. 52. Luftschiffabteilung Vorsitzender: Hauptmann von Kehler, Berlin W, Kleiststr. 8. und Beisitzer Flugzeugabteilung Vorsitzender: J. P. H. de la Croix, Rittergut Haasel bei Linderode (N.-L.(Niederlausitz)) und Beisitzer Wissenschaftliche Abteilung Vorsitzender: Professor Stade, Berlin-Schöneberg, Wartburgstr. 16. und Beisitzer Rechtsabteilung Vorsitzender: Justizrat Niemeyer, Essen, Surmannsgasse 3 und Beisitzer Sprachausschuss (Einheitliche Fachausdrücke im Flugwesen) Vorsitzender: Rektor Prof. Poeschel, Meißen Stellv. Vorsitzender: Prof. Stade, Schöneberg b. Berlin; Dr.-Ing, Bendemann, Lindenberg (Kreis Beeskow), Hauptmann a. D. Dr. Hildebrandt, Berlin, Oberlehrer Dr. Huth, Neukölln, Dr. phil. Nimführ, Wien, Geh. Oberbaurat Dr.-Ing. Dr. phil. Sarrazin, Berlin-Friedenau, Zivilingenieur Ursinus, Frankfurt a. M.