mini|280px|Plan Campus Bolligenstrasse

Als Campus Bolligenstrasse wird heute ein Gelände bezeichnet, wo sich viele Einrichtungen des Universitären Psychiatrischen Zentrums Bern (UPZ) befinden (bis 30. Juni 2026 Universitäre Psychiatrische Dienste Bern UPD, durch Fusion danach umbenannt).

Er hat eine lange historische Tradition bezogen auf Medizin bzw. Psychiatrie: Ab 1491 wurden im Ausserkrankenhaus an schweren ansteckenden Krankheiten erkrankte Personen aufgenommen. Das Gelände lag ursprünglich vor den Toren Berns, wurde Breitfeld genannt und befand sich in der Kirchgemeinde Ostermundigen. 1746 kamen psychisch Erkrankte dazu: Zunächst im «Tollhaus», ab 1855 in der neuen «Irren- Heil- und Pflegeanstalt Waldau».

Die Namensgebung Waldau erfolgte 1852 durch den Präsidenten der Baukommission und erstem Direktor der 1855 eingeweihten „Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau“, Albrecht Tribolet. Das Gelände Neuhaus liegt im Nordosten und dort entwickelte sich die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Der Name «Waldau» dürfte bis heute der bekannteste und verbreitetste sein und er wurde für das Gelände wie auch die Einrichtung verwendet. Das Berner gebräuchliche Quartier Waldau umfasst das grösste Gebiet des heutigen Campus auf dem Gebiet der Stadt Bern – ausser Neuhaus, dem Hauptteil der Gärtnerei und dem Grünthalhaus. Dies gehört heute geografisch zu Ittigen.

Ausbaupläne

Im Januar 2023 wurde der Bericht des Beurteilungsgremiums «Städtebauliche Ideen- und Projektstudie im selektiven Verfahren nach SIA-Ordnung 143» vorgelegt, der Ideenstudien und Projektbeschriebe vorstellt. Das Beurteilungsgremium empfahl, den Zuschlag für die Erarbeitung des Masterplans Campus Bolligenstrasse unter der Federführung von Kast Kaeppeli Architekten GmbH, Bern/Basel zu vergeben, deren Ideenstudie in der Phase 1 favorisiert wurde. Es empfahlauch einstimmig, den Zuschlag zur Planung und Ausführung des Neubaus KJP an das Planungsteam unter der Federführung von ARGE Co. Architekten AG/GWJ Architektur AG, Bern gemäss den Ausschreibungsbedingungen zu vergeben.Bericht des Beurteilungsgremiums Städtebauliche Ideen- und Projektstudie im selektiven Verfahren nach SIA-Ordnung 143 vom Januar 2023 auf und.ch Im Geschäftsbericht 2025 der UPD wurde die Infrastrukturentwicklung in einen neuen strategischen Zusammenhang gestellt. Nach der vom Regierungsrat beschlossenen Fusion von UPD und Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) sollen die Standorte Bern und Münsingen zunächst weitergeführt werden. Langfristig wird jedoch geprüft, ob der Betrieb auf dem heutigen UPD-Gelände Waldau/Bolligenstrasse oder auf dem PZM-Gelände in Münsingen konzentriert und weiterentwickelt werden.Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (UPD): Geschäftsbericht 2025, Abschnitt „Gemeinsame Infrastrukturstrategie der UPD und PZM“, S. 12.

Baugeschichte

Die Chronik des Campus Bolligenstrasse ist von einem stetigen Wandel geprägt. Gebäude wurden er- und umgebaut, erneuert und wiederholt erweitert. Die Entwicklung der Psychiatrie und die Ansprüche jeder Epoche beeinflussten Architektur und Infrastruktur der Bauten. Von der Isolierung und Internierung über die wohnliche Lebensgemeinschaft in der Anstalt, bis zur heutigen gemeindenahen Psychiatrie: Jedes Gebäude erzählt einen Teil der psychiatrischen Geschichte. Alle historisch entstandenen Gebäude gibt es heute noch – ausser dem Pächterhaus Rörswil. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick. auf upd.chGeschichte der UPD auf upd.chBauinventar Waldau Bern auf bauinv.bern.chSituationsplan Bolligenstrasse 2021Areal Waldau Nutzung der Gebäude UF hauswirtschaftbern.ch

Strassen und Hausnummern wurden mit map.bern.ch der Stadt Bern ermittelt bzw. abgeglichenStadtplan auf map.bern.ch Unten Luftbild (ohne Hausnummern), Parzellen oder Stadtplan (mit Hausnummern) anklicken

Bauzeit bzw. Eröffnung Namen und Umbenennungen Liste der KulturgüterBild1491Siechenhaus vom Obstberg hierhin verlegt, 1598–1599 Neu- oder Umbau zum Siechen- und Blatternhaus, 1761–1765 erneuter Umbau zum «Curhaus», 1784 aufgestockt, 1831–1834 erneut aufgestockt, Kurhaus für Hautkranke.in KGS-Nr.: 00663Bauinventar Bolligenstr. 135 135a, Siechenhaus Bolligenstrasse 135, 135a100px1491–1501Bau der Siechenkapelle, 1682 Umbau nach einem Brand, 1972–73 Restaurierung unter der Leitung der kantonalen Denkmalpflegein KGS-Nr.: 00663Lokales ObjektBauinventar Bolligenstr. 131, KapelleBolligenstrasse 131100px1598–1599Bau des Siechenschlösslis, Wohnhaus des Siechenmeisters als Vorsteher des Ausserkrankenhausesin KGS-Nr.: 00663Bauinventar Bolligenstr. 133, Siechenschlössli Bolligenstrasse 133100px1716Das Pächterhaus Rörswil wurde 1716 als Hochstudhaus erbaut. Die letzten Nutzer waren eine im Landwirtschaftsbetrieb der UPD tätige Bauernfamilie sowie eine achtköpfige klinikinterne Wohngemeinschaft (Trainings-Wohngruppe) mit ihren Betreuern. Es wurde 1987 bis 1988 aufwändig saniert.Pächterhaus Rörswil Baudirektion des Kantons Bern Kantonales Hochbauamt 3/89 (als PDF). Es existiert heute nicht mehr und soll abgebrannt sein.1742–1743Kornhaus, 1872–1873 Umbau des Kornhauses zum Wohnhaus des Ausserkrankenhaus-Vorstehers, ab 1895 Wohnsitz des Verwalters der WaldauLokales ObjektBauinventar Bolligenstr. 129, Kornhaus Bolligenstrasse 129100px1746–1748Bau des Tollhauses auf Beschluss des Berner Rates von 1730, 1749 Eröffnung, 1768–70 Erweiterung des Tollhauses um zwei Seitenflügel mit je 12 Zellen, 1784–1785 Verlängerung der Flügel um je 6 Zellen, 1830 Änderung der Bezeichnung zu Irrenanstalt. 1899–1901 Aufstockung der alten Irrenanstalt um ein Stockwerk, Erweiterung der Seitenflügel, heute Althaus 1983–85 Sanierung des Althauses, das vollständig ausgekernt, neu eingerichtet und durch einen Verbindungsgang mit dem Wirtschaftsgebäude verbunden wurde. Heute Notfallzentrum und Jugendstationen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Lokales ObjektBauinventar Bolligenstr 141, TollhausBolligenstrasse 141 100px1756–1765Bau des Blatternspitals, ein Ratsbeschluss vom 8. Mai 1765 vereinigte das Siechen, das Blattern- und das Tollhaus und gibt dieser Stiftung den Namen "Ausserkrankenhaus"Berthold Weber: Historisch-Topografisches Lexikon der Stadt Bern Schriften der Berner Burgerbibliothek. Bern 1976 heute Pfründerhaus, Renovierung und 1993 Eröffnung des Psychiatrie-Museums Bern im Pfründerhaus.Lokales ObjektBauinventar Bolligenstr. 127 127a, PfründerhausBolligenstrasse 127100px1762–1764 Bau des Küherstöcklis als Wasch- und Backhaus, 1892–93 Umbau zum Leichenhaus mit Sektionsraum (Prosektur) 1936 Einrichtung des Hirnanatomischen Instituts im ehemaligen Küherstöckli unter Ernst Grünthal (1894–1972).Lokales ObjektBauinventar Bolligenstr. 133A, Wasch- und OfenhausBolligenstrasse 133a100px1829Althaus-Stöckli Wohnstock, Renovierung 1983–1985. Heute Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Direktor und KlinikleitungLokales ObjektBauinventar Bolligenstr. 141c, WohnstockBolligenstrasse 141c100px1850–1855Bau des Hauptgebäudes der «Irren- Heil- und Pflegeanstalt Waldau», 1852 Namensgebung Waldau durch Präsidenten der Baukommission und erstem Direktor Albrecht Tribolet. Einweihung am 18. November 1855 (heute der Zentralbau), 1884 Übergabe an den Kanton unter dem Namen «Bernische kantonale Irrenanstalt Waldau». 1935–1938 Mehrere Umbauarbeiten: Aufstockung der beiden Nordflügel und weitere Modernisierungen, 1967 Auf Beschluss des Regierungsrates Namensänderung der bisherigen «Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Waldau» in «Psychiatrische Universitätsklinik Bern» (PUK), 1977–1979 Sanierung des Zentralbaus mit grundlegendem Umbau und Abbruch der Innenhöfe zum Schermenwald hin. KGS-Nr.: 08998,Bauinventar Bolligenstr. 117, ZentralbauBolligenstrasse 117100px1911–1913Bau des «Neubaus», seit 1935 «Klinik» genannt, heute Alte KlinikLokales ObjektBauinventar Bolligenstr, 115, Alte KlinikBolligenstrasse 115100px1937 Eröffnung der Kantonalen Kinderbeobachtungsstation Neuhaus.Fredi Lerch:Neuhaus: Ist’s die Seele, der Körper oder das Milieu? Journal B vom 3. September 2022 Das gesamte Gelände ist denkmalpflegerisch als "Baugruppe D" in Ostermundigen eingeordnet ("Neuhus").Bauinventar online auf denkmalpflege.apps.be.ch1741Neuhaus, Unteres Haus, Erbauung 1741, Zollstätte und Wirtshaus (ca. 1500–1843/1861) 1936–1937 umgebaut, hier wurde die kantonale Kinderbeobachtungsstation 1937 eröffnet, heute Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Baugruppe D, OstermundigenOstermundigen, Untere Zollgasse 99 auf Denkmalpflege-apps.be.chUntere Zollgasse 99100pxNeuhaus, Oberes Haus. Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und PsychotherapieUntere Zollgasse 99c100px1972–2001Neuhaus, Schulhaus (Richard Trede Schulhaus) Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Baugruppe D OstermundigenOstermundigen Untere Zollgasse 99d Schulanlage auf Denkmalpflege.apps.be.chUntere Zollgasse 99d100pxNeuhaus, Turnhalle Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und PsychotherapieUntere Zollgasse 99a100px1956–1958Bau des Laborgebäudes mit mehreren Laboren.Universitäre Psychiatrische Dienste Bern, Alte Klinik Um- und Ergänzungsbau für die Forensische Psychiatrie Umbauten für die Therapeutischen Dienste S. 25Bolligenstrasse 117y100px1967Personalhaus A, heute Kindertagesstätte Sterntaler.keine EinstufungBauinventar Bolligenstr. 143, 143 A, B, Personalhäuser Bolligenstrasse 143b100px1967Personalhaus B, heute Verwaltung (u. a. Human Resources der UPD)keine Einstufung Bolligenstrasse 143b100px1967Personalhaus C, heute Kinder- und Jugendforensik, Therapiebereiche und Personalwohnungen.keine Einstufung Bolligenstrasse 143100px1968Grünthalhaus neu erbaut, 2000 wird im Grünthalhaus eine Tagesklinik mit 15 Plätzen für Kinder im Alter zwischen 7 und 12 Jahren eröffnetBolligenstrasse 71100px1970–1971Bau der neuen GärtnereiUntere Zollgasse 75 100px1971–1973Bau des Wirtschaftsgebäudes mit unterirdischen Verbindungsgängen zu Zentralbau (ehemals Hauptgebäude), Alter Klinik, Aufnahmeklinik, Laborgebäude und seit 1985 zum Althauskeine EinstufungBauinventar Bolligenstr, 119, WirtschaftsgebäudeBolligenstrasse 119100px1973–1975Bau der Aufnahmeklinikkeine EinstufungBauinventar Bolligenstr. 111, AufnahmeklinikBolligenstrasse 111 100px2004auf Initiative des damaligen Malermeisters Otto Frick entstand die Kunstwerkstatt Waldau als Verein, um Psychiatriepatienten mit kunsttherapeutischer Erfahrung nach der Entlassung eine weitere Betätigung dank den zur Verfügung gestellten Ateliers zu ermöglichen.Bolligenstrasse 123c100px2011Eröffnung Forensisch-psychiatrische Spezialstation EtoineUniversitäre Psychiatrische Dienste Bern, Alte Klinik Um- und Ergänzungsbau für die Forensische Psychiatrie Umbauten für die Therapeutischen Dienste S. 9Bolligenstrasse 115e100px2020Werkstatt Holzplatz, Werkstätten Bern des Zentrums Psychiatrische Rehabilitation, 2020 neu aufgebaut, nachdem 2010 ein Brand das alte Gebäude zerstört hat. Bolligenstrasse 123f100px1983/2003MinigolfplatzBolligenstrasse 113100pxTierpark100pxSpielplatz100px

Kunstwerke und Brunnen

Auf dem Gelände des Campus, das in einer Parklandschaft liegt, sind zahlreiche Kunstwerke und Brunnen vorhanden:

Objekt Künstler BildBetonplastik FlügelstielWalter Kretz (1977)100pxSteininstallation RückgratUeli Berger (1988)100pxEisenplastik SilberschwanBernhard Luginbühl (1981)100pxEisenplastik in Erinnerung an Philippe Saxer (1965–2013) von Christoph Obrist u. Perida Gerber 2015. Schenkung an das Psychiatrie Museum Bern.100px Zementgitter vor der Alten Klinik100pxAlte Stele bei der Aufnahmeklinik100pxDoppelbrunnen Ost Zentralgebäude Waldau 100px100pxDoppelbrunnen West Zentralgebäude Waldau100pxHofbrunnen Zentralgebäude Waldau100pxZierbrunnen Zentralgebäude Waldau100pxZierbrunnen Pfründerhaus100px

Weblinks

Wikidata:

Einzelnachweise

Bern Bern Kategorie:Krankenhausbau in Bern Kategorie:Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton Bern