hochkant|mini|Das Antiquariat Solder, das in der Reihe Wilsberg heißt.
Wilsberg ist eine deutsche Kriminalfilm-Reihe, die seit 1995 im ZDF ausgestrahlt wird. Sie gehört zum Genre der Kriminalkomödie („Schmunzelkrimis“) und spielt im westfälischen Münster. Gedreht wird dort und in Köln sowie gelegentlich auch in anderen Orten in Nordrhein-Westfalen. Der Protagonist Georg Wilsberg ist ein Antiquar, der aus Geldmangel nebenbei auch Aufträge als Privatdetektiv annimmt. Die Idee und die Figuren stammen von Jürgen Kehrer.
Hauptfiguren Georg Wilsberg hochkant|mini|Leonard Lansink bei Dreharbeiten zu Wilsberg, 2018 Georg Wilsberg ist Namensgeber der Reihe. In der ersten Folge, Und die Toten lässt man ruhen, war er Briefmarkenhändler und wurde von Joachim Król gespielt. Seit der zweiten Folge, In alter Freundschaft, die erst drei Jahre nach der ersten Folge gesendet wurde, ist Wilsberg abweichend von der Romanvorlage Antiquar und wird von Leonard Lansink gespielt.Jürgen Kehrer: Und die Toten lässt man ruhen, Dortmund 1990, S. 7. Früher war er Rechtsanwalt in der Kanzlei Hoppenheit & Partner, in der seine Patentochter Alex Holtkamp in der 21. Folge, Unter Anklage, eine Stelle antritt. Er verlor jedoch seine Zulassung. Seitdem betätigt er sich nebenberuflich als Privatdetektiv.
Wilsberg ist permanent knapp bei Kasse und auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen – zunächst Manni, später Ekki und Alex. Ein Running Gag besteht darin, dass er sich wortlos die Autos seiner Freunde ausleiht, da er selbst keines hat. Er spannt Manni beziehungsweise Ekki und Alex oftmals, auch gegen deren Willen, für seine Ermittlungen ein.
Zudem pflegt er eine eigenartige Freundschaft zur Kommissarin Anna Springer, die er aus seiner Zeit als Rechtsanwalt kennt. Seiner Aussage nach hat er viele Mandanten vertreten, gegen die sie ermittelte. Daraus habe sich „so eine Art Arbeitsgemeinschaft ergeben – Betonung auf gemein“ (Folge 4, Wilsberg und der Mord ohne Leiche, Min. 73). Da Wilsberg bei seiner Ermittlungsarbeit wenig Rücksicht auf Gesetze nimmt und auf der Suche nach Indizien sehr oft in Privatwohnungen eindringt und dort immer mal wieder überrascht wird, bringt er Anna in ein Dilemma: Sie möchte ihn einerseits schützen, ist aber dienstrechtlich dazu verpflichtet, gegen seine Rechtsbrüche vorzugehen.
Für die Drehbücher der Reihe ist festgelegt worden, dass Wilsberg keine feste Beziehung zu einer Frau pflegen darf.Westfälische Nachrichten: , Münster/Gronau, 21. Oktober 2011. Damit hat er, abgesehen von seiner Patentochter, keine Familie. In Folge 25, Das Jubiläum, erfährt er allerdings von einer Jugendfreundin, sie sei von ihm schwanger gewesen, habe das Kind jedoch nach einer Vergewaltigung verloren.
Über die Gründe für den Verlust der Zulassung als Anwalt gibt es widersprüchliche Aussagen. In der ersten Folge, Und die Toten lässt man ruhen, sagt Wilsbergs Auftraggeber: „Sie haben Kommissar Merschmann angezeigt, weil er einen Demonstranten zusammengeschlagen hatte. Aber Merschmann hat sich gerächt und Ihnen die Lizenz entziehen lassen.“ In der dritten Folge, Wilsberg und die Tote im See, erzählt Wilsberg, er habe Geld vom Konto eines Mandanten genommen, um einem korrupten Polizisten eine Falle zu stellen. Die Sache ging schief, die Kollegen des Polizisten vertuschten die Angelegenheit, und er verlor wegen Veruntreuung seine Zulassung. In der 16. Folge, Callgirls, kommt es im Gespräch mit seinem Erzrivalen, dem Anwalt Debelius, zu folgendem Dialog: Debelius sagt, er habe dafür gesorgt, dass Wilsberg die Lizenz verlor, weil er Gelder von Mandanten unterschlagen habe. Wilsberg kontert, er habe nur das Vermögen dieses spielsüchtigen Mandanten zugunsten von dessen Frau und Kindern retten wollen.
Wilsbergs Humpeln ist echt. Der Schauspieler Lansink hat ein geschädigtes Sprunggelenk – verursacht durch einen Reitunfall – und ein künstliches Hüftgelenk.Westfälische Nachrichten: Leonard Lansink wird am Donnerstag 60. Wilsberg in Derricks Fußstapfen, Münster, Martin Kalitschke, 7. Januar 2016.
Manfred Höch hochkant=0.5|mini|„Manni“ (Heinrich Schafmeister), 2018 Manfred Reinhold FerdinandAlex liest die Vornamen in der vierten Folge, Wilsberg und der Mord ohne Leiche, aus Mannis Kfz-Schein vor. Höch („Manni“) ist ehemaliger Klassenkamerad und bester Freund Wilsbergs. Er arbeitete zunächst im münsterschen Rathaus als Beamter in der Abteilung der Stadtplanung im Bauamt und saß zusätzlich im Stadtrat für Bündnis 90/Die Grünen. Wilsberg fuhr grundsätzlich mit Mannis rotem Volvo-Kombi herum. Höch stellt zwar perfektionistische Ansprüche an sich selbst, fällt aber bei Ermittlungen immer wieder auf seine Ungeschicklichkeiten und seinen Mangel an Mut herein und verkörpert daher eher eine Verlierer-Figur. Gespielt wird Manfred Höch von Heinrich Schafmeister.
In der 15. Folge, Ausgegraben, verschwindet Höch wegen einer Versetzung nach Bielefeld aus dem unmittelbaren Wilsberg-Umfeld. Nach Schafmeisters eigenen Angaben waren unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Produktion mit den Verantwortlichen des ZDF der Grund für sein Ausscheiden aus dem festen Ensemble.
Anschließend hat die Figur Manni Höch noch einzelne Gastauftritte: In der 30. Folge, Bullenball, ist ein Bild von Höch in einer Zeitung abgedruckt, worauf Wilsberg ihn im Bauamt Bielefeld anruft. In der 35. Folge, Die Bielefeld-Verschwörung, kommt Höch auf Wilsberg zu, weil ein Indiz eines Einbruchs in sein Büro eine Adresse in Münster enthält. In der 66. Folge, Bielefeld 23, steht Höch als Bielefelder Bauamtsleiter im Verdacht, Drogen zu konsumieren und Bestechungsgelder für ein umstrittenes Bauprojekt angenommen zu haben.
Ekkehardt Talkötter mini|hochkant=0.5|„Ekki“ (Oliver Korittke), 2006 Ekkehardt Talkötter („Ekki“) ist Steuerprüfer beim Finanzamt Münster und seit der 15. Folge, Ausgegraben, dabei, in der er Wilsbergs Finanzen unter die Lupe nehmen soll. Im Verlauf dieser Arbeit beteiligt er sich an Wilsbergs Ermittlungen und tritt Mannis Nachfolge als Wilsbergs bester Freund und unfreiwilliger Autoverleiher an. Von da an ist der anfangs unliebsame Finanzbeamte ins Team aufgenommen und kann Wilsberg oftmals entscheidende Hinweise geben, da er sich beruflich Zugriff auf die Steuerunterlagen von Verdächtigen beschaffen kann. Mit der Zeit entdeckt Ekki seine Leidenschaft für detektivische Ermittlungen, wobei ihm sein Steuerprüfer-Ausweis nützlich ist. Sein Büro liegt im Stadthaus 1.Pressefoto „Stadthaus 1“ der Stadt Münster. In der Zusammenarbeit mit Wilsberg ist Ekki der zaghafte, zurückhaltende Part. Privat ist er meist ungebunden, da seine Beziehungen – oft mit sehr dominanten Frauen – stets nur vorübergehend sind. In der 52. Folge, In Treu und Glauben, steht er allerdings kurz davor, Kerstin Buckebrede zu heiraten, wozu es dann aber doch nicht kommt. In dieser Episode tritt auch Ekkis Ex-Freundin Silke Sestendrup erneut auf (eingeführt in Aus Mangel an Beweisen), die in der 68. Folge, Vaterfreuden, versucht, ihm ihre mittlerweile sechs Jahre alte Tochter als Kuckuckskind unterzuschieben. Gelegentlich zeigt Ekki auch schüchternes Interesse an Alex Holtkamp, die seine Avancen aber ignoriert.
Ekkis Eltern lebten im fiktiven Dorf Horsthausen im Münsterland und wurden von Heinrich Giskes und Brigitte Böttrich dargestellt. Sie traten erstmals in Folge 34, Aus Mangel an Beweisen, in Erscheinung. In Folge 74, Gene lügen nicht, ist Ekkis Mutter bereits verstorben und das Haus seiner Eltern wird von seiner Tante bewohnt. Dass Ekki einen Halbbruder namens Bernhard hat, erfährt Ekki ebenfalls in Folge 74 aus dem Tagebuch seiner Mutter, das er von seiner Tante erhält. Dieser fällt noch in derselben Folge einem Mord zum Opfer. Dargestellt wird Ekki Talkötter von Oliver Korittke.
Alex Holtkamp mini|hochkant=.5|„Alex“ (Ina Paule Klink), 2018 Alexandra Holtkamp („Alex“) ist Wilsbergs Patentochter und Nichte. Sie hat Grundkenntnisse des Russischen, weil sie zunächst drei Semester Slawistik studierte, sich dann aber entschloss, Juristin zu werden (rückblickend erwähnt in der Folge Russisches Roulette). Zum Zeitpunkt ihres ersten Auftretens in der Serie studiert sie Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, hilft dabei in Wilsbergs Antiquariat aus und wird regelmäßig in Wilsbergs Ermittlungen hineingezogen.
Selbst ihr Examen muss sie wegen eines dringenden Wilsberg-Falles „zwischen Tür und Angel“ machen (Folge 18, Tod auf Rezept), anschließend ist sie in der Kanzlei Hoppenheit & Partner angestellt, ihre Büroräume befinden sich am Hafenweg im Münsteraner Hafen. Später hat sie wechselnde Tätigkeiten. Dabei arbeitet sie häufig für zahlungskräftige Geschäftsleute, die in rechtlichen oder moralischen Grauzonen operieren. Nachdem sie sich ihrem jeweiligen Auftraggeber gegenüber zunächst loyal verhält, hilft sie Wilsberg später dabei, unredliche Machenschaften des Klienten zu beenden, auch wenn das den Verlust des Mandats mit sich bringt.
Alex Holtkamp war ab der 4. Folge, Wilsberg und der Mord ohne Leiche, dabei und wurde von Ina Paule Klink gespielt. Im Juni 2020 gab Paule Klink ihren bevorstehenden Ausstieg aus der Reihe bekannt. Die letzte Folge mit Alex Holtkamp, Überwachen und belohnen (71. Episode), wurde im Februar 2021 ausgestrahlt, ohne dass ihr Abschied in der Handlung ausdrücklich thematisiert wurde.
Tessa Tilker mini|Tessas Visitenkarte Die resolute Anwältin war erstmals in der 67. Episode, Wellenbrecher, zu sehen. Nach dem Ausscheiden von Alex Holtkamp wurde sie zur festen Figur in der Serie. Tessa Tilker wird gespielt von Patricia Meeden, die ihren ersten Auftritt als festes Ensemblemitglied in Folge 73, Einer von uns, hatte.
Die Anwältin arbeitet für die internationale Kanzlei Livesey, Trelawney & Gunn. Die Namen der Partner gehen auf Figuren aus Robert Louis Stevensons Roman Die Schatzinsel zurück (original: Treasure Island, erstmals erschienen 1883).
Anna Springer mini|hochkant=.5|„Anna“ (Rita Russek) bei Wilsberg-Dreharbeiten, 2013 Anna Springer ist Hauptkommissarin des Morddezernats Münster und von Anfang an mit Wilsberg befreundet. Meist entdeckt Wilsberg die Verbrechen, die dann beide unabhängig voneinander aufzuklären versuchen. Daher geraten die beiden während ihrer Ermittlungen ständig in Konflikt und teils auch offenen Streit. Die Hassliebe zwischen diesen beiden Charakteren ist ein tragendes Element der Reihe. Oft ist ein von Anna geleiteter Einsatz Wilsbergs letzte Rettung, wenn er sich zu weit vorgewagt hat, umgekehrt bewahrt er sie oft vor Fehlschlüssen, und er gibt ihr meist den entscheidenden Tipp zur Lösung des Falles.
Privat empfindet die ebenfalls alleinstehende Anna große Sympathie für Wilsberg, der sie auch gern hat, weitergehende Gefühle aber zunächst verdrängt. Zum ersten Kuss kommt es in der Folge 25, Das Jubiläum, als sich Anna als Frau Wilsberg ausgibt und unter anderem mit ihm ein Gästezimmer teilt, um am Ort des Jubiläums zu übernachten. Ein weiterer Kuss folgt am Ende der Folge 30, Bullenball. Das nächste Mal küssen sie sich in der 31. Folge, Frischfleisch, dann noch einmal in der 40. Folge, Hengstparade. In der 58. Folge, Morderney, verbringen sie nach der Lösung des Falles noch eine Woche Urlaub miteinander, nachdem Merle ihnen nahegelegt hatte, sich einmal auszusprechen. In den folgenden Episoden ist allerdings keine Weiterentwicklung ihrer Beziehung zu bemerken. Anna Springer wird gespielt von Rita Russek.
Overbeck mini|hochkant=.5|„Overbeck“ (Roland Jankowsky) bei Dreharbeiten zu Wilsberg, 2018