Die Burg Minfeld (englisch Minfeld Castle, französisch Château de Minfeld) ist eine abgegangene Burg in der pfälzischen Gemeinde Minfeld im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Die Lage der Burg ist aufgrund der Straßenbezeichnung „Im Schloßgarten“ am südwestlichen Ortsrand lokalisierbar.

Geschichte Chronologie (Quellen: insbesondere Alle Burgen – Die Burgendatenbank, EBIDAT – Die BurgendatenbankBurg Minfeld in: EBiDAT - Die Burgendatenbank abgerufen am 16. Januar 2024. und KuLaDig Ehemalige Burg Minfeld in KuLaDig (Jürgen Keddigkeit 2024), abgerufen am 19. April 2026). 1345/55 durch die Herren von Lichtenberg erbaut 1355 im Besitz der Leininger Grafen 1378/79 hälftig im Besitz von Kurpfalz und Leiningen 1410 pfälzische Hälfte im Besitz von Zweibrücken-Veldenz 1460 durch Kurfürst Friedrich I. erobert 1461 im Auftrag von Kurfürst Friedrich I. zerstört 1733 Alleinbesitz von Pfalz-Zweibrücken 1735 König Ludwig XV. von Frankreich auf Burg Minfeld 1793 Nutzung als Lazarett 1794 Privatisierung 1835 Abbruch

Historischer Kontext 1346 übergab im Rahmen einer Familienauseinandersetzung Hanemann Herr zu Lichtenberg u. a. das Dorf Minfeld an seinen Sohn Heinrich, der von seinem Oheim, Graf Emich von Leiningen, unterstützt wurde.Urkunde: HStAD Bestand B 2 Nr. 347 (online) abgerufen am 7. Januar 2024 Heinrich von Lichtenberg begann mit der Errichtung des Wasserschlosses. 1355 löste Graf Emich von Leiningen u. a das an die Lichtenberger verpfändete Dorf Minfeld aus.Urkunde: HStAD Bestand B 2 Nr. Nachweis 1355 Juni 25 (online) abgerufen am 7. Januar 2024 1379 erneuerte Pfalzgraf Ruprecht die Belehnung des Grafen Emich von Leiningen mit der Grafschaft Leiningen sowie Guntersblum, Falkenburg und Minfeld.Vermerk: HHStAW Bestand 170 II Nr. 1379 (online) abgerufen am 7. Januar 2024 1388 teilten in einem Fehdebrief zahlreiche Niederadlige, u. a. ein Konrad Schirmer von Minfeld, mit, dass sie dem Grafen Emich von Leiningen helfen wollten, den Heinrich Herrn von Lichtenberg anzugreifen und zu pfänden.HStAD Bestand B 2 Nr. NACHWEIS 1388, März 13 (online) abgerufen am 7. Januar 2024

Ab 1450 flammte ein neuer Streit zwischen den Grafen von Lichtenberg und den Grafen von Leiningen auf, so dass die Grafen von Lichtenberg mehrfach um die „Schirm“ des Pfalzgrafen bei Rhein und Herzogs von Bayern, Friedrich, baten.Vermerk: HStAD Bestand D 21 A Nr. 3/8 (online) abgerufen am 7. Januar 2024 Graf Schoffried (Schaffrit) von Leiningen, Besitzer von Burg Minfeld, war von 1457 bis 1463 Gefangener der Lichtenberger. Eduard Brinckmeier: Genealogische Geschichte des uradeligen, reichsgräflichen und reichsfürstlichen, standesherrlichen, erlauchten Hauses Leiningen und Leiningen-Westerburg. Sattler, Braunschweig 1890, Digitalisat S. 227 (Originalseite 205), abgerufen am 16. Januar 2024

Vor dem Hintergrund des Fürstenkrieges kam es 1460 zur zweiten Fehde des Herzogs Ludwig von Pfalz-Zweibrücken gegen seinen Vetter, den pfälzischen Kurfürsten Friedrich I.Rudolf Haas, Die Pfalz am Rhein – 2000 Jahre Landes-, Kultur-und Wirtschaftsgeschichte, Haas KG, Mannheim 1967 S. 76–78 Die Leininger Grafen unterstützten den Herzog gegen ihren kurpfälzischen Lehnsgeber. Durch die gegenseitigen Übergriffe wurden die Dörfer Meckenheim, das Minfeld benachbarte Kandel sowie Haßloch, Böhl und Iggelheim schwer geschädigt. Nach der entscheidenden Schlacht mit den Truppen des Herzogs und der Leininger Grafen am 4. Juli 1460 bei Pfeddersheim veranlasste der siegreiche Kurfürst am 19. August den Angriff auf die leiningische Burg Haßloch und nach deren Fall den Angriff auf die von Leiningen und Pfalz-Zweibrücken verteidigte Burg Minfeld, die nach vier Tagen übergeben wurde.Christoph Jacob Kremer: Geschichte des Kurfürsten Friedrichs des Ersten von der Pfalz in Sechs Büchern, Akademische Buchhandlung, Mannheim 1766, Digitalisat S. 193, abgerufen am 18. Januar 2024. Der Kurfürst ließ die Burg im Mai 1461 durch den Vogt von Germersheim verbrennen und schleifen.Christoph Jacob Kremer: Geschichte des Kurfürsten Friedrichs des Ersten von der Pfalz in Sechs Büchern, Akademische Buchhandlung, Mannheim 1766, Digitalisat S. 224, abgerufen am 18. Januar 2024.

Vom Liedermacher Michael Beheim wurden ab 1468 in Heidelberg die Vorgänge in der Pfälzischen Reimchronik festgehalten und besungen.Quellen zur Geschichte Friedrich’s des Siegreichen. 2. Michel Beheim und Eikhart Artzt, Franz, München 1863, S. 188 (Originalseite 172, Originalstrophe 986) München, Bayerische Staatsbibliothek -- Hbfo/Bav. 300 E 2540-3, Digitalisat (online) abgerufen am 7. Januar 2024

Die sicherlich beschädigte Burg bestand weiter, allerdings war der in Gefangenschaft der Lichtenberger geratene Graf Schoffried von Leiningen zunächst gezwungen, die Burgen Gutenburg und Minfeld an die Lichtenberger zu übergeben.Zwei Urkunden: HStAD Bestand B 2 Nr. Nachweis 1463 Juni 8 (online 1)(online 2) beide abgerufen am 7. Januar 2024 Nur einen Monat später erwarben Kurfürst Friedrich von der Pfalz und Pfalzgraf Ludwig von Zweibrücken-Veldenz die Anteile an den Burgen Gutenburg und Minfeld von Ludwig Herr von Lichtenberg.Urkunde: HStAD Bestand B 2 Nr. Nachweis 1463 vor August 22 (online) abgerufen am 7. Januar 2024 Graf Schoffried von Leiningen klagte dagegen 1466 erfolgreich vor dem Reichskammergericht.Urkunde: HStAD Bestand B 2 Nachweis 1466 August 14 (Wiener-)Neustadt (online) abgerufen am 7. Januar 2024 1733 ging die erneuerte Burg komplett an das Herzogtum Zweibrücken, wobei die Herrschaft Guttenberg als französisches Lehen an Herzog Christian III. (Pfalz-Zweibrücken) kam. Nach seinem Tod 1735 huldigten die Schultheißen der Herrschaft, darunter auch der Schultheiß von Kandel, im „Schloß Minfeld“ ihrem Oberlehnsherren, König Ludwig XV. von Frankreich. Im Ersten Koalitionskrieg war die Anlage noch soweit intakt, dass sie als Lazarett dienen konnte. Die Burg gelangte schließlich im Zuge der Besetzung der Pfalz durch französische Revolutionsheere 1794 durch Versteigerung in Privatbesitz. Die Reste der Anlage wurden 1835 komplett abgerissen.

Aufbau der Burg

Auf Basis zweier neuzeitlicher Skizzen bestand nach nicht dokumentierten Überbauungen die Wasserburg im 19. Jahrhundert aus einer vierflügeligen Anlage mit Innenhof. Sie war als Annäherungshindernis komplett von einem Graben umgeben, der eine Verbindung mit dem Dierbach aufwies. Die mit neun Rundtürmen, davon vier Ecktürmen und drei Flankierungstürmen ausgestattete Anlage war nur über ein Portal mit Zugbrücke zugänglich. Auf dem Burggelände befanden sich ein Schlossbau, ein Amtshaus, ein Speichergebäude sowie Stallungen. Die Ringmauern dürften wie bei den zeitgenössischen regionalen Wasserburgen Biedesheim und Marientraut Schießscharten aufgewiesen haben.

Literatur Albert Schwarz in: Jürgen Keddigkeit, Alexander Thon und Rolf Übel, Pfälzisches Burgenlexikon III I-N, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, (ohne Ortsangabe) 2005, S. 570–577. ISBN 978-3-927754-54-6 Heinz Liedtke und Fritz Hock (Hrsg.), Das Schloß in: Festschrift zur 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Minfeld. Kandel 1982. Johannes Walter, Beiträge zur Geschichte der Dörfer Minfeld und Freckenfeld.Landau, 1905.

Einzelnachweise

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