mini|Lage zwischen Verdun und den Argonnen, 7. September 1914 Die Erste Schlacht in den Argonnen vom 6. bis 12. September 1914 spielte sich im Ersten Weltkrieg an der Westfront ab, sie fand gleichzeitig mit der Schlacht an der Marne statt. Der hochliegende Argonnen-Wald bot für den taktischen Verteidigungskampf große Vorteile. Durch die Annäherung der deutschen Truppen, welche einerseits im Westen die Argonnen durchschritten und anderseits im Osten in der Woëvre-Ebene vorrückten, war der vorspringende französische Festungsraum Verdun kurzfristig von der Abschneidung bedroht. Im Westen öffnete sich nach dem Durchgang der Argonnen eine Ebene, das Aire-Tal, das direkt nach Bar-le-Duc führt. Bar-le-Duc und Saint-Mihiel liegen etwa auf derselben Höhe geographischer Breite, wodurch die deutsche 5. Armee zu Beginn der Schlacht eingeladen war, an diesen beiden Punkten anzusetzen und den Durchbruch zu erzwingen. Es gelang der französischen 4. und 3. Armee in Abstimmung mit der allgemeinen Gegenoffensive an der Marne die deutsche 4. Armee über Vitry und die deutsche 5. Armee auf die Argonnen nach Norden zurückzudrängen und damit das wichtige nationale Bollwerk Verdun vor dem deutschen Zugriff zu sichern.

Vorgeschichte Seit dem 25. August war die Truppenzahl der Franzosen am östlichen Flügel in Lothringen und im Elsass zugunsten der sich im Raum östlich von Paris abzeichnenden Hauptschlacht reduziert worden: das 7. Corps und die 63. Reserve-Division (von der Armée d’Alsace); die 8., 10. Division und ein Teil der 2. Kavalleriedivision; Teile des 9. Corps; schließlich auch das 21. Corps wurden zuerst abtransportiert. Das 4. Corps war im Begriff, nach Paris abtransportiert zu werden, und sollte bald an der Schlacht am Ourcq teilnehmen.

Als General Maurice Sarrail am 30. August den Oberbefehl über die französische 3. Armee von General Pierre Ruffey übernahm, war diese bereits stark geschwächt und ein Torso neu zusammengewürfelter Verbände. Die 42. Division (bisher beim 6. Corps) war zur neu begründeten 9. Armee abgegeben worden, zwei weitere Divisionen und eine Brigade waren nach der Niederlage in der Schlacht bei Longwy völlig aufgelöst. Es blieben General Sarrail nur das 5. und 6. Corps sowie die 3. Gruppe der Reservedivisionen (67., 75. und 65.), die selbständige 72. Reserve-Division, die Teil der Garnison von Verdun war und die 7. Kavalleriedivision.

Lage bei der deutschen 5. Armee Anfang September verfolgte der linke Flügel der deutschen 4. Armee die Franzosen über Buzancy auf Sommerance, rechts davon schwenkte die Mitte der deutschen 5. Armee nach Süden in die Argonnen ein. Der Rückzug der französischen 4. Armee in Richtung auf Vouziers, erfolgte südlich des Ornain und östlich von Vitry. Die französische 3. Armee, die vergeblich eine Barriere zwischen den Argonnen und der Maas aufzubauen versuchte, musste sich auf Bar-le-Duc zurückziehen. Der Rückzug des französischen 5. Korps erfolgte über Gesnes und Cierges in den Raum nördlich von Montfaucon, während das 6. Korps bei Malancourt und Esnes Kontakt zur Garnison von Verdun hielt. General Sarrail musste auch die bisher erfolgreichen taktischen Gegenangriffe der 65., 67. und 75. Reserve-Division einstellen und dirigierte diese Einheiten an die Maas in den Raum südlich von Verdun. Die Vorhut der deutschen 5. Armee traf westlich und östlich Montfaucon auf die französischen Positionen, die sofort vom VI. Reserve-Korps und dem XVI. Armee-Korps angegriffen wurden. Die rückwärtigen Verbindungen gegenüber dem Festungsbereich von Verdun wurden vom deutschen V. Reserve-Korps, der Raum östlich der Festung vom V. Armee-Korps (General der Infanterie Hermann von Strantz) und der Hauptreserve von Metz bedroht.

Nachdem das deutsche VI. Armee-Korps am Abend des 4. September Sainte-Menehould durchquert hatte, nahm es die Straße nach Saint-Mard-sur-le-Mont als Marschachse nach Süden. Am rechten Flügel marschierte die 11. Division nach Sommeilles, während der linke die 12. Division auf Laheycourt und Villotte vorging. Man griff auf Vaubecourt an, ein Wald zwischen der Ferme Merchines und Villotte verhinderte den direkten Zugang nach Osten nach Lisle-en-Barrois. General Sarrail hatte hier vorsorglich die 7. Kavalleriedivision (General d’Urbal) verschoben. Es war bereits zu beobachten, dass sich dadurch vor Lisle-en-Barrois zwischen dem deutschen XIII. und VI. Korps-Korps eine Frontlücke auftat.

Beteiligte Streitkräfte Deutsche 4. Armee, Herzog Albrecht von Württemberg mini|Herzog Albrecht von Württemberg VIII. Reserve-Korps, Gen. d. Inf. Wilhelm von und zu Egloffstein: 15. Reserve-Division – Gen.Lt. Eberhard von Kurowski, 16. Reserve-Division – Gen.Lt. Wilhelm Mootz XVIII. Armee-Korps, Gen. d. Inf. Dedo von Schenk: 21. Infanterie-Division – Gen.Maj. Ernst von Oven, 25. Infanterie-Division – Gen.Maj. Viktor Kühne IV. Kavallerie-Korps, Gen Lt. Gustav von Hollen: 3. Kavallerie-Division – Gen.Maj. Kurt von Unger, 6. Kavallerie-Division – Gen Lt. Egon von Schmettow XVIII. Reserve-Korps, General d. Inf. Kuno von Steuben: 21. Reserve-Division – Gen Lt. Hermann von Rampacher, 25. Reserve-Division – Gen Lt. Alexander Torgany

Deutsche 5. Armee, Kronprinz Wilhelm von Preußen mini|Kronprinz Wilhelm von Preußen VI. Armee-Korps, Gen. d. Inf. Kurt von Pritzelwitz: 11. Infanterie-Division – Gen Lt. Richard von Webern, 12. Infanterie-Division – Gen Lt. Martin Chales de Beaulieu XIII. Armee-Korps, Gen. d. Inf. Max von Fabeck: 26. Infanterie-Division – Gen Lt. Wilhelm von Urach, 27. Infanterie-Division – Gen Lt. Franz von Pfeil u. Klein-Ellguth XVI. Armee-Korps, Gen. d. Inf. Bruno von Mudra: 33. Infanterie-Division – Gen Lt. Franz von Reitzenstein, 34. Infanterie-Division – Gen Lt. Walter von Heinemann VI. Reserve-Korps, Gen. d. Inf. Konrad Ernst von Goßler: 11. Reserve-Division – Generalmajor Karl von Surén, 12. Reserve-Division – Generalleutnant Hinko von Lüttwitz

Französische 4. Armee, General Fernand Langle de Cary mini|Général de Langle de Cary (1922) 21. Corps (Epinal), General Émile Legrand-Girarde, ab 12. September General Paul Maistre – 13. Division: General Louis Baquet, 43. Division: General Pierre Lanquetot Kolonial-Corps (Paris), General Jules Lefèvre – 2. Kolonial-Division: General Paul Leblois, 3. Kolonial-Division: General Charles Leblond, ab 2. 9: Georges Goullet 2. Corps (Amiens), General Augustin Gérard – 3. Division: General Émilien Victor Cordonnier, 4. Division: General Charles Rabier

Französische 3. Armee, General Maurice Sarrail mini|hochkant|Maurice Sarrail

15. Corps (Marseille), General Louis Espinasse – 29. Division: General Jean Baptiste Carbillet, 30. Division: General François Léon Colle 5. Corps (Orléans), General Frédéric Henry Micheler – 9. Division: General Émile Martin, 10. Division: General Charles Auguste Roques, ab 6. September General Gossart (interim), ab 17. September Henri Gouraud 7. Kavallerie-Division: General Victor d’Urbal 6. Corps (Châlons-sur-Marne), General Martial Justin Verraux – 12. Division: General Frédéric-Georges Herr, 40. Division: General Marie Gaston Leconte, 54. Reserve-Division, General Jules Alphonse Chailley 3. Reservegruppe (General Paul Durand) – 65. Reserve-Division, General Brice Adrien Bizot, 67. Reserve-Division, General Henry Marabail, 75. Reserve-Division, General Charles Henri Vimard

Festungsbereich Verdun – Gouverneur General Henri Michel Coutanceau 72. Reserve-Division: General Jules Heyman 2. Kavallerie-Division: General Jean-Marie Varin

Bedeutung der Festung Verdun und von Fort Troyon General Henri Coutanceau, der Gouverneur von Verdun, hatte am 24. August seine Positionen zwischen Haudiomont und Ornes nach Osten ausgerichtet, eine Abwehrstellung mit drei Regimentern (164., 165., 166.), zehn Batterien und etwa 700 Geschützen eingenommen. Coutanceau hatte die 72. Reserve-Division (143. und 144. Brigade mit jeweils drei Regimentern) unterstellt bekommen, die aber General Ruffey bald für die Schlacht von Virton in seine Schlachtfront einreihte. Am 24. August hatte auch die neu gebildete Armée de Lorraine (General Maunoury) die Reserve-Regimenter für die Schlacht bei Étain unter sein Kommando gestellt. Dem Gouverneur von Verdun standen danach nur noch 13 Territorialbataillone für 41 Kilometer Front zur Verfügung. Ein deutscher Versuch, Verdun Ende August von Westen her durch Überfall zu nehmen, wurde trotz dieser günstigen Bedingungen nicht unternommen, weil hierzu die verbliebenen Kräfte nicht ausreichten. Da Verdun direkt vom Hauptquartier abhängig war, waren Coutanceau und Heyman, der Gouverneur und der Divisionär, nicht der 3. Armee unterstellt; aber sie haben mit Sarrail immer effektiv zusammengearbeitet.

Der französische Oberbefehlshaber Joseph Joffre befahl am 2. September General Sarrail, den Gouverneur von Verdun die aktiven Regimenter des Platzes und die 72. Reserve-Division wieder zur Verfügung zu stellen, um schließlich die Garnison um eine weitere Reservebrigade (die 108. der 54. Reserve-Division) zu verstärken. Die Festung Verdun war von einer neuen Demonstration der deutschen Truppen ab 4. September weder überrascht noch eingeschüchtert. General Coutanceaus Kanonen beherrschten aus ihrem Sektor Haudiomont die Umgegend. Der deutsche Kronprinz sah sich genötigt, vor der lang ausgedehnten Festungsfront erhebliche Truppen (V. A.K., Korps Oven, Landwehr) zur Überwachung zu belassen.

Die Festung Troyon lag südlich davon an der Maas, an einer der Ecken des verschanzten Lagers von Verdun. Das Fort krönte einen kahlen Bergrücken (Hügel 244) und bot einen Blick über die gesamten südlichen Argonnen. Nach Norden beherrschte es einerseits die Zugänge zur Brücke bei Lacroix-sur-Meuse und nach Westen den Durchgang des Aire-Tales bei Spada. Dort befand sich die Schwelle, deren Besitz es ermöglichte, von Lisle-en-Barrois über Pierrefitte in die Woëvre zu gelangen und damit den ganzen im Norden vorspringenden Festungsbereich abzuschneiden.

Die Rolle der französischen 3. Armee Eine der heikelsten Aufgaben, mit denen General Joffre seine Armeen betraute, fiel der 3. Armee zu. Ihre Front bildete einen eisernen Knoten, der alle Ketten der französischen Verteidigung am Frontpfeiler Verdun zusammenfasste. Um die Verbindung der beiden Flügel der Gesamtfront zu gewährleisten, war die Situation der französischen 3. Armee derart bestellt, dass sie im Bereich der östlichen Festungen manövrieren musste und auch gezwungen war, im schwierigen Gelände der Argonnen zu operieren. Ohne den Kontakt zu Verdun zu verlieren, etablierte sich die 3. Armee in Beauzée-sur-Aire und Vaubecourt und besetzte so diese flankierende Position, die sowohl dem Willen des Obergenerals als auch der besonderen Vorstellung von General Sarrail entsprach. Weil die deutsche 5. Armee nicht allzu scharf nachsetzte konnte sich die 3. Armee bis zum Abend des 5. September in die folgende Linie zurückgehen: Die 7. Kavalleriedivision, welche für die Verbindung mit der 4. Armee verantwortlich war, operierte in der Region Laimont. Zu ihrer Rechten hielt sich das 5. Corps mit der 10. und 9. Division an einer Linie von Noyers über Laheycourt-Louppy-Villotte bis zur Isle-en-Barrois, die Nachhut stand noch bei Triaucourt, Vaubécourt und Beauzée-sur-Aire. Nördlich davon anschließend hielten die Truppen des 6. Corps mit der 12. und 40. Division die Linie Saint-André-Rambercourt-Hargeville. Zum Schutz des westlichen Vorfeldes der Festung Verdun lagerten die 54. und 65. Reserve-Division um Souilly. Im Süden war das 5. Corps vom 2. Corps, das bei Cheminon stand, durch eine etwa zwanzig Kilometer breite Frontlücke getrennt, die nur von der 7. Kavallerie-Division gedeckt wurde. Im Osten trennte die 3. Armee auf einer Entfernung von fast 40 Kilometern von der 2. Armee des General de Castelnau. Das Hauptquartier der 3. Armee befand sich am Beginn der Schlacht in Ligny-en-Barrois.

Schlacht an der Frontlücke von Revigny Bataille de la trouée de Revigny