Das Manifest der 343 () ist eine am 5. April 1971 im linksliberalen französischen Wochenmagazin Le Nouvel Observateur erschienene und von der prominenten Feministin Simone de Beauvoir verfasste Petition, die zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich aufrief. Auf der Titelseite des Magazins war zu lesen: „Die Liste der 343 französischen Frauen, die den Mut haben, das Manifest ‚Ich habe abgetrieben‘ zu unterschreiben“. Die Unterzeichnerinnen setzten sich damit der Strafverfolgung aus, mit möglichen Strafen bis hin zu Freiheitsstrafen.

Das Manifest ebnete den Weg für die knapp vier Jahre später erfolgte Verabschiedung des „Veil-Gesetzes“, das Abtreibung in Frankreich entkriminalisierte.

Text mini|Simone de Beauvoir im Jahr 1967 Der von Simone de Beauvoir verfasste Text beginnt wie folgt (mit Übersetzung):

Darauf folgen die 343 Unterschriften, insbesondere von Prominenten.

Simone Iff, die damalige Vizepräsidentin der französischen Bewegung für Familienplanung (der MFPF, „Mouvement français pour le Planning familial“, ist Mitglied der International Planned Parenthood Federation), mobilisierte aktiv auf persönlicher Ebene, um möglichst viele Unterschriften von Prominenten zu erhalten, auch wenn sie selbst nicht unterschrieb.

Auswirkungen In der Woche nach der Veröffentlichung des Manifests war auf der Titelseite der Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 12. April 1971 eine Karikatur mit der Frage „Wer hat die 343 Schlampen des Abtreibungsmanifests geschwängert?“ (französisch: „Qui a engrossé les 343 salopes du manifeste sur l'avortement?“) zu sehen. Diese Karikatur gab dem Manifest den bekannten und oft für den Originaltitel gehaltenen Titel als „manifeste des 343 salopes“.

Das Manifest der 343 Frauen ist ein bemerkenswertes Beispiel für zivilen Ungehorsam in Frankreich. Keine der Unterzeichnerinnen wurde strafrechtlich verfolgt.

Das Manifest trug, ebenso wie der Prozess von Bobigny und der Gründung und Mobilisierung des Mouvement pour la liberté de l'avortement et de la contraception im Jahr 1973, zur Verabschiedung des am 17. Januar 1975 verkündeten Veil-Gesetzes bei, das den Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zehn Schwangerschaftswochen entkriminalisierte. Dies entspricht zwölf Wochen Amenorrhoe, eine Frist, die mit einer Gesetzesreform von 2001 auf 14 Wochen Amenorrhoe erhöht wurde.

Reaktion in Deutschland Als Reaktion auf das Manifest der 343 war auf der Titelseite des Stern am 6. Juni 1971 zu lesen: „Wir haben abgetrieben!“. Hierbei bekannten 374 Frauen öffentlich, ihre Schwangerschaft abgebrochen zu haben. Die Aktion wurde von Alice Schwarzer initiiert und unter anderem von Prominenten wie Romy Schneider, Senta Berger, Sabine Sinjen, Vera Tschechowa, Gisela Elsner und Veruschka von Lehndorff unterzeichnet.

Liste ausgewählter Unterzeichnerinnen Viele der unterzeichnenden Frauen waren nicht prominent. Es gibt eine Reihe von Persönlichkeiten der damaligen Zeit, die ebenfalls das Risiko eingingen, ihre Karriere und ihren Ruf zu verlieren (Gisèle Halimi, Simone de Beauvoir, Jeanne Moreau, Catherine Deneuve, Catherine Deudon, Agnès Varda, Annie Zelensky usw.). Einige Frauen wie Annie Ernaux erklärten später die Gründe, aus denen sie sich nicht öffentlich bekennen konnten. Sie trieb im Jahr 1964 ab. Zum Zeitpunkt des Manifests war sie mit einem leitenden Angestellten verheiratet; „öffentlich zu erklären, abgetrieben zu haben, hätte wie eine Bombe gewirkt“.

Einzelnachweise

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