mini|Leopold Wilhelm von DobschützDas Originalgemälde hing einst in der Gedenkhalle zu Dennewitz und ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen. Die hier abgebildete, erst um 1960 gefertigte Kopie befand sich in Familienbesitz und wurde am 29. April 2024 der Lutherstadt Wittenberg übereignet, wo das Gemälde seitdem in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung zu besichtigen ist. mini|Das Wappen der (Weigel’sches Wappenbuch von 1734, handkoloriert) Leopold Wilhelm von Dobschütz (* 1. Januar 1763 in Brieg, Niederschlesien; † 3. Februar 1836 auf Gut Zölling, Kreis Freystadt, zuvor Kreis Sagan, Niederschlesien)Bayreuther Zeitung vom 3. März 1836 Digitalisat war preußischer General der Kavallerie. In den Befreiungskriegen von der französischen Vorherrschaft unter Napoleon Bonaparte erwarb er sich die Ehrentitel „Held von Dennewitz“ und „Befreier Wittenbergs“. Später wurde er Militärgouverneur der Rheinprovinzen und von Breslau.
Dobschütz war Gutsherr auf Zölling, das seine Frau geerbt hatte, und auf den Gütern Ober- und Nieder-Briesnitz sowie Schönbrunn, alle im Landkreis Sagan gelegen.
Zu seinem Geburtsjahr gibt es verschiedene Angaben: Am glaubhaftesten ist das durch die Grabsteininschrift und die „Rangliste der Königlich Preußischen Armee für das Jahr 1801“ belegte Jahr 1763. Im Trauschein von 1787 ist sein Alter mit 28 Jahren angegeben, wonach er schon 1759 geboren wäre. In anderen Quellen findet man die Jahreszahlen 1761 und 1764.
Familie Er entstammte dem alten schlesischen Adelsgeschlecht von Dobschütz. Über die Eltern des Generals ist allerdings nichts Konkretes bekannt. Seine Mutter soll eine geborene von Dobschütz gewesen sein, sein Vater „Zivilstaatsdiener“ zu Brieg. Da einerseits (fast) jedes Detail seiner militärischen Karriere bekannt ist, es andererseits aber selbst in amtlichen Dokumenten keinen einzigen Hinweis auf seine Eltern bzw. seine Herkunft gibt, darf über eine illegitime Abstammung (was damals nicht ungewöhnlich gewesen wäre) zumindest spekuliert werden.
Am 27. November 1787 heiratete der nur 24-jährige Sekondeleutnant auf Gut Zölling die erst 17-jährige Henriette von Braun (* 1770 wohl auf Gut Zölling; † 5. April 1854 in Glogau, Niederschlesien), die älteste Tochter des Hans Carl Christoph von Braun, Erbherr auf den Gütern Zölling und Girbichsdorf, und der Maria Sophia von Lehwald. Die Ehe blieb kinderlos. Allerdings war ein Neffe der Ehefrau, Friedrich Heinrich Konrad Viktor von Lützow (1818–1831), in Pflege genommen worden.
Militärischer Werdegang Ausbildung Nach dem Besuch des Gymnasiums in Brieg (erwähnt 1776) begann Dobschütz schon als 14-Jähriger seine militärische Laufbahn am 10. Mai 1777 als Junker im Dragoner-Regiment Nr.11 (v. Mitzlaff, später v. Bosse, v. Voss), wurde am 26. Dezember 1778 zum Fähnrich befördert und nahm noch 1778–1779 am Bayerischen Erbfolgekrieg teil mit anschließender Garnison in Sagan. Am 24. August 1785 wurde er zum Sekondeleutnant in seinem Dragoner-Regiment (v. Bosse) befördert.
Im Juli 1786 kam Peter von Biron, Herzog von Kurland und seit 1786 auch Herzog von Sagan, in die Garnisonsstadt. Im Juli-Heft der „Schlesischen Provinzialblätter“ war darüber zu lesen: „Gegen 6 Uhr wurden auf dem Schultheater im Schloß von den Herren Offiziers die Drillinge aufgeführt. Herr Lieutenant von Dobschütz dirigierte das Ganze und spielte die Hauptrolle mit vielem Beyfall. Se. Durchlaucht beehrten ihn mit einer goldenen Medaille, 12 Dukaten schwer.“
Erster Koalitionskrieg Am 30. Mai 1791 wurde er Premierleutnant und am 13. Januar 1793 zum Stabskapitän (Hauptmann) befördert. Anschließend nahm er 1793–1795 am Ersten Koalitionskrieg gegen die Franzosen (Schlacht bei Pirmasens und Kaiserslautern, Gefecht bei Trippstadt) teil. Während dieser Zeit wurde er am 20. November 1794 zum Major befördert – noch immer im Dragoner-Regiment Nr.11 (v. Voss).
Garnison in Grünberg 1795 stand er in Garnison in Grünberg. Dort urteilte sein Kommandeur, der Generalmajor Ludwig Ernst von Voß, 1798 über ihn: „… ein guter StabsOffizier, dem es an militärischen Kenntnissen nicht fehlt, sich bemüht mehrere zu erlangen, vor dem Feind brav, er zu empfehlen ist.“ Wohl auch daraufhin wurde Dobschütz am 14. März 1799 zum Chef der 4. Eskadron ernannt. Während dieser Zeit ließ er in Grünberg zweimal wöchentlich eine stärkende Rumfordsuppe an Soldatenkinder und Arme ausgeben. Hierzu schrieben die Schlesischen Provinzialblätter am 18. Februar 1804: „Der Herr Major von Dobschütz, der durch Beyhülfe milder Beyträge sich schon immer mehrmalen rühmlichst ausgezeichnet hat, ist der erste freywillige Wohlthäter dieser Anstalt geworden. Er lässt ebenfalls diese Suppe auf seine Kosten zubereiten.“ Bereits am 24. Juli 1798 war ihm die Anwartschaft auf ein Kanonikat beim Stift St. Nikolai zu Magdeburg durch König Friedrich Wilhelm III. verliehen worden.
Dritter und Vierter Koalitionskrieg Am 5. Juni 1805 erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant, am 15. Juni 1806 bereits zum Oberst. Im selben Jahr nahm er am Schlesischen Feldzug teil, wo er in französische Gefangenschaft geriet. Am 13. März 1807 vom König bereits „zur Auswechslung notiert“ (im Feldzug 1807 wurden häufiger kriegsgefangene preußische und französische Offiziere gegeneinander ausgewechselt), leitete er nach dem Frieden von Tilsit (9. Juli 1807) als Oberst den Austausch der Kriegsgefangenen. Mit Schreiben vom 20. Dezember 1808 bat Dobschütz den König um Wiedereinstellung in den aktiven Dienst in der Armee, doch er erhielt am 24. Februar 1809 dessen endgültige Absage.
Zivilleben Daraufhin zog sich Dobschütz widerwillig ins Zivilleben auf sein Gut Zölling zurück und bildete einen Kreis gleichgesinnter Patrioten um sich. Im Januar 1810 bat Dobschütz den König nochmals um Reaktivierung, erhielt aber mit Schreiben vom 28. Februar wieder dessen Absage – allerdings mit der Zusage zur Zahlung des halben Gehalts. Ab 1. November 1812 wurde ihm interimistisch das Amt des Landrats seines heimatlichen Landkreises Sagan übertragen. In diesen Jahren seines Zivilstandes ersuchte er den König mehrmals schriftlich, aber immer wieder vergeblich um Wiederaufnahme in die Armee.
Sechster Koalitionskrieg und Befreiungskriege mini|Fahne des Saganer Landwehr-Bataillons unter General von Dobschütz Mit Beginn der Befreiungskriege bat er noch am Tag der preußischen Kriegserklärung an Frankreich (16. März 1813) um sofortige Wiederaufnahme in den Militärdienst. Diesmal wurde seinem Gesuch am 1. April stattgegeben und Oberst von Dobschütz ab Mai zum Präses des Organisationskomitees zur Errichtung der schlesischen Landwehren ernannt.
Am 6. Mai 1813 wurde Dobschütz Divisions-Chef der 2. Division der schlesischen Landwehr der Kreise Glogau, Sagan, Sprottau, Schwiebus und Grünberg. Nachdem er am 23. Mai den Befehl erhalten hatte, mit dieser Einheit – in welchem organisatorischen Zustand auch immer sie sei – Crossen zu besetzen, begann er am 24. Mai mit dem Marsch. Am 27. Mai behauptete er den Oder-Übergang bei Crossen – einen für die Schlesische Armee und die Deckung Berlins wichtigen Posten – gegen die Übermacht der Franzosen unter Marschall Claude-Victor Perrin gen. Victor. Dobschütz täuschte eine militärische Stärke vor, die es nicht gab: Von 4 ½ Bataillonen und 5 Eskadronen war die Infanterie nur mangelhaft, die Kavallerie und Geschütze ohne jede Munition.
Am 4. August 1813 übernahm Dobschütz mit Beförderung zum Generalmajor als Befehlshaber das zum IV. Armeekorps („von Tauentzien“) gehörende Reservekorps. In dieser Funktion hatte Dobschütz an den Siegen der Koalition in mehreren Schlachten u. a. in Brandenburg bei Großbeeren, Zahna (4. September 1813), Jüterbog und Dennewitz (6. September 1813) sowie Großenhain (Sachsen) und Dessau (Sachsen-Anhalt) größten Anteil, weshalb er später auch „Held von Dennewitz“ genannt wurde. So besiegte er z. B. am 19. September 1813 bei Mühlberg an der Elbe (Brandenburg) die französische Übermacht: Mit einer Eskadron schwarzer Husaren, zwei Eskadronen Pommerscher Landwehr und mit zwei „Pulks“ (= Regimenter) Kosaken, letztere unter Oberst Ilowaisky, nahm er drei französische Regimenter Chasseurs à Cheval mit ihrem Befehlshaber Oberst Graf Edmond de Talleyrand-Périgord gefangen. Nach nur kurzer Abkommandierung nach Berlin begann er bereits am 22. Oktober 1813 mit der Belagerung von Wittenberg, das von den Franzosen unter General Jean François Cornu de Lapoype gehalten wurde. Aber erst in der Nacht vom 12. zum 13. Januar 1814 gelang um 2 Uhr die Einnahme dieser wichtigen Festung, weshalb Dobschütz zuvor schon am 20. November 1813 aus Langeweile den König um Ablösung gebeten hatte.
Nach der Eroberung Wittenbergs war er Befehlshaber des Blockade-Korps der Zitadelle von Erfurt und nach deren Übernahme am 16. Mai 1814 Kommandant von Erfurt.
Am 19. Oktober 1814 wurde Dobschütz zum Militär-Kommandanten im Königreich Sachsen während der preußischen Okkupation mit Sitz in Dresden ernannt. Hier ließ er per Dekret das Tabakrauchen in der Stadt verbieten.
Jahre als Militärgouverneur mini|Brief des Gouverneurs von Dobschütz an Oberstleutnant von Boyen, neuer Kommandant der Festung Jülich(Brief vom 11. Oktober 1815) Nach dem Pariser Frieden wurde er am 3. April 1815 zum Brigade-Chef der Reserve-Kavallerie beim 3. Armee-Korps (von Thielmann) ernannt und am 8. April 1815 Militärgouverneur der jetzt zu Preußen gehörenden Rheinprovinzen in Aachen, am 22. Juni Kommandierender General am Rhein und am 3. Oktober Chef der 1. Brigade in Koblenz. Ab 25. Oktober 1816 war Dobschütz Brigade-Chef in Glogau. Erst am 20. November zog Dobschütz nach Glogau um – mit einem Geldgeschenk des Königs von 300 Talern. Am 30. März 1817 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant (Patent vom 6. April 1817) und zum Kommandeur der 12. Division. In diesem Jahr erwarb er in seinem Heimatlandkreis Sagan die Güter Ober- und Nieder-Briesnitz sowie Schönbrunn. Bereits 1819 befand sich Dobschütz in relativ schlechtem Gesundheitszustand und erkrankte schließlich 1821 schwer. Im Sommer 1822 hatte er eine Dienstwohnung im Glogauer Schloss (Protokoll der Sitzung des preußischen Staatsministeriums vom 12. Juni 1822). Im Sommer 1825 wurde er Stellvertreter von Friedrich Erhardt von Röder, des Kommandierenden Generals des V. Armee-Korps in Posen. Am 18. Juni 1825 wurde General von Dobschütz schließlich Gouverneur der schlesischen Haupt- und Residenzstadt Breslau.Brief des Königs Friedrich Wilhelm III. vom 29. Juni 1825 an den „Gouverneur der Residenz Breslau“ in Familienbesitz Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich wieder und besserte sich auch 1826 nicht. Kavallerie-General Hans Ernst Karl Graf von Zieten (1770–1848) notierte deshalb am 27. November 1826 in Breslau: „Obzwar derselbe sehr kränklich ist, so hat er dennoch in den Gouvernements-Geschäften sehr zweckmäßige Anordnungen getroffen.“
Am 10. Mai 1827 feierte Dobschütz sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Hierzu gratulierte König Friedrich Wilhelm III. schon mit Schreiben vom 30. April 1827: „Indem ich Ihnen Meine besondere Teilnahme an diesem glücklichen und seltenen Ereignisse hiermit zu erkennen gebe, nehme ich zugleich diese Veranlassung wahr, Ihnen als ein Anerkenntnis Meiner Zufriedenheit mit Ihren Diensten und als ein Andenken jenes Tages beikommende 3 Porzellan Vasen zu verehren. Es soll mich freuen, wenn Sie noch lange im Stande sind, dem Staate treu zu dienen und sich dadurch einen neuen Anspruch auf mein Wohlwollen erwerben.“ (Lit.: Priesdorff)
Ruhestand mini|General von Dobschütz (links) 1832 in Bad Teplitz im Gespräch mit Generalleutnant von Witzleben (Mitte) und Marquis Nicolas-Joseph Maison (rechts)(Ausschnitt einer Lithografie von Theodor Hosemann)