Die Golar Freeze ist eine Floating Storage and Regasification Unit (FSRU). Sie wurde auf der deutschen Howaldtswerke-Deutsche Werft gebaut, dort 1977 getauft und war anschließend über 32 Jahre als regulärer Flüssiggastanker im Einsatz. Zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung war sie sowohl eines der weltweit größten Erdgas-Tankschiffe als auch eines der teuersten Handelsschiffe überhaupt. Die Umrüstung zur FSRU erfolgte über die Jahreswende 2009/10.

Nach einem Eigentümerwechsel fährt das Schiff seit 2022 unter dem neuen Namen Energos Freeze.

Beschreibung Die Golar Freeze hat eine Länge über alles von 287,5 Metern, eine Breite von 43,4 Metern, misst 95.879 BRZ und hat einen Tiefgang von elf Metern. Angetrieben von einer Dampfturbine mit einer Maschinenleistung von 40.000 Shaft Horse Power (= 29.420 kW) erreicht sie eine Geschwindigkeit von 20 Knoten (= 37,04 km/h).British Motorship. Band 58, 1977, Seite 89.

Sie war das erste bei HDW gebaute Schiff, nachdem man von der norwegischen Moss-Rosenberg Verft eine Lizenz zur Konstruktion von Kugeltanks nach dem sogenannten Moss-Rosenberg-System erworben hatte. Die Golar Freeze ist mit fünf identischen, nach diesem System konstruiertenZosen. Band 28, 1983, Seite 38.HDW deliver the „Golar Freeze“. In: Shipbuilding & Marine Engineering International. Band 100, 1977, Seite 80. Kugeltanks ausgestattet – gefertigt aus einer Aluminiumlegierung und mit einem Durchmesser von jeweils 36,5 Metern – und fasst insgesamt 125.862 Kubikmeter Flüssigerdgas (en.: liquefied natural gas; LNG). In jedem Tank wurden zwei Fracht-Tauchpumpen installiert, die jeweils 1100 Kubikmeter Gas pro Stunde fördern können. Im Idealfall konnte das Laden so in elfeinhalb Stunden abgeschlossen sein. Gemessen am Fassungsvermögen war die Golar Freeze zum Zeitpunkt der Indienststellung zusammen mit der nahezu baugleichen Höegh Gandria eines der weltweit größten Erdgas-Tankschiffe.Ernest Mandel; Winfried Wolf: Ende der Krise oder Krise ohne Ende? Bilanz der Weltwirtschaftsrezession und der Krise in der Bundesrepublik. In der Reihe: „Politik“, Band 78. Verlag Klaus Wagenbach, 1977, ISBN 978-3-8031-1078-7, Seite 28.

Die Kegelkupplung zwischen Ruder und Ruderschaft wurde als keilloser und hydraulisch montierter Presssitz ausgeführt. Dieses Verfahren wurde in Zusammenarbeit mit dem Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer bei HDW erstmals für die Ruderschaftmontage angewandt.Hansa – Zentralorgan für Schiffahrt, Schiffbau, Hafen. Band 115, 1978, Seite 402.

Historie Bau mini|Die Golar Freeze am 16. Juli 1976 während der Überführung vom Baudock zum Ausrüstungspier. mini|Die Taufe der Golar Freeze am 21. Januar 1977 in Kiel. Im Mai 1973 erhielt die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel seitens der norwegischen Reederei Gotaas-Larsen (später Golar LNG Limited) den Konstruktionsauftrag für die Golar Freeze,Seewirtschaft. Band 9, 1977, Seite 352. womit diese das erste auf deutschem Boden gebaute LNG-Tankschiff überhaupt wurde. Die Bauzeit sollte letztendlich etwa 14 Monate betragen. Am 16. Juli 1976 wurde das Schiff vom Baudock an den Ausrüstungspier geschlepptRainer Rieken: Und meistens glücklich. Erinnerungen an und um die Waffenschmiede in Kiel-Holtenau aus fast 75 Jahren im Jahre 2022. Neobooks, E-Book, 2022. und am 21. Januar 1977 erfolgte die Taufe, wofür eigens Gäste aus Japan und Indonesien angereist waren. Nachdem sie am 25. Februar 1977 an ihren Eigner – die Golar Gas Operations Inc. mit Sitz in der liberianischen Hauptstadt MonroviaHansa – Zentralorgan für Schiffahrt, Schiffbau, Hafen. Band 115, 1978, Seite 393. – übergeben worden war, stationierte man die Golar Freeze kurzzeitig am Terminal von Canvey Island in der Themsemündung, wo im März 1977 noch einige Tests zum Herunterkühlen des Gases durchgeführt wurden.Shipbuilding & Marine Engineering International. Band 100, 1977, Seite 235.

Während die Golar Freeze in zeitgenössischen Fachpublikationen als „Spitzenerzeugnis des internationalen Schiffbaus“Marine-Rundschau. Band 74, 1977, Seite 110. gepriesen wurde, variieren die Angaben zu den Baukosten erheblich: Mancherorts ist von 150 Mio. D-Mark die Rede und an anderer Stelle werden rund 280 Mio. D-Mark genannt. Mit letzterem Wert wäre sie doppelt so teuer gewesen wie das größte bis dahin je gebaute Rohöl-Tankschiff der Welt und zusammen mit dem Schwesterschiff Höegh Gandria das „teuerste Handelsschiff, das je eine deutsche Werft [bis dahin] ablieferte“. Ohne Zweifel war sie „eines der weltweit teuersten Schiffe“.Houston Journal of International Law. Band 3, 1980, Seite 78.

Das teilweise parallel gebaute Schwesterschiff Höegh Gandria wurde im Oktober 1977 an die Höegh-Reederei ausgeliefert. Beide Schiffe unterscheiden sich lediglich hinsichtlich der Inneneinrichtung.

Betrieb als Tanker Der Betriebsstart der Golar Freeze verlief vergleichsweise holprig, was vor allem daran lag, dass für sie – anders als für viele andere Schiffe – zum Zeitpunkt der Übergabe kein langfristiges Verwendungsverhältnis existierte.Tanker & Bulker Maritime Management. 1978, Seite 13. Gotaas-Larsen war jedoch sehr erfolgreich darin, immer wieder kurzfristige Engagements in diesem äußerst schwierigen Schiffsmarkt zu finden. Zunächst kam sie im März 1977 im Rahmen einer sechsmonatigen und maximal dreimal verlängerbaren Zeitcharter zur britischen Reederei Burmah Tankers (Burmah Oil) und sollte im Handelsverkehr zwischen der Verflüssigungsanlage der PT Badak NGL in Bontang auf der indonesischen Insel Borneo und Japan eingesetzt werden, der im August begann.Forbes. Band 120, 1977, Seite 14. Dabei war sie eines von zwei Ersatzschiffen, die das staatseigene indonesische Erdöl- und Erdgasunternehmen Pertamina für den Fall angeworben hatte, dass die eigentlich für den Betrieb geplanten Schiffe bei der US-amerikanischen Werft General Dynamics nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnten.Hands Across the Sea. The Story of Indonesian LNG. 1985, Seiten 77 & 146.Fairplay International Shipping Weekly. Band 265, 1978, Seite 73. Im Juni 1977 platzte jedoch ein Handelsgeschäft in den Vereinigten Staaten, an dem auch Burmah Tankers beteiligt gewesen wäre. Die Reederei erhielt daraufhin stattdessen zwei Schiffe aus diesem Vertrag. Damit bestand für die Golar Freeze kein Bedarf mehr, woraufhin sie sechs Monate ungenutzt in Norwegen ankerte. Offenbar kam sie einige Monate später aber doch für mehrere Fahrten auf der geplanten Strecke zum Einsatz.Hansa. wöchentlich erscheinendes Zentralorgan für Schiffahrt, Schiffbau, Hafen. Band 115, 1978, Seite 406.

Im Jahr 1978 bediente die Golar Freeze im Rahmen einer neunmonatigen Charter die Route von Algerien zum Cove Point Terminal im US-Bundesstaat Maryland. Ab September 1983 wurde das Schiff auf der Strecke zwischen Indonesien und Südkorea eingesetztSeatrade. Band 14, 1984, Seite 1. und zwischen 1984 und 1996 bediente es im Rahmen eines langfristigen Vertrages die Strecke von Abu Dhabi nach Japan.Seatrade. Band 14, 1984, Seite 27.

Umbau zur FSRU und weiterer Einsatz Bereits 2004 wurde in Fachkreisen spekuliert, dass die damals 27 Jahre alte und im Mittleren Osten in einem Trockendock liegende Golar Freeze ein Kandidat für einen Umbau zu einer Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) sein könnte.Ships Monthly. Band 39, 2004, Seite 45.

Am 21. April 2008 wurde bekannt, dass Golar LNG Limited einen Zehnjahresvertrag in Höhe von insgesamt 450 Millionen US-Dollar über die Charter einer FSRU mit der Dubai Supply Authority (DUSUP) abgeschlossen hat.Robert Tuttle; Anthony DiPaola; Ayesha Daya: „Dubai prepares to receive first LNG from Qatar“. Am 8. September 2010 auf arabianbusiness.com. Abgerufen am 4. Januar 2024.Lucy Hine: „Golar Freeze goes into Singapore yard for FSRU makeover“. Am 18. September 2009 auf upstreamonline.com. Abgerufen am 4. Januar 2024.„Golar LNG won $450 mln contract in Dubai“. Am 21. April 2008 auf reuters.com. Abgerufen am 4. Januar 2024. Für das Projekt vorgesehen war die Golar Freeze, die daraufhin zwischen September 2009 und März 2010 auf der Keppel-Werft in Singapur entsprechend umgerüstet wurde (bei Bedarf kann sie aber weiterhin als normaler LNG-Tanker eingesetzt werden). Anschließend war sie ab 2011 im Hafen Dschabal Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert und nahm dort im Rahmen eines vom Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell plc unterstützten Importprojektes Flüssigerdgas aus Katar in Empfang. Der Chartervertrag war ursprünglich bis Mai 2020 datiert, bot jedoch die Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung um fünf Jahre. Im Jahr 2011 verkaufte die Reederei Golar LNG Limited die FSRU an die Golar LNG Partners L.P. (GMLP) – einen 2007 gegründeten, vollständig im eigenen Besitz befindlichen und als Master Limited Partnership organisierten Pure Player für den Flüssigerdgashandel. Diese Transaktion war im Oktober 2011 abgeschlossen.„Bermuda: Golar LNG Completes Sale of FSRU Golar Freeze“. Am 20. Oktober 2011 auf offshore-energy.biz. Abgerufen am 4. Januar 2024. Als die Golar Freeze nach einigen Jahren in den Emiraten nicht mehr in voller Kapazität genutzt wurde, einigte man sich im Juli 2017 auf eine Verkürzung der Vertragslaufzeit um ein Jahr, die daraufhin schon 2019 endete.