mini|Volksrepublik China und Republik China mit kontrollierten Gebieten Die chinesisch-taiwanischen Beziehungen sind das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan). Überschattet wird dieses von Streitigkeiten über den politischen Status Taiwans (Taiwan-Konflikt). Die Trennung Taiwans von Festlandchina ist ein Erbe des Chinesischen Bürgerkriegs, als die Kommunistische Partei Chinas 1949 das Kuomintang-Regime der Republik China stürzte, welche sich infolge nach Taiwan zurückzog. Anfangs erhoben beide Staaten den Alleinvertretungsanspruch für ganz China. Seit der Demokratisierung Taiwans Ende der 1980er Jahre hat sich die Frage nach dem politischen und rechtlichen Status Taiwans auf die Wahl zwischen einer politischen Vereinigung mit dem chinesischen Mutterland oder der rechtlichen Unabhängigkeit Taiwans verlagert. Die VR China lehnt jede formale Unabhängigkeitserklärung ab und hält ihren Anspruch auf Taiwan aufrecht, welches ihrer Ansicht nach weiterhin eine Provinz Chinas ist. Trotz des ungelösten Konflikts haben beide Seiten ab den 1990ern enge wirtschaftliche Beziehungen etabliert mit großen Investitionen taiwanischer Unternehmen auf dem Festland. Eine politische Annäherung beider Regierungen unter der Amtszeit des taiwanischen Präsidenten Ma Ying-jeou (2008–2016) endete abrupt mit der Wahl einer Regierung der Demokratischen Fortschrittspartei in der Republik China. Daraufhin hat die Volksrepublik Taiwan mit der gewaltsamen Eroberung gedroht und seine militärischen Aktivitäten in der Taiwanstraße verstärkt.

Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Signifikanz Taiwans haben die chinesisch-taiwanischen Beziehungen auch große internationale Bedeutung. Ein bewaffneter Konflikt in der Taiwanstraße gilt als großes Risiko für die Weltwirtschaft. Aufgrund der engen Partnerschaft Taiwans mit den USA beeinflusst das Verhältnis auch die sino-amerikanischen Beziehungen.

Geschichte Vorgeschichte mini|Karte von 1885, die Taiwan als Teil der Provinz Fujian zeigt Taiwan wurde von austronesischen und polynesischen Völkern bewohnt, welche von der Insel aus ab ca. 3000 v. Chr. das insulare Südostasien und den Pazifik bis Hawaii besiedelten. Von den Han-Chinesen unterschieden sich die indigenen Völker Taiwans ethnisch und sprachlich deutlich. Die frühe Geschichte der Beziehungen zwischen China und Taiwan beinhaltete den Austausch von Kultur, Waren und Technologie. Die Kaiser von China sahen die ansässige Bevölkerung als tributpflichtig gegenüber den verschiedenen chinesischen Reichen an. Allerdings hat sich keine chinesische Dynastie Taiwan vor der Neuzeit formell einverleibt. Im 16. und 17. Jahrhundert erregte Taiwan die Aufmerksamkeit portugiesischer, dann niederländischer und spanischer Entdecker, die die Insel als Handelsstützpunkt nutzten. Nach der Gründung ihrer ersten Siedlung in Taiwan im Jahr 1624 wurden die Niederländer 1662 von Koxinga, einem Loyalisten der Ming-Dynastie, besiegt. Er gründete das Königreich Tungning im Südosten der Insel, den ersten Han-chinesischen Staat auf Taiwan. Koxingas Erben nutzten Taiwan als Stützpunkt für Überfälle auf das chinesische Festland gegen die Qing-Dynastie der Mandschu, bevor sie 1683 von Qing-Truppen besiegt wurden. Taiwan wurde 1684 in die Provinz Fujian eingegliedert und damit formell Teil des Kaiserreich China. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb die Einwanderung von Han-Chinesen auf die Insel begrenzt. Danach machte die verstärkte Zuwanderung von Chinesen vom Festland die Ureinwohner zu einer zunehmend marginalisierten Minderheit. 1885 wurde Taiwan schließlich zur eigenen Provinz Taiwan und administrativ von Fujian auf dem chinesischen Festland getrennt.

Taiwan unter japanischer Herrschaft Die Chinesen verstärkten gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre Bemühungen um die Modernisierung der Insel, da auch andere Mächte die strategisch günstig gelegene Insel ins Visier nahmen. Nach der Niederlage der Qing im ersten Chinesisch-Japanischen Krieg (1894–1895) musste China mit dem Vertrag von Shimonoseki Taiwan an das Kaiserreich Japan abtreten. Prochinesische Kräfte in Taiwan riefen nach dem Abzug chinesischer Streitkräfte die kurzlebige Republik Formosa aus, die von den Japanern zerschlagen wurde. Durch die für China demütigende Abgabe der Insel trennte sich die Entwicklungsgeschichte beider Gebiete und Taiwan verblieb für die nächsten 50 Jahre unter japanischer Herrschaft. Die Japaner versuchten auf Taiwan eine „Musterkolonie“ zu errichten und beuteten die natürlichen Ressourcen der Insel aus. Japanische Kultur und Sprache wurden gefördert und die chinesische Identität unterdrückt. Durch die beschleunigte Industrialisierung und Modernisierung der Insel blieb die japanische Herrschaft aber in der späteren Geschichtsschreibung nicht so negativ in Erinnerung wie z. B. die japanischer Herrschaft in Korea, was die engen japanisch-taiwanischen Beziehungen nach 1950 begünstigte.

Chinesischer Bürgerkrieg und Teilung Chinas alternativtext=Offizielles Porträt Chiang Kai-shek|mini|Chiang Kai-shek (1945) Die Qing-Dynastie zeigte sich unfähig, den machtpolitischen Niedergang Chinas aufzuhalten und 1912 wurde von Sun Yat-sen die Republik China ausgerufen, mit der das über zweitausendjährige Kaiserreich endete. Die neue Republik zeigte sich jedoch unfähig, eine stabile Herrschaft über das gesamte Staatsgebiet Chinas auszuüben und große Teile des Landes wurden von regionalen Warlords kontrolliert. 1927 begann der chinesische Bürgerkrieg zwischen der nationalistischen Kuomintang und der Kommunistischen Partei Chinas. Im Rahmen der japanischen Aggression gegen China bildeten beide Seiten eine instabile Einheitsfront gegen die Japaner. Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 erlangte China wieder die Kontrolle über Taiwan zurück. Die Wiedereingliederung Taiwans führte jedoch zu Konflikten zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Festlandchinesen. Beim Zwischenfall vom 28. Februar 1947 kamen bis zu 28.000 Zivilisten auf Taiwan bei antikommunistischen Massakern ums Leben. Auslöser dafür war ein Aufstand geben die korrupte Herrschaft der Kuomintang-Regierung. Der Aufstand wurde brutal vom chinesischen Militär niedergeschlagen.

Die Niederlage Japans und der Rückzug der Japaner aus China führte zu einem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs zwischen Nationalisten und Kommunisten im Land. 1949 konnten die Kommunisten schließlich den Bürgerkrieg gewinnen und Kommunistenführer Mao Zedong rief am 1. Oktober die Volksrepublik China aus. Infolgedessen floh Nationalistenführer Chiang Kai-shek und die Regierung der Republik China mitsamt großer Teile der Kuomintang-Armee nach Taiwan. Etwa 1,5 bis 2 Millionen chinesische Flüchtlinge flohen mit der Kuomintang nach Taiwan, zusätzlich zu der bestehenden Bevölkerung von etwa 6 Millionen. Chiang Kai-shek bildete auf Taiwan eine Regierung, die sich als Fortführung der Republik China und einzige legitime Regierung Gesamtchinas ansah. Er rief das Kriegsrecht aus und regierte autoritär. Die Insel sollte dabei lediglich als vorübergehende Basis für die Rückeroberung des Festlands dienen. Die Volksrepublik sah die Insel dagegen als Teil des eigenen Staatsgebiets an. Dieser Zustand bildete die Grundlage für den anhaltenden Taiwan-Konflikt.

Nach 1949 Erste Taiwanstraßenkrise mini|Evakuierung der Dachen-Inseln durch Streitkräfte der Republik China (1955) Obwohl Kommunistenführer Mao noch 1936 auf eine chinesische Herrschaft über Taiwan verzichtet hatte, war der anhaltende Fortbestand der Republik China eine nicht zu tolerierende Bedrohung für sein Regime, weshalb er Pläne für die Eroberung der Insel ausarbeiten ließ. Die USA waren zuerst sogar bereit gewesen, die Chinesen die Taiwanstraße überqueren zu lassen. Der Beginn des Koreakriegs im Juni 1950 veränderte allerdings die Situation und Chiang Kai-shek wurde zu einem wichtigen Verbündeten der Amerikaner in Asien. Die Amerikaner entsendeten deshalb die US Navy in die Taiwanstraße, weshalb die Chinesen ihre geplante Invasion Taiwans abblasen mussten und die Truppen stattdessen nach Korea entsendeten. Nach dem Abzug der US Navy nach dem Ende des Koreakriegs begann die Volksrepublik im September 1954, die vor der Küste Fujians liegenden Kinmen und Matsu-Inseln zu bombardieren, die von der Republik China kontrolliert wurden. Daraufhin entsendeten die Amerikaner erneut ihre Kriegsflotte nach Taiwan und unterzeichneten mit der Republik China ein Verteidigungsabkommen. Unter Präsident Dwight D. Eisenhower wurde die Formosa-Resolution verabschiedet, mit der die USA sich verpflichteten, Taiwan zu verteidigen. 1955 musste sich die Republik China allerdings von den Dachen-Inseln zurückziehen, die nicht mehr gehalten werden konnten. Die erste Taiwanstraßenkrise konnte schließlich durch Gespräche zwischen Chinesen und Amerikanern im September 1955 beigelegt werden.

Zweite Taiwanstraßenkrise und anhaltende Scharmützel Die zweite Taiwanstraßenkrise begann am 23. August 1958 mit Luft- und Seegefechten zwischen den Streitkräften der VR China und der Republik China, die zu intensivem Artilleriebeschuss von Kinmen (durch die VR China) und Xiamen (durch die Republik China) führten, und endete im November desselben Jahres. Nach den 1950er Jahren wurde der Krieg mehr symbolisch als real ausgetragen, indem immer wieder Artilleriebeschuss von und auf Kinmen stattfand, wobei beide Seiten sich darauf verständigten, diesen nur an bestimmten Tagen durchzuführen. In späteren Jahren wurden die Granaten durch Propagandablätter ersetzt. Ein in den 1960er Jahren ausgearbeiteter Plan der Republik China zur Rückeroberung des chinesischen Festlands erwies sich als nicht umsetzbar und wurden von den USA nicht unterstützt. Sporadische Scharmützel zwischen den Streitkräften Taiwans und der Volksbefreiungsarmee hielten allerdings bis in die 1970er Jahre an. Ein offizieller Friedensvertrag zwischen beiden Seiten wurde (bis heute) nicht unterzeichnet.

Verlust der internationalen Anerkennung Taiwans mini|Forderung nach der UN-Mitgliedschaft Taiwans am Gebäude des Hauptbahnhof Taipeh Obwohl die Regierung der Republik China ihre Ambitionen zur Rückeroberung des Festlands aufgeben musste, unterdrückte sie jegliche eigenständige taiwanische Identität und sah sich weiterhin als Vertreter des gesamten chinesischen Volkes (Alleinvertretungsanspruch). Sie wurde dabei von zahlreichen Ländern diplomatisch anerkannt und hatte bis 1971 den chinesischen Sitz im UN-Sicherheitsrat inne. Dies änderte sich schließlich mit der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung vom 25. Oktober 1971, ⁣mit der die Volksrepublik den UN-Sitz der Republik übernahm und Taiwan aus der UN ausgeschlossen wurde. Ein weiterer schwerer Rückschlag stellte die Anerkennung der Volksrepublik durch die USA 1979 dar, welche in der Folge die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan einstellten. Die USA unterhielten jedoch auch danach inoffizielle Kontakte mit der Republik China, sprachen sich gegen eine gewaltsame Änderung des Status quo in der Taiwanstraße aus und verabschiedeten den Taiwan Relations Act.

Chinesisch-taiwanische Annäherung